moccajoghurt am 18.06.2009 um 15:01 Uhr
Ich versuche mir oft Situationen vorzustellen, in denen ein Mensch nicht eigennützig handelt, aber ich kann mir keine vorstellen. Beispielsweise Mutter Theresa... wenn sie nicht das getan hätte, was sie getan hat, wäre sie dann glücklicher gewesen? Menschen, die anderen helfen, tun das letztlich, weil sie sich dadurch glücklicher fühlen. Ehrenwert bleibt es natürlich trotzdem, weil das was sie glücklich macht, anderen hilft.
Ich denke es ist uns Menschen einfach nicht möglich uneigennützig zu handeln, solange wir bewusst handeln.
Als ich das letztes Jahr im Abi in der mündlichen Religionsprüfung erzählt habe, haben mir die Lehrer zwar gesagt, dass es nicht stimmt, aber haben mir nicht gesagt, warum es nicht so ist.
Was sagt ihr dazu?

Es war m. E. mutig, einen solchen Ansatz in einer Abi-Prüfung zu bringen. Ich hoffe, Du hast dafür keine Punktabzüge bekommen, sondern bist rein nach der Argumentationsweise benotet worden!
Denn gerade in Religionen (ich will nicht behaupten, das betreffe pauschal jedes Religionsmodell, aber es betrifft definitiv nicht allein die christliche Religionstradition) ist das altruistische Handeln ein hoch angesehenes Idealbild vom Menschen – womit Du Dich gerade in der Prüfungssituation auf einen hochbrisanten Auslegungstreit eingelassen hast!
In Kurzform: Ja, es steht als Ziel ein ebenfalls nicht unbedingt selbstloses, aber sozial ausgerichtetes, also an den Gemeinschaftsinteressen stärker als an Individualinteressen ausgerichtetes Weltmodell dahinter. Der "Profit" (oder besser: der Ertrag!) des uneigennützig handelnden Menschen ist wohl eher ausgerichtet an der gelegentlichen, auf kleine Einzelereignisse fußende Bestätigung seines Weltmodells.
Aber dabei muss man nun wiederum bedenken, dass der Altruist nur in unserem und vergleichbaren Gesellschaftsmodellen als Sonderling erscheinen kann! Denn unter den Bedingungen des einfachen, ursprünglichen und bedingungslos den Regeln der Evolution unterworfenen Lebens bedarf die kleine menschliche Gesellschaft des überwiegend dem Gemeinwohl geopferten Handelns, um dem Individuum einen Überlebensvorteil zu bieten!
In unserem Gesellschaftsmodell aber lässt sich weitestgehend jede Inanspruchnahme von Hilfe Dritter entindividualisieren (heißt: erkaufen). Als Folge dessen kann sich Egoismus in reinsten Formen ausbilden, weil die soziale Kontrolle sowohl innerhalb der Massengesellschaft, als auch durch die Abstrahierung der Gegenseitigkeit (mittels Geldes) die Herauslösung aus der sozialen Kontrolle erst ermöglicht!

