Frage von Schlamassel, 108

Kann ein allmächtiges Wesen selbst seine Allmächtigkeit einschränken?

Ich interessiere mich für Paradoxa. Im Internet bin ich auf das Allmächtigkeitsparadoxon gestoßen, was sich auch so beschreiben lässt: Könnte ein allmächtiger Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht hochheben kann, er also nicht mehr allmächtig ist?

Was denkt ihr dazu? LG Schlamassel

Antwort
von Rosenblad, 21

In diesem Paradoxon der "Allmacht" wird der anthropologische Moment der Allmachtsbeschreibung (oder Zuweisungsqualität) sichtbar:

Die Supernaturalität „Gott“ kann diesen Stein schaffen, bedeutet der Verlust einer kontrollierbaren Determiniertheit, kann „Gott“ diesen Stein nicht schaffen bedeutet dies den Verlust generierbarer kontrollierbarer Determinationen – in beiden Fällen wird Allmacht zu einer Un-Macht und damit zu einer Indetermination.

Kein Wunder das „Gott“ Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben hat– eben wegen solcher Fragen!

Letztlich bleibt auch Allmacht auf sich selbst zurückgeworfen (z.B. Stabilisationsrenommierheiten, Komplexitätsgrenzen, Planck-Größen usw.) 

oder

"Wer wüßte eine Zukunft?
Das Gehirn ein Irrweg - Stein fühlt auch das Tier.
Stein ist. Doch was ist außer Stein? Worte! Geplärr
!"
(Gottfried Benn)


Antwort
von rolfmengert, 12

Es ist das alte Dilemma, dass auch hier wieder versucht wird, Gott als mit menschlichen Eigenschaften versehen vorzuführen. Daraus lassen sich natürlich sehr viele paradoxe Situationen konstruieren.

Daher sind kritische Theologen heutzutage auch geneigt, die bekannten drei Kennzeichnungen Gottes als "allmächtig, allwissend und allgütig" aufzugeben. Diese drei Attribute sind formallogisch mühelos zu widerlegen und damit wenig hilfreich, in der theologischen Diskussion überzeugen zu können, warum man sich diesem Glaubenssystem anvertraut hat.

Gerade aus dem Allmachtsmotiv haben Religionskritiker zahlreiche Ungereimtheiten abgeleitet. Das wichtigste ist vermutlich die Tatsache, dass die Welt so geschaffen wurde, dass sie erlösungsbedürftig ist. Gott muss daraufhin sein eigenes Kind opfern, um die Welt vom Übel zu erlösen. Die Absurdität dieses Konstruktes besteht darin, dass Gott offensichtlich die Welt in dieser misslichen Form geschaffen hat, womit deutlich wird, dass er Fehleinschätzungen, Fehlplanungen und Konstruktionsfehler zu verantworten hat, was mit Allmacht, Allwissenheit und Allgüte unvereinbar ist. Dass er nun obendrein noch ein Opfer bringt, um mit sich selbst versöhnt zu werden, ist eine weitere Absurdität. Und schließlich wurde ja die Welt auch noch nicht einmal verändert, nachdem Gott diese Korrektur durch das Sohnesopfer eingebracht hatte.

Bilanz: Alle menschlichen Attribute passen nicht auf eine mögliche Gottesvorstellung und sollten folglich aufgegeben werden. Leider, leider sind wir als Menschen allerdings so beschränkt, dass wir dahinter keine neuen Vorstellungen entwickeln können, weil wir eben kein "Wesen" denken können, dass keine Eigenschaften im menschlichen Sinne hat und dennoch wirkmächtig in das Weltgeschehen eingreifen kann.

Antwort
von nachdenklich30, 7

Die Mathematiker können einen lehren, dass selbstbezügliche Aussagen ziemlich schwierig und oft schlicht sinnlos sind.

Allmächtige Wesen im Rahmen unserer diesseiten Welt gibt es so wenig wie es die Zahl "unendlich" gibt.

Allmächtige Wesen sind - wenn diese Aussage überhaupt Sinn machen soll - allerhöchstens im Transzendenten/Jenseitigen denkbar.

Und darüber können wir Diesseitigen wiederum keine vernünftigen Aussagen machen. Alle Spekulationen darüber sind schlicht sinnlos.

Antwort
von Rowal, 19

Klar ist, dass es kein allmächtiges Wesen geben kann - eben wg. der unzähligen Paradoxa. Selbst der Kirchenlehrer Thomas von Aquin listet in seiner "Summa Theologica" auf, was Gott (der einzige Kandidat für ein allmächtiges Wesen) alles nicht kann, z.B. sich selber eliminieren, vermehren, irren, vergessen usw.

Nur wenn man die Allmacht Gottes gehörig zurechtstutzt, hat er überhaupt eine Chance zu existieren.

