Frage von AdamSmith12, 66

Kann der Kapitalismsus auch gerecht sein?

Immer wieder wird dern Kapitalismus kritisiert. Geht er jedoch auch in gerechter Form?

Expertenantwort
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 9

Kann der Kapitalismsus auch gerecht sein?


Definiere "gerecht"! Es gibt so viele unterschiedliche Vorstellungen davon, dass es unmöglich ist, alle Varianten in einer einzigen Antwort in Betracht zu ziehen.

Wenn du darunter verstehst, dass "alle die gleichen Chancen" haben (können): Nein. 

Und zwar auf keiner Ebene: Weder wirtschaftlich, noch sozial.

Das geht schon allein deshalb nicht, weil es "Erbschaften" und "Beziehungen" gibt. Es gibt also IMMER Leute, die "bessere Chancen" haben; und solche, die "schlechtere Chancen" haben; selbst wenn man - was ebenfalls ausgeschlossen ist - alle bis zum Eintritt in das Arbeitsleben gleich behandeln würde.

Und selbst wenn man die Erbschaften zu 100 Prozent besteuern und so allen die gleichen "Startbedingungen" geben würde, blieben immer noch die Beziehungen, die vererbt werden. 

Um es plakativ zu machen: Du kannst dich anstrengen, wie du willst; du wirst es NIEMALS in den Vorstand eines großen Konzerns schaffen. Es sei denn, du besitzt die richtigen Beziehungen, kennst also die richtigen Leute.

Geht er jedoch auch in gerechter Form?

Das wäre die Quadratur des Kreises.

Der Kapitalismus basiert existenziell darauf, dass es ein Wohlstandsgefälle gibt. Fällt das Wohlstandsgefälle weg, stellt nicht nur der wichtigste Motor des Kapitalismus, namentlich die Kapitalakkumulation, die Arbeit ein, er hört qua Definition auch auf zu existieren.

Man kann also nur eine "größtmögliche Annäherung" erzielen, indem man den Kapitalismus in enge Korsetts zwängt. Zu diesem Zweck wurde beispielsweise die "soziale Marktwirtschaft" erfunden; die eine Chimäre aus den Anforderungen der Gesellschaft und den Anforderungen der Wirtschaft ist.

Doch je enger das Korsett wird, je mehr Ansprüche also die Gesellschaft bei der Wirtschaft anmeldet, desto schlechter funktioniert der Kapitalismus. 

Aus diesem Grund gibt es die Lehre des "Liberalismus", der seinerseits die Lösung im umgekehrten Weg sucht: "Befreie den Kapitalismus von seinen Fesseln. Dann wird er die Reichen so reich machen, dass sie ihres Reichtums überdrüssig werden und freiwillig davon abgeben. Auf diesem Weg entsteht zwar keine 'ultimative Gleichheit'; aber ein 'Wachstum für alle'." (Man nennt das den "Trickle-Down-Effekt")

Mit anderen Worten: Man hat beide "extremen Wege" des Kapitalismus probiert. Und das Ergebnis war/ist in beiden Fällen: Es klappt nicht. 

  • Weder funktioniert die Einengung des Kapitalismus in Form der "sozialen Marktwirtschaft" (s. Armutsbericht der Bundesregierung und die Kosten-Diskussion der sozialen Komponente); 
  • noch funktioniert die Befreiung des Kapitalismus von seinen Fesseln, also der "Trickle-Down-Effekt" (64 Menschen auf diesem Planeten besitzen mehr, als die Hälfte der Menschheit zusammen; trotzdem "trickled" da nix "down", wie die Ökonomen enttäuscht zugeben).

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Es gibt für den Kapitalismus noch nicht einmal eine "dauerhafte" Lösung. 

Er basiert auf "unendlichem exponenziellem Wachstum". Ökonomen sagen, dass eine Wachstumsrate von etwa 2 Prozent erforderlich ist, um den Kapitalismus "gesund" erscheinen zu lassen. Doch jedes Schulkind kann nachrechnen, dass sowas nicht unendlich funktioniert. 

Es funktioniert eine Weile. Doch irgendwann erreicht es Größenordnungen, die nicht mehr realisierbar sind. Und weil die Ökonomen ja auch keine kleinen Dummen sind, versuchen sie, diesen Zeitpunkt so weit wie möglich nach hinten zu schieben. Dazu "erfand" man die Inflation, also die "kalte Enteignung" durch die Senkung der Kaufkraft. Und auch hier geht man von "idealerweise 2 Prozent" aus.

Die Vorstellung der Ökonomen ist also: "2 Prozent Wachstum + 2 Prozent 'Enteignung' = ewiger Kapitalismus"

Theoretisch funktioniert das. Praktisch listigerweise jedoch nicht. Denn worüber die Ökonomen stets stolpern, ist, dass der Kapitalismus sich nicht an die Theorie hält: Seine Motivation ist Kapitalakkumulation. Und er lässt sie sich nicht durch "erhoffte Inflation" verbieten oder erschweren.

JE FREIER also der Kapitalismus ist (etwa durch "Liberalismus"), desto weniger funktioniert dieser "theoretisch ausgewogene" Kapitalismus, denn er WILL diese Hemmschwellen der Akkumulation beseitigen. Das ist sein ultimativer Motor.

