Frage von SaenaSaena, 35

Jura-Studium oder Lehramt, Zeit für Familie?

Hallo, vielleicht können einige Studenten der Rechtswissenschaften unter euch mir bei folgender Entscheidung einen Rat geben:

Ich habe bei beiden Fälle, Zulassungen für diesen Wintersemester bekommen.

Als französische Muttersprachlerin stehe ich zwischen der Wahl, entweder Französisch/Englisch auf Gymnasiallehramt zu studieren oder Jura-Studium zu studieren. Spaß machen würde mir beides, ich könnte mir mit beiden Fächern eine gute Zukunft vorstellen. Nur richtig aus tiefem Herzen kann ich mir für keines der beiden Fächer entscheiden, es würden immer Restzweifel bleiben.

Was mich bei Lehramt stört, sind die fehlenden Aufstiegschancen (ich bin generell ehrgeizig) und die fehlenden Perspektiven (außer Lehrer eröffnen sich einem nicht viele Berufe). Was mir gefällt, sind die gesicherten Verhältnisse (fester Arbeitsplatz, festes Gehalt, ich weiß, was mich erwartet.) Als Familienmensch gefällt mir daran, dass man genug Zeit im Leben hat. Damit meine ich, dass ich mir gut vorstellen könnte in paar Jahren dann, Kinder zu bekommen und eine Familie zu gründen. Ich kann mir nämlich nichts mit " Tagesmutter " vorstellen.

Bei einem Jura-Studium würde mir gefallen, dass ich damit auch in der Wirtschaft etwas anfangen könnte und sich mir mehrere Karrierewege eröffnen würden. Vor allem nach so einem Studium. (Deutsch-fr) Nebenbei denke ich, dass man mehr Geld mit Jura verdienen kann.. Was mich stört, ist, dass ich nicht genau weiß, was mich erwartet und ob ich so ein langes Studium wirklich mit Spaß angehen würde und genug Zeit hätte Kinder zu bekommen und eine Familie zu gründen..

Zu meinen Fähigkeiten: Ich bin in Sprachen sehr gut (vor allem Französisch(Muttersprache), aber auch Deutsch und Englisch), kann gut Ordnung in das Chaos bringen und bewahre meistens einen kühlen Kopf.

Habt ihr einen spontanen Rat? Letztendlich muss ich es selber entscheiden, aber ich würde mich über Tipps sehr freuen

Antwort
von DanMalawi, 5

An deiner Stelle würde ich mir "die Fälle BGB AT" kaufen. Macht dir das Spaß, ist es das Richtige für dich. Egal welches Rechtsgebiet, es ist immer dasselbe: Man wertet einen Sachverhalt anhand von § im Gutachtenstil aus. 

Wie viel Zeit du dann später hast hängt stark vom Arbeitgeber ab. Bei Freshfields wird das Arbeitspensum hoch sein, als Richterin am Amtsgericht kann man auch ohne weiteres über Monate in Mutterschaftsurlaub gehen.

Probleme mit dem Jura Studium haben vor allem Leute, die viel auswendig lernen, aber wenig verstehen. Die Gesetze sind aufeinander aufgebaut. Diese Struktur muss man erkennen und mit ihr arbeiten. Ansonsten geht man in der Fülle des Stoffs unter. 

Antwort
von Jule59, 11

Karriere und Kinder funktioniert nicht. Die Kinder bleiben dabei immer auf der Strecke. Es sei denn, du hast einen Mann, der die Kinder vorzieht.

Natürlich lässt sich über Fremdbetreuung vieles regeln und mit entsprechendem Verdienst reicht es vermutlich sogar für die eigene Nanny.

Familienleben sieht dennoch anders aus. Und es ist - wenn man es ernst nimmt - eine der wirklichen Herausforderungen im Leben, denn man trägt die Verantwortung für die nachfolgende Generation und hat zu einem ganz entscheidenden Teil das Lebensglück seiner Kinder in den Händen.

Wenn man das mal analytisch betrachtet, dürfte es wenig an beruflichen Herausforderungen geben, die dieses Maß an Kompetenz und Verantwortung toppen könnten.

Letzten Endes muss man wohl entscheiden, was einem wichtiger ist: Die Anerkennung irgendwelcher Leute, die einen möglicherweise ebenso schnell vergessen haben, wie sie seine Nummer aus dem Speicher ihres Smartphones gelöscht haben. Oder das Glück, Familie zu leben.

Es ist ja nicht so, dass man mit einem Lehramtsstudium am Hungertuch nagen müsste. Und wenn's einen packt, hat man durchaus Möglichkeiten, irgendwann im Leben andere Wege zu gehen. Eine Promotion kann dabei ganz hilfreich sein.

Planbar ist das Leben sowieso nicht. Und je mehr man es festlegen möchte, desto weniger verläuft es nach Plan ;).


Antwort
von grubenschmalz, 21

Mit einer so langen geplanten Elternzeit kannst du Aufstiegschancen auch im Jurabereich vergessen.

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