Frage von Anirahtac, 36

Jura und Kriminologie?

Weiß jemand aus dem einschlägigen Bereich, ob man überhaupt Chancen hat tätig zu werden und welche Berufsfelder man mit einem ersten juristischen Staatsexamen und einem Kriminologie Master antreten kann? Gibt es Felder neben Polizei/Kriminalpolizei (allgemein Bereiche mit Verbeamtung), wo man etwas mit dieser Kombination anfangen kann?

Antwort
von Anger, 10

Ich habe einen MA der Kriminologie in HH gemacht und bin eher enttäuscht. Um ehrlich zu sein, weiß ich damit gar nicht mehr weiter. Ich bin am überlegen ob ich noch mal eine Lehre mache oder ähnliches, denn für die meisten Stellenanforderungen konnte man das gelernte nicht gebrauchen. Allerdings werde ich wohl jetzt bestimmt als "Hetzer" etc. hingestellt, denn m.E. hört es sich für viele Interessenten toll an aber der praktische Nutzen gerade bei mir geht gegen 0. Ich weiß nicht ob du im Jurastudium schon Kriminologie im Schwerpunkt hattest oder noch die Möglichkeit hast dies zu machen? Wenn "ja", dann hattest du ja schon Kriminologie, was m.E. dann auch für kriminologische Forschungsfelder ausreichen müsste... Ich würde aus meiner Perspektive aber eher zum 2. Staatsexamen raten, denn damit hast du viele Berufschancen. Zudem werden im Bereich Kriminologie sehr oft eher Juristinnen und Juristen gesucht anstatt pure Sozialwissenschaftler, die sich ohnehin nicht mit irgendwelchen Gesetzen auskennen.Meine Frage ist vielmehr, was du damit überhaupt machen willst bzw. gerne machen würdest?In der Regel kannst du damit dann als Sozialwissenschaftler arbeiten. Mir als Dipl. Sozialpädagoge, der vorher im Bereich Straffälligenhilfe tätig war hat es nur "theoretisch" eine Aufsstiegschance beschert, praktisch aber noch nicht mal wieder eine Aussicht auf eine Stelle in ähnlichen Bereichen. Ich bin jetzt nur arbeitslos und es interessiert sich auch niemand für das Studium. Es ist m.E. auch kein "nice to have", da man als Dipl. Soz-päd mit staatlicher Anerkennung schon alle Voraussetzungen erfüllt ;-)Der untere Artikel ist m.E. deshalb auch totaler Schwachsinn! Ich habe selber in dieser Kohorte studiert: http://www.abendblatt.de/ratgeber/wissen/article107626123/Das-Verbrechen-im-Hoer... ist mir jetzt zu mühselig die ganzen Behauptungen im Einzelnen zu zerpflücken.. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass das Studium (ich rede von Hamburg) weltfremd und wenig anwendungsbezogen ist. Es ist zwar von vorneherein klar, dass das Studium einen starken Forschungsbezug hat, jedoch sehe ich rückblickend auch im theoretischen Bereich sehr wenig praktische Anknüpfungspunkte. Mein persönlicher Fall ist zwar sehr speziell, aber ich hatte auch die Erfahrung gemacht, dass die Betreuung und Organisation in HH grottenschlecht war. Es kann aber immerhin bei dir anders sein. Ich bin für diese Antwort auch der Falsche, weil ich einen Ekel vor diesen Dozent_innen dort habe und mich eher schäme dort überhaupt studiert zu haben. Meine Frage wäre also, ob du eher etwas theoretisches oder praktisches machen möchtest? Wenn du gerne etwas praktisches machen möchtest oder es zumindest nicht ausschließen möchtest, würde ich auf jeden Fall das 2. Staatsexamen machen (getreu dem Motto, "was man hat, dass hat man, hat man's nicht, da fehlt's eim". Gegebenenfalls könntest du danach ja noch im Bereich Kriminologie promovieren. Lehrstühle gibt es im Bereich der Jurisprudenz ja genug. Damit könnten sich dann in Lehre und Forschung (theoretisch) viele Möglichkeiten ergeben, du könntest aber auch mit zwei Buchstaben vor dem Namen als Anwältin oder Anwalt arbeiten. Solltest du etwa mit Straffälligen arbeiten wollen, etwa in der Gerichts-, Bewährungs oder Opferhilfe könnte m.E. beides, sowohl das zweite Staatsexamen wie auch ein Master in Kriminologie vorteilhaft sein. Meines Erachtens bist du dann damit aber eher schlecht aufgestellt (Soziale Arbeit, Sozialpädagogik oder Psychologie wären in Bereichen der Straffälligen- und Opferhilfe etwas vorteilhafter), es könnten sich aber in seltenen Fällen mal irgendwelche Gelegenheiten auftun (ich kenne z.B. einen ehem. Anwalt, der aus Gewissensgründen nicht mehr als Anwalt arbeitet und nun in einer christlichen Einrichtung mit straffälligen Jugendlichen arbeitet.Dazu studiert man aber normalerweise kein Jura oder Jura und Kriminologie ;-).Mit einem Master der Kriminologie könntest du nachher überwiegend in einen Sozialwissenschaftlichen Bereich arbeiten und Statistiken oder qualitative Interviews führen und Beispielsweise kriminalpräventives Projekt X oder Y evaluieren oder das Konzept des Maßregelvollzugs Z auf Wirksamkeit überprüfen etc. Zumindest könntest du aber nicht mehr als Anwältin oder Anwalt bzw, je nach Abschlussnote Staatsanwalt oder Richter arbeiten. Die Chance, dass du mit einem Master in Kriminologie ohne zweites Staatsexamen in irgendwelchen Rechtsabteilungen der Justiz landest ist nach meiner Meinung auch sehr gering.Ich weiß, dass unheimlich viele Leute schon den Master in Hamburg (vorher Diplom Kriminologe) absolviert haben und es noch einige weitere ähnliche Masterabschlüsse in Deutschland gibt. Darunter Polizeikommissare, Sozialarbeiter und Sozialpädagogen, Soziologen, Juristen mit und ohne zweites Staatsexamen, Psychologen, Pädagogen, ich kenne auch Leute, die einen Bachelor in "Public Health" oder Politikwissenschaften hatten. Da musst du natürlich später erst mal was finden, dass ist schwer und es gibt die wie Sand am Meer....

