Kann es sein, dass die unheimliche Liaison zwischen Liebe & Tod daher rührt, dass im Liebenden die Erkenntnis wächst, dass...?

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6 Antworten

Liebe, so wie sie in der Frage gesehen wird, und der Tod sind beides sog. Grenzsituationen, d.h. wir erleben sie als etwas, wodurch wir absolut und total betroffen sind. Zudem gelten beide dem Menschen auch als vollständige Gegensätze, indem die erfüllte Liebe als das höchste zu erreichende Ziel und der Tod als das Ende des Lebens gesehen wird. 

Scheitert nun so eine erfüllte Liebe, fällt der Zurückbleibende leicht in eine tiefe Depression, die mit einer Todessehnsucht einhergehen kann. Die erfüllte Liebe ist dabei so umfassend und allein bestimmend, dass ihr Verlust auch die Person des Verlassenen in eine Vernichtung führen kann. In der Literatur, in der tragischen Oper, im Film, aber auch in der emotional intensiv ausgelebten Realität  finden wir folglich oftmals Liebe und Tod in ein Geschehen verbunden. 

Dass Menschen aus einer gescheiterten großen Liebe in den Tod gehen, wertet ihre Liebe nochmals auf. Diese wird noch absoluter. Indem das eigene Leben dieser Liebe als Opfer dargebracht wird, gewinnt sie sakralen Wert, bekommt quasi eine göttliche Qualität. Man fühlt sich an den Opfertod Jesu aus Liebe zum Menschen erinnert. 

Liebe und Tod sind damit wohl eher nicht auf das Wissen um Unwissen gegründet, wie Du in Deiner Frage vermutet hast, sondern ihre Verbindung ist dem Antagonismus zwischen höchstem Glück und tiefster Trauer geschuldet, der Menschen immer in seiner Absolutheit fasziniert und mit episodischen Phantasien beschäftigt hat.

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Das ist eine romantische Liaison, die nicht nur in Deutschland beliebt war/ist (ich denke da an "Isoldes Liebestod" aus "Tristan und Isolde"), sondern auch in der Romantik europaweit Verbreitung fand. Ich denke da auch an Hector Berlioz ("Symphonie fantastique", er bringt seine Geliebte um, um sie später beim "songe d'une nuit du Sabbat", beim (Traum des) Hexensabbat, wiederzusehen).

Die isländische Nationalhymne (Text 1874, Matthías Jochumsson) endet mit

"Íslands þúsund ár,
eitt eilífðar smáblóm með titrandi tár,
sem tilbiður guð sinn og deyr"

"Islands tausend Jahr
eine ewige, kleine Blume mit zitternden Tränen,
die zu ihrem Gott betet... und stirbt..."

Liebe und Tod sind vereint, so schon bei Shakespeare (Romeo und Julia).

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Der Tod ist das Wissen um die Sterblichkeit alles Lebendigen.

Diesem Wissen gegenüber können wir die Haltung einnehmen:

"Alles Streben ist sinnlos." Das ist die Haltung ohne Liebe.

oder die Haltung:

"Mein Leben dient letzlich nicht mir, sondern dem Leben. Um dem Leben zu dienen, sorge ich dafür, daß es mir und anderen gut geht." Das ist eine Haltung mit Liebe.

Daher kann (nur?) die Liebe den Tod in das Leben einbeziehen.

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Kommentar von grubenhirn
11.05.2016, 12:10

Interessant, danke.

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Laut Freud könnte das ein verdrängter Wunsch sein, der nach größtmöglicher Anerkennung strebt und in der Situation des Todes wieder erweckt wird, weil das Erfüllte, plötzlich vollkommen verschwunden ist.
Aber ich denke dieses Phänomen der starken Liebe und die Trauer, Trübseligkeit und das Gefühl der Sinnlosigkeit beim Sterben des Geliebten kommt daher, dass die Seltenheit und Größe dieser wahren Liebe (besonders auch wegen Gewöhnung und großen Glücksgefühlen) eine solche Reaktion kausal bedingt. Es geht keine andere Reaktion, außer es war keine wahre Liebe oder die Person kann mit der Situation nicht umgehen und umgeht sie einfach.
Der Tod ist immer ein einscheidendes Ereignis, aber ich denke oder besser ich hoffe nicht, dass man aus egoistischer Haltung, dass "ICH" die Person und deren Anerkennung verliere nur noch Sinnlosigkeit sieht.
Man war ein Teil eines ganzen, zusammengesetzt aus zwei Teilen und plötzlich existiert das Ganze nicht mehr und man selbst als Teil davon existiert somit auch nicht mehr.

Ich war gerade so im Denken versunken, dass die Antwort etwas übertrieben erscheinen mag, aber ich hoffe ich konnte dir weiter helfen.. ^^

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Im Moment der bedingungslosen Liebe , ist nichts so  weit entfernt , wie die Gedanken an den Tod !

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boahhhh... was für ne frage.

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