Frage von Samyblvck, 70

IT- Programmierer/ Studenten bezüglich Programmierung einer Datenbank für Start- Up finden [Raum Stuttgart]?

Guten Abend liebe Gf- Community.

Ich habe vor, mit einem kleinen Team aus Mediengestaltern und Fotografen ein innovatives und durchaus lukratives Start- Up ins Leben zu rufen. Genauere Informationen kann ich leider nicht verraten, da es sich um ein derzeit noch konkurrenzloses Projekt handelt. Es stecken bereits einige Jahre an Planung und Ausarbeitung darin, was fehlt ist letztendlich die realisierung. Ich würde mich gerne direkt mit Studenten einiger auf IT spez. Uni's in Stuttgart/ Ulm in Verbindung setzen, jedoch fehlt mir dazu die Einsicht auf deren Stundenpläne.

Meine Frage deshalb: Habt ihr Vorschläge wie ich an eben diese kommen könnte bzw. auf anderem Weg mit solchen Studenten in Verbindung treten könnte? Eine Entlohnung würde auf eine im Verlauf erwirtschaftete Gewinnbeteiligung hinauslaufen. Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch noch einen schönen Abend.

Grüße, Sam

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dirk-D. Hansmann, 25

Hi Sam,

auch wenn Du seit Jahren planst: Bist Du sicher, dass Du da auf dem Stand der Zeit bist?

Nur weil man so scheinbar amerikanische Aufbaumuster übernimmt, bedeutet das nicht zeitgemäß zu laufen. Das erinnert an die amerikanischen Großraumbüros in alten Filmen. Wo in x Reihen Leute hinter ihrer Schreibmaschine sitzen. Was als Prinzip hier in den 70´er und 80´er Jahren als ganz toll galt.

Der Unfug solch einer Organisation wurde dann erst in diesem Jahrtausend halbwegs erkannt.

Du setzt in einem ganz zentralen Punkt - der Datenbanktechnik - auf die Beliebigkeit studentischer Arbeitsmoral einerseits und die verschulte universitäre Ausbildung andererseits.

Durchaus sinnvoll kann die Schaffung einer eigenen Entwicklungsabteilung sein und wenn die erst einmal aus drei Studenten besteht, dann ist das sogar richtig bedenkenswert.

Die Bezahlung durch reine Gewinnoptionen/Aktienoptionen verlagert das kaufmännische Risiko vollkommen auf Belegschaftsmitglieder. Etwas was nicht nur Arbeitsrechtler kritisch kommentieren müssten.

Bereits die einfache Lebenserfahrung macht klar: Studenten arbeiten nicht um sich für später etwas zu schaffen. Sie tun dies durch das Studium. Da geht es tatsächlich um den Broterwerb.

Sicher gibt es auch einzelne Personen, die durch relativ gute Unterstützung leben können. Passiert dies allerdings durch das Elternhaus, werden die eine solche Aktivität als ungewisse Investition ablehnen. Da muss schon 'Butter bei die Fische'.

Ansonsten gibt es zur Kontaktaufnahme jeweils den ASTA und auch schwarze Bretter. Die andere Möglichkeit wäre die Gewinnung eines Prof.s für das Projekt. Der dann im Rahmen eines Auftrags sich die Studenten holt.

Wobei es an Universitäten zu solchen Kooperationen unterschiedliche rechtliche Ausgestaltungsmöglichkeiten gibt. Aber auch hier könnte das Problem sein: Die Größenordnung. Für ein zu gründendes Unternehmen jemanden zu begeistern wird nicht einfach. Da wird bei der Suche nach Mitstreitern eine ganze Menge Gegenwind entstehen.

Da wird es sehr um Dein verkäuferisches Geschick gehen. Um auch von der Idee zu begeistern.

Unter dem Strich ist noch eines zu bedenken: Wirtschaftlichkeit. Die Schaffung eines eigenen Datenbanksystems verlangt sehr viel Geld. Dieses Geld wird so für nur ein Unternehmen investiert. Da Dein Unternehmenszweck nicht im Verkauf der Datenbankstruktur liegen wird, gehen Investitionen ins Lehre. Da ist es besser sich an bestehende Anbieter zu wenden, die auch Datenbanken vorhalten, die Deinen späteren Ansprüchen genügen.