Generell gilt, dass man bei der Konstruktion von Objekten oder von solchen, die man sich denkt, stets aufpassen muss, ob diese überhaupt existieren können. Das bekannteste Beispiel ist wahrscheinlich "die Menge aller Mengen, die sich nicht selbst als Element enthalten." Tatsächlich gibt es eine solche Menge nicht, wie man herausfindet, wenn man untersucht, ob sich diese "Menge" selbst als Element enthält.

Antwort
von NichtZwei, 6

Als allmaechtiges Wesen bist Du selbst nicht materiell, du bist jenseits allem Materiellen. Denn das was du erschaffst, kannst du selbst nicht sein. Also kann alles was du erschaffst auch wieder entschaffen werden, restlos. Also stellt sich als aussenstehender Erschaffer die Frage gar nicht. Stelle dir vor, du erschaffst ein Videospiel und in dem Spiel stellt sich einer die Frage, ob er hier auf seiner Spielflaeche etwas erschaffen koennte, was sein Erschaffer einschraenken wuerde. Deine Antwort waere: Nein, nicht moeglich, wie auch, denn du bist der Erschaffer des Videospiels, du lachst ueber diese Gedanken, verstehst du, du siehst das Problem von einer hoeheren Warte!

Die Frage geht davon aus, das der Allmaechtige mit uns Menschen auf gleicher Stufe steht, aber wie du weisst, ist das Absolute jenseits von uns.

Es gibt maechtige Wesen, die sich sehr von ihrer wahren Groesse entfernt haben und das ist unser Bewusstsein, was Mensch-Sein spielt und vergessen hat, wer sie wirklich sind, sie haben sich in der Materie verstrickt, obwohl sie selbst nicht materiell sind.

Stelle es dir so vor, wie in Star Trek, wo Q Mensch sein will, um es mal zu erfahren, in Wirklichkeit ist er ein Gott, der spielen will, weil ihm langweilig ist. Da ist was Wahres dran.

Viel Erfolg!

Antwort
von versus00, 43

Wir wissen noch nicht einmal, ob es ein allmächtiges Wesen gibt, aber denken schon einen Schritt weiter.

Nicht dass das kein interessantes Paradoxon wäre; aber wir können nur feststellen, dass es eines ist. Wie ein möglicherweise allmächtiges Wesen dieses Problem lösen könnte - darüber zu spekulieren ist doch Kaffeesatzleserei.

Kommentar von Schlamassel ,

Deshalb habe ich auch könnte geschrieben. Ich wollte nur mal eure Meinungen zu diesem Problem hören. Aber danke für deine Antwort :)

Antwort
von mrbounzar, 54

Ich denke das es ein Paradoxon ist.^^ Es gibt da keine direkte Lösung.

Er müsste ja Allmächtig sein um einen Stein zu erschaffen das er ihn nicht hocheben könnte wobei er dann wiederum nicht allmächtig wäre da er den Stein ja nicht hochheben kann.

Fall 1 : Stein wird erschaffen - Bedingung - Allmacht

Fall 2 : Scheitert beim hochheben, - da gescheitert, keine Allmacht-  widerlegt den Fall 1, da Fall 1 Widerlegt kann Fall 2 nicht eintreffen. Defacto Fall geschlossen.

Etwas gröber Analysiert

Antwort
von Nube4618, 20

Allmacht beinhaltet auch die Fähigkeit, ebendiese aufzugeben. Natürlich wäre das Wesen anschliessend nicht mehr allmächtig, und könnte dasauch nicht mehr rückgängig machen. Das Beispiel mit dem Stein ist nicht wirklich paradox, denn es wäre implizit eine Aktion, mit der das Wesen beschliesst, seine Allmacht in diesem speziellen Fall des Steinhebens aufzugeben. Eigentlich logisch, aber was wäre, wenn das Wesen dank seiner Allmacht beschliessen würde, die Gesetze der Logik ausser Kraft zu setzen? 

Antwort
von Fantho, 14

Der Fehler dieses Paradoxons liegt in der menschlichen und somit irrtümlichen Vorstellung Gottes als ein menschliches - anatomisches - organisches Wesen,

was Gott jedoch nicht ist...

Gott ist ein energetisches Wesen, welches Bewusstsein und Bewusstheit besitzt...

Die meisten Menschen können dies sich nicht erfühlen bzw. haben dies (noch) nicht erfühlt, weshalb sie glauben, Gott sei eine Person und erschaffe nun somit mit muskulärer oder adäquater Kraft...

Doch dem ist nicht so!

Gotte erschafft und schöpft per Gedanke, per Bewusstsein...

Und selbst Du kannst in Gedanken alles erschaffen und den schwersten Stein, ach was schreibe ich, das ganze Himalayagebirge hochheben...

So auch Gott: Er kann jeden Stein hochheben, unbegrenzt an Gewicht...

Vergiss eines nicht: In allem Erschaffenen ist Gott, wie auch alles Erschaffene in Gott ist; somit trägt Gott alles Erschaffene...

