Frage von AnnaB1905, 96

Jura oder Psychologie- Erfahrungen?

Hey,

ich studiere jetzt seit einem Semester Jura. Mein Traum war es jedoch immer, Psychologie zu studieren, weshalb ich mich vor über einem Jahr auch für eine Klage entschieden hatte. Ich hatte bereits damit abgeschlossen und mich mit Jura abgefunden, da kam auf einmal der Bescheid, dass ich einen Platz in Jena bekommen habe. Jetzt weiß ich nicht, ob ich nach Jena gehen soll. Mich interessiert Psychologie von der Thematik her mehr, jedoch habe ich Angst, dass ich es nicht schaffe, weil die meiste Literatur auf Englisch gelesen werden muss und ich in Englisch richtig schlecht bin. Auch soll Psychologie nur aus Auswendiglernen bestehen. Ich weiß, das sagt man auch über Jura, aber ich empfinde das bisher noch überhaupt nicht so. Eher geht es darum, Zusammenhänge zu verstehen und Fälle durch logisches und strukturiertes Denken zu lösen. Habt ihr Erfahrungen gemacht, wie das in Psychologie ist? Auch spricht für Jura, dass es mir liegt. Ich würde nicht sagen, dass ich alles mega interessant finde, aber meine Klausren liefen gut und auch der Gutachtenstil liegt mir. Wenn man in etwas gut ist, macht es natürlich auch gleich viel mehr Spaß. Psychologie finde ich zwar interessant, aber am Ende bin ich total schlecht darin und packe es nicht. Der NC ist sehr hoch und um mich herum sind dann die ganzen Studenten mit ihren 1,0er-Abituren, während ich nichts auf die Reihe bekomme. Da ich eh erst zum WS anfangen kann, da das Psychologiestudium in Jena nicht zum SS anfängt, habe ich bereits zwei Semester verloren. Packe ich mein Studium also nicht in den noch verbleibenden sechs Semestern, ist meine Chance vertan. Dann stehe ich mit nichts da und bereue meine Entscheidung, Jura abgebrochen zu haben. Wie seht ihr das? Würdet ihr sagen, Psychologie ist in sechs Semestern zu packen? Und denkt ihr, in Psychologie und Jura muss man ähnlich viel Arbeitsaufwand investieren? Ist beispielsweise der Stundenplan ähnlich oder hat man mehr Vorlesungen und Tutorien in Psychologie zu besuchen? Mir reicht das nämlich in Jura schon und ich habe Angst, dass Psychologie viel mehr und lernintensiver ist.

Liebe Grüße

Antwort
von kayo1548, 57

"weil die meiste Literatur auf Englisch gelesen werden muss "

ja, Englisch solltest du schon können - das trifft aber auf die meisten Studiengänge zu und auch später im Beruf; Englisch zu können wird hierzulande mittlerweise als genauso selbstverständlich erachtet wie Deutsch zu können.

Prinzipiell dürfte fast jeder aber in der Lage sein Englisch zumindest auf einem grundlegenden Niveau zu verstehen und mithilfe eines Wörterbuchs sich in entsprechenden Büchern zurechtzufinden.

Wenn du, wie du sagst, grottenschlecht in Englisch bist kommt da natürlich eine Menge Arbeit auf dich zu.

Da musst du für dich entscheiden ob du dir das zutraust und du das machen willst.

"Auch soll Psychologie nur aus Auswendiglernen bestehen"

würde ich nicht sagen.

Ganz im Gegenteil: normalerweise ist es bei allen Studiengängen bzw wissenschaftlichen Disziplinen auf diesem Niveau so, dass es eher darum geht grundlegende Zusmamenhänge zu verstehen.

Simples Faktenlernen spielt da normalerweise keine Rolle.

Oder wie hat mal jemand gesagt "warum Dinge lernen die man überall nachlesen kann?"

Das man dann mit der Zeit gewisse Dinge auswendig weiß kommt von der Übung.

" Ich weiß, das sagt man auch über Jura, aber ich empfinde das bisher noch überhaupt nicht so."

Richtig auch bei Jura ist das nicht so;

das man gewisse Dinge auswendig kann liegt einfach daran das man sich damit intensiv beschäftigt.

