Frage von Fuchssprung, 134

Kann der Wolf verschiedene Interessensgruppen wie Naturschützer, Jäger und Waldbesitzer vereinen?

Was wäre wenn der Wolf flächendeckend in Deutschland vorkommen würde? Dann würden doch die Wölfe sofort ihre uralte Aufgabe übernehmen und die Wälder vor dem Verbiss der Hirsche schützen, indem sie die Tiere in ständiger Bewegung halten. Davon würden die Waldbesitzer ebenso profitieren wie die Jäger und die Naturschützer.

Jäger sind oft gegen den Wolf, weil er ihnen angeblich das Wild streitig macht. Doch das Gegenteil könnte der Fall sein, wenn der Wolf flächendeckend in Deutschland vorkommen würde. Dann würde der Wolf die Waldschäden der Hirsche verhindern und die Jäger könnten dann in ganz Deutschland Hirsche schießen. Zurzeit werden Hirsche nur in Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern, Niedersachsen und dem Saarland flächendeckend geduldet. In allen anderen Bundesländern gibt es riesige “verbotene Zonen“. Lässt sich dort ein Hirsch sehen, wird er sofort erschossen. Aus diesem Grund haben viele Jäger in ihrem Revier noch nie einen Hirsch gesehen. Müssten die Jäger nicht vor Freude aus dem Lodenmantel springen, wenn der Wolf ihnen das Argument liefert, die “verbotenen Zonen“ in Deutschland aufzuheben und den Hirsch in ganz Deutschland zuzulassen?

Die Naturschützer wären vermutlich auch nicht traurig, wenn es überall Hirsche und Wölfe geben würde und die Waldbesitzer hätten auch etwas davon. Sie hätten deutlich weniger Schäden in ihren Wäldern und weniger Kosten durch die Arbeit der Wölfe.

Wäre es denkbar, dass Naturschützer, Jäger und Waldbesitzer an einem Strang ziehen und sich so die Wölfe und auch die Hirsche in ganz Deutschland verbreiten werden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Luftkutscher, 33

Das ist bereits der Fall, denn sowohl von Naturschützern als auch Waldbesitzern wird die Wiedereinwanderung des Wolfes begrüßt. Lediglich unter den Jägern herrscht hier keine Einigkeit. Der ökologische Jagdverband, dessen Mitglieder überwiegend Forstwissenschaftler, Förster und Biologen sind, begrüßt ebenfalls die Rückkehr des Wolfes. Anders hingegen sehen es viele Mitglieder des Deutschen Jagdverbands. Dessen Mitglieder haben in den meisten Fällen nicht das nötige Hintergrundwissen, um die Rückkehr des Wolfes aus ökologischer Sicht sachlich und emotionsfrei zu würdigen. Sie sehen im Wolf in erster Linie einen Jagdkonkurrenten.  

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Dein sogenannter "ökologischer Jagdverband" plädiert für einen Wald ohne WIld. Drückjagden im Hochwinter, riesige Abschusszahlen, auch Jagd auf trächtige Tiere, all solche Dinge werden von diesem Interessensverbund kommerziell denkender Waldbesitzer vertreten. Mit "Ökologie" hat dieser rein auf Gewinn durch Waldwirtschaft (Holzverkäufe) abzielende Verband nichts zu tun.

Insofern sind Aussagen dieses Holzverkäuferclubs im Grunde völlig wertlos.

Kommentar von Luftkutscher ,

Die Aussagen der Laien des DJV sind in dieser Hinsicht noch wertloser. Insofern sind die Aussagen der Wildbiologen die im ÖJV organisiert sind, doch wertvoller.

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Dein Kommentarkommentar ist nichts weiter als kindliches "Ich will aber Recht haben"-Trotzverhalten.

Oder kurz subsumiert: "Mimimi".

Kommentar von Luftkutscher ,

Ich weiss es einfach besser. Ich bin vom Fach :-) Ich habe mich beruflich lange genug mit Jagdausübungsberechtigten aller Couleur herum schlagen müssen. Das Mimimi habe ich meist von den gestandenen Jägern des DJV gehört, wir sie mal wieder kritisieren mussten.

Antwort
von Imago8, 10

Was für verrückte "Argumente" und Thesen hier im Umlauf sind:
Wölfe sind Neozoen, Mufflon und Sika müssen vor dem Wolf beschützt werden, der Wolf bringt das Ökosystem zum kollabieren usw.

