Frage von Aes2013, 123

Jugendamt/Internat?

Hallo:) ich bin weiblich und 15 Jahre alt, gehe in die 9. klasse eines Gymnasiums. Ich bin vor kurzem von meinem Alkoholabhängigen Vater zu einer alten Freundin meiner Mutter und ihrer Tochter gezogen, als Pflegetochter. Aber irgendwie klappt es nicht. Ich weiß selber nicht wirklich warum. Ich war schonmal in einer Pflegefamilie bin dann aber wieder zu meinem Vater zurück. Jetzt schaff ich es einfach nicht mehr von Leuten zu Leuten zu ziehen. Ich will so nicht mehr weiter leben. Deswegen wollte ich fragen ob das Jugendamt ein Internat zahlen würde. Es würde vielleicht so 1800€ im Monat kosten. Wohngruppen kosten 4000-7000€ im Monat und so wäre diese Variante eigentlich viel günstiger für die.

Support

Liebe/r Aes2013,

auch wenn es hier um einen guten Rat geht, ist es schwierig Dir einen zu geben, ohne Deine tatsächliche Situation genauer zu kennen.

Sprich bitte mit einem Menschen darüber, dem Du vertraust. Das kann ein guter Freund, ein Verwandter oder auch eine Vertrauensperson aus der Schule oder dem Beruf sein. Oder schau mal hier: http://www.nummergegenkummer.de

Herzliche Grüße

Eva vom gutefrage.net-Support

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Antwort
von HobbyPianistin, 50

Ein Internat kostet für das Jugendamt mehr als 1800,-€ ;). So hoch kann das private Schulgeld sein, was Eltern zahlen müssten, für Jugendämter gelten allerdings (leider) andere "Tarife", da das Jugendamter Kinder nach dem SGB VIII in einem Internat unterbringt  - das ganze läuft dann jedoch eben auch unter "JugendHILFE" was beinhaltet, dass diese Kinder oder Jugendlichen eine anderen Betreuungsbedarf haben, als Kinder die auf "normalem" Wege von ihren Oberschicht-Eltern dort eingeschult werden. Das billigste Internat jedenfalls was ich kenne, hat einen Tagessatz (für Jugendämter) von 98,-€, das wären also im Monat schon knappe 3000,-€ ;).

Letztlich solltest du dich ans Jugendamt wenden, wenn du dauerhaft woanders hin willst. Du kannst dann deine Wünsche äußern, entscheiden tut jedoch das Jugendamt. Neben den Kosten spielen zudem viele andere Faktoren in diese Entscheidung mit rein, ob ein Internat als für dich geeignet erscheint oder nicht.

Einen Anteil dabei werden sicherlich auch die Gründe haben, warum es in deiner jetztigen Pflegefamilie "nicht klappt" - aus welchen Gründen genau sollte es in einem Internat besser klappen?

Meiner Meinung nach wäre es überhaupt erstmal das Wichtigste (und das wird das Jugendamt ähnlich sehen) "Ursachenforschung" zu betreiben - woran liegt es, dass es in der Pflegefamilie nicht klappt ? Dieser "Fehler im System" muss ja erstmal aufgedeckt werden, damit man weiß, wie man den zukünftig verhindern kann. Erst wenn das klar ist, kann das Jugendamt auf dieser Grundlage auch gucken, was daher zukünftig passenDER für dich wäre, da man dich ja gerne vor erneutem Scheitern/einer erneuten Enttäuschung bewahren will!

Sicher musst du auch offen dafür sein, mal zu gucken welche eigenen Anteile du vielleicht dazu beiträgst dass es nicht klappt.

Zudem ist es ja auch normal, dass man eine gewisse Zeit braucht, sich aufeinander "einzuspielen" ;). Ihr seid Menschen, jeder hat seine Gewohnheiten, seine Stimmungen etc. und du musst quasi als "Neue" deinen Platz in der Familie finden - das ist ein hochsensibler Prozess, der ohne Reibereien nicht ablaufen kann. Vielleicht würde daher ja auch ein klärendes Gespräch schonmal was bringen. Wenn du sagst dass du die "Pflegetochter" bist, werdet ihr ja vom Jugendamt betreut und du könntest dich einfach an deine Sachbearbeiterin wenden, die ein solches Gespräch einleiten könnte. Ansonsten wäre auch eine Familienberatungsstelle eine Möglichkeit.

Kommentar von Internatefreund ,

Ein paar Aussagen möchte ich korrigieren:

Zum einen sind Internate tatsächlich in der Regel billiger als Wohngruppen, weil das Betreuungsverhältnis in Internaten i.d.R. wesentlich geringer ist als in Wohngruppen. Allerdings haben Internate in der Regel in den Schulferien geschlossen, was bedeutet, dass sie sich nur für Jugendliche eigenen, die in den Ferien eine gute Unterkunft außerhalb des Internats haben. Dies könnte hier schon die erste Hürde sein.

