Frage von grubenhirn, 185

Kann es sein, dass das größte Glück eines Lebewesens die Unwissenheit ist?

Und, dass man umso unglücklicher wird, je mehr man über das Universum und das Leben weiß?

Und sollte man dann besser nicht versuchen, die absolute Wahrheit, so es sie gäbe, herauszufinden und sich einfach wie ein Rad im Getriebe oder wie Sisyphos verhalten, so dass man jeden Tag weiß man tut und ist dieses ganze forschen nicht aus der Unzufriedenheit entstanden, und das man, wenn man dadurch unglücklich wird und damit an seiner eigenen Misere gar nichts ändern kann, es sein lassen sollte zu forschen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von tanzesinge, 129

Wissen ist Macht und Verwundbarkeit zugleich. Trauer überkommt dich weil du anfängst die Realität durch den Transparente Vorhang zu sehen, was vorher bemalt war mit Sonne und Regenbogen. Letzendlich musst du verstehen das nichts überdauert. Es wird so vieles geben was du nicht miterleben wirst und es werden Menschen kommen und gehen, die du nicht kennenlernen wirst. 

Ja es ist eine Qual.

Jeder ist seines Glücks Schmied. Da ist was dran.

Ein Glückliches Leben euch allen.

Antwort
von Imago8, 57

Also ich empfinde den Erkenntnisprozess als etwas Befriedigendes. Es ist wie das Vordringen in etwas Unbekanntes, etwas Rätselhaftes, Verborgenes. Und plötzlich wird etwas sichtbar...man erkennt etwas, was man vorher nicht kannte. Mit den Erkenntnissen lernt man, zu unterscheiden. Zu differenzieren. Die Welt wird weiter, tiefer, nichts ist wie es war. Vieles erscheint in einem neuen Licht. Oder auch nicht. Manche Erkenntnis zermürbt, macht traurig, macht betroffen. Lähmt. All das gibt es.

Aber: das Glück, dass man erfährt, hängt davon ab, worauf man seine Aufmerksamkeit legt. Und wie man mit seinen Erkenntnissen umgeht.

Dass "dumme" Menschen glücklicher sind, halte ich für ein Vorurteil, was sich aber ziemlich hartnäckig hält.

Die Lebenseinstellung ist eher maßgeblich.

Kommentar von Imago8 ,

noch etwas:

weil du "Lebewesen" geschrieben hast: eine Hausmaus lernt in ihrem kurzem Leben einiges über Nahrung, Feinde, gute Schlafplätze, andere Mäuse. Dieses Wissen hilft ihr, bessere Entscheidungen zu treffen. Und gelassener zu sein. Denn sie weiß so z.B. auch, wo die sicheren Wege sind, auf denen sehr selten z.B. Katzen unterwegs sind. Da sie sich gut auskennt, muss sie also auch weniger Angst haben. Und da sie auch weiß, wo es viel zu fressen gibt, muss sie nicht so lange hungernd herumlaufen, bis sie etwas findet.

Ob sie dann insgesamt glücklicher ist als eine andere Maus mit weniger Kenntnissen, muss wohl noch Spekulation bleiben.

Und zuallererst müsste man "Glücklichsein" für Mäuse definieren.

Kommentar von grubenhirn ,

Ich muss zugeben, für die meisten Tierarten ist Wissen nicht schädlich, sondern von großem Vorteil.

Der Nachteil von Wissen entsteht erst dann, wenn sich ein Lebewesen daran macht, das Wesen der Realität zu erforschen und dann auf eine Mauer stößt, die Grenzen für dieses Unterfangen setzt.

Kommentar von Imago8 ,

...das Wesen der Realität erforschen. Machen das nicht alle Lebewesen, allein schon dadurch, dass sie leben?

Kommentar von grubenhirn ,

Nein, das würde ich verneinen. Sie leben einfach nur, da findet keine Reflexion vom eigenem Verhalten statt.

Nur, was wird wohl passieren, wenn man ein vollständiges Verständnis vom Universum hätte, wäre das nicht eine Katastrophe?

Wenn man alles wüsste oder wenn man weiß, dass bestimmte Dinge nicht zu erfahren sind, dass würde doch eine gewaltige Sinnkrise auslösen.