Das Problem ist aus meiner Sicht nicht der Wolf, sondern vor allem die
fehlende Anpassungswilligkeit des Menschen.

Eingreifen, kontrollieren, Kollaps, regulieren, dezimieren: typisches
Vokabular derer, die ihre eigene Ohnmacht und Langeweile mit gewalttätigem Verhalten zu kompensieren versuchen.

Es gibt zahlreiche Untersuchungen zu Räuber-Beute-Beziehungen. Man muss sie sich nur mal anschauen. Es gibt Tiere, die dem Wolf nicht gewachsen sind, weil sie in Deutschland natürlicherweise nicht vorkommen (Mufflon, Sika), es gibt Menschen, deren Ego nicht damit zurecht kommt, dass sie auf eine tolle Trophäe namens Wolf nicht schießen dürfen....

Die Wolfsfrage ist so spannend, weil die Diskussion auch offenbart, welche
Einstellung die Menschen zur Natur, zum Wert des Lebens, zum Verhältnis von Mensch und Tier haben.

Jedenfalls bringen Menschen mit ihrer Kurzsichtigkeit und Kontrollsucht und
Profitgier erheblich mehr aus dem Gefüge, als ein paar Wölfe, die sich nun in
Deutschland wieder ansiedeln. Ist das vielleicht eine Ablenkungstaktik? Liegen
die drastischeren Probleme nicht vielmehr in der Art, wie wir heute
Landwirtschaft betreiben? Wie wir die Wälder nutzen? Wie wir uns ernähren? In der Infrastruktur? In der Art, wie wir uns
fortbewegen?...

Was ist eigentlich passiert, in der Zeit, in der wir hier ohne Wölfe gelebt haben?
Darüber sollte man zuerst reden, bevor man einfach mal so einer Tierart das
Lebensrecht aberkennt, finde ich.

Antwort
von Artus01, 51

Diese drei unterschiedlichen Interessengruppen werden sich nicht einigen.

Es allein Jahrzehnte gedauert bis die Jäger eingesehen haben daß Füchse den Bestand an Widkanninchen nicht gefährden sondern sichern.

Auch der Wolf wird dem heimischen Tierbestand nicht gefährden, sowas schafft nur der Mensch.

Antwort
von michi57319, 29

Wo hast du denn diesen Unfug aufgeschnappt?

Ich lebe in einer Region in NRW mit sehr großem und auch sehr starkem Hirschbestand. Weiße sind auch stark vertreten.

Hier sind auch nicht Rothirsche, Rehe und Schwarzkittel das Problem, sondern eher die Wisente, die für massive Schälschäden am Wirtschaftsgut Buchenholz verantwortlich sind.

Wild ist zudem immer in Bewegung, auch über weitere Strecken.

Was weißt du eigentlich wirklich über Wild und Wald? Erlebst du das, oder kennst du das nur aus Berichten?

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Gute Frage, die du am Ende stellst. Viele Menschen haben leider immer so viel Meinung trotz so wenig Ahnung.

Antwort
von exxonvaldez, 58

Die Anzahl des Wildes würde allgemein sinken. (Deswegen auch weniger Verbiss.)

Und das würde natürlich die Jäger sehr ärgern. Dazu kommt, dass das wenige Wild auch vorsichtiger und somit schlechter jagbar wird.

Kommentar von Luftkutscher ,

Weshalb sollte das die Jäger ärgern? Sie müssten nicht mehr soviele Stunden ihrer wertvollen Freizeit opfern, um den Abschussplan zu erfüllen und zusätzlich würden sie noch Geld für die Munition sparen. Aus diesem Grund begrüsse ich als Jäger den Wolf.

Kommentar von Bernerbaer ,

Ich wohne in einem niedersächsischen "Wolfsgebiet" und hier haben die (meisten) Jäger eine andere Einstellung.

Hier geht es nur ums abknallen, immer wieder wird von der Jägerschaft die Forderung laut wann man denn endlich auch Wölfe schiessen darf.

Leider sind nur noch die wenigsten Jäger Einheimische. Der überwiegende Teil der "Hobby"Jäger kommt aus der Großstadt.
Statt kleinem rostigen Suzuki Geländewagen stehen jetzt nur noch SUV teurer Marken im Wald.

