Frage von jojo1810, 105

Jungpferderziehung?

Hallo Leute, Ich hab mich dazu entschieden ein Jungpferd zu kaufen ( wird 2 Jahre ), dass komplett nichts kennt. Wir haben angefangen langsam zu üben und er ist sehr lernwillig und macht eigentlich gut mit. Er kennt es mittlerweile angebunden am Putzplatz zu stehen, geputzt zu werden, sogar Hufe geben und abspritzen funktioniert. Führen und ein kleines Stück spazieren gehen ist auch kein Problem. Jetzt komm ich zu meiner Frage ?!? Ich bin mit ihm auf den Platz und wollte ihn dort sich mal umschauen lassen, aber er blieb immer an meiner Seite, lief mir hinterher. Dabei muss ich sagen, dass er sehr frech ist und knabbert auch mal gerne an einem herum und auf dem Platz war es sehr extrem und penetrant. Ist das normal? Wie bekomme ich ihn dazu das er mal von mir weicht?

Antwort
von sukueh, 26

Wenn du nicht weiß, wie du es hinbekommst, dass das Pferd auch mal vor dir weicht, warum hast du dir dann ein noch zu erziehendes Jungpferd ausgesucht ? 

Man lässt auch ein Pferd nicht ständig an sich herumknabbern - wie Friesennarr geschrieben hat, kann aus dem Anknabbern leicht ein Schnappen und aus dem Schnappen ein Steigen werden. Und das kann dann wirklich übel ausgehen. Ganz abgesehen davon, dass die Erziehung wesentlich leichter fällt, wenn man Unarten bereits im Ansatz unterbindet und nicht erst bei Stufe 2 oder 3. Dazu muss man aber schnell genug und vor allen Dingen richtig reagieren. 

Für mich persönlich ist es durchaus ein Unterschied, mit einem bereits erzogenen Pferd umzugehen (und dabei passieren schon genug Fehler) und ein Pferd zu erziehen (dabei passieren noch mehr Fehler, wenn der derjenige von Pferdeerziehung nicht wirklich eine Ahnung hat). 

Wenn mein Pferd weiß, was es darf und was ein absolutes no go ist, dann kann ICH ihm erlauben, gelegentlich mal an mir rumzuzubbeln, aber noch nicht, wenn er eben noch nicht weiß, was erlaubt und was verboten ist. #

Die richtige Pferdeerziehung lernt man auch nicht aus Büchern oder aus dem Internet, sondern in der Regel lernt man das durch Zuschauen und Arbeiten bei einem anderen Pferdemenschen. Keiner der guten Pferdetrainer hat sich sein Wissen aus Büchern angeeignet. 

Man muss sich mal bewusst machen, dass mit dieser Grunderziehung im Endeffekt der Grundstein für den Verlauf des weiteren Pferdelebens gelegt wird. 

Ein von einem Trainer ausgebildete Pferd, der weiß, was er wann und warum macht, wird im Normalfall niemals ein "Problempferd" werden, weil die Grundlagen, die hier am Anfang gelegt worden sind, einfach stimmen. Dagegen landen sehr viele "geht schon, das mach ich selber"-ausgebildete Pferde irgendwann mal in einem Korrekturberitt, wo sie unter erhöhtem Druck nochmal neu lernen müssen, was sie im Umgang mit dem Menschen beachten müssen. Fehlverhalten lässt sich in der Regel nicht durch eine Diskussionsrunde wegbesprechen. Teilweise sind derlei Pferde eine Gefahr für die Gesundheit des Menschen.

Tu dir selber und dem Pferd eine gefallen: Such dir einen Ansprechpartner vor Ort, der dich bei der weiteren Erziehung deines Pferdes begleitet, wenn du schon der Meinung bist, du könntest ein Jungpferd ausbilden. 

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 56

Das letzte was du da beschreibst ist sehr gefährlich - das sind die Vorstufen zum Hengstspiel. Knabbern, Kopf und Halswackeln, Beine höher anheben, auflaufen, anrempeln und schwups steigt das liebe Pferdchen dir auf die Schultern.

Dieses Pferd ist 2 Jahre alt, somit gehört es nicht in die Arbeit sondern auf die Aufzuchtweide. Auch sollte man diese Pferde in Ruhe lassen und nur maximal das Fohlen ABC aufrufen. Lernwillig sind die alle, aber wenn man zu früh mit denen arbeitet, dann ist dieser Lernwille leider auch schnell verpufft und das ganze artet in Arbeit aus. Mit 3 hast du dann einen faulen Gaul, der nichts mehr mitmachen will.

Zur Arbeit ist noch massig Zeit, wenn die erwachsen sind.

So wie du schreibst bist du selbst noch ein Kind und somit unmöglich fähig ein dir, im Grunde, gleichaltriges Pferd zu erziehen. In der Natur ist es nicht vorgesehen, das Kinder Kinder erziehen.

Ich würde dir vorschlagen, das Jungpferd auf eine Weide zu stellen, mit möglichst anderen seiner Art und Alter, vielleicht auch eine Gruppe. Dann wenn das Pferd alt genug ist wird er gelegt und dann kann er zu dir in den Stall kommen und du einen Bereiter oder Pferdeausbilder mit dem Ausbilden des Pferdes beauftragen, wobei du mithilfst und auch dann nach Anleitung vieles mit und selbst machen kannst.

