Frage von rambosopa, 219

Jodkristalle+Ammoniak =Sprengstoff?

Hallo, ich habe gelesen, dass wen man Jodkristalle in Ammoniak auflöst Spregstoff herstellen kann. Stimmt das ? Mein Sohn hatte erzählt, dass seiner Parallelklasse dies in Chemie gelernt hätten. Wenn es so ist, wie er sagt, ist das nicht zu gefährlich für den Schulunterricht? So etwas kann man doch bestimmt ganz leicht zu Hause nachmachen.

Danke für eure Antworten

Antwort
von WildTemptation, 122

Wir haben neulich rein zufällig auch einen solchen Versuch in einer Vorlesung zur anorganischen Chemie vorgeführt bekommen. Ich studiere Pharmazie, aber in derselben Vorlesung sitzen auch Chemie-Lehramtsstudenten.

Der Prof erzählt gerne und sagt auch immer dazu, wenn er einen Versuch besonders gut für den Schulunterricht findet. Bei diesem Versuch allerdings hat er extra dazu gesagt, dass er sich eher nicht so gut für den Schulunterricht eignet. Die Begründung habe ich leider nicht mitbekommen, aber es könnte schon daran liegen, dass er zu leicht nachzumachen und dabei zu gefährlich wäre.

Allerdings denke ich, dass Jugendlichen schon ein bisschen Verstand zuzutrauen ist. Es gibt viele Dinge, die gefährlich sind. Trotzdem muss man ja nicht gleich alles von Kindern fernhalten. Wenn der Lehrer entsprechend darauf hinweist, dass mit solchen Versuchen nicht zu spaßen ist, ist seine Aufgabe erledigt. Manche Schüler kommen vielleicht auf dumme Ideen, aber dass es tatsächlich zur praktischen Umsetzung und den Bau einer "Bombe" kommt, wage ich zu bezweifeln.

Expertenantwort
von indiachinacook, Community-Experte für Chemie, 130

Ja, das kann man machen, es ist nicht mal schwierig. Vorausgesetzt man kriegt irgendwoher das Iod (ist nicht billig).

NI₃ explodiert, wenn man es erhitzt. Oder reibt. Oder anbrüllt. Oder schief an­schaut. Und manchmal sogar ganz spontan. Mehr ein ein oder zwei Milli­gramm davon sollte man nicht herstellen. Lagerbar ist es sowieso nicht.

Ja, ich habe in meiner Jugend mit NI₃ herumgespielt. Und mit NCl₃. Und Ag(CNS)₂. Und Pb(N₃)₂. Und Ag₂C₂. Und sogar C₆H₁₂O₆N₂. Ich habe übrigens noch alle Finger und Augen — vielleicht weil ich nicht blöd bis, vielleicht aber auch, weil ich Glück hatte. Was auch immer der Grund war, verlaß Dich nicht darauf, daß er auch auf Dich zutrifft.

Kommentar von Bevarian ,

Wow, ganz schön umtriebig gewesen! Meine geringe Erfahrung hab' ich lediglich mal mit Peroxomethyl-Trinitrobenzol gemacht. Hat allerdings das Belüften des Exsikkators nach dem Trocknen nicht überlebt - ebenso wie der Exsikkator...

Expertenantwort
von musicmaker201, Community-Experte für Chemie, 105

Das Zeug ist schon nicht ungefährlich, da es realtiv schnell explodieren kann.

Für den Schulunterricht zu gefährlicht? Kommt auf den Lehrer an. Unbedingt nötig in der Schule? Nicht wirklich.

Einfach herzustellen? Falls man an Iod kommt ja.

Ratsam das selber zu machen? Nein.

Antwort
von KHLange, 103

Der Umgang mit Iodstickstoff hat an einer allgemein bildenden Schule nichts zu suchen, sondern  gehört in ein professionell ausgestattetes Labor mit professionell ausgebildeten Fachkräften, wenn er überhaupt - und auch nur dann - notwendig ist. Der Kollege, der - nur um des Knalleffekts willen - herumspielt, gehört abgemahnt. Das ist Missbrauch der pädagogischen Freiheit! Man kann vieles auch mit instruktiven Videos erreichen. Auch ohne Knall und Gestank kann man Schülerinnen und Schüler für die faszinierende Wissenschaft Chemie begeistern. Die Reaktionsgleichungen finden sich bei Wikipedia.

