Frage von DiPi71, 122

Kann ein Anwalt eine berechtigte Forderung stellen, wenn er sein Mandat grundlos und freiwillig niederlegt?

Hallo zusammen! Ich habe einen recht komplizierten Fall, der zunächst in einer ganz einfachen Frage mündet..

Kann ein Anwalt eine berechtigte Forderung stellen, wenn er sein Mandat grundlos und freiwillig niederlegt?

Es ging um die Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung, die ich am Ende voll zahlen musste (die Frage, ob das rechtens war, ist bis heute ungeklärt). Ich hatte den Anwalt danach noch zweimal per Mail angeschrieben und nach der Möglichkeit einer Klage oder sonstiger möglicher Schritte (z.B. einschalten der Medien, da es sich um einen sehr grotesken Fall handelte). Diese Mails blieben unbeantwortet, ebenso wie die Anrufe meines Vaters, dem ich eine Handlungsvollmacht erteilt hatte, weil ich privat und beruflich genug um die Ohren hatte.

Nun (1,5 Jahre nach dem letzten Kontaktversuch!!!) schreibt mir der Anwalt per Mail von einer Kostennote (die er wohl an die Adresse meiner Ex-Frau geschickt hat, denn an die Adresse steht auf dem Briefkopf - ich war dort nie gemeldet und die Scheidung lief über die gleiche Kanzlei).

Kann eine solche Rechnung (dessen Betrag ich noch nicht kenne) rechtens sein?

Antwort
von Babalugagahui, 55

Ganz schön verworren bei dir...mein lieber Scholi. "Einiges um die Ohren" - ja, hört sich so an. Aber...mit Anwälten habe ich auch schon sei Einiges erlebt. Manche kommen gar nicht in die Gänge, sind viel zu freundlich zur Gegenseite, nicht erreichbar, was immer...und stellen Forderungen. Ich würde an deiner Stelle bei einem anderen nochmals neu anfangen und versuchen, den Knäuel mit diesem zu entwirren. Sonst wird der alte dich wohl mahnen und betreiben. Viel Erfolg!

Kommentar von Babalugagahui ,

Es gibt Menschen, bei denen ist alles vielschichtig, verworren, sind nie um "Erklärungen" verlegen, agieren auch nicht allein, sondern gerne mit ihnen Nahestehenden, wodurch es noch komplizierter wird....oh, oh. Der Anwalt hat "grundlos" sein Mandat niedergelegt.

Kommentar von DiPi71 ,

Vielleicht tue ich Ihnen Unrecht, dann bitte ich um Entschuldigung für meine lange Leitung. Aber WENN ich es richtig verstehe, kann ich nur antworten:

Es gibt Menschen, die kratzen ein wenig Sand von der Oberfläche und glauben, damit eine Analyse über 100m tiefe Gesteinsschichten anfertigen zu können...

Ich habe nirgendwo gesagt, dass der Anwalt sein Mandat grundlos niedergelegt hat! Ich habe hypothetisch gefragt, ob er eine Rechnung stellen dürfte, WENN er dies getan hätte.

Dann bliebe die Frage zu klären, ob man ein 1,5jähriges Schweigen trotz mehrfacher Anfragen als Niederlegung interpretieren darf.

Und ja, es ist komplex und verworren und ich habe KEINE Erklärung für alles! Daher wollte ich die Frage auf einen möglichst einfachen Nenner bringen.

FG, DiPi

Kommentar von Babalugagahui ,

Ihr Anwalt hatte aus irgendeinem Grund genug. Möglicherweise auch aus finanziellen Gründen? Danach haben Sie 1,5 Jahre lang versucht, mit ihm in Kontakt zu treten? Warum, wozu? Fanden sie ihn denn so toll? Jedenfalls haben sie an mehrern Fronten Probleme. Da muss man wohl einen radikalen Schnitt machen, um da Ordnung reinzukriegen. Wenn Sie wenig Mittel haben, können Sie sich an die ÖRA wenden (öffentliche Rechtsauskunft), wo Fachanwälte sitzen. Die gibt es aber nur in B, HH und HB. Überall sonst ist das Amtsgericht zuständig für kostenlose Rechtsberatungen, Beantragung von Prozesskostenhilfe, etc. Wäre das was für Sie? Und noch was: seinen Rechtsanwalt darf man nicht anlügen! Das ist kontraproduktiv. So kann er einem nicht helfen - und will es vielleicht irgendwann auch gar nicht mehr.