Denn im in deinem Beispiel geht es ja darum, dass mann einfach anderen hilft , des Helfens willen, danach erfreut man sich an dem Resultat des Helfens und es stellt sich Glück und Zufriedenheit ein. Man hat sich das aber nicht VORHER bewusst gemacht, sondern zum Beispiel ganz spontan dem Nachbarn geholfen die Wäsche für ihn zu waschen, weil seine Waschmaschine kaputt gegangen ist. Man hilft also spontan und ohne Berechnung und DANACH stellt sich erst eventuell das Glücksgefühl ein.
Das ist uneigennützig.
Eigennützig wäre, wenn ich mir ganz bewußt klar werden lasse, wenn ich helfe macht es mich glücklich, darum helfe ich, damit ich mich danach glücklich fühle....ich denke das ist eher selten, dass ein Mensch darum so handelt und hilft.
Ich denke ersteres Beispiel kommt viel häufiger vor und ist ein Beweis dafür, dass Menschen uneigenützig handeln können.
moccajoghurt am 18. Juni 2009 15:16 In dem Moment, in dem man sich dafür entscheidet ihm zu helfen, wägt man ab und entscheidet sich für das was einem selbst zufriedener stellt.
"Was passiert, wenn ich helfe, was passiert wenn ich nicht helfe.
Wenn ich nicht helfe, bin ich ein egoistischer Sack und hab es mit ihm versaut, da muss ich wohl helfen."
Alles unterbewusst in dem Moment.
moon73 am 18. Juni 2009 15:18 Falsch, dass ist nicht immer so, solche Hilfshandlungen geschehen meist ganz spontan und intuitiv, ohne dass man sich vorher was überlegt. Auch wenn du es nicht glauben magst, es gibt viele Dinge die ein Mensch macht, ohne dass er sich vorher über den Ausgang Gedanken gemacht hat. Es gibt ja auch Bauchmenschen und Kopfmenschen.

Hinter der größten Aufopferung und Dankbarkeit steckt stets noch immer ein Wunsch, sich Vorteile zu verschaffen oder sein Ansehen zu verbessern.

Hallo moccajogurth,
ich würde sagen, sowohl uneigennützlich, wie auch eigennützlich ist das Helfen. Ich habe auch geglaubt, dass ich es immer gut kann, anderen helfen, ohne einen Nutzen daraus zu ziehen. Aber mit den Jahren habe ich festgestellt, auch wenn es ich anderen helfen kann, es kommt etwas zurück.Egal was, ich konnte mich im positven immer darüber freuen. Somit komme ich zu der Erkenntnis, ich handle gar nicht so uneigennützlich. Oft fällt das natürlich nicht auf, dass man selber so handelt und warum. Aber das sind die kleinen Dinge, die bei einem selber dann ankommen. Ich denke die meisten Menschen handeln unbewußt eigennützlich. Die wenigsten uneigennützlich. Bei Mutter Theresa war es eventuell anders. Sie bekam zwar auch Dankbarkeit und Freude zurück, aber in erster Linie ging es ihr wohl wirklich um die Menschen. Solche Menschen gibt es nicht sehr oft. Wogegen der das andere aber sehr menschlich ist. Hoffe ich konnte Dir zu Deiner Frage eine hilfreiche Antwort geben. Lg.Rea
Rea1956 am 18. Juni 2009 15:33 Sorry, muß mich ein wenig korrigieren. Die Antwort von moon, stimmt natürlich.Man tut wirklich Dinge aus dem Bauchgefühl, stellt dann nachher fest, es macht einem Freude es getan zu haben. Man geht also unbewußt eine Sache an, die dem andern hilft.

Ich arbeite gemeinnützig, um schwächeren zu helfen. Und unbedingt glücklich macht es mich im Allgemeinen nicht. Ich bin eben einfach für diese Menschen da, weil sie mich brauchen. Und handele mir mehr Sorgen und Probleme ein, als ich positive Rückmeldung bekomme.
big Kompliment
Harterkampfer am 22. Juni 2009 21:54 Hallo Pippi60, deine unideologische Antwort gefällt mir, obwohl ich anderer Meinung bin! Du sagst, man kann helfen, auch wenn die Leute, denen die Hilfe zuteilt wird, vielleicht unangenehme Zeitgenossen sind. Kannst du mehr zu deinem Motiv sagen? Also, warum stellst du dich zur Verfügung?
Vor ein paar Jahren gab es einen Ausbildungsoffizier bei der Bundeswehr, der sich auf eine Handgranate geworfen hat, um seine Rekruten zu schützen.
Wenn mein Tod meinen Kindern das Leben retten würde - da brauche ich gar nicht drüber nachzudenken.

er fühlt sich ja selbst auch besser wenn anderen geholfen werden kann..

ich helfe anderen menschen und hab nur ärger damit, ich helfe trotzdem weiterhin
sämtliche Nonnen in einem Kloster handeln uneigennützig sonst wären sie dort fehl am Platz. Sie folgen Christus nach, der auch uneigennützig gehandelt hat

Selbst, wenn ein Mensch nur Gutes tut, dann tut er sich selbst damit gut. Es ist ein gutes Gefühl, jemandem geholfen zu haben, das kennt doch fast jeder.