Kommentar von Samyblvck ,

Ich  danke dir vielmals für deine ausführliche und konstruktive  Antwort, die zum nachdenken verführt. Da ich jedoch erst 18 Jahre alt bin, ist das mit einem Lebensunterhaltenden monatsgehalt leider nicht machbar. Ich werde mir nochmal Gedanken machen und über etwaige Kredite  nachdenken. Einen schönen Abend noch und danke nochmals für die investierte Zeit.

Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Hi Sam,

erst einmal eine vielleicht auch harte Denkanstöße. Aber es bringt nichts, wenn man Dich jetzt schont. Schönfärberei ist bei dem Weg in die Selbständigkeit unangemessen. Immerhin gehen 100 Leute zum Gewerbeamt und melden sich dort als Gewerbetreibende. Und etwa 95 davon überleben nicht einmal die Gründungsphase.

Die Gründungsphase umschreibt etwa die Zeit, bis man ausreichende Umsätze hat, um das Unternehmen tragfähig zu haben. Sozusagen aus sich selber heraus. Bedingt auch Stammkunden usw.

Zu Deiner Einleitung in der Frage, dass Du wegen der Einmaligkeit einer Struktur nicht darüber reden könntest: Das ist eher eine Warnung.

Wenn es dieses tatsächlich noch nicht gibt: Warum ist noch niemand auf diese Idee gekommen? Sind sämtliche Anbieter und Kunden der Branche so blind? Gerade im Bereich Mediengestaltung gibt es viele Kooperationen. Warum diese nicht?

Das ist ein klares Indiz, dass die Zusammenarbeit von den genannten Berufen gar nicht so oft benötigt wird. Mediengestalter, Texter, Grafiker arbeiten dauernd zusammen. Brauchen die mal ein Foto, dann gibt es Fotalia oder wie die alle heißen.

Brauchen die dann einen Fotografen? Bis hierher schon einmal nicht. Selber ist eine Menge grafische Kompetenz vorhanden. Das bedeutet auch, dass Dinge wie Bildgestaltung, die Arbeit mit Licht in 'groben Zügen' bekannt sind.

Das Internet braucht auch keine Aufnahmen in höchster Perfektion der Technik. Erst recht wenn die Bilder noch verarbeitet werden müssen, was in der Regel der Fall ist. Darum ist ja der beste Freund der Branche Photoshop.

Also haben die genannten Berufe drei Varianten zur Verfügung: Einer hat eine für das Medium ausreichende Kameraausstattung, man nimmt einfach einen Fotografen von irgendwo (z.B. Gelbe Seiten) oder man sucht wenn ganz spezielles benötigt wird, den Spezialisten. Nimm den Bereich Essen, heute immer Food genannt. Da ist es bekannt, dass solche Spezialisten ein Essen so vorbereiten können, wie es wirken soll. Da man in seinem Bereich mit Leuten spricht, ist die Besorgung des Experten auch kein Problem.

Selbst wenn Du drei Spezialisten im Team hast - na und? Wo ist der Vorteil? Oder Du spezialisierst Dich so stark, dass die Leute nur in einer Branche groß geworden sind. Also nur Kunden aus dem Bereich Industrie. Dafür brauchst Du dann aber auch in den anderen Bereichen Spezialisten. Ganz schwer.

Im grafischen Bereich arbeiten viele Einzelkämpfer und die haben gute starke Netzwerke. Da werden Teilaufträge sehr schnell an Kollegen weiter gegeben. Und selbst die größeren Agenturen machen da mit. Sogar die geben - wenn bestimmte Kenntnisse gebraucht werden - Aufträge ab und arbeiten aber auch für Kleine.

Das hängt aber auch mit den Preisen zusammen. Scheinbar sind die Agenturrechnungen sehr hoch, wenn man allerdings die Stundensätze um die Kosten bereinigt, dann sieht das ganze schon anders aus.

