Frage von MonkeyKing, 64

Kann das Niveau im US Wahlkampf noch weiter sinken?

Mal ehrlich, so eine Schlammschlacht habe ich noch nicht erlebt. Oder was meint ihr? Gehts noch schlimmer?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Unsinkable2, Community-Experte für Politik, 13

Kann das Niveau im US Wahlkampf noch weiter sinken?

Oh ja. Und das wird es auch noch. Die heiße Phase hat gerade erst begonnen...  

Mal ehrlich, so eine Schlammschlacht habe ich noch nicht erlebt. Oder was meint ihr? 

Dann hast du noch nicht viele Präsidentschafts-Wahlkämpfe in den USA "erlebt", hm?! ;)

Diese Wahlkämpfe sind IMMER schmutzig. Und sie werden IMMER tief unter der Gürtellinie ausgetragen.

Das hat einen einfachen Grund: 

Die reale politische Bedeutung des Präsidenten ist mit "nicht vorhanden" noch sehr wohlwollend umschrieben. Tatsächlich ist der POTUS kaum mehr als unser Bundespräsident: Eine Gallionsfigur, die nach außen vertreten muss, was hinter den Kulissen beschlossen und getan wird.

Damit ist "politischer Wahlkampf", also Wahlkampf, der sich auf Inhalte bezieht, absurd. Es gibt NICHTS, was der Präsident wirklich allein entscheiden kann. Wie unser Bundespräsident kann er mit guten Worten und stolzem Auftreten Befürworter seiner Ideen versammeln. Doch umsetzen müssen es andere. Und das sind Leute, die von Lobbys "ferngesteuert" werden. In den USA noch weit mehr als in Deutschland.

Um es kurz zu machen: Den Präsidentschafts-Kandidaten bleibt gar nichts anderes übrig, als sich auf die "persönlichen Eigenschaften" des Gegners zu beziehen, um sich von ihm abzusetzen. Und deshalb ist es regelmäßig eine brutale Schlammschlacht, in der unglaublich viel (über sich selbst) gelogen - und unglaublich ehrlich (über den Gegner) gesprochen - wird.

Tatsächlich ist diese Phase die für einen politisch interessierten Menschen interessanteste Phase. Hier - und NUR HIER - wird wenigstens ansatzweise etwas Wahres gesagt. Zwar nur über den politischen Gegner, aber immerhin. Das hilft, sich ein besseres Bild machen zu können, weil hier - und nur hier - die übliche weißwaschende politische Propaganda versagt.

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Darüber hinaus gibt es noch einen wichtigen Grund: Der politische Unterschied zwischen "Demokraten" und "Republikanern" existiert nur auf dem Papier. In der Realpolitik unterscheiden sich beide Parteien weniger als SPD und CDU; und noch weniger als CDU und CSU.

Bei so wenig faktischen Unterschieden bleibt nur die persönliche Auseinandersetzung...

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Die gleiche Entwicklung kannst du übrigens auch in Deutschland beobachten:

Die Parteien SPD, CDU, CSU, FDP und GRÜNE unterscheiden sich nur in wenigen Marginalien. Klare Fronten, etwa "SPD = Arbeitnehmer-Volkspartei, CDU = Mittelschichts-Volkspartei, FDP = Mittelstands-Wirtschaftspartei, etc." gibt es schon lange nicht mehr. 

Und da man nicht einzelne Programm-Punkte der Parteien wählen kann, muss man immer die ganze Kröte schlucken. Das bedeutet auch in Deutschland: "Wahlkämpfe" werden immer mehr personen-bezogen und immer weniger inhaltlich ausgetragen. Wie in den USA...

Kommentar von MonkeyKing ,

Gute Antwort. Vielleicht ist meine Erinnerung schon zu verblasst aber ich habe die Präsidentschaftsdebatten Obama vs. McCain oder Obama vs. Romney vergleichsweise zivilisierter in Erinnerung. Das aber der amerikanische Wahlkampf immer schmutzig war, ist mir auch bekannt. Ich glaube aber diesmal wurde ein neues Niveau erreicht.

Kommentar von Unsinkable2 ,

Ja und nein.

In der Politik geistert gerade der Begriff des "Post-Faktizismus", also einer Zeit, in der man "nüchterne Fakten als überwunden" betrachtet und sich lieber Emotionen widmet, herum. 

