Frage von MCExpertoX, 133

Kann Autismus verschwinden?

Ich habe gesucht ob Autismus verschwinden kann und habe das gefunden: http://www.volkskrankheit.net/psyche/autismus-verschwindet/ stimmt das?

Antwort
von Aleqasina, 88

Nein. Autismus hat genetisch bedingte Ursachen, die sich nicht verändern lassen.

Autisten sind von Geburt bis zum Tod Autisten. Manche erlernen durch genaues Beobachten und hartes Trainig, sich an die neurotypische (nichtautistische) Umwelt anzupassen. Dann fallen bestimmte Verhaltensweisen nicht mehr auf. Aber ihre eigene Wahrnehmung und die typische Arbeitsweise des Gehirns ändert sich nicht. Sie bleiben Autisten, haben nur den Umgang mit Nichtautisten gelernt.

Es gibt radikale Methoden, mit denen versucht wird, Autisten ihren Autismus abzutrainieren, als gewissermaßen das "Betriebssystem Autismus" komplett von der "Festplatte Gehirn" zu löschen und ein anderes Betriebssystem aufzuspielen (Applied Behavior Assistance). Von sehr vielen Autisten wird diese Methode als grausame und auf rigurose Anpassung abzielende Dressur abgelehnt.

Kommentar von WPOAS ,

Zustimmumg: ABA ist weder mit den Grundrechten, auch nicht mit dem Grundgesetz und auch nicht mit der UN-Behindertenrechtskonvention vereinbar!

Antwort
von Pramidenzelle, 76

Naja, wenn eine Forschergruppe eine Studie publiziert und die Medien es für einen Durchbruch halten ... Ich würde auf diesen Artikel nichts geben - wie twistcube schon sagte, wer Asperger falsch schreibt, der hat sich vermutlich nicht so gründlich mit dem Thema befasst - und das war auch kein einfacher Tippfehler, da es gleich merhfach auftaucht.

Dass man im Laufe des Lebens lernen kann, die Symptome besser zu kompensieren und daher für andere Menschen auf den ersten Blick relativ normal wirken kann, bedeutet noch lange nicht, dass die eigenen Wahrnehmung usw neurotypisch geworden ist.

Antwort
von halbsowichtig, 61

Nein, das "Betriebssystem" im Kopf bleibt immer. Man kann aber lernen, nach außen wie ein Nicht-Autist aufzutreten. Dann sind die Symptome nicht mehr erkennbar, man gilt also als nicht-autistisch.

Dazu gehört, dass man lernt ...

  • "normale" Körperhaltung, Mimik und Sprachmelodie vorzuspielen,
  • in sozialen Situationen so zu reagieren, wie Nicht-Autisten es von einem erwarten (z.B. die höflichen Lügen und Floskeln einstreuen),
  • Overload-Situationen im Voraus zu erkennen und sich mit passenden Ausreden zu verabschieden,
  • sich unauffällig abzuschirmen, z.B. mit modischen Kopfhöhrern statt Ohropax,
  • Schmerz zu ertragen, wenn Nicht-Autisten das toll finden (z.B. zur  Begrüßung umarmt werden),
  • sich mit meditativen Trick oder viel Koffein möglichst schnell von totaler Erschöpfung zu erholen.

Schafft man das, dann wird man von der Gesellschaft als "normaler Mitmensch" akzeptiert.

Wie lange einem die Normalität so einen hohen Aufwand wert ist, muss jeder Autist selbst entscheiden. Manche passen sich gern an, für andere ist es der Horror. Die meisten die ich kenne finden einen für sie erträglichen Mittelweg.

Schlimm finde nur, dass viele Eltern ihre Kinder zu 100% Anpassung zwingen und das für "Heilung" halten. Man nennt diese Misshandlung "Applied Behaviour Analysis" (ABA). Im Endeffekt zerstören sie damit das Vertrauen ihres Kindes und verbieten ihm, die eigenen Bedürfnisse erkennen zu lernen. ABA gehört verboten - aber freiwillige Anpassung in Rahmen des Möglichen hat damit nichts zu tun.

Antwort
von kordely, 50

Bei einige Grenzfälle kann sein, dass aus einer autistich Person eine ganz normale wird. Andererseits könnten leichtere Autisten ihnen Autismus verstecken. Es ist anekdotisch, wenn man einen richtigen Autismus später nicht vorhanden finden kann, und die Wissenschaft wisst darüber nichts; sie kann nur über eine falsche Diagnose reden. 

