Frage von Ella560, 55

Kann das Denkvermögen irgendwann ausgeschöpft sein oder einfach verkümmern?

Guten Abend,

ich hoffe, jemand versteht, was ich meine. Ich bin keine alte Seniorin, sondern eine jugendliche Schülerin. Und manchmal habe ich das Gefühl, das Denken verlernt zu haben. Früher hatte ich lauter Ideen und habe ständig über verschiedenste Fragen nachgedacht (vor allem philosophische Fragen). Woher diese ganzen Fragen kamen, weiß ich gar nicht, sie waren einfach da.

Leider ist das jetzt nicht mehr so. In meinem Kopf herrscht manchmal regelrechte Leere. In der Schule kann ich mich kaum konzentrieren. Wenn der Lehrer eine Frage stellt, fällt mir nichts ein, selbst wenn die Antwort vor mir an der Tafel steht. Selbst bei offenen Fragen, auf die eigentlich jeder antworten kann (z.B. Meinungsfragen), fällt mir keine Antwort ein, oder nur etwas total einfaches, ohne neue Ansätze oder tiefgehende Erklärung.

Eigentlich fühle ich mich den ganzen Tag, als würde ich nie nachdenken und einfach nur handeln. Dann gibt es seltsame Momente, in denen ich rückwärts laufe oder innehalte, um mich davon zu überzeugen, noch selbst Herr meines Tuns zu sein.

Vielleicht liegt es an diesem System, in dem wir dazu gezwungen sind, oberflächlich zu lernen. Wir sollen möglichst schnell, möglichst viel lernen; wenn dann noch eigene Gedanken dazu kommen, wird es ziemlich viel. Ich kann mir den Schulstoff gerade mal bis zur nächsten Klausur merken, dann ist alles weg.

Vielleicht ist es einfach das Leben. Irgendwann eignen wir uns Rhythmen an und hören auf, selbst zu denken. Dazu kommen die ganzen Reize von außen und die Erwartung, einfach zu funktionieren.

Wahrscheinlich liegt es wohl aber an mir. In Intelligenztests schneide ich immer ganz gut ab, aber der Arzt hat unter anderem Anzeichen für eine Konzentrationsstörung festgestellt. Die hat schon für einige Probleme gesorgt. Manche Freunde, glauben, ich sei einfach "dumm geworden". Kann das passiert sein? Leider friste ich im Moment ein ziemlich einsames Dasein, da die meisten Mitschüler mich für seltsam und/oder dumm halten. Dieser Stress scheint es eher noch zu verschlimmern.

Muss ich das einfach akzeptieren oder gibt es Hoffnung auf Besserung? Kann das Gehirn nur bis zu einer Grenze funktionieren und schaltet es dann einfach ab? Wie kann man seine Gedanken wieder anregen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Barney123, 15

Hallo Ella,

Also ich kann aktuell nicht beurteilen, was in der Schule so erwartet und verlangt wird. Nach dem, was ich so mitkriege, scheint es eine Tendenz zu geben, so viel wie möglich Wissen in jemanden reinzustopfen das er dann bei gelegenheit wieder auskotzen soll. Nennt man Bulimielernen. Da das ein Name für eine Krankheit ist, denke ich auch, dass das Problem damit ganz gut beschrieben ist.

Ob es diese Tendenz in der Schule tatsächlich gibt, kann ich nicht wirklich beurteilen. Neulich saß einer bei mir am Tisch, der kam sich ganz toll vor, dass er die Flächen von Kontinenten und Ländern auswendig wusste und hat nun dringend eine Gelegenheit gesucht, mir das aufs Brot zu schmieren. Na ja, lass ihn! War noch recht jung und dumm.

Ich habe das in meiner Schulzeit ganz einfach gemacht: Ich bin gerne in die Schule gegangen. Habe gerne gelernt. Es gab nur ganz wenig, was mich nicht interessiert hat. Deshalb habe ich immer aufgepasst und mitgearbeitet. Hat Spaß gemacht. Was ich nie so ganz eingesehen habe, war, dass ich das alles auswendig wissen sollte. Denn eines haben ja schon die Schulaufgaben gezeigt, übrigens bei jedem: Niemand kann sich genau an alles erinnern, was er hört und liest. Da passieren immer Fehler, und das schlägt sich darin nieder, dass es nur wenige Einsen gibt (na ja, die 1er Abiture gibt es Heute inflatinär häufig). Deshalb habe ich mich nicht darauf konzentriert, mir mit den einzelnen Fakten das Gehirn zuzumüllen, sondern versucht so gut ich konnte die Zusammenhänge zu erkennen. Das mache ich auch Heute noch so. Die Noten in der Schule waren mich piepschnurzwurschtegal. Hauptsache, ich wurde in die nächste Jahrgangsstufe versetzt, denn es wäre ätzend langweilig gewesen, das alles noch einmal anhören zu müssen.

