Frage von chazen, 844

Kann ich die Unterhaltsrückstände meines Vaters einklagen?

Hallo,

Ich habe bis zu meiner Volljährigkeit, einen monatlichen Unterhaltsvorschuss vom Amt erhalten, da mein Vater keinen Unterhalt an mich zahlte. Nun habe ich die Nachricht bekommen, dass noch Rückstände in einer hohen Summe, an mich zu zahlen sind, die ich einklagen möchte. Meine 2 Fragen lauten diesbezüglich also:

- Ich werde in wenigen Tagen 21 Jahre alt. Habe ich nur noch bis zum 21. Lebensjahr die Möglichkeit, diese Klage einzureichen oder wie ist dort die Zeitspanne geregelt?

- Sollte ich die Rückzahlung erhalten, muss ich diese an die Unterhaltsvorschusskasse zurückzahlen oder geht das Geld an mich?

Aus Fairness betrachtet, möchte ich meinen Vater in diesem Punkt, nicht "davon kommen" lassen aber ich will natürlich auch nicht, dass meine Mutter jetzt unnötige Anwaltskosten trägt, wenn wir letztendlich sowieso keine Chance haben, das Geld zu erhalten.

Grüße :)

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Geld, 781

Erst mal hast du bzw.deine Mutter Unterhaltsvorschuss vom Jugendamt max.für 72 Monate bekommen bzw.bis zu deinem 11 Lebensjahr,ab 12 würde es dann nichts mehr geben,selbst wenn diese 72 Monate noch nicht verbraucht wären !

Also kann es sich nur um eine evtl. ALG - 2 Leistung vom Jobcenter handeln,die du dann gemeinsam mit deiner Mutter bezogen hast.

Wenn deine Mutter über den Unterhalt keinen Titel gegen deinen Vater erwirkt hat,dann bekommst du nichts,denn dein Vater müsste dann erst ab deiner persönlichen bzw. schriftlichen Aufforderung Unterhalt leisten,wenn er überhaupt leistungsfähig in dieser Zeit war.

Denn ab deinem 18 Lebensjahr hättest du deinen Unterhaltsanspruch bei beiden Elternteilen selber geltend machen müssen und nicht nur bei deinem Vater,denn ab da sind beide Elternteile zum Barunterhalt verpflichtet,vorausgesetzt das du einen Anspruch hättest und sie leistungsfähig wären.

Besteht also kein Titel,dann kannst du deine Forderung vergessen,dann würdest du erst ab dem Zeitpunkt Unterhalt bekommen,in dem du deine Eltern mit deiner Forderung in Verzug setzen würdest und dann müssten sie aber leistungsfähig sein,sonst gibt es nichts zu holen.

Selbst wenn ein Titel vorhanden sein würde,der dann über 30 Jahre vollstreckbar wäre,müsste er erst mal leistungsfähig sein,denn auch wenn du einen Anspruch auf den Rückstand hättest,würde die Forderung ins leere laufen,wenn er unter seinem Selbstbehalt liegen würde und der beträgt derzeit 1300 € Netto und dazu kämen dann ggf.noch vorrangige Unterhaltsverpflichtungen.

Kommentar von chazen ,

Diesen genannten Titel besitze ich ja. Ich habe ein Schreiben erhalten (mein Vater übrigens auch) das ich die Summe einklagen kann. Meine Mutter kann das wohl nicht, sondern nur ich.

Kommentar von isomatte ,

Wenn du einen Titel über den nicht gezahlten Unterhalt hast,dann kannst du diesen auch einklagen,nur würde ich mich dann vorher mal Schlau machen ob es sich überhaupt lohnt eine Klage zu starten,denn wenn es beim Vater nichts zu holen gibt,weil er unter seinem Selbstbehalt liegt,dann bringt dir dein Titel auch nichts !