Genauso wie ein Straftverteidiger der tagtäglich nichts anderes macht auch vieles auswendig kann oder jemand in der Verwaltung die dort gültigen Rechtsnormen.

"Der NC ist sehr hoch und um mich herum sind dann die ganzen Studenten
mit ihren 1,0er-Abituren, während ich nichts auf die Reihe bekomme"

Ein gutes Abitur ist keine Garantie für gute Leistungen im Studium.

Generell sollte man sich da nicht unter Druck setzen - jeder lernt anders und braucht für gewisse Dinge anders.

Daher darf man sich da nicht entmutigen lassen wenn jemand etwas besser oder schneller kann sondern sollte das vielleicht eher als Inspiration nehmen und sich Dinge abschauen.

Das betrifft generell das ganze Lernen.

Wie viel du für das Studium investieren musst und ob dir das Spaß macht kann dir niemand sagen.

Der Stundenplan ist je nach Uni auch unterschiedlich.

Vielleicht kannst du ja mal als Gasthörer bei einigen Vorlesungen dabei sein? Da kannst du dir dann ein eigenes Bild davon machen.

Antwort
von Dahika, 35

Juristen sind von ihrer Persönlichkeit her anders gestrickt als Psychologen. Um Jura richtig zu erlernen, muss man schon besonders gestrickt sein. Ich könnte es nicht.

Ich hatte einen Freund, der Jura studierte und den ich hin und wieder zu Vorlesungen begleitete. Ich dachte damals, dass ich unter lauter Kirschkernschnitzern gelandet sei. Ich bin damals schreiend weggelaufen.

Jura und Psychologie sind für mich die entgegengesetztesten Fächer, die es geben kann. Fliegenbeinzählerei gegen ganzheitliches Denken.

Wenn du meinst, dass dir Jura gut liegt, dann bleibe dabei. Ich kenne keinen Juristen, der psychol. Gedankengänge begreifen könnte. Dazu denken die Vertreter der beiden Fächer einfach zu verschieden.


Antwort
von ChicaArgentina, 41

Ich hab weder Jura noch Psychologie studiert, möchte dir aber trotzdem gern einen Rat geben. Denn aus deinen Schilderungen hört man sehr deutlich raus, dass dir Jura liegt und scheinbar auch Spaß macht. Und das du Psychologie zwar interessant findest, aber dennoch Angst vor den Anforderungen hast. Daher kann ich dir nur empfehlen: Bleib bei Jura. Hör auf deine innere Stimme. Wenn dir dein Bauchgefühl sagt, dass Psychologie letzten Endes vielleicht doch nichts für dich ist, dann lass es besser. Mach da weiter, wo du gut drin bist: Jura.

Entscheiden musst du letzten Endes eh selbst. Aber ich hab auch immer das gemacht, was mir meine innere Stimme gesagt hat und bin damit bisher gut durch´s Leben gekommen. Ich wünsch dir auf jeden Fall viel Glück bei deiner Entscheidung!

Expertenantwort
von Kristall08, Community-Experte für Studium, 39

...weil die meiste Literatur auf Englisch gelesen werden muss und ich in Englisch richtig schlecht bin.

Und das weiß man nicht vorher?

 Auch soll Psychologie nur aus Auswendiglernen bestehen.

Habe ich noch nie gehört. 

Für mich klingt das so, als wenn du nach Ausreden suchst, um diesen Platz jetzt doch nicht anzunehmen. ;)

Es ist völlig in Ordnung, seine Meinung zu ändern, weil man neue Erkenntnisse gewonnen hat. Du hast nun Jura für dich entdeckt. 

Ich schließe mich dem Vorschlag von kayo1548 an, besuch mal einige Veranstaltungen in Psychologie. Die meisten stellen sich darunter nämlich etwas völlig anderes vor, als es tatsächlich ist. Und bei der Wahl des Berufes sollte man sich nicht von Vorstellungen, sondern von Erfahrungen leiten lassen. Vorstellungen sind meistens nicht kompatibel mit der Realität. :D

Antwort
von SSiMmMone, 50

spontan sage ich: bleib bei jura...ABER SUCHE vllt professionelle beratung...

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