Frage von tete16, 85

Kann ein Miterbe seinen Anteil separat verkaufen - trotz gemeinsamen Erbscheins und zu einem höheren Wert als das vorliegende Gebot für das Gesamterbe?

Ein gemeinschaftlicher Erbschein wurde beantragt unter den Pflichtteils-Erben. Ein Erbberechtigter dieses Erbscheins möchte seinen Anteil separat verkaufen, zu einem höheren Wert als der berechnete nach dem Gesamt -Kauf-betrags des Gesamterbe (Haus). Ist das möglich?

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Antwort
von expermondo, 5

Hallo tete16,

Schau mal bitte hier:
Recht Erbe

Antwort
von wfwbinder, 51

Einfach zwei Blicke ins Gesetz:

§ 2033 (BGB)Verfügungsrecht des Miterben (1) Jeder Miterbe kann über seinen Anteil an dem Nachlass verfügen. Der Vertrag, durch den ein Miterbe über seinen Anteil verfügt, bedarf der notariellen Beurkundung. (2) Über seinen Anteil an den einzelnen Nachlassgegenständen kann ein Miterbe nicht verfügen.

Also, er darf.

§ 2034 Vorkaufsrecht gegenüber dem Verkäufer

(1) Verkauft ein Miterbe seinen Anteil an einen Dritten, so sind die übrigen Miterben zum Vorkauf berechtigt. (2) Die Frist für die Ausübung des Vorkaufsrechts beträgt zwei Monate. Das Vorkaufsrecht ist vererblich.

Die übrigen Erben haben ein Vorkaufsrecht. Üben sie es nicht aus, ist der Verkauf genehmigt.

Expertenantwort
von ichweisnix, Community-Experte für Erbe, 25

Ein Miterbe kann seinen Erbteil ( = Stellung als Miterbe) verkaufen. Die übrigen Erben haben dann ein Vorkaufsrecht, d.h. können in den Kaufvertrag an die Stelle des Käufers mit allen Rechten und Pflichten treten.

Erbschaftsgegenstände als solche können die Erben hingegen apriori nur gemeinsam verkaufen, da die Erbengemeinschaft eine Gesamthand ist.

Die Erbengemeinschaft kann das Erbe aber vorab auseinandersetzen, d.h. z.B. anstelle der Erbengemeinschaft die jeweiligen Einzelerben als Miteigentümer ins Grundbuch eintragen lassen. Das ist in der Regel aber nicht sehr sinnvoll, da das Käuferintresse an Miteigentum ohne Sondernutzungsrechte recht gering sein dürft.

Antwort
von schelm1, 44

Sofern die anderen Mitglieder der Erbengeminschaft (BGB-Gesellschaft) dem Vorhaben zustimmen indem man sich über die Verteilung des Verkaufserlöses einig ist, kein Problem!

Ohne Zustimmung der anderen Erben läuft nichts; es sei denn, die Gemeinschaft würde durlch eine Zwangsversteigerung beendet, bei der dann alle Erben gleichmäßig nach dem jeweilis gehaltenen Erbanteil am Versteigerungsüberschuß teil haben.


Kommentar von Grinzz ,

Die Frage ließt sich m.E. eher so, als ob der Erbanteil verkauft werden soll und nicht ein x-tel Anteil an einem Haus oder so... Deine Antwort zielt aber eher auf zweiteres... ;-)

Kommentar von schelm1 ,

Die Frage zeigt eindeutig:

Gesamterbe (Haus).

Von daher dürfte ohne die Zustimmung der anderen Gesamterben nichts gehen!

Kommentar von Grinzz ,

Na, das Zitat ist ein wenig aus dem Kontext gerissen:

Ein Erbberechtigter dieses Erbscheins möchte seinen Anteil separat verkaufen, zu einem höheren Wert als der berechnete nach dem Gesamt -Kauf-betrags des Gesamterbe (Haus).

Die Wortwahl zeigt eindeutig, dass der Fragesteller im Erbrecht nicht zuhause ist. Auf die verwendeten Begrifflichkeiten kann man daher nicht uneingeschränkt abstellen.
Der Passus hier zeigt auf, dass der Begriff "Gesamterbe (Haus)" als Gegensatz zum Wert eines einzelnen Anteils gemeint ist und zwar dahingehend, dass der Wert des Anteils (Bruchteilsanteil an der Erbengemeinschaft) schon größer sein soll als der Wert des Hauses (des Nachlassgegenstandes).

Für mich lässt dies keine andere Auslegung zu, als an den Verkauf eines Erbanteils zu denken und nicht an den Verkauf von einzelnen Nachlassgegenständen. Aber zugegeben: Eindeutigkeit sieht anders aus ;-)

Kommentar von schelm1 ,

Das ist doch völlig Wurscht, wie das auszulegen wäre! Der User , der diese Frage gestellt hat, möge das präzisieren! Solange steht meine Antwort für meine Auslegungsweise unverbrüchlich fest!

Dass der Fragesteller hinsichtlich des Problems völlig "unbeleckt" ist, zeigt seine Frage als solche. Wüßte er Bescheid, hätte er nicht fragen brauchen!

