Frage von TobiSuperior, 79

Kann ich einer Freundin überhaupt helfen, wenn sie sich wegen ihrem Selbsthass nicht therapieren lassen will und rationale Argumente nicht angenommen werden?

Eine Freundin, 21 Jahre alt, hasst sich selbst bzw. ihr Leben. Sie sagt: Sie sei ein Nichtsnutz, ein Versager. Sie geht davon aus, dass es unmöglich sei sie zu lieben, die ganze Welt würde sie hassen. Zusätzlich ritzt sie sich am Oberschenkel. Sie sagt, ihr einziger Grund zu leben ist ihr kleiner Bruder (14), auf den sie aufpasst. Ich kenne ihre Eltern nicht, aber sie meint, sie würden sich nicht um die beiden kümmern.

In Therapie will sie nicht, weil sie meint, sie habe keine Zeit und keine Kraft dazu.

Ich studiere zwar Psychologie, kann und darf aber natürlich keinen Therapeuten ersetzen. Meine Versuche, ihre Überzeugungen über sich infrage zu stellen entgegnet sie mit Widerstand. Rationale Argumente helfen nicht. Auch der sokratische Dialog bringt keine Besserung.

Ich schätze, ihr Selbsthass ist das Ergebnis der katastrophalen Beziehung zwischen ihr und ihren Eltern (Introjektbildung).

Kann ich noch was für sie tun? Soll ich noch was für sie tun? Wäre sie überhaupt therapiefähig, wenn sie sich nicht ändern will (obwohl sie offensichtlich leidet)?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Buddhishi, Community-Experte für Psychologie, 42

Hallo TobiSuperior,

da gibt es mehrere Möglichkeiten: Wenn sie sagt, für eine Therapie keine Zeit zu haben, stellt sich die Frage, ob der Leidensdruck groß genug ist. Sonst wäre das keine Frage der Zeit und sie würde Hilfe dankbar annehmen.

Ich weiß nicht, inwieweit Du mit Borderline vertraut bist, aber es kann durchaus sein - auch wenn sich das jetzt brutal anhört - dass es um sich um das Heischen um Aufmerksamkeit dreht oder der sekundäre Krankheitsgewinn so groß ist, dass eine Therapieanstrengung für sie kontraproduktiv wäre.

Eine schwierige Situation für Dich, aber ich denke, Du hast alles nur Mögliche versucht. Ich wüßte keinen Weg mehr ihr zu helfen, als den, künftig jedes Gespräch über ihre Erkrankung abzulehnen, mit dem Hinweis,  dass sie ja doch keine Hilfe möchte.

Manchmal muss jemand erst richtig spüren, dass das Ausleben einer Krankheit so nicht funktioniert, indem man ihn mal auflaufen lässt. Dann kommt die Einsicht mit der Zeit oft von allein.

Vor allem passe bitte achtsam auf Dich selbst auf, Dich von ihr nicht übermäßig belasten zu lassen. Selbstschutz ist das A und O jedes Therapeuten ;-)

Alles Gute

Buddhishi

Kommentar von TobiSuperior ,

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort! Ich werde es tatsächlich lieber erstmal ruhen lassen. 

Mir will es nur nicht in den Kopf, warum manche Menschen ihre negativen Überzeugungen auf biegen und brechen aufrechterhalten wollen, obwohl sie der Logik widersprechen. 

Der subjektive Leidensdruck ist wahrscheinlich wirklich nicht groß genug!

Kommentar von Buddhishi ,

Tja, das ist auch schwer zu verstehen. Aber ich habe schon Menschen erlebt, die sich aufgrund des sekundären Krankheitsgewinnes einer OP nach der anderen unterzogen haben, weil sich dann alle so schön um sie gekümmert haben.

Kommentar von TobiSuperior ,

Uff! Wenn sie sich durch (meine) Aufmerksamkeit besser fühlt, dann würde ich sie ja für das Zeigen ihrer Symptome belohnen. Was wiederum bedeuten würde, dass sie das negative Verhalten öfter zeigen wird.

Wow! Da könnte was dran sein. Da man ihr Verhalten aber auch nicht bestrafen kann (um es zu verringern), hilft es wohl nur, nicht weiter darauf einzugehen. Damit könnte sich ihr negatives Verhalten von alleine löschen/verringern - zumindest in der Theorie :D

Danke nochmal!

Kommentar von Buddhishi ,

Gerne :-)

Antwort
von Turbomann, 25

@ TobiPuperior

Da du dieses Fach studierst, bist du bereits auf dem besten Weg, das richtig zu sehen.

Wenn diese Freundin sich nicht helfen lassen will, dann kannst du nichts tun. Sie muss den ersten Schritt machen und das weist du auch, dass ihr eine Therapie helfen könnte.

Aber sie muss sich auch öffnen und reden, sonst kann sie hundert Therapien machen und keine hilft.

Bei vielen psychischen Krankheiten behaupten viele immer es hilft keine Therapie, aber auch nur, weil sie nicht mitarbeiten. Keine Zeit und keine Kraft sind Ausreden, die du so nicht gelten lassen musst.

Eigentlich auch klar, denn sie weis doch genau, dass sie darüber reden muss  und das will sie nicht. Aber da führt halt kein Weg dran vorbei. Aber dann nur jammern? Aus diesem teilweise Selbstmitleid kommt sie heruas, wenn sie sich profesionelle Hilfe sucht. Du verstehst sicher wie ich das meine.

Wenn einem etwas wichtig ist, dann hat man die Zeit.

Es gibt viele Menschen die eine schlechte Kindheit hatten und dagegen kann man etwas tun. Nicht vergessen, das kann man nicht, aber eine Therapie machen, damit man lernt besser damit umzugehen. DANN muss man mit seiner Vergangenheit klarkommen und mal nach vorne schauen. Zurückschauen bedeutet Stillstand.

Du kannst ihr nur anbieten ihr helfen zu wollen, aber auch das ist richtig, einen Therapeuten kannst du nicht ersetzen.

Ansonsten musst du sie so weitermachen lassen, mehr kannst du leider nicht tun.

Antwort
von marina2903, 33

lass sie mal eine zeitlang in ruhe,dann wird sie merken das sie hilfe braucht

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