Kommentar von indiachinacook ,

Danke für Deine überragende Demonstration der deutschen Sekundär­tugenden: Prinzipien­treue, Trockenheit, Vertrauen in Vor­schriften, Humor­losig­keit, Sicherheits­fetischismus und Langweile.

Willst Du Bundeskanzler werden?

Kommentar von Bevarian ,

;)))

Kommentar von KHLange ,

Kaum einer meiner ehemaligen Schüler und Kollegen wird mich der Humorlosigkeit zeihen. Hinter meinen Ausführungen steht die fast vierzigjährige Berufserfahrung eines Chemielehrers, aufbauend auf einer Lehre als Chemielaborant und Chemie-Ingenieur-Studium und Berufspraxis. Ich habe die letzten 17 Jahre bis zu meinem Ruhestand die Chemie-Abteilung eines großen Berufskollegs geleitet. Selbstverständlich habe ich in dieser Zeit auch sicherheitstechnische Fehler gemacht und manchmal einfach nur Glück gehabt. 

Gerade deshalb gibt es für mich in der Einhaltung von Sicherheitsbestimmungen keine Kompromisse. Dies als "Sicherheitsfetischismus" zu bezeichnen, halte ich der Unerfahrenheit des Kommentators zugute, sonst würde ich das Gegenteil "verantwortungslos" nennen. 

Die chemische Industrie weist gerade wegen der stringenten Beachtung der Sicherheitsvorschriften eine sehr geringe Unfallhäufigkeit auf, verglichen mit dem Straßenverkehr oder den Privathaushalten. Das kann aber nur so bleiben, wenn man die Schülerinnen und Schülern so früh wie möglich für die Arbeitssicherheit sensibilisiert.

Antwort
von atoemlein, 57

Ja, NI3 knallt ganz lustig.

Und ja, man kann aus sehr vielem sehr einfach Sprengstoff herstellen.
Auch mit simplem Feuerwerk kann man Leute umbringen, Objekte sprengen und Terror verbreiten.
Aber NI3 ist nun nichts, was terrorverdächtig wäre, den es ist nicht handhabbar, es kann schon bei der Präparation explodieren.

Wir haben das in der Chemievorlesung auch demonstriert bekommen.
Der Prof. wusste natürlich, dass er keine grosse Explosion produzieren konnte. Ich denke, der Schulversuch war ebenso harmlos. Das Zeug wurde flüssig auf den Boden geleert und eine Weile trocknen gelassen.

Danach hat jedes vorherige Tröpfchen beim Drüberlaufen geknallt wie ein extrem lauter Kiesweg.

Antwort
von Muckula, 108

Ja, das stimmt schon: https://de.wikipedia.org/wiki/Iodstickstoff

Aber man muss ja die Grundsubstanzen auch erstmal besorgen. Letztlich passiert auch außer einem spektakulären Knall nicht allzu viel, weshalb es ja im Chemieunterricht so beliebt ist, um SchülerInnen zu beeindrucken :)

Du kannst es deinen Kindern ja vorsichtshalber verbieten ;)

Kommentar von rambosopa ,

Ich habe im Netzt mal recherchiert und festgestellt, dass man alle Zutaten im Baumarkt und/oder in der Apotheke bekommt. Fällt so etwas nicht unter dass  Sprengstoffgesetz ? 

