Frage von Enuarda, 120

Jugendamt einschalten oder noch nicht?

Ich habe ein Kind in meiner Vereinsgruppe, Es ist in der dritten Klasse und hat 3 kleine Geschwister. Eines ist noch unterwegs, dann sind es 5 Kinder. Die Mutter ist Sozialhilfeempfänger und alleine. Das Mädchen kommt immer ungekämmt, ungepflegt und mit viel zu kleinen Sachen in die Stunde. Von den Eltern anderer Kinder habe ich erfahren, dass sie zu Hause oft auf die Geschwister aufpassen muss und praktisch die Rolle eines Elternteils hat. Das Kind erzählt mir oft ihre kindlichen Gedanken, sagt aber auch, dass ihre Mutter immer sagte "sei nicht kindisch", wenn die 9 jährige von Feen und ähnlichem erzählt. Andererseits hat sie Ängste - vor dem IS, Terror und dem Barfuß-Mörder - die in dem Alter nicht sein dürfen. Der älteste Bruder (oben nicht mitgezählt) ist kurz nach ihrer Geburt an einer Behinderung gestorben. Wenn wir mit der Gruppe einen Ausflug machen, dann hat sie immer ein Foto von ihm dabei und betet beim essen für seine Seele, das würde Zuhause auch so gemacht werden. Die Mutter hat mit mir wegen der weiterführenden gesprochen, für sie ist klar, dass das Mädchen maximal auf eine Realschule gehen darf, sonst müsse jemand mit ihr Hausaufgaben machen. Zur zeit macht das Mädchen nachts alleine Hausaufgaben, ihr hilft niemand und tagsüber hat sie andere Aufgaben. Zum spielen hat sie keine zeit, wenn dann spielt sie mit den Geschwistern. Sie geht auch mit ihnen auf den Spielplatz - als Aufsicht. Bei uns ist sie nur, weil eine befreundete Mutter sie und ihren eigenen Sohn immer zusammen bringt und abholt. Wenn sie aber ihre Aufgaben nicht richtig gemacht hat, darf sie nicht mit auf Ausflüge oder in die Stunde kommen. Sie ist Zuhause überfordert, trägt zu viel Verantwortung und kann überhaupt nicht Kind sein. Auch ihre Geschwistern leiden unter der mangelnden Aufmerksamkeit der Mutter, denn das Kind ist für diese Aufgabe noch viel zu jung. Mit der Mutter haben viele schon gesprochen und es nützt nichts. Ist hier die Hilfe vom Jugendamt angebracht? Sollte ich es anonym weitergeben?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von autmsen, 23

Es ist schön dass Du das Thema ausführlich dargestellt hast. So sortieren sich die Antworten schon mal danach aus ob Deine Ausführungen gelesen und sogar verstanden wurden oder nicht. 

Du schreibst nicht dazu in welcher Gegend Du wohnst. Davon abhängig ist niederschwellige Hilfe außerhalb des Jugendamtes vorhanden. An diese würde ich mich zuerst wenden. 

Von kirchlichen Einrichtungen halte ich in solchen Fällen reichlich wenig. Mütter wie die von Dir beschriebene brauchen eher ungebundene Hilfe. Also Hilfe die keine Schablone im Kopf hat. Und deutsche Caritas verteidigt nun mal ihre Schablonen. 

Niederschwellige Hilfe kann z.B. bedeuten dass eine erwachsene Person versucht sich mit der Mutter anzufreunden und sie in vorsichtigen kleinen Schritten dazu führt dass sie bereit wird sich helfen zu lassen. 

Das Jugendamt selbst ist verpflichtet das Wohl der Kinder an erste Stelle zu setzen. Eine Anzeige wird bei der Polizei gemacht. Das ist eine ganz andere Baustelle. 