Nächstes Problem eines Systems was bisher niemand angeboten hat. Die Kunden. Potentielle Kunden haben in aller Regel bereits eine Betreuung. Mediengestaltung, Grafiker, vielleicht sogar Texter. Was auch immer das Ziel Deiner Truppe sein soll, dass kannst Du stellvertretend für eine Werbeagentur setzen. Oder für den 'Zulieferer'.

Diese versorgten Kunden musst Du jetzt erreichen. Denen muss man im ersten Schritt deutlich machen, was in ihrer bisherigen Struktur nicht läuft. Wo die Reibungsverluste sind. Was der andere Ablauf ihnen erspart. Also entweder bessere Ergebnisse oder geringere Kosten bei gleicher Qualität.

Nun ist die Zusammenarbeit zwischen Kunden und Anbietern im Bereich Design unheimlich sensibel. Da muss man sich erst einmal verständigen. Als Kunde muss ich der anderen Seite erklären, was ich will. Welche Aussagen das grafische Ergebnis treffen soll.

Das Einzige was im Bereich Medien vollkommen unterbelichtet ist, dass sind die Tests mit Endnutzern. Also wo erreiche ich welche Zielgruppe und was wollen die dort präsentiert bekommen? Dann muss eigentlich auch geklärt werden, wie die Zielgruppe die Botschaft entgegen genommen hat. Dabei geht es um Meinungsforschung.

Die meisten Werbetreibenden habe keine Vorstellung was ihre Werbung bringen soll. Setze ich 2.000 Euro für Werbung ein, dann ist den Leuten nicht klar, ob sie daraus 500 Euro Umsatz generieren wollen und dafür langfristig die Kunden gewinnen oder ob es im ersten Schritt 10.000 Euro Umsatz sein müssen, damit das gelingt. Das möglichst viel immer besser ist, ist egal. Schließlich geht es hier um eine ganz realistische Sache.

Jetzt stellen wir uns mal vor, dass die Branche tatsächlich eine Konstellation übersehen hat. Eine Zielgruppe nicht ausreichend bedient. Also Deine Vorstellung bei Kunden tatsächlich auf Interesse stößt.

Was wäre Deine Aufgabe in diesem laufenden Unternehmen? Alle daran beteiligten stehen mit Berufserfahrung in einem Ausbildungsberuf da. Waren vielleicht schon vorher als EinzelunternehmerIn tätig gewesen. Welche Erfahrungen kannst Du bieten, dass die Beträge vom Umsatz abgeben sollen?

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Kommentar von Dirk-D. Hansmann ,

Die Wichtigkeit einer Datenbank in Deiner Überlegung lässt zwei Rückschlüsse zu: Die Arbeit soll vernetzt stattfinden, MediengestalterInnen und FotografInnen greifen auf das selbe System zu. Man kann gemeinsam an Dingen arbeiten.

Die andere Geschichte ist, dass von außen auf die Arbeit zugegriffen wird. Entweder spezielle Aufträge von jeweiligen AuftraggeberInnen kontrolliert werden - ist nicht neu. Oder das man die Arbeitsergebnisse direkt zum Verkauf anbietet. Auch nicht neu.

Aber noch einmal die Frage: Warum soll man von der eigenen Arbeit Geld abgeben? Du sagst selber, dass Du kein Kapital hast. Folglich kannst Du auch keine qualifizierten Leute 'einkaufen'. Das diese für Dich arbeiten müssten.

Und jetzt kommst Du mit der Idee - leihe ich mir Geld. Es gibt Existenzgründungsdarlehen. Die werden bei der Hausbank beantragt und von der Kfw (Förderbank des Bundes) ggf. gewährt. Dumm nur am System: Die verleihen Geld nur, wenn es sicher zurück kommt. Also benötigst Du mehrfache Sicherheiten.

Brauchst Du Geld für Löhne? Okay, aber wo ist die Sicherheit der Bank, dass diese Löhne auch entsprechenden Umsatz bringen? 95% machen schnell wieder dicht. Wer Löhne finanziert hat in aller Regel keine Einnahmen. Was soll also passieren? Du selber brauchst mehrfache Sicherheiten. Und wenn Du darauf spekulierst, dass man sechs Monate Lohn durch die Bank finanziert, wie soll diese Belegschaft in Zukunft einen Umsatz erreichen, der die Lohnkosten der ersten Monate finanziert und dann den laufenden Lohn natürlich auch und die anderen Investitionen und dann die laufenden Kosten auch noch. Dazu kommt immer noch der Gewinn, den ein Unternehmen aus verschiedenen Gründen erwirtschaften muss.