Antwort
von WPOAS, 66

Wenn man den Artikel aufmerksam und exakt liest, dann bekommt man die Antwort direkt mitgeliefert, denn hier steht:

Forscher der University of Connecticut haben durch neuste Studien herausgefunden, dass Kinder, die an Autismus erkrankt sind, im Laufe ihres Lebens die Symptome möglicherweise von selbst verschwinden könnten

Also die Symptome könnten evtl. verschwinden. Das ist z. B. bei vielen  hochfunktionalen Autisten der Fall, die autodidaktisch gelernt haben zu kompensieren. Dadurch erscheint es so, als ob die Symptome verschwunden seien, aber in Wirklichkeit sind diese nur verdeckt.

In einem Vortrag, den ich vor verschiedenem Publikum halte, sage ich genau zu diesem Thema:

Wenn der Betroffene selbst einen Großteil der Kompensation übernimmt, stellt dies für ihn eine deutliche Belastung dar.
Er entlastet dadurch zwar seine Umgebung, aber dies ist kein Indiz für „leichten“ Autismus!"
(c) www.as-tt.de

Kommentar von DeliriumTremens ,

"Wenn der Betroffene selbst einen Großteil der Kompensation übernimmt, stellt dies für ihn eine deutliche Belastung dar. 
Er entlastet dadurch zwar seine Umgebung, aber dies ist kein Indiz für „leichten“ Autismus!""  

Das sind zwei gute Sätze. Nur, weil man es nicht sehen/erleben kann heißt es nicht, dass es nicht da ist. Der Vorteil einer guten Kompensation liegt aber nicht nur bei der Entlastung der Umgebung sondern entlohnt auch mit einer positiveren Resonanz, aus der "der Kompensierende" einen  Vorteil ziehen kann. 

Kommentar von WPOAS ,

Diese "positive Resonanz" wird leider sehr oft nonverbal gezeigt und ist damit für mich als Autisten kaum erkennbar. Klar formulierte und ausgesprochene Resonanz ist ziemlich selten. Das ist ein Punkt, an dem NICHT-Autisten arbeiten könnten, das würde uns Autisten sehr helfen.

Kommentar von DeliriumTremens ,

Ich bevorzuge das auch. Es ist auch oft so, dass (unsachliche)Kritik frei geäußert wird und es stellenweise schon etabliert ist, dass Schweigen "Lob" bedeutet. Aber das macht nicht zufrieden und man kann es den Menschen nicht ansehen.  

Wenn jemand einem aber gegenüber aufmerksam ist, zuhört und sich aufrichtig interessiert, keine Berührungsängste hat, mag das zwar anstrengend sein, ist aber positive Resonanz, die auch ohne Worte verstehbar ist. Um auf deine zwei guten Sätze zurückzukommen: die Fähigkeit, gut zu kompensieren kann den Zugang erleichtern und Raum für Verständnis schaffen. Das Verständnis wiederum kann Raum schaffen, weniger kompensieren zu müssen. 

Antwort
von einfachichseinn, 50

Nein. Autismus ist unheilbar.

Es gibt je nach Ausprägung, Interesse und Förderung die Möglichkeit, dass ein Mensch, der von Autismus betroffen ist, eine Symptome ablegen kann, so dass er kaum noch als solcher auffällt.

Antwort
von NEONBLAUPINK99, 69

Soweit ich weiß kann autismus nicht verschwinden vielleicht das er abschwächt aber ganz verschwiemden denke ich micjt

Antwort
von twistcube, 48

Nein, nur das Verhalten ändert sich. Und nur weil man keine Probleme in der "Öffentlichkeit" hat, heißt es ja nicht das man keine hat. Gilt auch fürs Verhalten.

In Gesellschaft anderer wedel ich nicht mit den Armen wenn ich aufgeregt bin, schütteln meine Hand nicht wenn ich Angst habe, "knurre" nicht beim Denken usw. Dann wäre ich in Gesellschaft ja auch "geheilt" :)

P.S. Ich persönlich zweifle auch an einer gründlichen Recherche zum Thema wenn 'Asperger' falsch geschrieben wurde...

Antwort
von Schnaps123, 56

Na ja - Die Schwächen kann man loswerden, zumindest teilweise. Ist die Frage ob man immer noch unter Autismusbetroffenheit fällt.

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