Kommentar von Grinzz ,

Hey, immer ruhig bleiben! Ich wollte dir ja gar nicht widersprechen, denn du hast ja nicht Unrecht.

Ich wollte lediglich andeuten, dass deine Antwort möglicherweise deshalb negierend lautet, weil du die Frage anders verstanden hast/anders ausgelegt hast.

Kommentar von schelm1 ,

Dazu kann nur der "Verschlossene" was sagen!

Antwort
von Ronox, 37

Der Miterbe kann nur seinen Erbteil verkaufen. Dieser ist nicht zu verwechseln mit einem Miteigentumsanteil am Hausgrundstück. Denn dieses gehört allen Erben gemeinschaftlich in der Erbengemeinschaft (sofern noch keine Erbauseinandersetzung erfolgt ist, wovon ich ausgehe). Der Erbteilskäufer würde daher auch wiederum Mitglied der Erbengemeinschaft sein.

Antwort
von FordPrefect, 46

Der gemeinschaftliche Erbschein ist ein ereine Verwaltungsvereinfachung, der aber wiederum das individuelle Recht jedes Erben, über seinen eigenen Erbteil nach Gutdünken verfügen zu können, nicht weiter tangiert. Zwar steht den Miterben grundsätzlich ein Vorkaufsrecht zu, aber schlagen diese den Kauf aus zum vorgegebenen Preis, kann der Erbe seinen Anteil jederzeit an einen Dritten veräußern.

Antwort
von schleudermaxe, 52

Natürlich, wenn er denn einen Käufer für seinen Anteil findet.

Antwort
von myzyny03, 50

Wer sollte denn ein Teil eines Hauses Kaufen?

Es ist aber auch nicht möglich, da bei einer Erbengemainschaft niemandem ein bestimmterTeil des Hauses gehört, sondern allen das ganze Haus. 

Was willst du da verkaufen?

Kommentar von tete16 ,

Jeder Erbanteil - egal von was - kann notariell beglaubigt verkauft werden. Soviel weiß ich schon. Nur nicht, ob das trotz gemeinschaftlichem Erbschein geht. 

Eine Antwort von jemanden mit ähnlichen Erfahrungen oder beruflich bewandertem wäre hilfreich.

Kommentar von myzyny03 ,

Du musst erst mal verstehen, dass es keinen "Erbteil" gibt, wenn ihr eine Erbengemeischaft seid! Allen gehört das ganze Haus gemeinsam.

Auch bei einer notariellen Übertragung müssen die anderen Erben zustimmen.

Kommentar von FordPrefect ,

Wer sollte denn ein Teil eines Hauses Kaufen?

Jemand, der sich einen Anteil an einer Immobilie sichern möchte; sei es wegen evtl. anteiliger Mieteinkünfte, oder auch nur, um bei einem späteren Verkauf weiterer Anteile seinen Eigentumsanteil weiter aufstocken zu können.

Es ist aber auch nicht möglich

Unfug. Natürlich ist das möglich.

Kommentar von myzyny03 ,

In der Erbengemeinschaft ist es NICHT ohne die Zustimmung der Miterben möglich. Nochmal: Es GIBT KEINEN ERBANTEIL am Haus, solange die Erbengemeinschaft besteht. 

Ein eventueller Käufer eines Anteilswertes des Erbes tritt in die Erbengemeinschaft ein!  Ihm gehört aber immer noch kein bestimmter Teil des Hauses. (z.B. die "dritte Etage" oder sonst was.)

Kommentar von Grinzz ,

Es GIBT KEINEN ERBANTEIL am Haus, solange die Erbengemeinschaft besteht.

Es gibt aber einen Anteil an der Erbengemeinschaft. Und dies ist der sogenannte Erbanteil (vgl. insoweit § 2033 BGB). Und dieser kann freilich auch veräußert werden. Die Zustimmung der anderen Erben ist nicht erforderlich - den Miterben steht jedoch ein Vorkaufsrecht zu.

Ein eventueller Käufer eines Anteilswertes des Erbes tritt in die Erbengemeinschaft ein!  Ihm gehört aber immer noch kein bestimmter Teil des Hauses.

Das behauptet auch niemand ;-) Auch FordPerfect nicht. Denn dieser antwortet nur auf die Frage, welche auf die Veräußerung eines Erbanteils zielt.

Kommentar von FordPrefect ,

In der Erbengemeinschaft ist es NICHT ohne die Zustimmung der Miterben möglich.

Falsch. Wenn dem so wäre, bräuchte man wohl BGB § 2033ff nicht, oder?

Nochmal: Es GIBT KEINEN ERBANTEIL am Haus, solange die Erbengemeinschaft besteht.

Davon hat

a) niemand gesprochen, und

b) kann die Erbengemeinschaft auch aufgelöst werden, notfalls durch Teilungsversteigerung (siehe dazu u.a. §§ 741 bis 758 BGB und natürlich §§ 180 Abs. 1, 15 ZVG).

Quelle u.a. https://teilungsversteigerung.eu/


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