Egal ob Wolfsfreund, Hundeliebhaber, Reiter oder einfach nur spielende Kinder. Das Konfliktpotential mit den Jagspächtern wird immer größer.
Wobei ich nicht nur den Jägern die Schuld geben will.

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Statt kleinem rostigen Suzuki Geländewagen stehen jetzt nur noch SUV teurer Marken im Wald.

Was vermutlich daran liegen dürfte, dass die einheimischen Waldstückbesitzer ihr Revier lieber an zahlungskräftige Leute verpachten, als es kostenintensiv selbst zu bejagen.

Das Konfliktpotential mit den Jagspächtern

Nun, das kommt sicher auch durch Leute, die ihre nicht angeleinten Hunde in den Dickungen "spielen" lassen, durch Radfahrer, die in hohem Tempo mit ihren All-Terrain-Bikes abseits der Wanderwege durch den Wald rasen, lautstarke Jugendliche (von wegen "spielende Kinder"), die in der Nacht bei lauter Musik, Gejohle und Feuer Partys im Wald feiern, durch PeTA-Terroristen, die Hochsitze ansägen und Jäger mit dem Tode bedrohen, und und und.

Klar gibt es in der Jägerschaft immer auch die schwarzen Schafe, diejenigen, die eigentlich niemals den Jagdschein hätten bekommen dürfen, aber wenn man mit denen zu tun hat, ist es am besten, sich mit den lokalen Jägern und dem zuständigen Förster zu unterhalten und gemeinsam Möglichkeiten zu suchen, die schwarzen Schafe auszubremsen.

Antwort
von ThommyGunn, 29

Soweit ich weiß sind Wildschweine das größte Problem (Maismonokulturen), nur suchen sich Wölfe leichtere Beute als Wildschweine.

Kommentar von Fuchssprung ,

Das könnte man denken, wenn man weiß wie wehrhaft die Wildschweine sind. Aber es stimmt nicht. Wölfe fressen sogar sehr gern Wildschweine und sie sind durchaus in der Lage sie zu reißen.

http://www.wolfcenter.de/Ueber-Woelfe.html

Antwort
von FloTheBrain, 15

Ich behaupte, kein Räuber kontrolliert einen Bestand, es ist allein das Nahrungsangebot.

Jeder kennt aus der Schule noch das überholte Lotka-Volterra-Modell. Lustiger Weise schwankt die Hasenpopulation auch ohne Räuber auf die gleiche Weise, da nur die Schwankung des Nahrungsangebotes entscheidend ist. Der Räuber folgt einfach der Beutepopulation, ebenfalls weil sie sein Nahrungsangebot darstellt.

In Deutschland haben wir aufgrund der Landwirtschaft ein Überangebot an Nahrung, was auch so bleiben wird. Kein Räuber, kein Fuchs und kein Wolf wird in dieser Kulturlandschaft irgend einen Wildbestand, gerade die größeren Arten, kontrollieren.

Und das wirklich Schöne ist, völlig egal was völlig von sich Überzeugte hier zum Besten geben, wird an der Realität nichts ändern, die ist wie sie ist und bleibt wie sie ist.

Egal wer da welche Wunschvorstellungen vorbringt und andere als Deppen bezeichnet und sich mit Zweitaccounts selbst Recht geben muss.

:-)

Ich muss immer noch lachen. Wildtiere gegen Nachwuchs impfen und dann nicht einsehen wollen, dass das keine Impfung ist.

Herrlich.

Antwort
von ele777, 50

Das ist leider schwer möglich.

1. Viele Jäger sehen es einfach nicht ein, dass der Wolf nützlich und nicht schädlich ist.

2. Viele Tierschützer wollen die Jagd stark einschränken oder ganz verbieten, das spricht dem entgegen.

3. Viele Leute sehen einfach nicht ein, dass der Wolf an sich nicht gefährlich ist. Nur wenn er ausgehungert ist, dann sind aber die meisten Wildtiere eine Gefahr.

Der Wolf sollte sich weiter verbreiten, damit das passiert und man sich vor Angriffen gut schützen kann, sollte man sich überlegen, seine Beute zu schonen und ihm so mehr Nahrung zur Verfügung zu stellen. Dazu müssten die Jäger mehr auf den Schuss von Wild verzichten, wozu nur wenige bereit wären. Er hilft sehr, jedoch sehen das die wenigsten ein. Es sollte mehr getan werden im Bereich Natur- und Tierschutz. Das ist leider sehr konomiziert.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

In wieweit ist der Wolf ein Nützling? Bitte erläutere diese gewagte These mal etwas näher.