Anstatt sich hier zu befragen, empfehle ich dir doch, dich einmal mit einem deiner Professoren des Vertrauens zum Thema zu unterhalten und ggf. noch eine Studienberatung aufzusuchen. Schließlich wünsche ich dir, dass du die richtige Entscheidung triffst und das passende für dich findest ;-)

Viel Erfolg,

Anger

Kommentar von Anirahtac ,

Hallo, 

erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort. 
Es tut mir erstmal leid, dass dir das Studium nicht viel gebracht hat und du sehr enttäuscht bist. 
In welche Richtung würdest du denn gerne gehen? 
Meine Situation gestaltet sich wie folgt: Ich studiere momentan Jura in der Endphase und hoffe darauf, mein Staatsexamen zu bestehen. Da ich mir ziemlich sicher bin, dass meine Noten nicht für ein Prädikat reichen, hat sich eine Promotion sowie die Justiz erledigt.
Da ich nicht genau weiß, ob mir der Anwaltsberuf später so viel Freude machen wird und ich merke, dass meine Interessen stark ins Strafrecht und die Hintergründe/Auslöser/Forschung/Prävention von Straftaten sowie Verfolgung und Vollzug und anschließende Resozialisierung (vor allem bei Jugendlichen) gehen, frage ich mich, in welchem Bereich ich diese Interessen am besten verankern kann (und bestenfalls mit meinem Jurastudium ausbildungstechnisch noch etwas anfangen kann).
Daher dachte ich, dass der Kriminologie Master ein passender Aufsatz wäre, dem ja nicht so scheint. 
Da ich aus anderen Gründen von einer Verbeamtung absehen möchte bzw. diese nicht als selbstverständlich in meine Planung mit einbeziehen möchte, interessiert mich, welche Möglichkeiten es in Einrichtungen,Forschung, usw. konkret gibt und in welchem Umfang die Gehälter sich bewegen. Da ich die Berufe dieses Bereichs (außer vielleicht die der Polizei) viel zu wenig kenne, interessiert mich daher, ob es jemanden gibt der mir konkrete Berufe mit notwendigen Voraussetzungen nennen könnte.
Meines Erachtens sieht es so aus, dass ich in diese psychologische/sozialpädagogische Schiene nur komme, indem ich noch soziale Arbeit oder Sozialpädagogik studieren würde (woran mich stören würde dass ich dann komplett in diese Schiene gedrängt werde und mein immerhin erstes jur. Staatsexamen mir karrieretechnisch nicht mehr viel bringen würde). 

