Frage von robbie11, 29

Kann ein schon vor dem Verfahren nicht mehr genutztes Kreditkartenkonto die Insolvenz überdauern u. die Forderung von der Restschuldbefreiung unberührt bleiben?

Hallo liebe Forumsteilnehmer,

durch eine Schufa-Auskunft bin ich vor kurzem auf Mitteilungen der Targobank über ein sog. Abwicklungskonto aufmerksam geworden. Diese beginnen im März 2013. Zu dieser Zeit befand ich mich in einem Regelinsolvenzverfahren (als ehem. Einzelunternehmer). Das Verfahren endete im März 2015 mit der Erteilung der Restschuldbefreiung.

Die Mitteilung der Targo an die Schufa war mir zunächst schleierhaft. Inzwischen weiß ich, dass sie auf eine seit ca. 2003 oder 2004 nicht mehr genutzte VISA-Karte der Targo-Vorgängerin Citibank zurückgeht. Da ich seitens Citi- oder Targobank seit mindestens zehn Jahren keine Mitteilungen mehr bekommen habe, hatte ich die Karte auch bei der Zusammenstellung der Gläubigerliste im Jahr 2009 nicht mehr auf dem Schirm (ich bin davon ausgegangen, dass sie nicht mehr existierte). Soweit ich weiß, ist es aber unerheblich, ob eine Forderung zur Gläubigerliste angemeldet wird, restschuldbefreit wird sie dennoch.

Die Targobank hat ihre - jährlichen - Mitteilungen an die Schufa auch nach der Restschuldbefreiung 2015 fortgesetzt, mit einem (offensichtlich gebühren- oder zinsbasierten) Aufschlag von jeweils ca. 60 Euro.

Ich habe die Targo - mit Hinweis auf die RSB - zur Löschung der Schufa-Einträge aufgefordert.

Dabei ist mir nicht klar, wie ein Kreditkartenkonto in dem Fall behandelt wird. Offensichtlich ist es von der Targo ja bis spätestens 2013 weitergeführt worden, ohne dass ich Abrechnungen, Zahlungsaufforderungen etc. bekommen hätte. Der Sinn eines Insolvenzverfahrens kann doch nur darin bestehen, auch diese alte Forderung zu erledigen. Aber von wann ist die Forderung - rechtlich - eigentlich, wenn die letzte Belastung der Karte ca. 2003 erfolgte, das Konto aber z.B. noch bis 2013 existierte ? Kann das überhaupt sein, ohne dass ich Informationen bekomme ? Auch die Targo hätte durch die Veröffentlichung ja Kenntnis von der Insolvenz haben können.

Könnte sich die Targo daher auf den Standpunkt stellen, dass ihre (Haupt-)Forderung erst von 2013 ist und damit vom Insolvenzverfahren und der RSB nicht berührt ? Oder kann sie zumindest die Nebenforderungen (Zinsen oder Gebühren), die sie vom Insolvenzbeginn bis zur RSB berechnet hat, noch durchsetzen ?

Aus einem heute eingegangenen Auszug der Targo über ein ebenso altes Sparbuch (auch darüber hatte ich seit 13 Jahren nichts gehört, ich habe mit meinem Schreiben also schlafende Hunde geweckt..) geht hervor, dass sie den Restsaldo von ca. 35 Euro am 19.8.16 umgebucht hat. Demzufolge geht sie wohl vom Weiterbestand der (oder zumindest einer Teil-) Forderung wegen der Karte aus.

Das wäre für mich insofern verheerend, als ich krankheitsbedingt nicht in der Lage bin, die aufaddierte Summe aufzubringen.

Grüße, und Dank im Voraus für eure Mühe

robbie11

Antwort
von DwarfEnt, 23

Hallo,

alle Verbindlichkeiten bis zum Beginn der Insolvenz gehen in das Verfahren. Ab Beginn der Insolvenz gibt es keine auflaufenden Kosten mehr. Rechtlich sauber hätte die Bank das Kartenkonto kündigen können/müssen und die summierten Schulden waren dann halt in der Insolvenz.

Auf die Schufa einwirken, wegen Lösung dieses Eintrages kannst Du aber erst nach drei Jahren, wenn auch die Privatinsolvenz gelöscht wird.

Ansonsten erstmal beruhigt ignorieren.

Viel Glück

Kommentar von robbie11 ,

Danke für die schnelle Reaktion und die klare Aussage.

Um das noch mal auf den für mich fraglichen Punkt zuzuspitzen: Laut den Geschäftsbedingungen für die Karte sind jeweils nur 5 % sofort nach der Abrechnung zahlbar. Wenn Du von Verbindlichkeiten bis zum Inso-Beginn sprichst, ist dann damit der komplette Sollsaldo gemeint ? Ist die Forderung also zeitlich von der letzten Belastung der Karte oder von der Fälligstellung abhängig (nach akt. Rechtsprechung) ? Oder, anders ausgedrückt, was sind (schematisch etwas vereinfacht) die restlichen 95 % zum Zeitpunkt des Inso-Beginns ?

Zur Löschung der Schufaeinträge während der Insolvenzphase und nach der RSB kann ich noch eine aktuelle Erfahrung beitragen:

Mit der Commerzbank hatte ich eine monatelange Auseinandersetzung wegen eines ähnlichen Eintrags während der WVP - allerdings ging es da um eine zeitlich eindeutige und zur Gläubigerliste angemeldeten Forderung  Nach langwierigem Insistieren meinerseits hat das Inkasso der CoBank schließlich mitgeteilt, dass die Schufa "die Datensätze nach Erteilung der Restschuldbefreiung gelöscht und die Verbindlichkeiten allgemein als erledigt gekennzeichnet" habe. 

Das ist - glaube ich - das, was man auch vor Ablauf der 3-Jahres-Frist beanspruchen kann, und das wäre auch mein Ziel bezüglich der Targobank. Soweit ich es verstanden habe, muss nur die Restschuldbefreiung selbst bis Ende 2018 vermerkt bleiben und die Mitteilungen vor der RSB verbleiben mit dem zusätzlichen Erledigungsvermerk.   

Kommentar von DwarfEnt ,

Hallo,

der für die Insolvenz maßgebliche Saldo sind die Schulden auf dem Kartenkonto zum Beginn der Insolvenz, also die 95% und die 5%, falls noch nicht an dem Tag abgebucht.

Wichtig ist, dass Du die Karte nachher nicht mehr benutzt hast. Sonst wären das neue Schulden, die nicht durch die Restschuldbefreiung abgedeckt sind.

Viel Glück

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