Frage von freuter, 54

Kann eine Krankenkasse aus der Arbeitgeber-Abmeldung ein freiwillige Krankenversicherung ableiten, obwohl der Versicherte gar nicht mehr in DE lebt?

Ich darf in einem Kloster bei Verwaltungsarbeiten ein wenig aushelfen und beschäftige mich seit kurzem auch mit deren Kranken- und Sozialversicherungen. Im Kern geht es um die Betreuung der wieder fort gegangenen Mönche und Novizen.

Der leitende Abt meldet seine Mönche, Novizen und Postulanten beim Sozialversicherungsträger an, was in der Regel zur Übernahme der bestehenden Krankenversicherungen führt, die das Kloster dann zu 100% übernimmt. Nun ist es im monastischen Leben durchaus üblich, dass gerade Novizen und Postulanten für längere Zeiträume das Land verlassen um ihre Reifungen in anderen Klostereinrichtungen, weltweit, zu vervollständigen. In der Regel meldet das Kloster diese abgereisten (und bei uns nicht mehr geführten) Versicherten einfach ab. Seit geraumer Zeit teile ich dann den Kassen auch in Schriftform mit, dass diese nicht mehr unter unserer Anschrift erreichbar sind und mit unbekannter Adresse ins Ausland abgereist sind.

Nun fallen mir einige Briefe in die Hand, die dennoch an die alte Adresse bei uns zugestellt wurden und nach deren Inhalt man einfach von einer freiwilligen Weiterversicherung ausgegangen ist, während die Gebühren geschätzter Mindesteinkünfte (die es nie gegeben hat und in der Regel auch nie mehr geben wird) auflaufen und bis zur Mahnung, bzw. Androhungen der Mahnverfahren gelaufen sind. Meistens noch mit nur 14 Tagen Unterschied zwischen der Nachricht über die Zwangsversicherung und der ersten Mahnung, die sich dann auch noch gleich über mehrere Tausende Euro belaufen.

Grundsätzlich könnte ich nun die Position einnehmen, dass uns das alles nichts mehr angeht und die Briefe einfach mit dem Vermerk "mit unbekannter Anschrift verzogen" zurück senden. Leider übergehen dies die 3 größten Versicherer, mit denen wir es zu tun haben und schicken einfach weiter fleissig auflaufenden Forderungsbeträgen - die der Großteil dieser Menschen in ihrem gesamten Mönchsleben NIEMALS zusammen bekommen dürften.

Die Fragen wäre also:

  1. Darf eine gesetzliche KV einfach die freiwillige Weiterversicherung unterstellen und dabei Einkünfte voraussetzen, die entgegen aller bisherigen Beiträge ein Mehrfaches ausmachen?
  2. Auch wenn die KV gewusst hat, dass der Versicherte für unbestimmte (doch sicher "längere") Zeit ins Ausland gegangen ist?
  3. Kann ich (eigentlich der "ehemaliger Arbeitgeber") mich da überhaupt in irgendeiner Weise verwenden? Bei manchen einem gäbe es ja Generalvollmachten, aber bei den anderen)?!?
  4. Kann man die Forderungen irgendwie anullieren/rücksetzen lassen, respektive eine KV "ruhen" lassen, so diese Menschen doch irgendwann mal wieder nach DE kommen sollten?!

Da ich nicht vor habe die Betroffenen mit solchen Forderungen "allein" zu lassen wäre ich SEHR dankbar für jede HilfeSchließlich haben sie sich doch in den Schutz der Kirche begeben und wissen in der Abgeschiedenheit ihrer Mönchszellen -irgendwo in der Ferne- nicht einmal, das und was sich da über Ihnen zusammen braut.

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von NochWasFrei, 24

Es herrscht Krankenversicherungspflicht in Deutschland. Daher gehen die Krankenkassen zu Recht davon aus, dass die Mitglieder nach dem Ausscheiden aus einem Betrieb (als welcher das Kloster hier wohl zählt) als freiwillig Versicherte weiter bei dieser Kasse bleiben (wenn keine Mitgliedschaft bei einer anderen Krankenkasse nachgewiesen wird).