Damit wollen die Politiker erklären, warum sich Europäer und Amerikaner so vehement gegen die "etablierte Politik" - und vor allem deren Erklärungen derselben - stemmen; warum sie also nicht anerkennen wollen, dass Worte und Taten nicht übereinstimmen (müssen).

Ich glaube aber diesmal wurde ein neues Niveau erreicht.

Auch hier: Ja und nein.

Ja, der Vorwahl-Kampf um die Kandidaturen wurde dieses Mal auf die Spitze getrieben. Nachdem man bei den letzten Malen mit offenem Wahlbetrug (s. Wahlautomaten, Behinderung von Bevölkerungsteilen am Urnengang, etc.) durchgekommen ist, sah man keine Notwendigkeit mehr, sich jetzt noch anderen formalen Dingen, wie etwa "geeigneten Kandidaten" auseinandersetzen zu müssen.

Und nein: Das wird dadurch bestärkt, dass auch dieses Mal Wahlbetrug (schon im Vorwahl-Kampf) durch Clinton positiv sanktioniert wird (Sanders stellt sich offiziell hinter Clinton) und zugleich die "republikanische Idee" des starken Amerika in der Welt gründlich - und für alle offensichtlich - versagt.

Gerade diese "republikanische Idee" war es jedoch, die einst den US-Wahlkampf glorifizierte. Denn wann immer sich ein Kandidat vergaloppiert hatte, brauchte er nur die Zauberformel: "Für ein starkes Amerika!" aussprechen; und schon waren alle - Wähler, wie Medien - "geblitzdingst". ( https://www.youtube.com/watch?v=ymSEibHKOgo )

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Aus dieser Politiker-Müdigkeit wird eine Art "Lebens-Müdigkeit" im Hinblick auf demokratische Notwendigkeiten. Auf beiden Seiten des Wahlkampf-Lagers, also bei den Kandidaten (und deren Hintermännern), aber auch bei den Wählern.

Daraus folgt: Die Kandidatin KANN NICHT über ihr politisches Versagen philosophieren, weil sie sich damit selbst unwählbar machen würde. Und der Kandidat KANN NICHT über sein politisches Versagen philosophieren, weil er keine politische Erfahrung besitzt.

Damit ist nur dieser eine Punkt ausgeschlossen: Anders als bei früheren Wahlkämpfen gibt es keinerlei politische Ansatzpunkte. Man MUSS sich notgedrungen vollständig auf die Schlammschlacht fokussieren.

Das wiederum lässt es nach außen "deutlich drastischer" erscheinen. Doch nur, weil es "keine normalen Themen" mehr gibt, die einst die Schlammschlachten ein bisschen relativiert und beim Ausblenden geholfen haben. Nicht, weil man früher "weniger Schlammschlacht" hatte...

Kommentar von Unsinkable2 ,

Oder kürzer: Es ist wie mit meiner Oma.

Die sagte einst mal: "Junge, schaue dir das mal an. Heute gibt es viel mehr Katastrophen in der Welt als früher..."

Dabei vergaß sie nur: Es waren nie wirklich weniger Katastrophen. Früher interessierten sich die Medien einfach nur weniger für die Katastrophen in der Welt; während heute jeder Wirbelsturm in jeder Gegend der Erde einen eigenen Namen hat...

Kommentar von MonkeyKing ,

Sehr gute Analyse, danke!

Antwort
von juergen63225, 38

Ja ... wenn Trump etwas kann, dann jede Niveaulosigkeit nochmal unterbieten.

Antwort
von Geraldianer, 23

Nachdem Herr Trump einige pikante Details über den Mann seiner Widersacherin gezielt in die Öffentlichkeit gebracht hat warte ich gespannt auf Details über Trumps Ehegattin.

Immerhin war die ja auch mal jung und brauchte das Geld. Fotos oder Videos wären schön ...

Antwort
von TUrabbIT, 20

Schlimmer geht immer.
Aber ja, ist schon ziemlich Niveaulos.

Antwort
von kami1a, 9

Halo! Welches Niveau kann denn bei Trump überhaupt gehen? Für den Typ Präsident gibt es in den USA ein Lied, alles Gute.

Kommentar von MonkeyKing ,

Es sind aber beide Seiten, die sich eine Schlammschlacht liefern.

