Frage von gummilekkka, 88

Jura-bedingter Vorsatz oder bewusste Fahrlässigkeit?

Zwei passionierte Skifahrer (also sehr erfahren) begeben sich auf einen ungesicherten Hang fernab der Piste, trotz mündlicher Hinweise der Verwaltung und PiktogrammHinweise (missachten die Warnung) über viel Neuschnee, der auf dem gefrorenen Boden für extrem hohe Lawinengefahr sorgen. Natürlich bringen sie die Schneedecke auf dem Hang zum Rutschen und eine Lawine geht donnernd ins Tal. Diese wurde nur ausgelöst, da die beiden in hoher Geschwindigkeit nebeneinander (zu starker Druck) gefahren sind. Sie werden nicht verletzt, ein Dritter wird stark verletzt (keine Todesfolge).

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von uni1234, Community-Experte für Jura & Recht, 42

Es scheint ja um eine Hausarbeit zu gehen. Dann ist egal was am Ende rauskommt. Hauptsache Du behandelst das Problem in der gebotenen Länge. Fang mit der Prüfung der vorsätzlichen Körperverletzung an. Diskutiere alle Ansichten zur Abgrenzung dolus eventualis und bewusste Fahrlässigkeit. Dann bist Du auf der sicheren Seite.

Kommentar von gummilekkka ,

Danke, es ist mit meine erste Hausarbeit deswegen habe ich noch eine Mini frage, da es ja scheint, als ob du dich auskennst... Zu prüfen ist , ob sich die Personen nach dem 16. und 17. Abschnitt des StGB strafbar gemacht haben...also dann tatsächlich nur in dem Rahmen? Weil der Fall geht noch weiter und dann kommt da zb auch u.a. Anstiftung vor, welche ja nicht unter den 16. oder 17. Abschnitt fällt...ist sie dann einfach auszulassen?

Kommentar von uni1234 ,

Vorsatz (§ 15) fällt auch nicht in den 16. oder 17. Abschnitt. Lässt Du den deshalb auch weg? Du sollst nur Straftaten aus dem 16. und 17. Abschnitt prüfen. Anstiftung befindet sich im allgemeinen Teil. Der bleibt von solchen Anmerkungen unberührt.

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Recht, 37

Durch die unverantwortliche Missachtung der Gefahrwarnung haben sie die Schädigung eines Dritten, billigend in Kauf genommen.

Das läuft dann unter bedingtem Vorsatz.

Das hat sowohl strafrechtliche Relevanz, und eine evtl. Haftpflichtversicherung wird nicht zahlen. 

Kommentar von gummilekkka ,

Das spricht natürlich für den bedingten Vorsatz...allerdings könnte man es ja so auslegen, dass sie die Gefahr zwar erkannt haben, an den tatsächlich Eintritt des Erfolges aber nicht geglaubt haben, von wegen wird schon gut gehen. Vor allem, da sie ja viel Erfahrung in dem Sport haben, haben sie sich selbst und die Situation vielleicht überschätzt, was dann eher die bewusste Fahrlässigkeit wäre?

Kommentar von DerHans ,

So sind bisher leider sehr viele Hobby-Rennfahrer mit einer Ordnungswidrigkeit davon gekommen.

In Berlin wurden jetzt aber zwei dieser "Jungdynamischen" wegen Mordes angeklagt

Kommentar von uni1234 ,

Nur weil die Staatsanwaltschaft eine Vorsatztat angeklagt, heißt es noch lange nicht, dass deswegen auch eine Verurteilung erfolgt. Zudem wird die Anklage überwiegend auch kritisch gesehen, da es hierfür gerade die sog. bewusste Fahrlässigkeit gibt.

Kommentar von gummilekkka ,

Ahhh, was ist es denn dann in dem Fall....-.-

Kommentar von DerHans ,

GERADE, wenn sie viel Erfahrung in dem Sport haben, ist das bedingter Vorsatz.

Kommentar von gummilekkka ,

Ja, auf der einen Seite schon, aberan könnte man es ja auch mit der Tatsache relativieren, dass es zur lawine einzig durch das Nebeneinanderfahren und den dadurch resultierenden zu hohen Druck kam und die es nicht einschätzen konnten.

Kommentar von gummilekkka ,

Das ist aber eine Hausarbeit...was soll ich denn nehmen ?! Beides ist halt logisch, aber trotzdem muss man sich entscheiden, aber ich tendiere auch zu bewussten Fahrlässigkeit.

Kommentar von DerHans ,

Deine Hausarbeit sollst du schließlich SELBST verfassen. Dein Tutor will sicher nicht die Meinung von ihm völlig fremden Mensch nachgekaut bekommen.

Du sollst das Für und Wider erörtern, ob es sich um grobe Fahrlässigkeit oder billigend in Kauf genommene Schädigung Dritter handelt. (Strafbar kann beides sein, nur die Strafbemessung ist anders)

Kommentar von gummilekkka ,

Ob man es glaubt oder nicht, verfasse ich sie tatsächlich SELBST. Von einer Antwort auf meine Frage werde ich schon keine 18 Punkte bekommen, keine Sorge. Ich bin mir einfach beim Ausgang des “Für und Wider“ nicht sicher.

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 29

Was genau war mit Kenntnis einer unmittelbaren, konkreten Lawinengefahr unklar, als man das Gebiet befuhr?

Inwiefern durfte man davon ausgehen, dass sich niemand im Gefahrenbereich befindet, der zu Schadenn kommen kann?

Genau so dürfte der Staatsanwalt bzw. Verteidiger des Opfers argumentieren und viel Gehör finden.

G imager761

Expertenantwort
von uni1234, Community-Experte für Jura & Recht, 37

Für bedingten Vorsatz würden mir noch weitere Angaben fehlen. Hierfür wäre ja erforderlich, dass sie die Gefahr der Verletzung eines anderen Menschen erkennen und bewusst in Kauf nehmen.

Ich finde man könnte über bedingten Vorsatz nachdenken, wenn der ungesicherte Hang sich z.B. unmittelbar oberhalb einer befahrenen Piste befindet. Dann sehen die Täter, dass dort Menschen lang fahren und nehmen in Kauf, dass diese verletzt werden.

Daher würde ich in dubio pro reo von Fahrlässigkeit ausgehen.

Kommentar von DerHans ,

Genau deswegen wird ja die Warnung ausgesprochen. Wer das ignoriert, nimmt Schäden Dritter in Kauf

Kommentar von uni1234 ,

Dass das gefährlich ist ist klar. Hier geht es allerdings darum, dass auch Dritte gefährdet werden können. Das ist für mich nicht ersichtlich. Daher liegt in dubio pro reo bedingter Vorsatz nicht vor.

Kommentar von DerHans ,

Es liegt auf der Hand, dass durch das Auslösen einer Lawine andere Menschenleben und ihre Gesundheit gefährdet werden.

Kommentar von uni1234 ,

Aber nicht mitten im nirgendwo...

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