Der Unterschied zu Dir jedoch ist, dass im Jenseits jeder Gedanke sofort sich manifestiert und Form und Gestalt annimmt...

Aus diesem Grund sollte man hier bereits Gedankenhygiene betreiben, denn solltest Du im Jenseits mal zB von Dir geben: 'Jetzt' sitze ich aber ganz schön tief in der Sch...ße', dann wird sich dies augenblicklich realisieren...

Die Allmacht Gottes ist eine Eigenschaft Gottes, d.h. Gott kann nicht anders als dies zu SEIN...

Es ligt nur an der 'Ausübung': Missbrauch oder Nutzen...

Gruß Fantho

Antwort
von Centario, 41

Nein, falscher Ansatz, leider, die Allmächtigkeit hebt jede Begrenzung wieder auf.

Antwort
von RevatiKKS, 4

Die  Frage taucht immer wieder auf, hier erst vor ein paar Wochen.

Das war meine Antwort darauf:

Warum sollte Gott damit ein Problem haben? Er kann alles tun, was immer Ihm beliebt.

Und mal ganz ehrlich: irgendwie wäre es auf Dauer auch langweilig,
allmächtig zu sein, alles zu können, alles zu wissen. Er bedient sich
eines "Tricks", indem er Seine illusionierende Energie "Maya" einsetzt.

Das würde so  funktionieren, dass Er zunächst  den Stein erschafft
und sich dann unter den Einfluss Mayas begibt, der Ihn vergessen, dass
Er Gott ist.

Nachdem er diese neue Erfahrung ausreichend genossen hat "besinnt" Er
sich auf Seine Identität und befördert den Stein mit dem kleinen Finger
Seiner linken Hand in die äußerste Ecke des Universums.

Im Sriimad Bhagavatam gibt es viele Berichte darüber, dass Krishna
(Gott) zum Zwecke der liebevollen Austausches oder um gewisse
Erfahrungen zu genießen, Seine Identität vorübergehend "vergisst". Er
nimmt z.B. die Position eines Sohnes, eines Freundes an, da wäre es
unpassend, wenn Seine Eltern/Freunde Ihn als Gott ansehen oder Er selbst
sich so fühlen würde. 

Mir gefällt das, denn es macht Gott im positiven Sinne "menschlich",
bringt Ihn uns nahe. Das ist ein Gott, den man nicht fürchten muss,
sondern lieben kann.

Antwort
von maxim65, 22

Das ist ja das schöne an Paradoxa es ist nicht lösbar. Wobei man natürlich nicht weiss wie ein allmächtiges Wesen das lösen würde.

Antwort
von Neutralis, 47

Ich würde mich einfach in 2 teilen. Ein Teil kann ihn hochheben und der andere nicht.

Antwort
von RonnyFunk, 2

Jesus ist das beste Beispiel. In Jesus unterwarf sich Gott menschlichen Beschränkungen. Dass Jesus Wunder tat, ist etwas, was im Prinzip jeder Mensch kann, wenn er in einer solche Verbindung und Abhängigkeit zu Gott dem Vater lebt.

"Könnte ein allmächtiger Gott einen Stein erschaffen, der so schwer ist, dass er ihn selbst nicht hochheben kann, er also nicht mehr allmächtig ist?"

Fällt Euch Atheisten mal was neues ein? Diese Frage hat doch schon sooo einen Bart.

Gott hatte in der Tat etwas vergleichbares gemacht, als er als Jesus auf die Welt kam. Der mächtige Gott als hilfloses Baby, das in Windeln macht und auf Muttermilch angewiesen ist..

Antwort
von Franz1957, 4

Randbemerkung: Mächtigkeit ist ein Fachbegriff aus der Mengenlehre und hat nichts mit Macht zu tun.

Antwort
von Mohamads, 40

😂😂 des gibt ein anime indem das gleiche vorkam und die des gelöst haben sry aber weiss nett wie die das anime heisst

Antwort
von THULSA, 2

Wie kannst du dem Paradoxon überhaupt einen Stellenwert in deinem Verstand geben, wenn die Logik es grundsätzlich verneint und sich darauf noch als "Bezwinger des Allmächtigen" sehen? Wie nichtig !  Denn: selbst wenn du daran festhalten wolltest, Gottes Macht vernichtet zu haben, dann ist die Konsequenz die, daß es gar kein Gott gibt. Vor wem aber wolltest du dann noch deinen "Sieg" erwiesen sehn? Vor dem "unvollkommenen Gott"?  Hier trifft dich sodann deine eigene Paradoxie !! Wie wolltest du jemals aus ihr heraus kommen ohne eine über die Paradoxie stehende Macht?? Um es mit einem Gleichnis zu sagen : Lass den Teufel ruhig auf dem Thron Gottes sitzen ; er wird sich so den Arsch verbrennen und es nie wieder tun !     Es grüßt der Metasoph .

Antwort
von RandomLogics, 30

Nein da es allmächtig ist kann es sich selbst nicht einschränken.

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