Kommentar von Sagittarius1989 ,

Von Natur aus gibt es weder „gute“ noch „böse“ Tierarten. Deshalb stufen wir Tiere heute nicht mehr in „nützlich“ und „schädlich“ ein, sondern stehen auch Tieren ein Lebensrecht ihrer selbst wegen zu. Bevor der Mensch den Wolf nahezu ausrottete, übernahm er als großer Beutegreifer eine wichtige Funktion im Ökosystem. Nicht zu Unrecht wird er als „Gesundheitspolizei“ des Waldes bezeichnet, da er häufig auch kranke und schwache Tiere frisst und somit den Bestand seiner Beutetiere „gesund“ hält. Beute und Beutegreifer haben sich in der Evolution in einem Wechselspiel entwickelt. Fehlt der Wolf, sind Ökosysteme ein deutliches Stück weniger vollständig.
Also warum sollte sich der wolf  oder Bären und auch andere Tiere die der mensch ausrottete nicht neu ansiedeln?? sollten wir im Jahre 2016 das Märchen vom Bösen Wolf immer noch glauben???

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Über Märchen können wir uns gerne unterhalten. Aber bitte erfinde keine Neuen.

Du hast in einem einzigen Punkt absolut Recht: Tiere sind nicht gut oder böse. Jeder weitere deiner Sätze zeigt mir deutlich, dass du dich mit Ökologie und sich wandelnden Ökosystemen bislang noch nicht oder zumindest viel zu wenig auseinandergesetzt hast. Es ist schon beinahe kindlich naiv zu behaupten, jedes Lebewesen hätte ein "Lebensrecht". Die Malariamücke auch? Oder Yserina pestis, das Bakterium, dass vor 650 Jahren in Europa beinahe ein Drittel der Bevölkerung dahingerafft hat?

Eine Spezies versucht immer und allein ihre Interessen zu wahren - zu überleben. Dazu hat jede Spezies nur das Recht, dass sie sich selbst verschafft. Der Mensch hat dieses Recht in unvorstellbar exzessiver Weise in Anspruch genommen - seit es ihn gibt, ist er für das weltweit größte Artensterben mit verantwortlich, dass die Erde seit dem Aussterben der Dinosaurier erlebt hat. Das ist traurig, aber jetzt kopflos und naiv in einem Schuldbewusstsein, dass die Natur nicht kennt und auch bei keiner ihrer Spezies dultet, aufzutreten, ist ebenfalls falsch.

Kommen wir zu dem Teil, der mich schon fast dazu brachte, den Kopf durch meine Schreibtischoberfläche zu rammen.

Bevor der Mensch den Wolf nahezu ausrottete, übernahm er als großer Beutegreifer eine wichtige Funktion im Ökosystem.

Richtig, aber du schreibst über eine Zeit, die mehr als 200 Jahre zurückliegt. Schau mal aus dem Fenster und bitte ganz ohne rosarote "Ich liebe Wölfe"-Brille: Seither hat sich die Landschaft, die Demografie und auch das Ökosystem nun einmal nachhaltig verändert. Wir haben keine ausgedehnten Wald- und Flurlandschaften mehr, jedenfalls nicht deutschlandweit. Wir haben eine Kulturlandschaft, die in keiner Weise noch dem agrarisch geprägten Deutschland vor der Industrialisierung ähnelt, in der sich der Wolf tatsächlich zuhause fühlen würde.

Nicht zu Unrecht wird er als „Gesundheitspolizei“ des Waldes bezeichnet, da er häufig auch kranke und schwache Tiere frisst und somit den Bestand seiner Beutetiere „gesund“ hält. Beute und Beutegreifer haben sich in der Evolution in einem Wechselspiel entwickelt. Fehlt der Wolf, sind Ökosysteme ein deutliches Stück weniger vollständig.

Das Ökosystem, welches du meinst, gibt es in Deutschland nicht mehr. Die Rolle als Gesundheitspolizei wird von der Jägerei übernommen, und die machen ihren Job auch sehr, sehr gut. Ein Jäger schießt nämlich gezielt auf schwache und kranke Tiere. Ein Wolf reißt nämlich auch gerne einmal ein junges und unvorsichtiges oder durch Trächtigkeit eingeschränktes Tier. Ein Jäger tut das nicht.