Gott hat uns so erschaffen, aber mit der Gottergebenheit lenkt er diesen Eigennutz ausschließlich auf das Jenseitige leben, dh. wir erwarten zwar eigennutz, aber nicht zum Nachteil des diesseitigen Leben. Somit verhält man sich hier so wie es die Gottergebenheit verlangt, und erntet damit das beste im Jenseits.
Harterkampfer am 20. Juni 2009 13:08 Wenn du nur nicht einen Knoten in die Gehirnwindungen bindest bei so viel gadanklichen Hilfs- und Rechtfertigungskonstruktionen!
Was soll das sein: Gottergebenheit?
Taqwa am 20. Juni 2009 13:46 Das ist das deutsche Wort(Übersetzung) von Islam!!!
Harterkampfer am 22. Juni 2009 22:11 Gottergebenheit?! Ich sehe das anders: Gott braucht mal bisschen Widerspruchsgeist von seiner Kreatur, sonst dümpelt das Universum unverändert vor sich hin!
Stell dir mal vor: Wenn Gott von oben ein kleines Detail in der Welt verändert, zum Beispiel er spendiert den Menschen ein wenig mehr geistige Energie, die daraufhin leichter und mehr Güter, aber auch Klimagase produzieren und schon steigt der Meeresspiegel an! Wenn nun der Mensch von unten ein wenig ins Weltgeschehen eingreift, also zum Beispiel nicht mehr den archaischen Aggressionen folgt, dann gibt es weniger Kriege und Hass! Das müsste doch die Gesamtbilanz der Schöpfung zum guten hin verbessern! Das meine ich damit, dass der Mensch sich mal bewusst einmischen und sich nicht ergeben an die Impulse verhalten soll, die er schon immer hatte!
Wie kommt das Neue in Gottes Welt? Unter anderem durch den Widerspruchsgeist des Menschen!
Du wirst sehen, Gott verteilt dafür Lob und keinen Tadel!
Taqwa am 22. Juni 2009 23:18 ""Ich folge einem klaren Beweis von meinem Herrn, den ihr als lüge erklärt. Es liegt nicht in meiner Macht, (herbeizuführen), was ihr zu beschleunigen wünscht. Die Entscheidung liegt nur bei Allah. Er legt die Wahrheit dar, und Er ist der beste Richter."" Quran Sure6 Vers 57
Darum bitte um die Wahrheit und sie wird dir gezeigt werden!!!