Kommentar von DiPi71 ,

Nein, ich habe nicht 1,5 Jahre versucht, in Kontakt zu treten. Ich habe es VOR 1,5 Jahren das letzte Mal probiert. Mein Vater hat dann mit Handlungsvollmacht noch ein paar mal versucht, telefonisch Kontakt aufzunehmen... ohne Reaktion. 

Und angelogen habe ich ihn keinesfalls!!!!!!

Wir haben aufgrund der Untätigkeit einen weiteren Anwalt für den eigentlichen Fall hinzugezogen. Der hat nach eingehender Prüfung des Falls durchaus Chancen, aber eben auch Risiken gesehen. Wir haben wegen der Höhe des Betrages und dem unkalkulierbaren Risiko von einer Klage abgesehen. Chancen standen laut Anwalt 50:50.

Dieser Anwalt hat seine ihm aufgetragene Arbeit einwandfrei und zügig erledigt und wurde für Erstberatung bezahlt.

Der erste hat plötzlich keine weiteren (auch von mir vorgeschlagenen) Schritte geprüft. Wie gesagt, ausgeschwiegen.

Und 1,5 Jahre später...schwupps.. Ach, ich krieg ja noch Geld!?!?

Kommentar von Babalugagahui ,

Gut, dann hat der erste eben die Sache schleifen lassen und nichts gemacht. Dann muss man ihm aber das Mandat entziehen (schriftlich, eingschrieben). Telefonische Kontaktaufnahme gilt nicht vor Gericht. Darauf besteht normalerweise ein neuer auch, bevor er sich mit dem Fall befasst. Ich glaube, der würde auch an ihn herantreten, wegen Übersendung relevanter Dokumente und beide müssen von dem Mandatswechsel Kenntnis haben, gerade wenn es vielleicht vor Gericht geht. Das ist wie bei einem Arztwechsel mit der Krankenakte. Eineinhalb Jahre ist zwar relativ spät, aber da gibt es noch ganz anderes - Versicherungen kommen noch kurz vor der fünfjährigen Verjährungsgrenze und ein Titel ist, jetzt schlucken sie vielleicht, dreißig Jahre gültig...

Kommentar von DiPi71 ,

Das ist eine differenzierte Antwort - danke. In der Summe der Antworten komme ich zum Schluss, dass ich die Kröte wohl schlucken muss. Werde jetzt erstmal freundlich darauf hinweisen, dass ich wegen der falschen Adresse noch keine Rechnung erhalten habe. Wenn ich die dann habe, guck ich mal, wie viel der mir in Rechnung gestellt hat...

Antwort
von zeytiin, 92

Ja du musst den bezahlen für seine Dienstleistung ....

Kommentar von zeytiin ,

Auch wen ihr den Fall nicht gewonnen habt

Kommentar von DiPi71 ,

Es geht mir gar nicht um gewonnen oder nicht, das ist mir schon klar.

Mir geht es darum, dass der Fall einseitig nicht weiter verfolgt wurde, obwohl ich nach Prüfung weitere Möglichkeiten gefragt habe. Wir (mein Vater und ich) haben mehrfach nachweislich Kontakt gesucht. Weder E-Mails noch Anrufe wurden beantwortet. Die Anrufe trotz Zusage mit Zeitangabe durch die Sekretärin!

Aber erstmal danke für die Antwort

P.S.: Was kann er eigentlich machen, wenn ich nicht zahle .... das Mandat niederlegen? ;-)

Kommentar von zeytiin ,

Er kann dich verklagen ..  Ja wieso habt ihr euch nicht einfach einen anderen Anwalt gesucht ?