Ohne Hilfe einer Fachkraft wird meistens nicht s gutes bei rauskommen.

Antwort
von DonkeyDerby, 60

Sei doch froh, dass er Kontakt zu Dir sucht! Du bist seine Bezugsperson, was Besseres kann Dir gar nicht passieren.

Kommentar von friesennarr ,

Ja - echt toll, das sie sich ihm bald nicht mehr erwehren kann, und er nicht nur ganz nah bei ihr läuft sondern bald noch über sie drüber :-(

Sie hat doch geschrieben, das sie ihn nicht weg bekommt von sich, das er nicht weicht - und das bedeutet der will mit ihr Spielen - nur Menschlein und Pferdlein spielt sich nicht sehr gesund.

Kommentar von DonkeyDerby ,

Sorry, aber Nähe bedeutet nicht Respektlosigkeit. Wer das nicht auseinanderhalten kann, sollte vielleicht besser keine Jungpferde erziehen.

Kommentar von friesennarr ,

Nähe bedeutet immer Respektlosigkeit.

Schon mal etwas vom Individualabstand bei Pferden gehört?

Ein Pferd das sich in den Radius eines ranghöheren Pferdes begibt, ohne dessen ausdrückliche Einladung wird wehement da rausgetrieben.

Respekt ist wenn mein Tier meinen Individuabstand vollkommen akzeptiert - und den setze als Halter ich ganz alleine.

Kommentar von DonkeyDerby ,

Nähe bedeutet immer Respektlosigkeit.

Nein, das kann ich so nicht stehen lassen. Die Nähe von Stute und Fohlen, von eng befreundeten jungen oder erwachsenen Pferden bedeutet eben nicht Respektlosigkeit, sondern Vertrautheit.

Gegen Knabbern und Schnappen hilft ein gezielter Schlag mit den Fingerknöcheln auf das Nasenbein des Pferdes. Meinen selbst gezogenen Fohlen habe ich so schon im Alter von wenigen Tagen diese Unart abgewöhnt. Dennoch habe ich Nähe zugelassen, vertraute, freundliche Nähe. So wurden meine Fohlen zu Jungpferden, die als Jährlinge/Zweijährige (Verkaufsalter) problemlos und gefahrlos von Kindern geführt und geputzt werden konnten.

Kommentar von friesennarr ,

Dennoch habe ich Nähe zugelassen, vertraute, freundliche Nähe.

Da ist dein Schlüsselsatz. (habe die Nähe zugelassen)

Ein Pferd das sich herausnimmt in deinen Individualabstand einfach einzudringen ist Respektlos.

Das hat nichts mit deinen von dir gezogenen Pferden zu tun, die lernen das alles von Tag eins.

Hier hat es damit zu tun, das die Fragerin einen 2 jährigen bekommt, der (lt. ihrer Beschreibung) fröhlich ohne Einladung in ihrem Bereich herumtappt.

Das Nähe an sich keine Respektlosigkeit ist klar. Wenn ich zum Pferd gehe oder sich das Pferd mir nähert ist das o.k. Doch ein ordentlich (von der Herde und vom Menschen erzogenes Pferd) wird einen Meter vor mir stehen bleiben und erst auf Aufforderung ganz herantreten.

Stute und Fohlen ist ein blödes Beispiel - wie sollte eine Stute gegenüber ihrem Fohlen (das ja gleichrangig und jung ist) keine Nähe zulassen - das wäre ja mit dem Tod des Fohlens verbunden. (Ohne Futter ohne Schutz)

Auch gleichrangige Pferde werden fragen - das sieht man nur nicht immer - weil geduldet und schon 100 mal gefragt.

Bitte nimm die Rosarote Brille ab (Vertrautheit) und lies ein gutes Herdenzusammensetzungsbuch z.B. Michael Schäfer - die Sprache der Pferde. Pferde gehen immer nach dem Rang, so funktioniert ihre Gesellschaft.

Kommentar von DonkeyDerby ,

lach ... Keine Sorge, ich trage keine rosarote Brille, dazu habe ich zuviel in einem langen Leben mit Pferden durchgemacht. Ich kenne das aber bei durchaus respektvollen Pferden, dass sie in ungewohnter Umgebung die Nähe des vertrauten Menschen suchen. So habe ich das geschilderte Verhalten interpretiert.

Die "Frechheit", so vorhanden, tritt ja nicht nur in der unbekannten Umgebung auf und wurde schon viel früher zugelassen und anerzogen. Die Fragestellerin widerspricht sich da ja auch, denn angeblich ist es ein Jungpferd, das "gar nichts kennt". Woher hat dieses Pferd denn die Respektlosigkeit? Jungpferde, die nicht an Menschen gewöhnt sind, sind normalerweise ja scheu und eher respektvoll.

Antwort
von Janaaanad, 66

Vor ab : Toll das alles so gut läuft !

Na normal ist es nicht , jedenfalls nicht selbstverständlich für einige Pferde dem Besitzer hinterher zulaufen . DEIN Pferd sucht DEINE nähe . Freu dich ! Was besseres gibts nicht :)

Kommentar von friesennarr ,

Fohlen und Jungpferde sind neugierig ohne Ende - die würden dir am liebsten auf den Schoß krabbeln und dir in die Kaffeetasse klotzen. Es ist somit vollkommen normal, das ein normal geprägtes Jungpferd sich so verhält, also gar nix besonderes.

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