Frage von FringeDivision, 79

Kann ein Vorgesetzter die Beteiligung an privaten Veranstaltungen verlangen?

Hallo Zusammen,

Mein Vorgesetzter hat im Rahmen der "Bespassung" eines ausländischen Kollegen für jeden Werktag dieser Woche, am Abend eine private Veranstaltung geplant. Von Bowling bis Golf spielen. Alles dauert bis weit nach 22 Uhr, zuhause wäre ich erst gegen 24 Uhr.

Mein Vorgesetzter VERLANGT jetzt von uns allen an mindestens 3 Abenden teilzunehmen.

Kann ein Vorgesetzter so etwas wirklich fordern?

Danke und Grüße

Expertenantwort
von Hexle2, Community-Experte für Arbeit & Arbeitsrecht, 37

Wenn der AG die Zeit als Überstunden/Mehrarbeit bezahlt oder es eine Zeitgutschrift auf dem Zeitkonto gibt, kann man mal darüber nachdenken an der einen oder anderen Veranstaltung teilzunehmen. Unentgeltlich bestimmt nicht, wenn der AG das verlangt ist es eine Pflichtveranstaltung, also Arbeitszeit.

Was stehet denn zu Überstunden im Arbeitsvertrag? Ich vermute mal, Ihr müsst Eure Arbeitsleistung mit den vereinbarten Stunden trotz dieser Veranstaltungen bringen.

Gibt es einen Betriebsrat und wenn ja, hat dieser die Überstunden genehmigt? Wie sieht es mit der Ruhezeit von mindestens 11 Stunden aus? Außerdem würde die Arbeitszeit von max. 10 Stunden/Tag sehr wahrscheinlich wesentlich überschritten werden und das ist nicht zulässig.

Wenn der AG die Mitarbeiter anweist an diesen Veranstaltungen teilzunehmen, muss er auch für die Einhaltung der Arbeitszeitgesetze sorgen. Er begeht sonst nicht nur eine Ordnungswidrigkeit nach § 22 Arbeitszeitgesetz sondern macht sich nach § 23 ArbZG sogar strafbar, da er sich wissentlich und vorsätzlich über geltendes Recht hinwegsetzt.


Kommentar von FringeDivision ,

Wir bekommen diese Termine nicht als Überstunden/Arbeitszeit angerechnet und müssen Kosten für Eintritt usw. auch selbst zahlen.

Überstunden sind im Gehalt abgegolten.

Kommentar von Hexle2 ,

Überstunden sind im Gehalt abgegolten.

Wie viele? Was ist mit Betriebsrat? Wenn es diesen gibt, muss er trotz Vereinbarung zustimmen.

Wenn pauschal Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sein sollen, müsst Ihr überdurchschnittlich hohe Gehälter haben. Ansonsten muss die Anzahl der Überstunden die im Gehalt eingeschlossen sind beziffert werden. Sonst ist diese Klausel wertlos. Das hat schon das BAG festgestellt.

Eintritt und Kosten selbst tragen bei Pflichtveranstaltungen des AG geht überhaupt nicht. Zudem mein Verweis auf die Arbeitszeitgesetze.

Kommentar von FringeDivision ,

Es heißt nur das alle Überstunden abgegolten sind. Ich habe etwa 8-15 Überstunden im Monat. Mein Gehalt ist im Vergleich zu Bekannten in gleicher Tätigkeit leider sogar etwas geringer. Einen Betriebsrat gibt es nicht.

Es ist in dem Sinn ja keine Pflichtveranstaltung des Unternehmens. Der Abteilungsleiter verlangt einfach die Anwesenheit bei privaten abendlichen Veranstaltungen.

Kommentar von Hexle2 ,

Es ist in dem Sinn ja keine Pflichtveranstaltung des Unternehmens. Der Abteilungsleiter verlangt einfach die Anwesenheit bei privaten abendlichen Veranstaltungen.

Wenn er "verlangt", ist es eine Pflichtveranstaltung und somit Arbeitszeit. Wenn er gefragt und gebeten hätte ob der eine oder andere Kollege mal einen Abend an dieser "Bespassung" teilnehmen möchte, wäre das was anderes. Freiwilligkeit sehe ich hier absolut nicht und damit auch kein "Privatvergnügen".

Es heißt nur das alle Überstunden abgegolten sind.

Das ist unzulässig. Deine Überstunden müssen alle bezahlt werden. Lies mal hier:

http://www.hensche.de/Rechtsanwalt_Arbeitsvertrag_Allgemeine_Geschaeftsbedingung...