Auch wenn ich eine reichhaltige Artenvielfalt begrüßen würde und den Wolf auch gern wieder mit dabei habe, der Vollständigkeit halber, dürfen wir ihn nicht ohne jadgliche Kontrolle gedeihen und expandieren lassen. Tatenlos zu bleiben ist hier der schlimmste Fehler, den der Mensch seit der Ausrottung des Wolfes begehen kann, denn damit wird er nicht nur seiner eigenen Kulturlandschaft schaden, sondern auch das neue Ökosystem in einen Kollaps laufen lassen. Und dass dieser Kollaps bereits bevorsteht, zeichnet sich bereits ab. In manchen Gegenden sind Wölfe bereits so häufig, dass sie ernste Probleme verursachen.

Ich schiebe hier keine Paranoia oder möchte Wolfsangst verbreiten - nur warnen. Das Märchen vom bösen Wolf ist NOCH ein Märchen. Nur wer weiß, wie die Stimmung umschlägt, wenn der erste "Personenschaden" durch einen Wolf vorliegt. Die Stimmen, die den Wolf bislang willkommen geheißen haben und am lautesten gegen die Jäger gewettert haben, sind dann die ersten, die wieder schreien, man müsse den Wolf ausrotten. Und der Mensch - beziehungsweise unsere Gesellschaft - ist leider dumm genug, solchen Stimmen immer wieder nachzugeben.

Kommentar von Sagittarius1989 ,

ich erfinde keine neue Märchen sondern habe mich mit einen Jäger selber rüber unterhalten ich denke mal er hatt mehr Ahnung als du.

Kommentar von OlliBjoern ,

In derselben Weise, in der heute der Jäger als Nützling angesehen wird. :)

Antwort
von OnkelSchorsch, 49

Der Wald ist in Europa seit vielen Jahrhunderten ein Kulturwald. So wie es momentan läuft, funktioniert das recht gut, es ist ein System aus Forstwirtschaft, Bejagung und Landwirtschaft, das sich eingespielt hat.

Wenn da nun  ein Faktor wie der Wolf neu hinzu kommt, wird es schwierig. Neu ist der Wolf nämlich, denn in dem System der Waldwirtschaft, das sich bei uns entwickelt hat, hat es den Wolf nicht mehr gegeben. Die große Gefahr besteht darin, dass der Wolf bei ganzjähriger Schonzeit in das labile System eingreift und es zum Kippen bringt.

Das muss nicht geschehen, kann aber geschehen.

Ich fürchte, dass eine mäßige Bejagung des Wolfes, die den Wolfsbestand klein hält, die sinnvollste Lösung sein dürfte. Eine "Bejagung" des Rot- Und Damwildes durch den Wolf halte ich für nicht realistisch und fern jeder naturnahen Forstwirtschaft.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Sehr fundierte Antwort.

Kommentar von Luftkutscher ,

Darf ich davon ausgehen, dass Du nicht vom Fach bist? Deine Argumente klingen leider sehr nach Stammtisch.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Komisch, das gleiche wollte ich dich gerade fragen.

Kommentar von Luftkutscher ,

Na wenn Du meinst, dass ein Biologe, Jagdausübungsberechtigter  und ehemaliger Mitarbeiter einer Landesforstverwaltung Laie ist :-)

Kommentar von FloTheBrain ,

Luftkutscher, du bist kein Biologe. Sonst hättest du gewusst, das man Wildtiere nicht gegen Nachwuchs "impfen" kann und was das im weiteren für Konsequenzen gehabt hätte. Forschungen in diese Richtung wurden ja zum Glück auch eingestellt.

Kommentar von Luftkutscher ,

Doch man kann auch Wildtiere per Impfung vorübergehend sterilisieren. Was bei Haustieren geht funktioniert auch bei Wildtieren. Der Impfstoff ist lediglich noch nicht für die Anwendung bei Wildtieren zugelassen. Aber das weiss ein Laie und Hobbyjäger natürlich nicht.

Kommentar von FloTheBrain ,

Lieber Luftkutscher, dann nenn mir den Wirkstoff dieses angeblichen Impfstoffes.

Wenn du das nicht kannst, wissen alle was sie von deinen Argumenten halten können.