Wie du schon sagst, überlege ich mir momentan auch, ob ich nicht eher mein 2. Examen machen soll, da man dann etwas sicher hat. 

LG

Kommentar von Anger ,

Hallo Anirathac!

Mmmh, wenn dich der Forschungsbereich doch interessiert, dann könntest du dich evtl. doch sowohl für einen Master in Sozialpädagogik und/oder Kriminologie bewerben. Da gibt es auch einen an der Uni in Greifswald, der weißt z.B. mehr Bezüge zum Strafrecht etc. auf. Mich würde mal interessieren, ob du Kriminologie im Studium hattest und ggf. auch etwas Statistik? 

O.K., ich würde dir zuerst empfehlen doch noch das zweite Staatsexamen zu machen. Allerdings musst du das selber wissen. Vielleicht könnte dir es aber weiter helfen, wenn du mit "Kriminologen" bzw Leuten, die in angestrebten Bereichen arbeiten mal in Kontakt trittst und diese mal nach deren Meinung fragst...

Vielleicht bist du dir auch nicht klar was überhaupt besser zu dir passen würde.. Ich weiß nicht, ob es dir läge z.B. im sozialpädagogischen Bereich mit Menschen bzw. Straffälligen zu arbeiten. Wenn du das Gefühl hast, dass dies evtl das Richtige für dich sein könnte, dann musst du dich erkundigen und ggf. dann dein Jurastudium (vielleicht auch nur vorerst) erst einmal (zu Beenden!!! und) hinter dir zu lassen. Du solltest dich an einer Uni oder ggf FH wo du Sozialpädagogik oder Soziale Arbeit studieren kannst befragen, was du tun musst um darin einen Abschluss zu bekommen. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit mit einiges zusätzlichen Kursen einen Master zu machen.. O.K., ein Bachelor sind drei Jahre, aber je nach deinem Alter nicht unbedingt ein Beinbruch!

Ich weiß nicht wie das zeitlich möglich ist, aber vielleicht kannst du mal IRGENDWIE ein Praktikum (oder sogar zwei) machen. Z.B. eins in einem sozialpädagogischen Bereich mit Straffälligen und eins in der Forschung. Ich denke, dass sich bei deinen Interessen z.B. die   http://www.krimz.de/  anbieten würde. Vielleicht könntest du dort einmal hin anrufen und mit jemanden von denen reden? Es gibt z.B. auch das KfN in Niedersachsen. Die haben auch Juristen.

Ich kann dir natürlich nur irgendwelche Vorschläge machen und habe (leider) keine Ahnung wie passend die sind...

Hast du evtl einen Prof des Vertrauens? Ich hatte während des MA (gefühlt) niemanden an den ich mich mit beruflichen oder sonstigen Fragen wenden konnte, vielleicht findest du da ja jemand..(ich wünsche es dir zumindest..).

Vielleicht fragst du auch mal in der Studienberatung nach oder gibst mal Begriffe deiner speziellen Interessen in Kombination mit Jurastudium und Stellenangebot ein.. Vielleicht findest du irgendwelche Sachen wo du drauf hinarbeiten könntest... Zumindest wüsstest du dann, dass es XY oder XYZ als in Frage kommende Berufe gibt...

Vermutlich war meine Antwort aber jetzt ein Satz mit X...    

 

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