Frage von LebenTod, 126

Kann ein Mensch mit mehreren oder vielen Einschränkungen ein einigermaßen erfülltes und selbständiges Leben führen?

Mich würde interessieren, ob ein Autist mit einer leicht eingeschränkten Intelligenz, , Koordinationsstörungen, Sprachentwicklungsstörungen, einer Sehschwäche von -4 Dioptrien und zudem noch ADHS und einer leichten allgemeinen Entwicklunsverzögerung ein selbständiges/normales Leben führen.

Welche Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten gibt es für solchen Menschen? Haben sie Chancen wie jeder andere Mensch, eine eigene Familie zu gründen, Kinder zu haben, ohne besonderen großen Hilfen alleine in einer eigenen Wohnung zu leben, "ganz normale" Freunde zu haben usw. ? Haben sie auch ein Recht darauf, ganz normale Schulen zu besuchen und in Betrieben "normaler" Menschen zu arbeiten ohne besonderen Umgang oder umfangreicher Unterstützung oder können sie nur in eine Behindertenwerkstatt? Können solche Menschen ihre Freizeit selbstständig gestalten? Und um welche Form von Autismus könnte es sich handeln?

Antwort
von verquert, 70

hm... geht es um Dein Leben? Mich interessiert die Frage von Dir wegen der Schule,weil Du weiter oben bereits etwas von Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten geschrieben hast.

Ob und welche Menschen (egal welche Diagnose) sich entwickeln oder nicht, hängt auch primär von der Förderung ab. Nicht über- aber auch nicht unterfordern ist wichtig.

Werkstätten für behinderte Menschen werden (zum Teil) als zu drastisch schlecht dargestellt, als sie scheinen. Ich selbst (Diagnose Autismus) habe selbst diesen Schritt in Erwägung gezogen. Allerdings bin ich für eine WfbM zu instabil. Einige Menschen innerhalb der WfbM haben auch einen Außenarbeitsplatz erfahren dürfen. Einige wurden übernommen - weil der/die TeilnehmerIn es auch wollte.

Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten sind auch eine Frage der Einschränkungen. Viele "Folgeerkrankungen" haben auch gar nichts mehr mit dem Autismus direkt zu tun, sondern sind entstanden, aufgrund von zu hoher Belastung auf langer Sicht.

Mit anderen Worten: es muss sich selbst gefunden werden (wie jeder Mensch sein Sein finden muss) um authentisch leben zu können. Und innerhalb der Arbeit (auch in einer Behindertenwerkstatt) kann sich auch ausprobiert werden. Die Grenzen erkennen lernen, die Stärken und Schwächen, die Bedürfnisse und vor allem auch die Wahrnehmung. Danach kann damit gearbeitet werden. Schwächen brauchen nicht "behoben" werden. Manchmal ist es aber hilfreich diese zu kompensieren. Also Grenzen zu finden. Individualität und Anpassung. Wobei in einer WfbM eine 'Grundstabilität' vorliegen muss. Und nicht alle Werkstätten richten sich nach den Bedürfnissen und Zielen des "Klienten".

Wahrscheinlich stellst Du Dir diese Fragen, die Du uns stellst, oder? Also dass sie auf Dein Sein zutreffen. Dass Du Perspektivängste hast,... kann das sein? Wenn dem so ist, dann bitte finde erstmal etwas, wo Du wieder zur Ruhe kommen kannst. Denn Deine Worte können ein Zeichen von 'aktueller Verzweiflung' sein, entstanden aus - welchen Gründen auch immer.

Aber nur außerhalb der Verzweiflung kannst Du Wege für Dich finden können.... Vielleicht interpretiere ich falsch, auch das kann sein.

Kommentar von LebenTod ,

 Ich meinte nicht Ausbildung, sondern "Bildung". Sorry hab mich vertippt.

Und nein. Es geht nicht genau um mein Leben, sondern allgemein um Menschen, die sich in der Situation befinden

Antwort
von abibremer, 49

ABER HALLO: Besser könnte es mir kaum gehen: Ich kann NICHT mehr gehen, nur kurzfristig stehen, um die Toilette zu benutzen oder INS Bett, bzw. wieder heraus zu kommen. Diese Einschränkungen machten mich zum "Vielzufrührentner", andererseits bin ich aber inzwischen einarmig SO fit, dass ich mich selbst an-oder ausziehen kann UND (mir besonders wichtig) meine Mahlzeiten SELBST zubereiten kann. Etwas mehr Geld könnte ich schon vertragen, nähere mich aber mit rasender Geschwindigkeit dem "serienmäßigen" Rentenalter, von dem ich mir mehr Geld erhoffe.

Antwort
von abibremer, 4

Selbst wenn ICH mich NICHT im Gegensatz zu anderen, die unter vielleicht "falschen Antworten" von mir hier zu "leiden" hatten, für blöde oder geistig minderbemittelt halten, bin ich mindestens körperlich "mehrfachbehindert" meine linke Hand funktioniert überhaupt nicht und mein linkes Bein ist KAUM belastbar. Es reicht gerade so eben aus, dass ich keine Hilfe benötige; um ins Bett hinein und auch wieder heraus zu kommen. Auch den Toilettengang kann ich OHNE fremde Hilfe erledigen. Seit etwa einem Jahr habe ich einen recht komfortablen Elektrorollstuhl, mit dem ich die meisten notwendigen Wege SELBST erledigen kann, mit dem ich aber in Bussen oder Bahnen zurechtkomme. Meine sehr kleine; spartanisch eingerichtete Küche lässt es zu, dass ich mir meine Mahlzeiten SELBST zubereiten kann und die oft wesentlich besser als irgendwelcher Fertigfraß schmecken Von den "früheren normalen" Freunden scheinen einige "Angst" vor mir zu haben, weil sie sich trotz mehrer Kontaktversuche meinerseits nicht mehr rühren. Ich bin ganz froh darüber nicht mehr arbeiten zu müssen, weil ich spätestens nach dem halben Tag im Rolli Probleme mit dem "Sitzfleisch" und der Wirbelsäule habe. So kann ich dann notfalls einfach ins Bett gehen. Nach zweijähriger Erfahrung in einer Behindertenwerkstatt habe ich wirklich NICHT die geringste Lust, WIEDER in so einem Laden kostbare Zeit zu verschwenden. Mir fallen reichlich viele ANGENEHMERE  Zeitvertreibe ein: Dank Internet und netter Nachbarn habe ich wahrlich genug zu tun.

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