Sinnvoll ist zu wissen wo die kleinen Kinder tagsüber hingehen. Gehen sie in eine Kita? Oder sind sie morgens wenn ihre Schwester zur Schule geht alleine mit einer überforderten Mutter?

Mit näheren Informationen kann das Jugendamt sich an ErzieherInnen und Lehrkräfte wenden um erst mal zu erforschen welche Meinung dort vertreten wird. Das spart den unterbesetzten Fachkräften auf dem Jugendamt Zeit und macht es leichter zu entscheiden ob sie mal angemeldet oder unangemeldet dort auftauchen. 

Du kannst alle gesammelten Informationen dann schriftlich aber anonym an das Jugendamt schicken. Vielleicht kannst Du dann auch schon von Hilfsbereitschaft im Umfeld schreiben. Die lässt sich ja auch anonym formulieren. 

Möchtest Du Dich im Vorfeld noch mit kompetenten Menschen besprechen:

116 111

ist die europaweite Kinder-Hilfenummer die ohne Vorwahl kostenlos geht. 

Antwort
von toomuchtrouble, 43

Ob anonym oder besser direkt, in jedem Fall ist ein Hinweis an das Jugendamt sinnvoll. Wenn Du Dich nicht so weit aus dem Fenster lehnen möchtest, vielleicht unterstützt die Schule bei solch einer "Maßnahme".

Hier in Hannover und vermutlich auch in anderen Großstädten gibt es sog. Mädchenhäuser, die vielfältige und v.a. solidarische Beratungs- und Unterstützungsangebote haben. Vor dem Gang zum Jugendamt wäre hier auch noch eine niedrigschwelligere Option.

http://www.hannover.de/Hannover/f%C3%BCr-Jugendliche/Rat-und-Hilfe/Hilfe-in-der-...

Antwort
von beangato, 53

Ja, Du solltest das mal im Jugendamt ansprechen. Möglicherweise kommt dann eine Familienhelferin in die Familie.

Was allerdings die Schulwahl anbelangt - diese Entscheidung musst Du schon der Mutter überlassen. Nicht jedes Kind muss Abitur machen.

Antwort
von butterflyy321, 51

Das Kind scheint verwahrlost zu sein. Am besten du versuchst herauszufinden ob die Mutter trinkt oder ähnliches. Auch könntest du herausfinden, ob das Kind vielleicht geschlagen wird. Wenn dies der Fall ist, sofort zum Jugendamt. Ansonsten mit deinen Kollegen reden, ob ihnen das auch aufgefallen ist und vielleicht mal ein Gespräch mit der Mutter führen, wenn diese komplett abgeblockt, auch zum Jugendamt.

Antwort
von KeinGrundHMM, 42

Traurig aber wahr :,(

Sowas tut einem Wirklich leid, ich an deiner stelle würde nicht direkt zum Jugendamt rennen bzw. Telefonieren , nimm Kontakt zu der Mutter auf und öffne ihr die Augen das es so nicht geht, und falls das nicht klappt nehme dir rat von der Caritas.

* Thema Jugendamt wäre eher Sinnvoll falls  die Mutter handgreiflich gegenüber ihrer Kinder wird.

nimm dir rat von der Caritas ich hoffe es wird alles klappen.**Viel Glück**

 

 

Kommentar von toomuchtrouble ,

Thema Jugendamt wäre eher Sinnvoll falls  die Mutter handgreiflich gegenüber ihrer Kinder wird.

Thema Jugendamt ist entgegen landläufiger Meinung auch dann aktuell, wenn die Entwicklungschancen aller Beteiligter blockiert sind. Die Mutter ist definitiv überfordert, die Väter spielen offenbar überhaupt keine Rolle und die Mutter missbraucht ein überraschenderweise wohl relativ kluges 9-jähriges Kind als Haushaltshilfe. Da würde fast eher 'mal eine Tracht Prügel durchgehen lassen, wenn zumindest ansatzweise Anerkennung, Liebe und Förderung im Raum stehen.

