Frage von Coco989, 113

Juristische Frage / Schadenersatz: Kann das Merkmal des "nahen Angehörigen" bejaht werden, wenn nur der dringende Verdacht besteht, dass es ein Angehöriger ist?

Ich habe eine Frage an Juristen:

Es geht um den Schadenersatzanspruch einer Frau, die zum Tatort gerufen wurde, um eine vom Zug überrollte Leiche zu identifizieren. Die Leiche trug fälschlicherweise den Ausweis ihres Mannes bei sich, der als vermisst galt. Nun hat der Anblick dieser Leiche, bei der es sich um einen ihr fremden Selbstmörder handelt, sie derartig schockiert, da sie dachte, es handele sich um ihren Mann. Sie musste stationär behandelt werden. Ein Schadenersatzanspruch bzgl. Schockschäden für Dritte besteht bekanntermaßen ja nur, wenn es sich um einen "nahen Angehörigen" handelt. Die Frau ging aber zwei Wochen davon aus, dass es sich um ihren Mann handelte, bis das Gegenteil durch die Obduktion bewiesen wurde. Gilt das nun als Schockschaden aufgrund des Anblickes der Leiche eines nahen Angehörigen?

Vielen Dank im Voraus!

Antwort
von Apolon, 68

Für Fragen an Juristen empfehle ich

www.juraforum.de

dort tummeln sich einige Juristen!

Antwort
von Bitterkraut, 60

Wem gegenüber will sie den Anspruch denn geltend machen? DenSchaden hat ja zunächst die Krankenkasse. Die kann Schadenersatz kriegen. Die Frau kann höchstens Schmerzensgeld bekommen, fragt sich nur, von wem?

Die Behörden mußten ja zunächst davon ausgehen, daß es sich um den Ausweisinhaber handelt. Wie konnte sie ihn indentifizieren, wenn es gar nicht ihr Mann war? Die ganze Geschichte ist irgendwie nicht stimmig.

Kommentar von Coco989 ,

Es geht ja auch nicht um die Geschichte, sondern nur um die konkrete Frage nach dem Merkmal "nahe angehörige" im Falle eines Schockschadens. Wer Anspruchsgegner ist spielt für die Frage keine Rolle

Antwort
von holgerholger, 63

Wem gegenüber will sie denn den Schadenersatzanspruch geltend machen? Und seit wann werden Angehörige an den Unfallort gerufen zur Identifizierung?

Kommentar von Bitterkraut ,

Ja, die ganze Geschichte stimmt hinten und vorne nicht.

Kommentar von user8787 ,

Japp, die Story ist Unsinn. 

Die Polizei hat andere Möglichkeiten Personen zu identifizieren. 

Aber "Schockschaden" ist ein klasse Wort. 🤓

Kommentar von Coco989 ,

Es geht ja auch nicht um die Geschichte, sondern um die konkrete Frage nach dem Merkmal "nahe angehörige" im Falle eines Schockschadens. Wer Anspruchsgegner ist spielt für die Frage keine Rolle. 

Kommentar von holgerholger ,

Doch, genau darum geht es. Ein Schadenersatz setzt ein Verschulden voraus. Also könnte sie vom Selbstmörder Geld verlangen, weil er sich absichtlich mit falschem Ausweis in der TAsche umgebracht hat. Oder sie verklagt ihren Mann, weil der sich schuldhaft seit 2 Wochen nicht bei ihr gemeldet hat. Jemand, den sie fälschlicherweise für ihren Ehemann hält, ist jedenfalls kein "naher Angehöriger".

Und trotzdem glaube ich nicht, dass die identifizierung an der Unfallstelle vorgenommen wird.

Antwort
von Mignon4, 57

Ob in dem Falle Schmerzensgeld beansprucht werden kann oder nicht, kann nur ein Gericht entscheiden. Dabei kommt es immer auf den Einzelfall an. Möglicherweise benötigt das Gericht für eine Entscheidung ein medizinisch/psychologisches Sachverstständigengutachten. Der Eheman gilt nach meiner Auffassung mit Sicherheit als "naher Angehöriger".

Konsultiere bitte einen Rechtsanwalt. Rechtsberatung kann und wird hier nicht geleistet.

Kommentar von qugart ,

Käse. Schadensersatz oder Schmerzensgeld kommt nicht mal ansatzweise in Frage.

Wenn, dann müsste sie das Geld von sich selber verlangen, da sie ja der Auslöser für die angebliche Verwechslung ist.

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 24

Gegen wen soll sich die Schadensersatzforderung richten?

Welcher Schaden soll geltend gemacht werden? 

Ein Schadenersatzanspruch bzgl. Schockschäden für Dritte besteht bekanntermaßen ja nur, wenn es sich um einen "nahen Angehörigen" handelt.

Ist mir nicht bekannt. Quelle?

Kommentar von Coco989 ,

Der Anspruch richtet sich gegen die Mitarbeiter der Bahn, die die Frau zum Tatort riefen und dadurch kausal den Schaden der F verursachten. 

