Frage von Coldnez, 37

"Jemand hat für mich einen freien Willen, wenn ich seine Inspiration nicht kenne", ist dies eine mögliche Definition der Willensfreiheit?

Hallo, zur Zeit befasse ich mich mit den Definitionen der Willensfreiheit. Allgemein neige ich zu einer kompatibilistische Defintion und habe ein deterministisches Weltbild, jedoch glaube ich die Willensfreiheit sei eher vom Betrachter abhängig. Nun kenne ich keinen Philosophen mit diesem Gedankengut, daher bin ich ein bischen am Zweifeln ob ich überhaupt in die richtige Richtung denke. Daher würde ich gerne wissen ob meine Definition überhaupt stimmen könnte oder komplett falsch sei.

Beispiel 1:
Ein Hund hat für mich weniger einen freien Willen wie das von einem Menschen. Begründung: der Mensch besitzt mehr Inspirationen von der ich nichts weiss. Bei einem Hund weiss ich eher dass er sich von seinem Herrchen hat inspirieren lassen.

Beispiel 2:
Ein Biologe durchforscht das Gehirn und die Erinnerungen einer Ameise. Da die Ameise in sein Handeln nun determiniert ist, verschwindet das Empfinden seiner Willensfreiheit und wird mit einem Miniaturroboter gleichgesetzt.

Beispiel 3:
Wenn die Ameise aus Beispiel 2 in die freie Welt gesetzt wird und später wieder zum Biologen zurückkehrt, kann diese eine neue unbekannte Inspiration/Wissen gesammelt haben, und seine Willensfreiheit hat für den Biologen deshalb wieder etwas zugenommen.

Beispiel 4:
Ein Informatiker wird es nicht schaffen einen Roboter zu programmieren, der mit einem freien Willen ausgestattet ist. Begründung: Der Programmierer wird unweigerlich wissen dass der Roboter von sich selbst inspiriert worden ist.

Beispiel 5:
Ein Kleinkind beobachtet ein Roboter, von dem er glaubt ein Mensch zu sein. Zuerst wird einen freien Willen vermutet, entpuppt sich dann später als Roboter. Nun verschwind das Empfinden seiner Willensfreiheit, da dieser von seinem Herrsteller inspiriert worden ist. Zwar kennt das Kind die Inspiraton des Herstellers nicht, jedoch ist der Roboter nur noch etwas, dass den Willen von jmd. ausführt, ähnlich wie die Hand eines Menschen. Der Mensch sagt schließlich nicht dass seine Hand einen freien Willen hat.

Was haltet ihr von dieser Definition?

Antwort
von Rosenblad, 10

Willensprozesse sind zunächst als „…eine eigenständige Klasse mentaler Funktionen zu betrachten.“ (Thomas Goschke„Wille und Kognition: Zur funktionalen Architektur der intentionalen Handlungssteuerung“
In: Julius Kuhl /Heinz Heckhausen (Hrsg.) „Motivation, Volition und Handlung“
(Göttingen u.a., Hogrefe, Verl. für Psychologie, 1996, 965 S., darin S.583-663, hier S.639) die wiederum auf spezifisch - referentiellen Zustandskonventionen liegen „Von zentraler Bedeutung für willentliches Handeln ist (…) die Fähigkeit, zukünftige Effekte und Folgen des eigenen Verhaltens antizipieren und Verhalten aufgrund mental repräsentierter Ziele auswählen zu können.“ (Thomas Goschke „Der bedingte Wille: Willensfreiheit aus der Sicht der kognitiven Neurowissenschaft“ In: Gerhard Roth / Klaus-Jürgen Grün (Hrsg.) „Das Gehirn und seine Freiheit. Beiträge zur neurowissenschaftlichen Grundlegung der Philosophie“ (Göttingen, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2009, 168 S. darin S. 107-156, hier  S.108)

Dieser „besondere“ Determinismus liegt in der evolutionären Entwicklung der Trennung von Perzeption und Aktion, d.h. der Denkprozess entkoppelt eine Wahrnehmung von einer möglichen Handlung hin zu einer Ausbildung neuronaler Verfahren die sich auf der psychischen Ebene als bewusst und damit referentiell - antizipative Handlungssimulationen beschreiben lassen.

Nicht die Inspiration ist von zentraler Bedeutung, sondern die attentiv-volitive Konspiration und Disposition auf eigene kognitive und assertive Größen (wie Überzeugungen, Intentionen, Sinnbestände, Werturteile, Wissensinventarien usw.).

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