Frage von WOBEC, 84

Kann ich 2016 noch für die Jahre 2012 u. 2013 einen Verlustvortrag beantragen wenn ich 2014 schon eine Einkommenssteuererklärung gemacht habe?

Hallo zusammen,

Situation: Ich habe von Okt. 2010 - Juli 2014 studiert. Das Studium war eine Zweitausbildung, da ich vor dem Studium schon eine 3-jährige IHK-Ausbildung gemacht habe. Im Sept. 2014 habe ich zu arbeiten begonnen. Für das Jahr 2014 habe im Jahr 2015 bereits eine Einkommenssteuererklärung abgegeben und der Steuerbescheid kam ca. im Juni 2015. Für die Jahre 2012 u. 2013 wurden keine Einkommensstuererklärungen abgegeben.

Jetzt habe ich erfahren dass ich wohl für die Jahre 2012 u. 2013 noch meine entstandenen Kosten fürs Studium über die Werbungskosten und einen Verlustvortrag geltend machen kann. Somit sollte sich das ganze jetzt positiv für mich auswirken, da ich Geld verdiene und Steuern zahle. Für die Jahre 2010 u. 2011 bin ich wohl scheinbar schon zu spät dran.

Wie läuft das aber mit dem Verlustvortrag wenn ich für das Jahr 2014 schon eine Einkommenssteuererklärung abegeben habe und hierfür wahrscheinlich auch alle Anfechtungsfristen abgelaufen sind.

Welche enstanden Kosten könnte ich denn überhaupt geltend machen? In meinem Fall würden folgende Kosten in Frage kommen: Fahrkosten im Inland, Flug zum Ort des Auslandsemesters, Miete am Ort des Auslandsemesters u. Studiengebühren. Nachweise hierfür liegen vor.

Ich hoffe mir kann jemand weiterhelfen. Danke schon mal dafür!

Expertenantwort
von wfwbinder, Community-Experte für Steuern, 84

Wenn für die Jahre noch keine Erklärung abgegeben wurde, geht das.

Und für die Jahre davor gibst Du von 2010 (soweit da nicht in den ersten monaten Geld verdient wurde, noch Erklärungen zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags ab.

Kommentar von WOBEC ,

Danke für die Antwort.

In 2010 wurde bis September Geld verdient und daher auch schon eine Einkommenssteuererklärung gemacht.

In 2011 wurde kein Geld verdient und acuh keine Erklärung gemacht. Aber für 2011 ist die doch schon die Festsetzungsfrist von 4 Jahren abgelaufen oder?

Kommentar von wfwbinder ,

Richtig, deshalb machst Du ja auch keine Einkommensteuererklärung, sondern eine Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags, da ist die Frist 7 Jahre.

http://www.steuernetz.de/aav_steuernetz/lexikon/K-13950.xhtml?currentModule=home

Kommentar von WOBEC ,

Zum weiteren Vorgehen:

Ich werde dann jetzt für 2011 eine Erklärung zur Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags einreichen und den Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags abwarten.

Danach werde ich eine Einkommenstuererklärung für 2012 machen und wieder den Bescheid über die gesonderte Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags abwarten. 

Dann das gleiche für 2013.

Und ändert das Finanzamt dann den Steuerbescheid für 2014 selbständig oder wie gehe ich für dieses Jahr vor?

Vielen Dank für die super Hilfe!!

Kommentar von wfwbinder ,

Das kannst Du im unmittelbaren Zusammenhang machen, ohne die Pausen. Das Finanzamt ändert automatisch, bzw. zieht die Verlustvorträge automatisch ab.

2014 wird automatisch geändert.

Kommentar von TomRichter ,

Diese Frist wollte der Bundesrat wieder auf 4 Jahre verkürzen, sollte ins JStG 2016 aufgenommen werden. Weißt Du, was aus diesem Plan wurde?

Kommentar von wfwbinder ,

Nein, tut mir leid. Auf der einen Seite wäre es ja nachteilig für die StPfl., aber auf der anderen seite wäre es ein Beginn mit Vereinfachungen. Am besten wären einheitliche Fristen.

Kommentar von WOBEC ,

Danke für eure Antworten, ihr habt mir auf jeden Fall weitergeholfen.

Antwort
von TomRichter, 71

> Für die Jahre 2010 u. 2011 bin ich wohl scheinbar schon zu spät dran.