In der 11. Klasse hatte ich einen tollen Lehrer in Englisch, den bekam ich in der 12. auch in Deutsch. Bis dahin hatte ich ein Abo auf eine 2 im Aufsatz. Bekam ich von ihm den ersten Aufsatz zurück: 5!!!!!!         ?????????????

Schaute ich ihn an, er lächelte: "Herr Barney, wir haben die nächste Stunde eine Freistunde, kommen sie vorbei, dann reden wir!" Der hatte mich durchschaut! Meinte er cool: "Das mit der 5 ist natürlich Quark, aber mal ehrlich: die Noten interessieren Sie doch nicht wirklich. Sie wollen doch was lernen! ---- OK, finde ich toll. Ich schreibe da weiterhin irgend eine Zahl drunter, und sie lesen was ich für einen Text dazu schreibe und versuchen das so gut wie möglich umzusetzen!" Die Quittung bekam ich bei meinem Abituraufsatz! Bin zufrieden damit!

Und so solltest du es auch machen! Wissen ist wichtig. Aber die Zusammenhänge, das Verständnis sind noch viel wichtiger! Die Fakten kannst Du Heute einfacher denn je nachsehen  ---- Stichwort "Information at your Fingertipps" Denke daran, Du lernst fürs Leben. Schau Dich einmal um, wie viele Leute da rumlaufen, die haben eine ganze Menge wissen, sehen aber im täglichen Leben nicht, wo es ihnen überall begegnet.

Aber trotzdem: Vernachlässige die Noten nicht. Es gibt Menschen, die werden Dich danach beurteilen. Die können nicht einschaätzen, was es Wert ist, die Zusammenhänge zu verstehen. Also bei allen zusammenhängen  -----  Achte auch auf Deine Noten. Aber die sind nur Mittel zum Zweck! Niemals Selbstzweck!

LG und in Zukunft viel Spaß in der Schule

Kommentar von Ella560 ,

Danke Barney, für diese Antwort und deine erfrischende Sichtweise zu Lernen Noten... Ich versuche, mir diese Einstellung auch anzugewöhnen. Kriege das bestimmt in den Griff. Vielen Dank noch mal!

Kommentar von Barney123 ,

Gerne, und danke für den Stern

Antwort
von Tamtamy, 22

Also das 'Denkvermögen' verkümmert nicht von selbst - jedenfalls nicht bei bestehender Gesundheit und vor dem hohen Seniorenalter.
Ein Arztbesuch wurde ja schon vorgeschlagen - das würde ich auch für sinnvoll halten, da sowohl körperlliche Ursachen (wie z.B. Schilddrüse) wie auch psychische Gründe für die von dir geschilderten Symptome verantwortlich sein können.

Kommentar von Ella560 ,

Ich denke mal es hat psychische Ursachen. Ich bin schon in Behandlung, aber dieses Problem ist da eher Nebensache. Bis mein Arzt sich darum kümmert, kann es noch dauern. Muss ich es ansonsten einfach akzeptieren? 

Kommentar von Tamtamy ,

Okay, wenn du in Behandlung bist, dann kannst und solltest du das dort ruhig einmal ansprechen! Es ist ja keine Nebensache für dich, sondern es beeinträchtigt dich.
Es kann sein, dass du derzeit so beschäftigt bist mit deiner psychischen Situation und deren Aufarbeitung, dass momentan einfach "mehr nicht geht", du damit an deine Grenzen kommst.
Aber das wäre dann auch für deine/n Therapeuten/In wichtig zu wissen.
Gute Wünsche für dich!

Antwort
von SonjaDieKatze, 23

das gefühl kenn ich, ich merke aber dass es mir beim lesen von büchern besser geht und ich mir dann doch noch eher sachen merke als wenn ich nichts tue, das macht mir aber auch spaß. deine anfrage selbst zeigt aber sehr wohl dass du dir gedanken machst ^^ zu den konzentrationsstörungen habe ich etwas gefunden 

http://www.psychologie-in-wien.at/diagnostik-behandlung-im-kindes-und-jugendalte...

http://www.konzentrationlernen.de/

alles gute für dich ^^

Kommentar von Ella560 ,

Hallo Sonja,

vielen Dank für die Antwort und diese Links. Ich werde das mal versuchen. Weißt du, was ich machen kann, wenn Lesen gerade nicht geht, also in der Schule?

Kommentar von SonjaDieKatze ,

ich bin viel zu lange aus der schule draussen um mich noch daran erinnern zu können was ich da gemacht habe, aber der 2te link sollte dir da etwas helfen können ^^ 

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