Je nach Internat sind zwischen 5% und 60% der Jugendlichen dort über Jugendhilfe finanziert (das ist ein Ausschnitt aus 19 guten Internaten, bei denen ich die Quoten kenne). Das sind also keineswegs ausschließlich Veranstaltungen für Kinder reicher Eltern - das dürfen Internate auch gar nicht sein, weil sie damit gegen das Sonderungsverbot aus Art 7 Grundgesetz verstoßen würden.

Die Art der Unterbringung entscheidet auch nicht das Jugendamt - sie tun gerne so, als ob sie dies entscheiden, aber tatsächlich ist das Kindswohl entscheidend und darüber entscheiden Jugendamt, Eltern und Kind gemeinsam. Jeder kann Vorschläge unterbreiten und keine Partei kann der anderen diktieren, wie es weitergeht. Oft versuchen die Jugendämter ihre Lösung durchzudrücken, z.B., um einen freien Platz in einer eigenen Wohngruppe zu füllen - da müssen Eltern und Jugendlicher ggfs. stark genug sein und "Nein" sagen, wenn dieser Platz eben nicht das Optimum für das Kind ist.

Gleichzeitig kann natürlich auch das Jugendamt bei einem Internat "Nein" sagen, wenn es gute Gründe gibt, die dagegen sprechen. 

Kommentar von HobbyPianistin ,

Zu Absatz 1: Ja, das stimmt ;) Jedoch habe ich nicht das Gegenteil behauptet - ich habe überhaupt keinen Vergleich zu einer Wohngruppe gezogen.

Zu Absatz 3: Das erlebe ich in meinem ASD anders: Die Eltern können Vorschläge machen, denen wir auch nachgehen. Letztlich entscheiden tun wir - der Staat gibt das Geld - der Staat entscheidet wofür es am sinnvollsten ausgeben wird. In der Regel kommen Vorschläge von Eltern sowieso in Frage und ansonsten werden sie begründet abgelehnt, wie du ja geschrieben hast. Falls man sich nicht auf eine Einrichtung einigen kann, klar, dann können die Eltern natürlich "nein" sagen, da hast du Recht. Das heißt aber nicht, dass das Jugendamt dann daraufhin "ja" sagen muss - dann gibts eben keine Hilfe. Die Eltern können dann auch eine gerichtliche Klärung anstreben.

Einer Aussage möchte ich an dieser Stelle ganz deutlich widersprechen:

Oft versuchen die Jugendämter ihre Lösung durchzudrücken, z.B., um einen freien Platz in einer eigenen Wohngruppe zu füllen -

Auch wenn es von einigen unseriösen Medien leider immer wieder gerne verbreitet wird: NEIN, die erste Priorität ist nicht die Frage welche Einrichtung "gefördert" werden muss ! Das hat sogar ÜBERHAUPT keinerlei Priorität! WARUM ?: Das lässt sich mit dem logischen Menschenverstand ganz gut nachvollziehen: SPAR-DRUCK ?!! Die Praxis sieht eher manchmal noch so aus, dass es z.B. einen wohnortnahen freien Platz gibt - den wir nicht belegen dürfen, weil es einen billigeren Platz gibt - der genauso geeignet ist, jedoch um einiges weiter weg ist. Wenn es darum ginge "Lücken" in Einrichtungen zu füllen, müssten wir wohl erstmal immer "unsere" EInrichtungen (in unserem Bezirk) "pflegen"...  Bei solchen Entscheidungen wird überhaupt nicht auf den "Bedarf" der EInrichtung geguckt - sondern ausschließlich auf den "Bedarf" des Kindes !!!!!!! Das sind immer wieder Unterstellungen von Leuten die keine Ahnung von dieser Arbeit haben (oder deren Kinder in Obhut genommen wurden *räusper*) !!! Die Fortsetzung solcher Aussagen ist dann gerne noch: Kinder werden "geklaut" um Einrichtungen zu "füllen".

Nee, die Realität sieht genau gegenteilig aus: Es werden notwendige Hilfen manchmal nicht bewilligt - und damit teilweise Kinder gefährdet - weil von dem Geld z.B. lieber irgendeine eigentlich völlig intakte Straße erneuert werden muss  (schließlich könnten ja die Stoßdämpfer unserer Autos kaputt gehen !!!!)

Was zudem leider von RTL II &co NICHT berichtet wird: Es ist tatsächlich schon vorgekommen dass Einrichtungen schließen mussten, WEIL sie von Jugendämtern nicht mehr belegt wurden - WEIL sie keine gute Arbeit gemacht haben bzw. Kinder nicht so stark gefördert haben, wie es das Jugendamt FÜR diese Kinder gewollt hat! Da ging es also nachweißlich nicht darum Einrichtungen "am Leben zu erhalten" !