Kommentar von FloTheBrain ,

Definition

Ein Impfstoff ist eine Substanz, die bei einer Schutzimpfung verabreicht wird und dazu dient, eine Immunität gegen Erreger von Infektionskrankheiten zu erreichen.

http://flexikon.doccheck.com/de/Impfstoff

Kommentar von FloTheBrain ,

Was bei Haustieren gemacht wird, sind Behandlungen mit Hormonen, oder hormonell wirksamen Substanzen, wie z.B. mit Deslorelin, Proligeston, oder Gestagenen (Schwangerschaftshormonen). Grundlose Behandlungen mit diesen hormonellwirksamen Substanzen sind nach dem Tierschutzgesetz verboten, da auch Nebenwirkungen auftreten.

Ein Impfstoff dagegen hat mit Hormonen nichts zu tun. Es handelt sich dabei um die Stimulation des Immunsystems.

Wenn du also sagst, Impfen gegen Nachwuchs, ist das so als wenn du um einen PKW zu reparieren an einem Motorrad schraubst.

Das sind völlig unterschiedliche Dinge.

Ein Biologe weiß das.

Du nicht.

Antwort
von MarkusKapunkt, 55

Nein.

Der Wolf ist derzeit ein Neozoon in Deutschland, eine invasive Spezies, die in ein Ökosystem vordringt, dass ein völlig anderes ist als das, aus dem er vor mehr als 200 Jahren verschwunden ist. Viele Säugetierarten haben sich an die Abwesenheit des Wolfes angepasst und sind durch seine Rückkehr nun in ernster Gefahr. Dies ist insbesondere das Reh- und Muffelwild. Der Rothirsch ist nicht wie du vermutest eine Hauptbeute für den Wolf, da er wie jedes andere Raubtier die einfachste ihm verfügbare Beute bevorzugt.

Was sich bei dir nach einer harmonischen Balance zwischen Rothirsch- und Wolfspopulation anhört, ist in Wahrheit ein Ökosystem, dass außer Kontrolle gerät. Welche Folgen das hätte, lässt sich unmöglich vorhersagen - wie so oft könnte der Mensch dann erst reagieren, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist.

Kommentar von Fuchssprung ,

Ich halte deinen Kommentar für eine bodenlose Frechheit. Der Wolf ist nicht aus Deutschland "verschwunden". Er wurde von den Jägern ausgerottet. Eine Tierart auszurotten ist ein Verbrechen! Auf Grund dieses Verbrechens zu behaupten, dass der Wolf zu den Neozoen gehört und eine Invasive Spezies sei, ist für mich der Gipfeln der Frechheit. 

Kommentar von OlliBjoern ,

Rehe und Wölfe haben Jahrtausende in Europa nebeneinander gelebt, ohne dass Rehe deswegen ausgestorben wären. Übrigens hat es der Wolf auch nicht geschafft, die mitteleuropäische Elchpopulation zu vermindern (Elche gab es z.B. auch im Gebiet des Bodensees). Erst der Mensch (eine ziemlich invasive Spezies) hat es geschafft, Elche und auch Wölfe aus Deutschland nahezu vollständig zu dezimieren.

Natürlich kann es gut sein, dass das Thema "Wolf in Deutschland" zu Problemen führt, aber es ist dann Homo sapiens, der damit ein Problem hat. Die Natur käme schon gut mit ihm zurecht.

In den Gebieten, in denen es heute noch Wölfe gibt, ist die "Wolfsdichte" (Wolf pro km^2) so niedrig, dass auch die Beutetiere nicht Gefahr laufen, auszusterben.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Natürlich kann es gut sein, dass das Thema "Wolf in Deutschland" zu Problemen führt, aber es ist dann Homo sapiens, der damit ein Problem hat. Die Natur käme schon gut mit ihm zurecht.

Du hast mit allem Recht was du schreibst, aber deine Perspektive verwundert mich. Bist du nicht auch ein Homo sapiens?

In den Gebieten, in denen es heute noch Wölfe gibt, ist die "Wolfsdichte" (Wolf pro km^2) so niedrig, dass auch die Beutetiere nicht Gefahr laufen, auszusterben.