Richtig erkannt. Für die späteren Jahre kannst Du, sofern kein rechtskräftiger Einkommensteuerbescheid für das jeweilige Jahr vorliegt, noch eine Erklärung abgeben.

Das wird dann dazu führen, dass der Verlust mit Deinen Einnahmen aus 2014 verrechnet wird und damit viel weniger Steuerersparnis bringt als erhofft :-(

> Welche enstanden Kosten

So viele, auch solche, an die man erstmal nicht denkt, dass der Besuch beim Steuerberater auf jeden Fall lohnt.

Kommentar von WOBEC ,

Danke für die Antwort.

Was wäre wenn der Verlustvortrag aus 2012 u. 2013 höher wäre als die Steuern, die ich in 2014 gezahlt habe? Wird der Verlustvortrag dann nach 2015 weitergetragen?

Und macht es nichts dass ich schon einen rechtskräftigen Steuerbescheid für 2014 erhalten habe?

Kommentar von TomRichter ,

> höher wäre als die Steuern,

Die gezahlten Steuern sind irrelevant - der Verlust wird nicht von der Steuerschuld abgezogen, sondern von den Einkünften.

> Wird der Verlustvortrag dann nach 2015 weitergetragen?

Nur, wenn der Verlust höher ist als Deine Einkünfte (Gehalt minus Werbungskosten. Sonderausgaben etc. werden nicht vorher abgezogen)

> Und macht es nichts dass ich schon einen rechtskräftigen Steuerbescheid für 2014 erhalten habe?

Nein, der wird geändert.

Kommentar von WOBEC ,

Wird der Steuerbescheid 2014 dann vom Finanzamt selbstständig geändert?

Danke für die tolle Hilfe!

Kommentar von TomRichter ,

Der wird von Amts wegen geändert. Du solltest aber umgehend Kontakt zu einem Steuerberater aufnehmen.

Auch wegen der Erklärung für 2011. Es gab im Januar 2015 eine BFH-Entscheidung, nach der Du weitere 3 Jahre Zeit gehabt hättest. Ich ging bisher davon aus, dass diese Regelung, wie von der Regierung geplant, mit dem Jahressteuergesetz 2016 wieder außer Kraft gesetzt wurde.

Ob das Gesetz mit oder ohne diesen Teil verabschiedet wurde, weiß ich nicht, das sollte der Steuerberater aber wissen. Und Dir ggf. auch weiterhelfen, wenn das Finanzamt vorhersehbarer Weise Deinen Antrag ablehnt und auf die vierjährige Festsetzungsfrist verweist.

Kommentar von WOBEC ,

Denkst du dass ich tatsächlich irgendwelche Vorteile (z.b. bzgl. des Erfolges der Anerkennung) dadurch habe, wenn ich das ganze mit einem Steuerberater mache? Eigentlich hab ich alle nötigen Formulare und Nachweise parat. Möchte in diesem Fall aber nichts falsch machen. 

Mache die "gängigen" Steuerangelegenheiten für mich und meine Familie sonst eigentlich immer selbst. Prinzipiell bin ich in der Erstellung von ESt-Erklärungen schon "relativ" fit, da ich Steuern sogar als zweiten Schwerpunkt im Studium hatte - ich weiß, eigentlich traurig dass ich hier dann solche Fragen stellen muss und mich wohl doch nicht so gut auskenne :-) Habe in diesem Fall aber echt Probleme wegen mangelnder Erfahrung und bin nicht mehr so wirklich drin in den ganzen Steuerverfahren. Und über die Kompläxität des Steuerrechts brauche ich euch dir ja nichts zu erzählen :-)

Kommentar von TomRichter ,

Ich halte den Steuerberater aus zwei Gründen für sinnvoll.

a) der denkt auch an die Kosten, die Dir nicht auf Anhieb einfallen.

b) der kennt hoffentlich die aktuelle Gesetzeslage betreffend der Frist für den Verlustvortrag

Kommentar von Ginalolofrigida ,

"auf jeden Fall lohnt"... Wenn die Rechnung des StB höher ist als die Steuerersparnis, dann ist das Lehrgeld ;-)

Kommentar von TomRichter ,

Dann ist das immer noch gut investiertes Lehrgeld - was man dabei gelernt hat, kann man ja jedes Jahr erneut anwenden. Ganz abgesehen davon, dass der Steuerberater haftet, wenn er Fehler macht.

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