Antwort
von hertajess, 19

Es wäre das Sinnvollste an die Ursache heran zu gehen. Denn wenn Du nur davon läufst nimmst Du sie immer mit. Und sie wird tatsächlich mit der Zeit dann in der Regel stärker. Stärker im Sinne von auffallend, beeinflussend, bei Dir dann wohl behindernd im Leben. 

Alkoholismus ist eine Familienerkrankung. Betroffen von dieser Erkrankung sind oft genug vor allen Dingen die Kinder. 

Es sei mir gestattet als trockene Alkoholikerin hier einfach mal platt hinzuschreiben dass wir Säufer mal außen vor gelassen werden dürfen. Die Frage steht im Raum: Was ist das Beste für Dich?

Du gehst also bestenfalls zur nächsten Beratungsstelle der Landesstelle für Suchtgefahren. Wenn sie dort einen Kurs für Angehörige anbieten nehme unbedingt daran teil. Aber lasse Dir auf gar keinen Fall einreden Du hättest auch nur im Ansatz auf seine Erkrankung Rücksicht zu nehmen. 

Nehme so viele Informationen über die zahlreichen Auswirkungen dieser Erkrankung auf die Mitmenschen mit wie möglich. Aber auch Adressen von Selbsthilfegruppen. Das Blaue Kreuz arbeitet schon lange mit Fachmenschen zusammen um gerade den Kindern von Alkoholikern den Weg in ein normales Leben zu ermöglichen. 

Sicherlich kannst Du auch so in eine Wohngruppe. Besser ist allerdings wenn Du ehrenamtliche und zusätzlich auf Deine speziellen Bedürfnisse spezialisierte Fachmenschen zur Seite hast. 

Was mir noch auffällt: 

Du fragst. Ob aber Deine Pflegefamilie der gleichen Ansicht ist - lasse mich einfach mal ein wenig daran zweifeln .

Ja. Du bist jetzt wahrscheinlich ziemlich anstrengend, Ein normales Leben in einer Familie ist Dir unbekannt. Du bist von klein auf Unzuverlässigkeit, Lüge, Betrug, womöglich Aggression abwechselnd mit Friede-Freude-Eierkuchen gewohnt. Aber eben nicht eine Regelmäßigkeit die auf selbstverständlichen Regeln aufbaut 

Vielleicht brichst Du in Panik aus wenn lange Ruhe in Deinem Leben ist denn Du bist gewohnt je länger Ruhe je heftiger das nächste Negativ-Erleben .

Vielleicht hast Du nie gelernt normal und friedlich in gegenseitigem Respekt miteinander umzugehen. 

Selbsthilfe ist hier als zusätzliche Stütze sehr sinnvoll. 

Besprich bitte erst mal mit Deiner Pflegefamilie ob sie den Weg unterstützt mit Dir gehen wollen. Und schaffe Tatsachen indem Du wie von mir vorgeschlagen angemessene Hilfe suchst und dann auch regelmäßig nutzt. 

Kommentar von hertajess ,

Was noch möglich ist ist dass Du die Telefonnummer

116 111

kostenlos und ohne Vorwahl nutzt um Dich zu besprechen. Die Menschen am anderen Ende sind sehr kompetent. Ich würde sie nutzen bevor ich zum Jugendamt gehe. Dann kommst Du da gut vorbereitet hin und kannst das Bestmögliche für Dich erreichen .

Antwort
von SquareMatrice, 57

Als Minderjährige hast du es leider schwer selbst was zu bewirken aber du hast zumindest die Möglichkeit auf dich aufmerksam zu machen. Wenn deine schulischen Leistungen gut sind, kannst du den Vorstand des Internats deiner Wahl eine Mail schreiben und ausführlich begründen, warum sie dich aufnehmen sollten und ob die Möglichkeit besteht, dass sie dir dabei helfen. Ansonsten gibt es noch private Stipendien. 
Viel Erfolg, ich drück dir die Daumen!

Antwort
von Erklaerbaer17, 49

Es ist hier nicht die Frage der Kosten sondern wo du endlich zu Ruhe kommst.

Wende dich ans Jugendamt und wenn schon vorhanden, an deinen Ansprechpartner oder frag doch dort an wen du dich wenden kannst.

Mit dem besprichst du dann was für dich am ehesten in Frage kommt.

Viel Glück :) 

Antwort
von Volkerfant, 22

Pflegefamilie ist viel, viel besser als ein Internat.

Aber spreche doch mal mit dem Jugendamt, nenne deine Gründe und deine Bedürfnisse.

Antwort
von NickAndersson, 53

Frag doch mal im Jugendamt (sorry nicht sehr hilfreich)

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