Hier muss ich dir doch widersprechen: Das Mufflon und der Sikahirsch sind ebenfalls Neozoon. Sie wurden in Deutschland ausgewildert, erst nachdem der Wolf hier ausgerottet wurde. Und tatsächlich haben sich ihre Populationen in den Gebieten, wo es nun Wölfe gibt, drastisch verringert. Teils sind sie in wolfsfreie Gebiete abgewandert, teils sind sie aber auch tatsächlich ausgerottet wurden: Im Revier meines Großvaters wurden im Winter 2014 - 2015 mehr als 36 Mufflons gerissen, der Bestand von einst über 400 hat sich inzwischen auf weniger als 30 verringert. Sie stehen dort - aber nicht nur dort! - kurz vorm Aussterben.

Wer die Folgen und Probleme, die IMMER mit einer invasiven Spezies einhergehen, unterschätzt, ist selbst mit den löblichsten Intentionen was den Tierschutz angeht kein Freund der Natur, sondern er billigt es tatenlos, dass sie erheblichen Schaden nimmt - noch schlimmer: Er behauptet ohne jede rationale Grundlage unter dem Deckmantel einer naiven "Ui toll, es wird alles so, wie es die Natur auch möchte"-Mentalität, dass die Folgen, die er überhaupt nicht absehen kann, allesamt positiv sein werden. Was sie natürlich nicht sind - denn das Auftauchen eines neuen Spitzenprädators hat IMMER extreme Folgen für das gesamte Ökosystem, von dem wir Menschen, auch wenn es uns selten klar ist, immer noch ein Teil sind.

Kommentar von MarkusKapunkt ,

Der Wolf ist nicht aus Deutschland "verschwunden". Er wurde von den Jägern ausgerottet.

Richtig. Genau das wurde er. Vor über 200 Jahren, und nicht von "den" Jägern, sondern von damaligen Jägern, die sich über die Tragweite solch massiver Eingriffe ins Ökosystem noch nicht im Klaren waren. Das ist natürlich keine Entschuldigung, aber es so auszudrücken, als seinen "die" Jäger, also kollektiv alle und sowohl die damaligen als auch die heutigen an allen Problemen - Wolf hin oder her - gemeinsam Schuld, ist kindische Polemik und weit von jeder Sachlichkeit entfernt.

Eine Tierart auszurotten ist ein Verbrechen! Auf Grund dieses
Verbrechens zu behaupten, dass der Wolf zu den Neozoen gehört und eine Invasive Spezies sei, ist für mich der Gipfeln der Frechheit.

 Ich sehe es auch als falsch und abwegig an, Tierarten absichtlich auszurotten. Das ist in der heutigen Zeit unter keiner Moral mehr zu verantworten. Trotzdem gab es den Wolf hierzulande nicht. Viele Jahre, viele Generationen lang nicht. Das ist schlicht ein Fakt, und ganz neutral, ohne jede Wertung wirst du mir da zustimmen müssen. Auch, dass sich Deutschland seitdem sehr verändert hat: Nach einer landwirtschaftlich geprägten Kultur folgte in dieser Zeit zunächst eine Industrie- und dann eine Dienstleistungsgesellschaft, beides Gesellschaftsformen, die ein dichtes Netz aus Infrastruktur und Besiedlungsraum benötigen. Die Demografie hat sich außerdem ebenfalls völlig verändert, Deutschland ist mit mehr als 80 Millionen Menschen ungefähr fünfmal so dicht besiedelt wie damals. Und unsere Wälder sind nun Kultur- und keine Urwälder mehr.

In diesem neuen Ökosystem IST der Wolf ein Neozoon. Das ist ebenfalls die Realität, egal, ob du das frech findest, oder nicht. Der Wolf ist neu. Ihn hat es in so einem Ökosystem noch niemals gegeben und er gehört hier auch nicht her - er gehörte es einmal, aber zu einem Deutschland, dass es so nicht mehr gibt. Der Wolf erschließt sich hier nun einen neuen Lebensraum, der attraktiv für ihn ist, weil es hier keine Bejagung gibt, weil es genügend Nahrung gibt und weil er keine Konkurrenten hat. Das nennt man in der Biologie nunmal invasiv, auch das ist nicht frech. Deine Polemik spare dir bitte für diverse Stammtische, hier bist du damit an der falschen Adresse.

Antwort
von soissesPDF, 35

Vermutlich sehen das Bauern und Schäfer deutlich anders.

Kommentar von Luftkutscher ,

Bei Schäfern wären die Sorgen verständlich, aber bei Bauern? Wölfe fressen doch weder Kartoffeln noch Raps oder Getreide.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community