Wenn die Personen tatsächlich ins Ausland ziehen, müssen sie auch beim Einwohnermeldeamt abgemeldet werden. Diese Abmeldebescheinigung muss dann der Krankenkasse vorgelegt werden. Ansonsten kann die Mitgliedschaft dort nicht aufgelöst werden.

Kommentar von freuter ,

Herzlichen Dank. Das war die Lösung! 

Lediglich die Abmeldebescheinigung, auf der zu entnehmen war in welches Land ausgereift wurde, war nötig und ALLE betroffenen Kassen haben (sogar rückwirkend) diese "Zwangsanmeldung" zurückgenommen.

Herzlichen Dank für eine beispielhafte und weder schlechtes unterstellende, noch Arglist voraussetztende Antwort.

Antwort
von DerHans, 8

Im Bezug auf die Krankenversicherungspflicht gibt es natürlich auch für Mönche keine Sonderregelungen.

Wer die Bundesrepublik verlässt, muss das seiner Krankenkasse natürlich mitteilen. Je nachdem wohin er geht, ist die deutsche Krankenversicherung gar nicht möglich.

Kommentar von freuter ,

Es wurde auch an keiner Stelle nach einer Sonderregelung gefragt. Aber Dankeschön für die Mühen einer Antwort.

Antwort
von Bleistein, 12

Nach der aktuellen Regelung fällt man m.E. aus der Krankenversicherungspflicht, wenn der gewöhnliche Aufenthaltsort länger als sechs Monate ins Ausland verlegt wird.

Mit einer entsprechenden Abmeldung sollte das Missverständnis also zu klären sein.

Es können natürlich auch Fehler geschehen, aber in der Regel arbeiten die Kassen sehr gewissenhaft auf Basis der geltenden Sozialgesetzte. Vor allem die Schriftsätze ähneln von der Form stark behördlichen Mitteilungen. Aber auch hier gilt: Sprechenden Menschen kann geholfen werden.

Einfach mal Anrufen uns sich beraten lassen. Die Kassen und deren Mitarbeiter haben keinerlei Interesse, sich Beiträge einzuverleiben, die ihnen nicht zustehen.

Antwort
von ellaluise, 28

In D besteht eine Krankenversicherungspflicht ggf. muß man die Krankenversicherung selber zahlen. Es gibt Mitwirkungspflichten und man sollte sein Einkommen mitteilen ansonsten geht die KK vom Höchstbetrag aus.

Wer nicht Mitglied der deutschen KV sein will, muß sich in Deutschland beim Einwohnermeldeamt abmelden oder es muß eine gültige, anerkannte Krankenversicherung im Ausland nachgewiesen werden.

Kommentar von freuter ,

Bis auf die Tatsache, dass keine gültige Krankenversicherung nachgewiesen werden musste (was wohl je nach Zielland anders sein darf), eine richtige Antwort - wie sich mir mittlerweile in der praktischen Lösungsumsetzung zeigte.

Dankeschön.

Antwort
von wilees, 26


...........Seit geraumer Zeit teile ich dann den Kassen auch in Schriftform mit, dass diese nicht mehr unter unserer Anschrift erreichbar sind und mit unbekannter Adresse ins Ausland abgereist sind. ............

Und dies wird seitens der KV mit Recht angezweifelt. 

.............Nun ist es im monastischen Leben durchaus üblich, dass gerade Novizen und Postulanten für längere Zeiträume das Land verlassen um ihre Reifungen in anderen Klostereinrichtungen, weltweit, zu vervollständigen. ....

Dieses Procedere ist wohl sicherlich üblich, aber Du wirst doch wohl niemandem glaubthaft versichern können, dass das Kloster nicht weiß, wohin diese Menschen gegangen sind.

Ergo wird auf die Versicherungspflicht in Deutschland bestanden.

Schließlich haben sie sich doch in den Schutz der Kirche begeben und wissen in der Abgeschiedenheit ihrer Mönchszellen -irgendwo in der Ferne- nicht einmal, das und was sich da über Ihnen zusammen braut.

Und hier ist es Aufgabe der Kirche Verantwortung zu übernehmen. Ja, und speziell mit der hauseigenen Verhaltensweise versucht Sie sich dieser zu entledigen.

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