Kommentar von kami1a ,

Du solltest Dich mal mit den unglaulkich dummen Texten von Trump befassen

Kommentar von MonkeyKing ,

Welchem? Da gibt es sicher hunderte. Ich will ja gar nicht Trump verteidigen, aber die Schlammschlacht liefern sich beide Seiten. 

Kommentar von MonkeyKing ,

Unter Schallschlacht verstehe ich, dass nicht sachlich argumentiert wird sondern der Gegner als Person angegriffen wird. Das passiert aus Clintons Lager ständig. 

Antwort
von Tastenheld, 30

ja, auf  Facebook Niveau, und noch tiefer. 

Kultur ist die Firniss der Menschheit, die sich recht schnell in Alkohol auflösen kann.

Antwort
von atzef, 19

Nein. Nicht mehr. Die Schlacht ist geschlagen, Trump hat keine Chance mehr, das wird sich beruhigend auf den Restwahlkampf auswirken. :-)

Kommentar von MonkeyKing ,

Wenn du mal Recht hast.. Ich denke Trump ist niemand der sich so leicht geschlagen gibt. 

Kommentar von BTyker99 ,

Ich habe heute erst die zweite Debatte gesehen, und finde, dass sich der Trump gut geschlagen hat. Das Publikum war (zumindest von der Lautstärke her) auf seiner Seite. Die Fragen zu den alten Video/Ton-Aufnahmen hat er auch relativ souverän abgeschmettert, das Thema ist meiner Meinung nach durch... dass er Frauen-feindlich ist, war ja vorher schon bekannt, und wird auch immernoch wichtig sein, aber speziell auf die Aufnahmen bezogen werden sich die Wogen damit wohl gelegt haben.

Kommentar von atzef ,

Ich kenne die 2. Debatte nur aus Ausschnitten und Zusammenfassungen. Ehrlich gesagt reicht mir das. Ich muss mir diesen Müll nicht in voller Gänze geben. Einige Beobachter hat Trump wohl damit überrascht, dass er nicht völlig untergegangen ist. Aber das eigene Bewertungssystem muss schon ziemliche Schlagseite aufweisen, wenn man ihm attestiert, sich "gut geschlagen" zu haben.

Trump hat den Videobeweis seines abartigen Frauenbildes hemdsärmlig vom Tisch gefegt - nur um es dann gleich noch einmal zu toppen, indem er seine Höhlenmenschenansichten mit dem Verweis auf promiskuitive Aktivitäten von Clintos Ehemann "kontert", relativiert und gar rechtfertigt.

Das hat er auch gemacht, um die Clinton persönlich zu demütigen. In meinen Augen ist das vollkommen niveaulos, anstandslos und schlicht schmierlappig.

Letztlich aber auch vollkommen gleichgültig für den Wahlausgang. Die Wahl hat er spätestens nach dem ersten TV-Duell verloren. Nach dem Video hat sich seine Abwärtsspirale nur weiter beschleunigt und das 2. TV-Duell diese nicht gestoppt.

Trump hat fertig.

Antwort
von Askomat, 11

Welches Niveau?

Antwort
von palzbu, 25

Trump und Clinton bieten Müll-Fernsehen für Leute die Müll im Kopf haben. Passt doch. In den USA haben ca. 70% der Bevölkerung ein Wissens-Niveau weit unter dem europäischen Durchschnitt. 

Diese Menschen dürfen wählen. Diese Menschen kann man am besten mit Müll-Fernsehen erreichen. Passt doch wenn diese Wähler auch "Müll-Menschen" wählen. 

Kommentar von Spikeeee ,

"In den USA haben ca. 70% der Bevölkerung ein Wissens-Niveau weit unter dem europäischen Durchschnitt."

Quelle?

Kommentar von Tastenheld ,

Quatsch Quelle, das sind Fakten, wir sind hier im Internet. ;-)

Kommentar von juergen63225 ,

Schon mal mit einfachen us Bürgern gesprochen ? In USA Fernsehen eingeschalt ? Das Bildungsniveau ist wirklich erschreckend ! Besonders das Wissen über die Welt ausserhalb :-)

Klar gibt es auch die besten Universitäten, aber das sagt nichts zur Durchschnittsbildung. 

Kommentar von TUrabbIT ,

steht im Internet, muss stimmen.

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