Quelle: BGH und diverse BGB-Kommentare

Kommentar von qugart ,

Doch, das stimmt schon. Aber da geht's um ganz andere Sachverhalte.

Zum Beispiel: Beifahrer, Ehegatte sitzt am Steuer. Jemand fährt denen ins Auto. Der Fahrer zieht sich dabei einen offenen Bruch zu. Der Beifahrer erleidet deswegen einen Schock (medizinisch attestiert) aufgrund des aus dem Arm ragenden Knochen.

Dann kann der Beifahrer vom Unfallverursacher Schmerzensgeld aufgrund des Schocks einfordern. Und das klappt eben nur, wenn es nahe Angehörige sind. War der Verunfallte ein Freund/Bekannter oder Verwandter ab zweitem Grad, dann gibt es da kein Recht auf Schmerzensgeld wegen des Schocks.

Man geht davon aus, dass der Schock nur wegen der starken Bindnung zum Verunfallten ausgelöst wurde. Quasi ein Kausalzusammenhang.

In dem geschilderten Szenario liegt der Sachverhalt aber ganz anders.

Antwort
von Saisonarbeiterr, 70

derartige fragen klärt ein gericht und kein gratis laien-internetforum


darüber hinaus fragt man sich natürlich, wie die frau meinen konnte es sei ihr mann. mit "meinen" identifiziert man keinen menschen.

wenn er noch erkennbar war, dann hätte sie ihn erkennen müssen und wenn er so zerfleischt war, dass nicht, hätte man sie auch nicht zur identifizierung an den tatort gerufen (wobei ich mir gar nicht mal sicher bin, ob das nicht nur im tatort sonntags um 20.15 so gezeigt wird).

normalerweise werden die angehörigen in die pathologie gerufen und der tote wird entsprechend zurechtgemacht, ehe die angehörigen ihn sehen


Kommentar von mirolPirol ,

Genau, da sind sich nicht mal Juristen einig - ganz abgesehen davon, dass ich das für völlig unglaubwürdig halte. Ich würde meine Frau an diversen Merkmalen identifizieren können, die über den ganzen Körper verteilt sind. Aufgrund eines Ausweises würde ich jedenfalls nicht schreiend davon laufen... Aber die Menschen sind ja bekanntlich verschieden.

Kommentar von Coco989 ,

Eine zerfetzte Leiche erkennt man nicht eben mal so! 

Kommentar von holgerholger ,

Und genau deshalb wäre es völlig sinnlos, die Ehefrau zur Unfallstelle zu bringen.

Antwort
von juergen63225, 34

Rechtsanwalt kann man sich sparen, wenn man die Frage nicht mal so formulieren kann, dass man versteht worum es geht.

(also den Vorgang habe ich schon verstanden)

Schadenersatzanspruch

Also ich erkenne keinen entstandenen Schaden, 
ein unangenehmes, traumatisches Erlebnis, das eine Behandlung nach sich gezogen hat .. ok .. wenn es jemand gäbe, der das absichtlich oder fahrlässig verschuldet hat, gäbe es möglicherweise eine Anspruch auf Schmerzengeld

Nun kann ich nicht erkennen, dass hier jemand fahrlässig gehandelt hat: 
wer denn ?

Der verschwundene Mann, der den Ausweis sich hat klauen lassen, oder "ausgeliehen" hat ?
Der Selbstmörder ? Wäre wohl neu in der Rechtsgeschichte ... 
Die Polizei, die ja aufgrund des Ausweises die sehr naheliegende Vermutung hatte, dass der Ausweis zu seinem Besitzer gehört ?

Und dann ... wo bitte kommt die Feststellung BEKANNTERMASSEN dass nahe Angehörige bei Schadenersatz (hier Schmerzensgeld) anders behandelt werden als nicht so nahe ... ??? 

Ein Schadenersatzanspruch bzgl. Schockschäden für Dritte besteht bekanntermaßen ja nur, wenn es sich um einen "nahen Angehörigen" handelt. 

Kommentar von Coco989 ,

Ich habe nicht nach dem Schaden gefragt. Ich habe lediglich wissen wollen, ob in diesem falle das Merkmal "naher Angehöriger" bejaht werden kann, wenn es sich nur in der Vermutung um den Ehemann handelt

Antwort
von qugart, 47

Nur mal so gefragt....da will jemanden einen verstorbenen Selbstmörder auf Schadensersatz verklagen?

Merkste selber, wa?

Kommentar von Coco989 ,

Tja, leider kann man sich dann mit den Forderungen an die Erben richten;)

Kommentar von qugart ,

Ist doch ebenso dämlich, weil der Schuldige die Frau ja selber ist. Nicht der Selbstmörder. Nicht der Selbstmörder hat die Frau dazu gebracht, den Leichnam falsch zu identifizieren, sondern sie selber.

Außerdem ist das Szenario völlig hanebüchen und aus der Luft gegriffen.

Und nein, die Forderung an die Erben ist ebenso dämlich.

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