Kommentar von DiPi71 ,

Haben wir! Der hat nach eingehender Prüfung des Falls durchaus Chancen, aber eben auch Risiken gesehen. Wir haben wegen der Höhe des Betrages und dem unkalkulierbaren Risiko von einer Klage abgesehen. Chancen standen laut Anwalt 50:50.

Dieser Anwalt hat seine ihm aufgetragene Arbeit einwandfrei und zügig erledigt und wurde für Erstberatung bezahlt.

Aber was hat das mit dem von mir beschriebenen Anwalt zu tun?

Antwort
von Businessprofi, 18

Hallo DiPi,

ja du musst seine Rechnung bezahlen.  Was steht den in eurem Vertrag bzw. in seinen AGB.

Ich sehe keinen Grund, warum du nicht zahlen musst.

Kommentar von DiPi71 ,

Unterschrieben habe ich diese Vollmacht...

wird hiermit in Sachen
wegen
Vollmacht erteilt,
1. zur Prozessführung (u.a. nach §§ 81 ff. ZPO) einschließlich der Befugnis zur Erhebung und
Zurücknahme von Widerklagen;
2. zur Antragsstellung in Scheidungs- und Scheidungsfolgesachen zum Abschluss von
Vereinbarungen über Scheidungsfolgen sowie zur Stellung von Anträgen auf Erteilung von
Renten- und sonstigen Versorgungsauskünften;
3. zur Vertretung und Verteidigung in Strafsachen und Bußgeldsachen (§§ 302, 374 StPO)
einschließlich der Vorverfahren sowie (für den Fall der Abwesenheit) zur Vertretung nach § 411 II
StPO, mit ausdrücklicher Ermächtigung auch nach §§ 233 I, 234 StPO sowie mit ausdrücklicher
Ermächtigung zur Empfangnahme von Ladungen nach § 145 a II StPO, zur Stellung von Straf- und
anderen nach der Strafprozessordnung zulässigen Anträgen und von Anträgen nach dem Gesetz
über die Entschädigung für Strafverfolgungsmaßnahmen, insbesondere auch für das
Betragsverfahren;
4. zur Vertretung in sonstigen Verfahren auch bei außergerichtlichen Verhandlungen aller Art
(insbesondere in Unfallsachen zur Geltendmachung von Ansprüchen gegen Schädiger,
Fahrzeughalter und deren Versicherer);
5. zur Begründung und Aufhebung von Vertragsverhältnissen und zur Abgabe und Entgegenahme
von einseitigen Willenserklärungen (z.B. Kündigungen) im Zusammenhang mit der oben unter
„wegen…“ genannten Angelegenheit.
Die Vollmacht gilt für alle Instanzen und erstreckt sich auf Neben- und Folgesachen aller Art (z.B. Arrest und
einstweilige Verfügung, Kostenfestsetzungs-, Zwangsvollstreckungs-, Interventions-, Zwangsversteigerungs-,
Zwangsverwaltungs- und Hinterlegungsverfahren sowie Insolvenzverfahren). Sie umfasst insbesondere die
Befugnis, Zustellungen zu bewirken und entgegenzunehmen, die Vollmacht ganz oder teilweise auf andere zu
übertragen (Untervollmacht), Rechtsmittel einzulegen, zurückzunehmen oder auf sie zu verzichten, den
Rechtsstreit oder außergerichtliche Verhandlungen durch Vergleich, Verzicht oder Anerkenntnis zu erledigen,
Geld, Wertsache und Urkunden, insbesondere auch den Streitgegenstand und die von dem Gegner, von der
Justizkasse oder von sonstigen Stellen zu erstattenden Beträge entgegenzunehmen sowie Akteneinsicht zu
nehmen.
Ich bin gemäß § 49 b Abs. 5 BRAO von meinem Prozessbevollmächtigten darüber belehrt worden, dass weder
Betragsrahmen- noch Festgebühren der anwaltlichen Vergütungsberechnung zugrunde zu legen sind; die
Gebühren vielmehr nach einem Gegenstandswert zu berechnen sind.*)

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