Kommentar von Imago8 ,

Reflexion von eigenem Verhalten findet schon statt, nur etwas anders als bei uns Menschen. Auch Tiere Scheitern ja zum Beispiel. Und reagieren darauf mit angepasstem Verhalten. Gut beobachtbar vor allem bei Raubtieren.

Nur, was wird wohl passieren, wenn man ein vollständiges Verständnis vom Universum hätte

Nichts. Stillstand. Ende.
Anfang?...hm...

Gewaltige Sinnkrisen haben wir schon, da müssen wir nicht mehr drauf warten.

Antwort
von zalto, 117

Ich will nicht ausschließen, dass es bestimmtes Wissen gibt, das einen unglücklicher macht: Wenn man z.B. weiß, dass man betrogen wurde oder ein Unglück erlebt hat und weiß, wie schrecklich es war. Dann ist man unglücklicher, als wenn man's nicht wüsste.

Generell würde ich aber nicht sagen, dass einen Wissen unglücklich macht. Ein gewisser Wissensstand ist ja schon dazu notwendig, überhaupt ein freies und selbstbestimmtes Leben zu führen. Wer viel gelernt hat und viel weiß wird auch einen besser bezahlten Beruf ausüben können und sich mit dem Einkommen eher seine Wünsche und Träume erfüllen können.

Wer auch ohne Geld glücklich werden kann, soll das ruhig tun. Aber auch dann muss er wissen, wie das geht.

Antwort
von Ursusmaritimus, 119

Die Unwissenheit über die eigene letzte Stunde ist ein Glück, aber ansonsten Nein, Unwissenheit ist Fron.

Antwort
von Hermannson, 62

Du stellst echt schöne Fragen. Ja ich war schon immer davon überzeugt, dass dumme Menschen zumindest mehr Spaß im Leben haben, denn denken kann einen erstens lähmen, und Menschen die nicht denken können schlecht depressiv werden.

Kommentar von grubenhirn ,

Ich verstehe langsam auch, warum man sagt:  Unwissenheit ist Stärke!

Antwort
von Andrastor, 87

Wenn man durch das Erlangen neuen Wissens unglücklich wird, hat man generell die falsche Einstellung zum Lernen und Forschen an sich.

Kommentar von grubenhirn ,

Aber was, wenn man dadurch etwas erfährt, dass z.B.: etwas nicht möglich ist, was aber unbedingt möglich sein müsste, um etwas bestimmtes zu wissen, was einem wichtig ist?

Dann steht man ganz bedröppelt da!

Kommentar von Andrastor ,

Du meinst wenn man erfährt das man falsch lag?

Dann reflektiert man darüber und wächst und reift.

Oder meinst du dass man merkt dass der Versuch eine Frage zu beantworten weitere Fragen aufwirft?

Dann forscht man weiter.

Lernen und Forschen ist wie Sudoku spielen. Du willst das ganze Feld ausgefüllt haben und hast nur einige kleine Dinge die du darüber weißt, aber durch logische Schlussfolgerungen und Lernen füllst du das Feld Stück für Stück aus.

Kommentar von grubenhirn ,

Es gibt noch andere Fälle.

Z.B., dass einem Grenzen der Erkenntnis gesetzt werden.

Oder für viele Fleischesser wäre es sicher schockierend, wenn sie in einem Moment der Erkenntnis verstünden, dass sie da selbst auf dem Teller liegen könnten oder, dass man kein wirklich entscheidenden Einfluss auf den Werdegang der Erdgeschichte hat.

Viele junge Leute glauben ja, dass sie die Welt verändern. Dass, das nicht zutrifft, wird dann später meist klar.



Kommentar von Andrastor ,

Viele junge Leute glauben ja, dass sie die Welt verändern. Dass, das nicht zutrifft wird dann später meist klar..

Aber das ist ein anderes Thema. Was du gerade beschreibst ist Glaube, nicht Wissen.

Das andere ist eine Erkenntnis, weniger Wissen im klassischen Sinn, sondern Zusammenhänge erkennen.

Antwort
von auaauamehr, 93

Weder das Forschen noch das Wissen ist das 

Problem.

Es muss Dir nur egal sein.

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