Frage von grunz123, 135

Kann ich ein gerichtliches Hauptverfahren verhindern?

Hallo, ich bin 21 Jahre alt und habe im Januar 2016 ein Mädchen via Whatsapp und Instagram beleidigt und bedroht, dass ich Fotos weiterschicken würde. Das war eine riesen Dummheit meinerseits die ich zutiefst bereue. Ich war bereits bei der Vorladung der Polizei und hab dort angegeben das ich für diese Tat gerade stehe und das es mir Leid tut. Nun habe ich heute Post bekommen in der ich mich äußern soll binnen 7 Tage. Was kann ich tun um ein Hauptverfahren bestmöglich zu verhindern? Und kann ich für sowas ins Gefängnis kommen bzw. Sozialstunden bekommen? Danke.

Antwort
von Artus01, 63

Eine Haftstrafe ist, sofern Du keine Vorstrafen hast, unwahrscheinlich.

Gib Deine schriftliche Stellungnahme ab und mache deutlich daß Du die Tat bereust und daraus gelernt hast sowas nicht mehr zu tun.

Weiter gibst Du in Deinem Schreiben an daß Du, wenn möglich, eine Hauptverhandlung vermeiden möchtest und daher damit einverstanden bist daß die Sache mittels Strafbefehl abgehandelt wird. Auf einigen Anhörungsbögen kann man das sogar ankreuzen.

Die Wahrscheinlichkeit daß das Verfahren so erledigt wird ist hoch. In der Regel hat weder der Staatsanwalt, noch der zuständige Richter großes Interesse an einer Verhandlung. Wenn es klappt bekommst Du einen Strafbefehl in dem eine bestimmte Summe genannt wird die Du zahlen sollst, Die Höhe ist abhängig von Deinem Einkommen. Also z. B. 90 Tagessätze zu je 30 € = 2700 € oder ersatzweise 90 Tage Haft. Außerdem solltest Du wissen das Du mit 90 Tagessätzen noch nicht Vorbestraft bist, es also in keinem Führungszeugnis auftaucht, das passiert erst bei mehr als 90 Tagessätzen.

Kommentar von grunz123 ,

Super Antwort. Vielen Dank dafür.

Kommentar von TheGrow ,

An sich eine sehr gute Antwort.

Nur einen Hinweis erlaube ich mir noch.

Aus der Schilderung des Fragesteller geht leider nicht hervor, welche Straftatbestände dem Fragesteller zur Last gelegt werden.

  • gem. § 185 StGB - Beleidigung liegt sicherlich vor
  • gem. § 241 StGB - Bedrohung ist sicherlich nicht erfüllt, denn der Fragesteller hat die Geschädigte ja nicht mit einem Verbrechen bedroht
  • gem. 240 StGB - Nötigung liegt nur vor, wenn er die Drohung die Bilder zu veröffentlichen mit der Forderung zu einer Handlung oder Unterlassung verbunden hat.

Liegt "nur" der Straftatbestand der Beleidigung vor, darf die Staatsanwaltschaft nur Klage erheben, wenn öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt. Dieses ist sicherlich bei einer Beleidigung per WhaatsApp zur verneinen, so dass die Staatsanwaltschaft das Verfahren auf Grundlage des § 376 StPO einstellen wird.

Wird das Verfahren nicht eingestellt, gilt natürlich genau das, was Du angeführt hast.

Kommentar von Artus01 ,

Richtig, der Hauptpunkt ist ohnehin die Bedrohung, sofern es denn eine ist. Vieleicht schreibt der Fragesteller ja noch wie und mit was er "Bedroht" hat.

Kommentar von grunz123 ,

Ich habe sie über Whatsapp beleidigt. 

Ich habe unter eines ihrer Instagram Fotos einen Kommentar/Unwahrheit/Beleidigung geschrieben der öffentlich ersichtlich war. 

Ich bedrohte sie mit Aussagen wie " ich werde deine nächste Beziehung zerstören ". 

Kommentar von TheGrow ,

Damit dürfte meines Erachtens nach nur der Straftat der Beleidigung übrig sein, der nach den drei folgenden Paragraphen strafbar ist

  • § 185 StGB - Beleidigung (Da Du sie persönlich beleidigt hast)
  • § 186 StGB - Üble Nachrede (durch die öffentliche Beleidigung/Behauptung von Tatsachen die nicht wahr sind und die geeignet sind sie verächtlich zu machen)
  • § 187 StGB - Verleumdung (durch die öffentliche Beleidigung/Behauptung von Tatsachen die nicht wahr sind und die geeignet sind sie verächtlich zu machen)

Bedrohung im strafrechtlichen Sinne liegt nicht vor, da Du sie nicht mit einem Verbrechen bedroht hast

Nötigung im strafrechtlichen Sinne liegt nicht vor, weil die Drohung mit keiner Forderung verbunden war.

Und für die drei beleidigenden Straftatbestände gilt das was ich geschrieben habe. Die Staatsanwaltschaft erhebt nur dann Klage, wenn öffentliches Interesse an der Strafverfolgung vorliegt. Andernfalls verweist sie auf den Privatklageweg.

Kommentar von Artus01 ,

Ja, § 376 StPO ist hier sehr wahrscheinlich. Selbst wenn der Staatsanwalt was macht wird es höchstens § 153a Abs. 1 Nr. 2.

Antwort
von Gaskutscher, 68

Äußere dich schriftlich wie du es hier bereits getan hast: Schuldeingeständnis, Bereuen und volle Kooperation.

Das Verfahren wird sicherlich nicht eingestellt werden wenn es derart massiv war. Daher kannst du es nicht verhindern (bzw. nur mit sehr, sehr viel Glück wird das Verfahren eingestellt).

Antwort
von Ontario, 15

Du hast einige Antworten bekommen, die sicher hilfreich sein können. Doch am Ende entscheidet die Staatsanwaltschaft, ob es zu einer Verhandlung kommt, oder die Sache mit einer Geldstrafe erledigt ist. Jetzt hast du Angst, dass es zu einer Verhandlung kommen könnte. Warum lässt du dich auf solche Dinge ein ? Die Betroffene hat sicher Recht und will dir einen Denkzettel verpassen, was ihr auch gelingen dürfte. Manchmal ist es eben besser, die Finger mal von den Tasten zu lassen, auch wenn es darin kribbelt.

Antwort
von Whimbrel, 70

Du wirst nicht ins Gefängnis kommen, wenn du nicht vorbestraft bist. Verhindern kannst du die Verhandlung nicht. Du wirst mit einer saftigen Geldstrafe/Bewährungsstrafe rechnen müssen.

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