Kommentar von Muckula ,

Keine Ahnung, anscheinend nicht. Man kann ja auch Nägel im Baumarkt kaufen und in einer Splitterbombe verbauen. Wenn man alle möglichen Konstruktionen unterbinden wollte, müsste man eine ganze Reihe Chemikalien verbieten. Man kann ja auch z.B. von Klebstoff high werden und dennoch kriegt den jedes Kind im Bastelladen verkauft. Da sollte man dann besser am Verantwortungsbewusstsein ansetzen. Kindern wird sowas möglicherweise auch nicht verkauft. Die Chemielehrer werden schon auf die Gefährlichkeit hingewiesen haben. Denk mal, wie leicht man Silvesterböller kriegt und wie viele tausende Idioten sich damit Jahr für Jahr Zähne, Finger oder ganze Hände wegsprengen :-/

Antwort
von schuetz247, 80

Ja es stimmt, es entsteht Jodstickstoff, der sehr leicht Explodiert, weshalb er praktisch auch nicht als Sprengstoff verwendet wird.

https://de.wikipedia.org/wiki/Iodstickstoff

Ist aber nicht unüblich so was in der Schule zu zeigen...

Das mag zwar gefährlich sein, aber die meisten Sachen sind gefährlich wenn man sie falsch verwendet oder keine Erfahrung mit hat.

Also wenn man weiß wie leicht das Zeug explodiert, will man es als normaler Mensch sicher nicht herstellen :D

Wie ein Lehrer von mir mal sagte auch ein Besenstiel kann falsch verwendet gefährlich sein ....

lg

Antwort
von Bevarian, 56

NI3 ist im Prinzip sehr leicht herzustellen und im feuchten Zustand absolut harmlos. Aber getrocknet (und möglichst auch noch gefroren!) ist das Zeuchs absolut unhandlebar, da äußerst brisant: einmal schief angrinsen und schon geht es hoch - adieu Unterarme...

Vertretbar wäre lediglich, es im feuchten Zustand in viel Methanol zu suspendieren, die Suppe großzügig auf dem Boden zu verteilen und die Fenster zu öffnen, sodaß großflächig eine graublaue Staubschicht auf dem Boden zurück bleibt. Wenn man auf sie tritt, wird man leicht angehoben, wobei an den Schuhrändern kleine Blitze leuchten und lila Wölkchen entstehen.

Kommentar von rambosopa ,

Genau dass meine ich. Wenn den Kommentar jetzt ein Kind liest und es ausprobiert kann es sich verletzten oder schlimmeres. Ich freue mich über die Antworten aber bitte nicht so etwas. 

Kommentar von Bevarian ,

Unfug wird immer getrieben - und wenn schon, dann bitte mit einer Beschreibung, die es etwas weniger riskant macht! Ich habe absichtlich kein Kochrezept dazu geliefert...  ;)))

Antwort
von PotatoChips, 72

Ja das geht, nennt sich dann "Nitrogen triiodide".



Antwort
von Richard30, 59

Du wirst eine solche Frage hier wohl kaum beantwortet kriegen, da man sich sehr leicht Strafbar machen kann. Es könnte als eine Anleitung für Sprengstoffe gewertet werden.

Im Chemieunterricht ist es okay, da einmal der Lehrer ahnung hat (haben sollte) und es nur geringe Mengen sind, aber ansonsten rate ich dringend davon ab, soetwas zuhause auszuprobieren!

Aber ich poste dir einen Wiki-Link: https://de.wikipedia.org/wiki/Iodstickstoff

Wenn du deine Finger und Gliegmaßen behalten willst, lass es, versuche NICHT das ganze zuhause nachzumachen. Das ist auch keine übertreibung, bei Mensch bei Verstand würde das zeug in etwas größeren Mengen herstellen, auch Terroristen e.c.t benutzen das nicht, weil das ganze viel zu instabil ist und viel zu leicht hochgeht.

Kommentar von rambosopa ,

Ich habe nicht vor es zu Hause nachzumachen. Ich mache mir nur sorgen, dass wen man so etwas den Kindern von 16,17 Jahren im UT zeigt, dass sie es zu Hause nachmachen könnten. Mansche in dem Alter haben noch nicht das Verständnis, dass sie sich dabei in Gefahr begeben oder sogar sterben könnten. 

Kommentar von Bevarian ,

Du lieber Himmel, Du kannst das doch nicht nur auf Heranwachsende beschränken! Ein Kollege hat im 2. Semester im AC-Praktikum nach der Knall-Bumm-Peng-Vorlesung mal 30 g Iod umgesetzt - was glaubst Du, was da los war?!?   ;)))

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