Frage von M4H0M4T1X, 95

Kann eine (gut gefuehrte) Diktatur besser sein als ein Demokratisches System?

Hallo Leute :)

In den letzten wochen ist mir die schon im titel erwaehnte Frage in den Sinn gekommen.

Ich sehe als jemand der die Nachrichten regelmaessig mitverfolgt immer wieder hoffnumgslose Versuche, ein Land mit einer diktatorischen Fuehrung in ein demokratisiertes Land umzuwandeln. Als Beispiel koennte ich Tunesien nennen. Oder Syrien, oder auch Yemen. Dort gab es am anfang doch auch Diktaturen, die mit hilfe des Westens gestuerzt wurden oder?

Aber irgendwie werde ich das Gefuehl nicht los, dass es den Menschen dort vor der Demokratie besser ging - abgesehen voll dem Druck und der Macht der fuehrung die das Volk erlitten hat. Klar hatten die Buerger nichts zu entscheiden was das Land anging, im Gegen hier in Deutschland - oder besser gesagt in Europa - aber ihnen ging es Finanziell und auch Psychisch viel besser als heute. Oder spinne ich?

Also, kann so etwas wirklich sein oder traeume ich da nur?

Hoffe ihr versteht was ich meine :D

Gruesse M4H0M4T1X

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Franz1957, 49

Ganz sicher geht es einigen Leuten in einer Diktatur finanziell und psychisch viel besser als nach dem Sturz des Regimes. Den Leuten nämlich, die zum Umfeld der Machtelite gehören, zur Nomenklatura, wie man sie in der Sowjetunion nannte. Sie unterstützen die Herrschenden und  erhalten dafür Privilegien. So wie z.B. in der ehemaligen DDR: Wer dem Regime nahe genug stand, der konnte Sachen haben, die der kleine Genosse nicht haben konnte: Auslandsreisen, Luxuswaren, feine Wohnungen. Solange diese Privilegienwirtschaft klappt, ist die Diktatur aus der Perspektive dieser Leute auch gut geführt und allemal besser als ein demokratisches System.

Was den Westen angeht: Übersieh mal nicht die Diktaturen, die mit Hilfe des Westens errichtet und geführt worden sind. Siehe z.B.: Operation Ajax, Operation Condor, den Putsch in Chile 1973, Suharto, Mobutu, Bokassa. Oder Batista, den Vorgänger Fidel Castros, der gute amerikanische Freunde hatte. Und Franco, der auch nach 1945 schön an der Macht blieb, und bei dem Batista nach seinem Sturz Unterschlupf fand. Die Liste ist lang...

Antwort
von alexklusiv, 47

Selbstverständlich ist das nicht nur möglich, sondern heute vielerorts der Fall. Die Ukraine und Weißrussland hatten nach dem Zerfall der Sowjetunion nahezu die gleichen Voraussetzungen. Im Laufe der Zeit hat Weißrussland Demokratie so wie die Sowjetunion und die Ukraine so wie die EU eingeschätzt. Das Ergebnis davon ist heute, dass der durchschnittliche Weißrusse mehr als das Doppelte des durchschnittlichen Ukrainers verdient und in einem Land lebt, in dem es seit dem zweiten Weltkrieg keine bewaffneten Konflikte mehr gegeben hat - das ist in keiner einzigen anderen ehemaligen Sowjetrepublik der Fall.

Kommentar von Nightsong ,

Klar, weil Weißrussland Russland in den Arsch kriecht, und vollkommen abhängig davon ist. Natürlich ist es dann stabil und in großen Städten auch relativ wohlhabend.  Das ist aber nicht alles was zählt. Gleichheit ist in Weißrussland kaum vorhanden, es gibt viele, die keinen Schulabschluss haben, die kein fließendes Wasser oder Strom haben, die sich nicht im korrupten System ein schönes Leben erkaufen können. Stabilität, chancengleichheit und ein tragbares Leben für alle, das is es, was einen guten Staat ausmacht. 2 von 3 vorraussetzungen ist in Weißrussland nicht gegeben, was es zu keinem guten Land macht.

Außerdem muss ich dir glaube ich nicht sagen, dass du Weißrussland gerade mit einem sich im Krieg befindenden Land verglichen hast oder? 

Antwort
von Pudelcolada, 32

Eine Diktatur ist u.A. als Zwangsherrschaft definiert.
Dazu gehören die Zensur, die Gleichschaltung der Presse, das Verbot von Meinungs- und Versammlungsfreiheit, die Abschaffung freier Wahlen und noch einiges mehr.

Bitte wie definierst Du unter solchen Lebensbedingungen "gut geführt"?
Zu einer freien Gesellschaft, in der es den Menschen "besser geht", gehört mehr als nur eine halbwegs gesicherte Existenz, die zuallererst vom konformen Bürgerverhalten abhängt.
Denn sobald ein Bürger sich nicht konform verhält und Kritik äußert, hat sich seine gesamte Existenz in einer Diktatur so gut wie erledigt, und zwar wörtlich.

Also nein.

Expertenantwort
von ArnoldBentheim, Community-Experte für Politik, 28

Wenn man antiken Denkern Glauben schenken wollte, dann könnte man geneigt sein, die Frage zu bejahen.

Das Problem ist: den Beweis ist uns "die Geschichte" bisher schuldig geblieben.

Dagegen haben Demokratien den Menschen zumeist Frieden und Wohlstand gebracht.

Daher möchte ich die Frage mit einem klaren "Nein!" beantworten.  :-)

MfG

Arnold

Kommentar von Pudelcolada ,

Jepp!
Wogegen die Geschichte uns häufig genug bewiesen hat, dass Diktaturen sehr schnell und problemlos zu willkürlichen, gewalttätigen Zwangsherrschaften mutieren können und bei nachträglicher Betrachtung auch oft genug und mehrheitlich mit genau diesem Ziel errichtet wurden:
Die gewaltsame Unterdrückung der Bevölkerung, um nicht nur die Macht ausüben zu können, sondern vor allem, um die Machtclique rund um den Diktator dauerhaft mit einem möglichst hohen Lebensstandard zu versorgen.

Antwort
von Gneisenau, 18

Die Demokratie ist die schlechteste Regierungsform, so oder ähnlich, hat das mal ein Philosoph im alten Griechenland gesagt. Wenn man den geistigen Zustand unseres Deutschland betrachtet, muss man bei klarer Denke einfach zu diesem Schluß kommen. Es liegt vielleicht im Naturell der Germanen, die sich nur in einer Diktatur entfalten können.....zum Guten, wie zum Schlechten!

Antwort
von DeadlyEnemy, 41

Ja das geht. Auch wenn es truamdenken ist, dass es eine Diktatur gibt, die NUR an das Land/das Volk denkt.

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