Ist er jetzt angenommen wieder verheiratet und hat vorrangige Unterhaltsansprüche zu bedienen,dann gibt es für dich auch nichts,wenn er nicht über dem Selbstbehalt liegen würde nachdem der seinen anderen vorrangigen Unterhaltspflichten nachgekommen ist.

Auf dich würden dann ggf.nur Kosten für einen Anwalt entstehen,wenn du wegen zu geringem Einkommen selber zu wenig hättest,dann könnte dein Anwalt dann einen Antrag auf Gerichtskostenbeihilfe stellen,dass aber nur wenn auch Aussicht auf Erfolg bestehen würde,es also beim Vater etwas zu holen geben würde.

Du kannst ihn also jetzt nur schriftlich erst einmal auffordern dir Auskunft über seine finanzielle Situation zu geben und dementsprechend Nachweise zu erbringen,auch wenn er vorrangige Unterhaltspflichten hat muss er das nachweisen bzw.wenn er es nicht freiwillig macht,dann bleibt dir nur der Gang zum Anwalt übrig und dann wird er Auskunft geben müssen,dann kann der Anwalt entscheiden ob eine Klage lohnt oder nicht.

Antwort
von Nemisis2010, 667

Nun habe ich die Nachricht bekommen, dass noch Rückstände in einer hohen Summe, an mich zu zahlen sind, die ich einklagen möchte.

Rückständige Unterhaltszahlungen müssen innerhalb eines Jahres geltend gemacht werden. Unterhaltsansprüche unterliegen nicht nur der Verjährung, sondern auch der einjährigen Verwirkung, d.h. bisher nicht geltend gemachte Unterhaltsansprüche oder auch bereits titulierte Unterhaltsansprüche verwirken nach bereits einem Jahr.

Unterhaltsansprüche unterliegen dem Zeitmoment und müssen zeitnah geltend gemacht oder bei Vorlage eines Titels vollstreckt werden.

Da Du 21 Jahre alt bist, wirst Du selbst den Unterhalt gegenüber Deinem Vater geltend machen müssen und nicht Deine Mutter.

http://kanzlei-lachenmann.de/auch-titulierte-ansprueche-auf-unterhalt-koennen-de...

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 585
  1. Unterhaltsansprüche bestehen nur mit vollstreckbarem Titel, nie rückwirkend.
  2. Bis zu deinem 18. Lebensjahr hätte deine Mutter diesen Anspruch verfolgen müssen.
  3. Mit Volljährigkeit du.
  4. Rückwirkend ist da nichts mehr zu holen.
  5. Zumal dann nicht, wenn mit deiner Volljährigkeit kein Unterhaltsanspruch mehr bestand, wenn du nicht in schulischer Ausbildung stehend für deinen Lebensunterhalt selbst zu sorgen hast.
  6. In schulischer Ausbildung, schulden beide Elternteile gemessen an ihren Einkünften deinen Unterhalt - willst du deine Mutter gleich mit verklagen?

G imager761

Kommentar von chazen ,

Ich habe doch den Schrieb bekommen, dass mir noch über 20.000 € zu stehen. Warum ist da also nichts zu holen? Wenn du mir sagst, ich kann das mit meiner Volljährigkeit einklagen, dann widersprichst du dir doch selbst?!

Kommentar von imager761 ,

Nicht die Rückstände, laufenden Unterhalt kannst du  - in schulischer Ausbildung stehend - von beiden Eltern auf dem Klageweg beanspruchen.

Kommentar von claudialeitert ,

deine Mutter hätte es aller 2 jahre min. einklagen müssen. Wenn dies nicht geschah ist das Geld weg. Gab es einen unterhaltstitel? wenn nicht hat man schlechte karten. Jetzt müsstest du klagen dann wäre auch nur soweit ich weiss 1 jahr rückwirkend möglich. Wenn du überhaupt noch Chancen haben willst vor 21.