Der Mensch kann immer nur eigennützig handeln – auch und gerade wenn er zugunsten anderer verzichtet. Kennt ihr nicht die innere Zufriedenheit, wenn man jemandem eine Freude bereitet? Ja, was ist das denn anderes, als Eigennutz!
Eine Person mit seiner Liebe zu besetzten und sich selbst zurück zu stellen funktioniert ausschließlich durch Lust.
Lust und Sinn liegen in Wirklichkeit sehr dicht beieinander. Kein Sinn ohne Lustgewinn daran! Lustgewinn aber ist das, was vielfach als Egoismus bezeichnet und der Uneigennützigkeit gegenüber gestellt wird. Das ist aber unzutreffend.
Die Uneigennützigkeit, wie sie in der christlichen Tradition überliefert wird, geht vom alten religiösen Prinzip des Opfers aus: der Mensch sei im Grunde schlecht (Erbsünde nach Augustinus von Thagaste), er müsse sich daher verneinen, und sein Ich (das Ego) zerstören, um Gott gefällig zu sein. Vor dem erfolgten Opfer der eigenen Identität wird im christlichen Verständnis von einer eigennützigen Einstellung ausgegangen, aus der nur die die Ich-Opferung erretten kann.
Dabei ändert sich in Wirklichkeit nichts - eine Mutter Theresa hat doch aus erlebter Lust die, wie ich nachvollziehen kann, wirklich befriedige Arbeit getan! Ist das nicht die kultivierte Art der Eigennützigkeit?
war diese 'Teresa' nicht in Wahrheit ziemlich depressiv und konnte gar nicht an Gott glauben? Da hat es doch vor einigen Jahren die Veröffentlichung von ziemlich schockierenden Briefen gegeben, die sie geschrieben hatte. Ich glaube schon dass die seelisch ganz schön durch den Wind war, wie viele dieser Nonnen etc, und dass in ihrem Orden auch ganz viel Mist gebaut wurde mit Menschen, vor allem medizinisch gesehen, aber sicher auch psychisch. Natürlich hat sie auch Leuten geholfen... etc etc es war eben in ihrem Leben dasselbe Chaos wie bei fast jedem anderen auch. Eine Mischung aus Opfer an die Gemeinschaft (wie ja selbst ein Arzt oder Brummifahrer es praktizieren, im Grunde jeder, der irgendwie einer Arbeit nachgeht) und 'eigennützigem' Gewinn, entweder durch innere Freude und/oder finanziellem Ausgleich. Wenn man nur ein bisschen kratzt an den Oberflächlichen, wird das Gros der Menschheit ziemlich ähnlich. Deswegen ärgert mich diese ganze Nonnen und Mönchstracht a la 'Sieh her wie ergeben und Gott-gefällig ich lebe und wie ich mein Leben 'opfer'', denn im Grunde 'opfert' jeder Hausmann und jeder Klempner, Maurer oder Physiklehrer etc sein Leben, auf seine Weise, die halt 'für die anderen' ist und zugleich für ihn selbst.
Harterkampfer am 21. August 2009 11:06 Sehr zutreffend, 7plus77!
Der Mensch hat immer die Wahl, sich für oder gegen sich zu entscheiden.
Manchmal hat man Glück und die Entscheidung für sich ist auch eine für andere. Manchmal hat man Pech und diese Entscheidung für sich ist eine gegen andere... Max Weber sagt: "Ich kann nicht handeln, ohne schuldig zu werden."

Der Mensch kann uneigennützig handeln, aber meist tut er es nicht.

Wenn Du wirklich nur das Handeln selbst meinst, kann er das. Wenn man allerdings die Motive mit einbezieht, sieht die Sache meist schon anders aus. Denn oft geht es dann doch um Ansehen oder das "gute Gefühl", geholfen zu haben.

Ich habe es aufgegeben Fleisch zu essen ( obwohl früher lieblingsspeise ) um Tiere zu schützen. Ich habe früher in der Schule die Schuld auf mich genommen um eine Freundin zu schützen. Und auch so muss ich nicht immer alles haben und kann zurück stecken, man möchte ja auch, dass die Menschen die man liebt glücklich sind.
Jesus Christus


wenn es mir gelingt, nur den anderen zu sehen, kann ich das, natürlich, in unzähligen Beispielen ist dies möglich
Er verteilt kostenlos Essen an Obdachlose. Ja gut er bekommt dafür positive Reaktionen.
Das ging mir auch schon mal durch den Kopf(helfen weil selber glücklicher)

Ich habe einem Obdachlosen ne Winterjacke geschenkt
Taimanka am 18. Juni 2009 15:04 tue gutes und spreche nicht drüber
moccajoghurt am 18. Juni 2009 15:05 Naja, wie hättest du dich gefühlt, wenn du es nicht getan hättest?
Kittymogul am 18. Juni 2009 15:59 Oha also ist es jetzt weniger gut weil ich es geschrieben habe? Nich schlechter und nicht besser als vorher, doch schlechter weil es die Snowboardjacke von meinem Freund war und es Ärger gab;)


zB. ein Unfallopfer retten...