Kommentar von EstherNele ,

Teile deine Meinung total.

Das JA ist nämlich nicht das Schreckgespenst und hätte vielleicht als alternative Lösung eine Familienhilfe für die Mutter.

Eine Mutter, die jetzt ihrem klugen Kind offensichtlich schon unterlegen ist und bisher nicht gesehen hat, dass sie Unterstützung braucht, wird es wohl kaum zugeben, wenn jemand von außen (der ihr zudem nichts zu sagen hat) sie darauf anspricht.

Schlimmstenfalls muss das Kind es ausbaden, weil es ja die Ursache für das Gespräch wäre ...

Ich halte das JA für die beste und vermutlich einzig richtige Lösung.

Und für alle, die sich das nicht vorstellen können: die Jugendämter versuchen erst ganz viel mit "Hilfe zur Selbsthilfe", um eine Herausnahme eines Kindes aus seiner Familie zu vermeiden.

Kommentar von KeinGrundHMM ,

man sollte Erst mal das Gespräch zu der Mutter aufsuchen, und ihr die Augen öffnen falls die Mutter das nicht ernst nimmt dann zum Jugendamt,

** deshalb soll sie auch rat & Hilfe von der Caritas holen sie klären  ihr das richtig auf

ihr tut hier so als wärt ihr Anwälte ! wenn das jetzt bei euch so ablaufen würde und euch niemand ins Gespräch wickeln würde, und direkt das Jugendamt auffordern würde, würdet  ihr nicht sagen häää? das ist mir nicht aufgefallen ich war mit dem Gedanken nicht dabei das es den kindern nicht gut geht!!

es war nur ein Tipp von mir wie man es locker versuchen könnte frieden in die Familie zu bringen falls das nicht klappt , dann zum harten greifen ;)

 

Kommentar von uncutparadise ,

Hast du es nicht gelesen ? Viele haben mit der Mutter gesprochen - kein Ergebnis. Jetzt geht's um Dasein des Kindes - Jugendamt !

Antwort
von kokomi, 45

die mutter braucht wahrscheinlich hilfe, aber sie anzeigen - ist nicht der beste weg, jemand, der sie gut kennt kann ihr mal die möglichkeiten aufzeigen, wie sie -ohne anklage- an hilfe kommt!!

Kommentar von butterflyy321 ,

Wenn man zum Jugendamt geht, zeigt man noch lange niemanden an. Das Jugendamt sucht dann nach Hilfemöglichkeiten.

Kommentar von kokomi ,

"Sollte ich es anonym weitergeben?"

wenn man helfen will, warum dann anonym und vieles ist auch nur vom hörensagen

Kommentar von Enuarda ,

Ich möchte nicht, dass die mutter weiß, aus welcher richtung der Hinweis an das Jugendamt kam, damit das Kind weiterhin zu uns kommen darf.

Das meiste habe ich selbst gesehen oder vom Kind erzählt bekommen.

Ich habe auch schon versucht mit der mutter zu sprechen, es nützt aber nichts.

Kommentar von Blacky04 ,

ich glaube, es geht hier nicht um Anzeige, sondern um Hilfe, und dafür ist das Jugendamt zuständig, wobei natürlich das Amt durch die Medien immer wieder in Kritik geraten ist. Aber in der Regel kümmern sie sich ....

Antwort
von Blacky04, 52

Ich meine ja. Und wenn das Jugendamt meint, dass es so laufen kann, dann hast du jedenfalls dir nicht den Vorwurf zu machen, dass du nicht reagiert hast. Denn da scheint einiges nicht in Ordnung zu sein. Nur Mut!!

LG Blacky04

Antwort
von uncutparadise, 15

Definitiv. Das kindeswohl ist gefährdet und die Mutter kommt nicht zur Einsicht.

Antwort
von aribaole, 21

Anonym oder Namentlich ist egal, nur MUSS hier was geschehen!

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