Frage von AnBCx, 31

Kann der Fiskus oder Nachlassgläubiger den Erben nach 10 Jahren noch belangen, wenn das Nachlassgericht "vergessen hat", das Testament zu eröffnen?

Hallo,

folgendes Problem: meine Eltern pflegten früher eine alte Dame in der Mieterhausgemeinschaft (mit der niemand von uns verwandt war). Diese ist 1999 verstorben. Es gab keine Erben, also wurde sie auf Kosten des Fiskus beerdigt und auch alle sonstigen Nachlassverbindlichkeiten durch das Nachlassgericht geregelt.

Nun bekam mein Vater gestern auf einmal Post vom Nachlassgericht mit folgendem Inhalt (sinngemäß): >>Im Zuge einer gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfung eröffnen wir das Testament der 1999 verstorbenen alten Dame. Das Testament wurde amtlich verwahrt, es wurde damals einfach vergessen. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.<<

Nach dem Testament ist mein Vater (mit 3 weiteren Personen) Erbe geworden. Eine Kopie der Verfügung und ein Nachlassverzeichnis waren beigefügt.

Das Nachlassverzeichnis endet mit der Auskunft: Wert des Nachlasses sei 0,- EUR. Es geht allerdings auch daraus hervor, dass die Dame geringe Mietschulden hatte. Diese wurden wohl mit dem übrigen Geld von ihrem damaligen Girokonto abgegolten (jedoch waren die Schulden höher als der übrige Geldbetrag).

Jetzt meine Fragen dazu:

  1. Kann man sich darauf verlassen, dass das Nachlassverzeichnis vollständig ist? D.h. dass es keine weiteren Schulden gibt?

...und falls es doch noch weitere Schulden gibt, können die jetzt von den neu bekannt gewordenen Erben eingetrieben werden? Oder kann sogar der Vermieter jetzt noch kommen und die Erben belangen (Rest seiner Forderung)?

2.Kann die Stadt die Kosten der Beerdigung von den Erben zurück verlangen?

Meine Fragen zielen darauf ab: Wenn der Nachlass tatsächlich 0,- EUR ist, kann man sich die Ausschlagungsgebühren ja sparen. Wenn dann natürlich noch weitere Forderungen kommen können, wird man wohl ausschlagen müssen...

Für jeden Rat bin ich sehr dankbar.

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Antwort
von sergius, 11

Ihr Vater sollte zum Nachlassgericht gehen, dort seine Ausschlagungserklärung abgeben (m.E. ist das gebührenfrei) und sich damit aller weiteren Sorgen entschlagen. Im Hinblick auf das katastrophale Versagen des Nachlassgerichts durch Test.Eröffnung 17 Jahre nach dem Erbfall (!!!) müsste dort ohnehin ein "schlechtes Gewissen" bestehen, so dass man alles unternehmen wird, ihren Vater gut zu behandeln.  Was wäre das für ein "gefundenes Fressen" für die Presse, wenn ihr Vater diese Fehlleistung offenbaren würde  Das sollte er notfalls erkennen lassen.

Antwort
von imager761, 16
  1. Nein. Als rechtsnachfolgender Erbe ist man selbst verpflichtet, sich einen Überblick über den Nachlass zu verschaffen und sollte im Zweifel Antrag auf Nachlassverwaltung stellen oder form- und fristgerecht Erbe ausschlagen, um einer Haftung aus eigenem Vermögen zu entgehen.
  2. Ja. Womit wir wieder bei Antrag auf Nachlassverwaltung oder Ausschlagung wären, denn als Nichtfamilienangehöriger träfe einen keine Bestattungskostentragungspflicht. Eine Forderungsverjährung darüber träte erst drei Jahre nach Kenntnis eurer Erbenstellung ein.

G imager761


Kommentar von AnBCx ,

Erst einmal vielen Dank für deine Antwort. :-)

zu 1. So viel die Theorie, das ist mir schon bewusst. Aber wie hoch ist denn die Wahrscheinlichkeit praktisch gesehen, dass das Verzeichnis tatsächlich falsch ist?

Immerhin dachte der Staat zum Zeitpunkt des Erbfalls vor knapp 17 Jahren, dass es keine Erben gibt und hat daher ja selbst das Verzeichnis erstellt und den Nachlass verwaltet. Die werden sich ja wohl umfänglich informiert und recherchiert haben, ob es noch Geld zu holen gibt oder nicht? Oder?

2. Die Erben haben doch die Kostentragungspflicht (Paragraph 1968 BGB "Der Erbe trägt die Kosten der Beerdigung des Erblassers.“) ...oder meinst du jetzt im Falle nach der Ausschlagung? Wenn ich dich richtig verstehe, meinst du also aber auf jeden Fall, er wäre einfach auf der sicheren Seite, wenn er ausschlägt, ja?

Kommentar von imager761 ,

zu 1: Zu den neuen Verbindlichleiten zählen die Forderungen des Sozialhilfeträgers über die Bestattungskosten und des Vermieters über Mietforderungen einschl. Räumungskosten und Renovierung. Wie viele sonstige Nachlassgläubiger nunmer ihre Schuldscheine oder Vermächtnisse in Geld fordern, die ehemals mangels Masse abgewiesen wurden, ist völlig unklar. Mit Auffinden des Testamentes ist euch automatisch und nach 6 Wochen unwiderruflich Erbe angefallen.

zu 2.: Genau, nur Erben haften für Nachlassforderungen. Und eine beim Nachlassgericht persönlich zu Protokoll gegebene Ausschlagung kostet bei einem nicht werthaltigen, gar überschuldeten Nachlass gerade mal den Gegenwert einer Pizza Calzone mit großer Cola - wer da etwas riskiert in der Hoffnung auf Nachlasserlös, muss wissen, was er macht.

Antwort
von Lilimo, 3

Dein Vater kann das Erbe ausschlagen. Somit ist er aus dem schneider

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