Antwort
von lohne, 552

Ich kann mir gut vorstellen, dass wenn dein Vater die Rückständigen Unterhaltsbeträge zahlt, du an das Amt die geleisteten (voraus-) Zahlungen zurückerstatten musst. Sonst würdest du ja das Doppelte an  Kindergeld erhalten haben.

Kommentar von chazen ,

So gesehen klingt deine Antwort natürlich logisch aber meine Mutter meinte gerade zu mir, dass ich vom Amt nur 200 € monatlich erhalten habe, obwohl mir altersgerecht, mehr zugestanden hätte.

Kommentar von lohne ,

Das ist eine Fehlsumme von € 300,00 mtl. Nun ist die Frage ob dein Vater den Gesamtbetrag überhaupt aufbringen kann. Wenn er mittellos sein sollte dann bringt eine Klage nichts (wenig). Trotzdem kann es etwas bringen, wenn du einen Titel hast und später vollstrecken könntest. Vielleicht kommt er mal zu Geld durch Erbschaft, Lottogewinn etc. Die Kosten für einen Anwalt und ein Gerichtsverfahren sind nicht sehr hoch. Lass dich mal beraten. Übrigens, Rechtspfleger beim Amtsgericht machen das meines Wissens kostenlos.  

Kommentar von chazen ,

Ja da kommt schon einiges zusammen. Ich tu das auch eher für meine Mutter, als für mich. Natürlich ist es die Frage, wie lange ich einen Anspruch auf diese Klage habe aber einen Anwalt, wollen wir sowieso dazu befragen. Danke dir :)

Kommentar von lohne ,

Ok, geh doch erst mal zum Amtsgericht, zum Rechtspfleger zur Erstberatung--- das kostet nichts.

Kommentar von marcussummer ,

Amtsgericht ist richtig, Beratung beim Rechtspfleger ist falsch: In der Rechtsantragsstelle sitzt zwar meist ein Rechtspfleger. Der darf aber keine Rechtsberatung erteilen, sondern erstellt nach Prüfung der finanziellen Verhältnisse einen Berechtigungsschein über Beratungshilfe. Und mit dem kriegt man beim Anwalt die Rechtsberatung, es fällt dann lediglich ein Beitrag von 15 Euro, den Rest der Kosten übernimmt die Staatskasse.

Antwort
von blumenkanne, 464

unterhaltsvorschuss gibts nur bis zum 12. lebensjahr und maximal 72 monate. du hast also keinen unterhaltsvorschuss bis zum 18. lebensjahr bekommen. du hast maximal alg2 erhalten.

wenn es einen titel gab, dann hätte deine mutter deinen vater jedes jahr in verzug setzen müssen, ansonsten sind die ansprüche verjährt. gab es überhaupt keinen titel, dann hast du an deinen vater rückwirkend garkeine ansprüche mehr. solltest du noch in ausbildung sein oder in einer schule, dann kannst du ansprüche ab heute stellen und es wird geguckt ob du noch anspruch hast und dann muss geprüft werden, ob dein vater überhaupt leistungsfähig ist.

du kannst dir also den gang zum anwalt getrost sparen. für die vergangenheit springt nix für dich raus.

Antwort
von XC600, 426

ich glaube kaum das du bis zur Volljährigkeit Unterhaltsvorschuss von JA erhalten hast , denn sowas gibt es nicht .............. das bekommt man bis max. 12. Lebensjahr des Kindes aber niemals bis 18 .................. wer hat dir denn die Nachricht geschickt das noch Rückstände zu holen sind ? das JA doch wohl kaum ...

Antwort
von Wonnepoppen, 473

Dazu wäre es ratsam einen Anwalt zu befragen!

Antwort
von catweasel66, 463

ich kann dir in deinem fall nur raten ,einen anwalt aufzusuchen.

Antwort
von Taimanka, 435

http://www.unterhalt.net/unterhaltsrecht/unterhaltsklage.html

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