Dieses Geld zahlt die Bank nicht aus.

Du willst Hardware, vielleicht Büroeinrichtung finanzieren. Gut da hat man schon die erste Sicherheit. Doch was ist eine Hardware nach dem Auspacken und dem Installieren von Datenbanken usw. noch wert? 20% oder 30% Wertverlust? Könnte stimmen. Dabei ist bereits nach wenigen Jahren durch den technischen Fortschritt das ganze sowieso wie Omas Kaffeemühle nur noch ein Erinnerungsposten bei Räuber Hotzenplotz Geschichten.

Nicht nur deshalb will die Bank immer eine mehrfache Besicherung der hingegebenen Darlehen. Das geht los mit Immobilien, die auch verkauft werden können - ist heute nicht mehr selbstverständlich. Und die Sicherheiten müssen bei einem Notverkauf die Darlehen erfüllen können.

Du kannst mir gern Deine Idee privat schicken und ich werde Dir die Story noch mal an Deiner Idee konkretisiert erzählen.

Wer sich selbständig machen will, der braucht eine ganze Menge. Darum scheitern ja auch so viele. Als erstes muss man in einer Branche gearbeitet haben. Man sollte auf einem gewissen Niveau gearbeitet haben. Man sollte eine ganze Menge Kontakte haben, zu potentiellen Kunden, aber auch zu Zulieferern. Wobei letzteres lässt sich auch über Geld regeln. Ersteres nur bedingt.

Neben den Kenntnissen braucht man rechtliche und kaufmännische Qualifikationen.

Und eine Vision ist mehr als hilfreich. Diese Vision muss eine für Kunden interessante Problemlösung bieten. Sie muss in keiner Nische sein, allerdings ist es bei Zugang zu einer Nische durchaus lukrativ.

Für Dich - aufgrund Deines Alters - ist es schon verdammt qualifiziert sich im Laufe von drei vier Jahren immer wieder mit einem Thema zu befassen. Doch Du trittst nicht mit Leuten in Konkurrenz, die nur ihre eigenen Gedanken hatten. Die haben gegründet, mit einer ganzen Latte von bereits ausgeräumten Denkfehlern. Die Konkurrenz findet nicht nur zwischen den 100 Gewerbeneuanmeldungen statt. Du trittst in Konkurrenz zu den Leuten die in ihren Jahrgängen bereits es in die 5%-Gruppe geschafft haben.

Setze neu an. Was kannst Du aufgrund Deiner Begabungen und Interessen in Zukunft im Wirtschaftsprozess leisten? Welche Fähigkeiten müssen dafür entwickelt werden? Was für Kenntnisse sind besonders von Interesse für Dich? Plane dann einen Ausbildungsweg. Und eine mehrjährige Karriere in der Branche.

Ist das erfolgreich gelungen, dann hast Du immer mal wieder Dein Konzept mit den vielen neuen Erfahrungen überdacht. Und dann kannst Du beginnen Dir einen Businessplan zu erstellen. Der hat dann auch gute Chancen eine Qualität zu erreichen, dass Du nicht zu den 95% gehörst.

Antwort
von LC2015, 39

Innerhalb von nicht ein mal einer Minute habe ich über 400 Facebook-Profile von Informatikstudenten der Uni Stuttgart gefunden.

Kommentar von Samyblvck ,

Durch suchen auf der s.M Seite?

Kommentar von LC2015 ,

Es ist üblich, dass sich die Erstsemester innerhalb der Studiengänge in Facebookgruppen organisieren. Such einfach mal nach "Uni Stuttgart Informatik".

Kommentar von Samyblvck ,

Vielen Dank! :)

Antwort
von Reyha24, 18

Gewinnbeteiligungen sind i.a. sehr unattraktiv.

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