Frage von derPhilosoph200, 45

Kann es eine Philosophie des suizidalen Optimismus geben?

Die Frage ist mal rein hypothetisch in einer Argumentation aufgekommen. Eine optimistisch geprägte Welt würde doch, auch nur hypothetisch, keinen Pessimismus kennen. Sprich: Aufgrund des Optimismus würde es nur Freude auf dieser Welt geben, denn Pessimisten sind im weiteren Sinne auch eher schlechter gelaunte Menschen bzw. auch Zyniker. Wie zum Beispiel würden dann eher negativ konotierte Zustände oder Ereignisse als Optimist betrachtet werden? Ich führe hier mal den Tod oder die Umweltverschmutzung oder Krankheiten ein. Argumentiere man nun so weiter und würde den Tod optimistisch beurteilen und zwangsweise die Religion ins Argument einführen, so bedeute das, dass der Tod das optimistische Wiedersehen der Verstorbenen ist bzw. die Ankunft in einem religiösen Paradies. Aber wenn nun das Paradies für den Optimisten im tod liegt und man als Optimist versucht das für sich selbst bestmögliche zu erreichen, so würde das auf einen massensuizid hinauslaufen. Auch wenn der Suizid nicht vereinbar wäre mit der religiösen Instanz und dessen Gebote, der Optimist würde doch trotzdem hoffen, er würde ins Paradies kommen, da es keine pessimistischen Tendenzen gibt, die ihn aufhalten würden.

Antwort
von koraline, 24

Innerhalb des Dualismus kann es nicht nur Optimismus oder nur Pessimismus geben. Nehmen wir mal an, der Optimismus ist die gängige Haltung und sehr stark verbreitet, während der Pessimismus  mini klein ist, so kann man sich dann immer noch fragen, was jemanden dazu veranlasst seine Lebenszeit willentlich zu verkürzen.

Ist dann nicht trotz des großen Optimismus`, irgendwo eine Regung von Unzufriedenheit, Mangel an Freude, Sinnlosigkeit (pessimistische Tendenzen) vorhanden? Warum wird man geboren? Um zu sterben, damit man im Tode mit den geliebten, vorher Verstorbenen, wieder vereint ist oder damit man in ein Paradies eingeht?. Eine Sicherheit dafür gibt es für den Optimisten auch nicht. Und wenn man sich von dem Leben trennt, dann gibt es kein zurück mehr. Wenn er meint, der Suizid wäre die gute Wahl, um ins Paradies zu kommen, dann hat er nicht sehr gründlich darüber nachgedacht und ist in Wirklichkeit kein Lebensoptimist.

Antwort
von Serela, 7

Interessante Idee, allerdings wäre für einen so starken Optimisten die Motivation gering, noch etwas verbessern zu wollen. Die Sehnsucht nach einem Paradies ist also nicht so groß, weil das Leben bereits paradiesisch ist. So gesehen ist dann der Tod nur ein weiterer Abschnitt, der schön ist, aber nicht speziell interessanter als das Leben. Auch der Wunsch, z.B. Krankheiten durch Suizid zu beenden, wäre nicht gegeben, weil ja die Krankheit selbst als etwas Positives erlebt wird. 

Antwort
von bachforelle49, 4

ja wenn man das so sieht, daß man sich auf das Ende freuen kann, weil im Vorsatz ein Suizid auf dem Programm steht, weil das als einzige - einzig richtige - Alternative zu einem schmählich langsamen Dahinsiechen und Leiden ohne Ende (lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende...) scheint bzw. die persönliche Erkenntnis den Suizid als den richtigen Weg des Abschieds maßgeblich ist, wenns ans Sterben geht, dann kann und könnte sich schon sowas wie eine Vorfreude einnisten, die auch als suizidaler Optimismus interpretiert werden könnte...

Zwei Dinge scheinen mir da auf jeden Fall noch erwähnenswert: Erstens ist es ja erwiesen, daß gefährdete Menschen, die sich dergestalt auf ihr Ende eingestellt haben, gewissermaßen im Vorteil sind, weil sie sich ja freuen können, weil ihnen angeblich nichts und niemand mehr etwas anhaben kann.. Hier auch im Kontext zu den Selbstmordattentätern usw.., die sich ja längst von der Welt verabschiedet haben.. Theoretisch könnten die sonstwas haben, die Beulenpest oder Krebs im letzten Stadium, das interessiert dann alles nicht mehr und - hier kommt jetzt der philosophische Aspekt.. - sie können sich sogar darüber freuen, obwohl,s paradox (er)scheint...(!)

Der zweite Aspekt ist aber auch, daß man dem Tod, sozusagen also Gevatter Sensemann.., ein Schnippchen schlägt und ob er sich das einfach gefallen läßt... (?!) Denn das Sterben kann jedermann ja vorwegnehmen, aber was ist, wenn die Stunde trotzdem noch nicht geschlagen hat?? Und für Letzteres ist nunmal der TOD zuständig, also der, der dann an der Türe klopft und um Einlaß fordert (nicht bittet..) den Einwand, daß jemand kurzen Prozess macht, wird dem Suizid da nicht gerecht, denn wer will schon ehrlich sterben, wenn es sich irgendwie vermeiden ließe..

der dritte Teil ist aber auch, ob eine Gesellschaft die Leute so dahin krebsen lassen will, wenn wegen Überfüllung keine Zeit mehr ist fürs langsame Sterben usw.. Antwort: eine kleine Pille könnte ja der Philosophie des suizidalen Optimismus zu ihrem Recht verhelfen, denn spätestens, wenn niemand mehr helfen kann oder will, wird Moral zur Farce..

 


 

Antwort
von Ginalolofrigida, 8

Es gibt ein Volk in Südamerika, die Leute werden kaum alt, vor allem die Krieger, die den Kampf lieben und jede Provokation nutzen, um ihre Kunst und Fähigkeiten zu zeigen. Dieses Volk glaubt einfach, daß sich jeder nach dem Tode sofort wieder reinkarnieren kann und betreten mutig diese Tür. Auch Frauen oder Kranke halten sich nicht lange mit dem Leiden auf. Allerdings erwarten sie nach dem Tode auch nicht, ins Paradies zu gelangen, sie glauben nur, es ist ein notwendiger Gang, um wieder ins (neue) Leben zu kommen. Deswegen gibt es auch kein Massensuizid und man könnte sagen, sie blicken optimistisch auf ihr Ableben.

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