Kommentar von Hexle2 ,

Sorry, Link funktioniert anscheinend nicht.

Vielleicht dieser:

http://www.finanztip.de/arbeitsvertrag/arbeitsgesetz-ueberstunden/

Kommentar von FringeDivision ,

Danke! Schaue ich mir an.  Ich bin wirklich am überlegen mir was anderes zu suchen.

Kommentar von Hexle2 ,

Ich bin wirklich am überlegen mir was anderes zu suchen.

Da werde ich Dir bestimmt nicht abraten. Alles Gute

Kommentar von Familiengerd ,

@ FringeDivision:

Die Aussagen von Hexle2 sind völlig korrekt.

Klauseln zur Pauschalabgeltung von Überstunden sind bei "Normalverdienern" (unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze zur gesetzlichen Rentenversicherung) unwirksam, wenn die Zahl der Überstunden nicht beziffert wird, außerdem müssen die pauschal abgegoltenen Überstunden in einem angemessenen Verhältnis (maximal 20 %) zur vereinbarten Arbeitszeit stehen.

Zur Teilnahme an den "privaten" Abendveranstaltungen bist Du nicht verpflichtet. Der Arbeitgeber kann eine solche Veranstaltung außerhalb der Arbeitszeit auch nicht zur Pflichtveranstaltung (mit Bezahlung) erklären.

Antwort
von Alija1990, 24

Noch hinzuzufügen, ich hatte ein sehr enges vergalten zu meiner ehm. cheffin! Schlussendlich habe ich gekündigt weil die alte rumgelästert hat und seit dem trenne ich privates und geschäftliches!

Antwort
von oki11, 35

http://www.internetratgeber-recht.de/Arbeitsrecht/frameset.htm?http://www.intern... kann er nicht!

Da es sich so wie Du es beschreibst um eine private Veranstaltung handelt, kann er nach Dienstschluss nicht verlangen, dass Du anwesend zu sein hast.

Auch der zeitliche Rahmen ist unangebracht, da er von Dir ja sicherlich auch ein pünktliches Erscheinen am nächsten Tag erwartet und eine bestimmte Stundenazhal der Ruhezeit nicht unterschritten werden darf.

§ 5 Abs. 1 ArbZG schreibt vor, dass den

Arbeitnehmern nach Beendigung der Arbeit eine ununterbrochene Ruhezeit von

mindestens 11 Stunden zu gewähren ist. 

Eine Ausnahme besteht im Verkehrs- und

Gaststättengewerbe: Hier kann in einigen Bereichen die Ruhezeit auf 10 Stunden

herabgesetzt werden, wenn innerhalb von einem Monat oder von vier Wochen durch

eine entsprechende Verlängerung der Ruhezeiten ein Ausgleich geschaffen wird.

§ 7 Abs. 1 Nr. 3 ArbZG lässt eine noch

weitergehende Ausnahme zu: Im Tarifvertrag kann eine Reduzierung der Ruhezeit

auf 9 Stunden und ein Ausgleich innerhalb eines frei festzulegenden Zeitraumes

vereinbart werden.

http://www.internetratgeber-recht.de/Arbeitsrecht/frameset.htm?http://www.intern...

Antwort
von Toastys, 35

Kannst ihn ja Fragen ob er es dir als Arbeitsstunden anrechnet

Kommentar von FringeDivision ,

Dann kann ich direkt meinen Schreibtisch räumen 😀

Kommentar von Toastys ,

Dann kannst du ihn auf entschädigung verklagen ;) - er kann dir nicht einfachso deine Freizeit rauben. Geh einfach nicht hin, dann wird er an einem Kündigungsgrund scheitern

Antwort
von Alija1990, 31

Nein, Privat ist privat und bleibt auch so!

Kommentar von Mojoi ,

So ist es. Und bei der Anspruchshaltung des Chefs würde ich aus Prinzip ablehnen.

Hatte zwei Mal so eine Situation, wo englischsprachige Kollegen da waren und aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse aufgeschmissen gewesen wären.

Die Vorgesetzten hatten mich jeweils in allernettester Art gefragt, ob ich was mit denen unternehmen würde (bei Erstattung der Spesen). Da denkt man dann eher wohlwollend darüber nach.

Aber SO, näh!

Antwort
von kabatee, 7

Freizeit ist Freizeit und Schnaps ist Schnaps. soll doch der Chef das machen aber ich würde es auch nicht machen. Sag einfach: Familär und die länge macht es unmöglich, weil du auch am anderen Tag wieder in der firma sein musst!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community

Weitere Fragen mit Antworten