Und JE UNFREIER der Kapitalismus ist (etwa durch "soziale Marktwirtschaft") desto schlechter funktioniert er, denn je "gleicher" die Menschen sind, desto weniger Motivation besteht, "sich anzustrengen". Der Kapitalismus "verhungert" also regelrecht, weil sein zentraler Motor (u. U. bis zum Stillstand) gebremst wird und/oder wilde und unkontrollierbare Wucherungen wie Krebsgeschwüre wachsen (Mafia, Amigo-Wirtschaft, etc.).

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Lange Rede, kurzer Sinn: Nein, der Kapitalismus kann nicht gerecht sein, wenn man darunter "Chancen- oder Wohlstandsgleichheit" versteht. Er kann nur für einige Zeit eine "Annäherung" bieten; wobei "Annäherung" ein völlig subjektiver Begriff ist und in der Propaganda unterschiedlich bewertet wird. 

Er kann aber durchaus "gerecht" sein, wenn man darunter "Selbst Schuld! Warum hast du dich auch nicht in der richtigen Familie, also mit den richtigen Beziehungen und dem richtigen Vermögen, zeugen lassen?" versteht.

Antwort
von MaxNoir, 20

Jein.

Ja, denn der Kapitalismus bietet von allen Wirtschaformen die höchsten Freiheitsgrade. Ein Unternehmer kann sich entscheiden ob er ein Unternehmen ökologisch sinnvoll oder ökologisch schlecht ausrichten will, oder ob er den Mindestlohn zahlt oder eben mehr. Das heißt, wenn überhaupt, dann ist die verwerfliche Moral der meisten Menschen schuld an den Problemen die der Kapitalismus verursacht, denn der Kapitalismus ZWINGT nicht zur Ausbeutung.

Nein, denn ab einem gewissen Punkt ist es auch zu viel Kapitalismus. Wie die Demokratie, so hat der Kapitalismus die Fähigkeit sich selbst zu zerstören. Der Kapitalismus in reinform erlaubt es, dass Unternehmen bis ins unermessliche wachsen. Damit erlaubt man es ihnen irgendwann am Markt jede kleinsten Anflug von Konkurrenz sofort zu vernichten. Das nennt man eine sogenannte Monopolstellung, die sehr gefährlich ist, denn dann sind die Kunden von einem Unternehmen abhängig UND es ist dazu auch noch ungerecht, denn selbst wenn man eine bessere Idee hat, wird die Größe des Monopols ein Wachsen nicht zulassen.

Also, das sind jetzt mal zwei ganz konkrete Überlegungen. Es ist eigentlich noch sehr viel komplexer, denn der Markt existiert ja nicht außerhalb der Politik, das heißt Kapitalismus muss auch immer im Kontext der Politik interpretiert werden. Die Politik macht den Kapitalismus nämlich auch oft unfair, aber hin und wieder auch fairer.

Antwort
von NameInUse, 27

Ist er doch, wer gewillt ist ein unternehmerisches Risiko ein zu gehen, der profitiert davon oder aber er hat Pech. Hat er Erfolg, kann er dann anderen Arbeit geben, die nciht gewillt sind dieses Risiko einzugehen. Wenn diese nicht schlau genug sind sich zu organisieren, um angemessene Arbeitsbedingungen zu bewirken, dann sind sie selbst Schuld.

Kommentar von MaxNoir ,

Leider ist das nicht ganz so. Der Kapitalismus zerstört sich durch Monopolbildung selbst. Daher ist er ab einem gewissen Punkt nicht mehr gerecht, wenn bestimmte Märkte nur noch aus einem oder zwei großen Unternehmen bestehen.

Antwort
von lchntr, 5

Theoretisch, zumindest SEHR SEHR utopisch, kann er das. Aber erstmal musst du gerecht definieren. Ist gerecht z. B. "Jeder hat die selben Chancen" dann kommen wir einem halbwegs gerechten Kapitalismus schon näher. Ist es aber " jeder ist gleich" dann sind wir meilenweit davon etnfernt. Oder auch eine ganz andere definition.

Antwort
von archibaldesel, 4

Gerechtigkeit liegt häufig im Auge des Betrachters. Kapitalismus belohnt die die mutig und besser als andere sind. Leistung wird belohnt. Es gibt Menschen, die das als gerecht bezeichnen würden.

Expertenantwort
von atzef, Community-Experte für Politik, 7

Was ist denn das Kriterium von und für "Gerechtigkeit"?

Gerechtigkeit istkeine Funktion eines Gesellschaftssystems, sondern eine politisch zu gestaltende Aufgabe. Die deprimierenden sozialen verhältnise z.B. in der ehemaligen DDR und demgegenüber das vergleichsweise üppig ausgestattete Sozialsystem der Bundesrepublik zeigen, dass der Kapitalismus zumindest bessere und effektivere Lösungen anbietet, als die vorgeblich kommunistischen je dargestellt haben.

Antwort
von kami1a, 30

Hallo! So wirklich nicht. Es müsste nämlich so viel reglementiert werden dass es kein Kapitalismus mehr ist.

Ich wünsche Dir alles Gute.

Kommentar von MaxNoir ,

In Wirklichkeit müsste man Menschen nur mehr zu verantwortungsvollem Handeln erziehen. Dann würde der Kapitalismus kein Problem darstellen.

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