Ist Zen eine Form von praktiziertem Atheismus?

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5 Antworten

Ich bin Zen-Buddhist und werde gerne auf diese Frage eingehen.

Zen ist eine Tradition innerhalb des Mahayana-Buddhismus und dort gibt es keine Verehrung eines allmächtigen Schöpfergottes wie in den großen monotheistischen Religionen.

Zen ist somit a-theistisch (ohne Gott) aber nicht a-religiös (ohne religiöse Lehre).

Tatsächlich gibt es selbst bei Lehrern, die Zen auf sehr grundlegende Weise vermitteln, zumindest kleine religiöse Rituale, wie das Verbeugen vor dem Sitzkissen und den Mitübenden. 

Natürlich kann auch ein Atheist Zen praktizieren, wenn er es will.

Ich selbst habe schon mit Menschen unterschiedlicher religiösen Traditionen gemeinsam Zazen (Sitzmeditation) geübt - darunter Juden, Christen, Hindus, Muslime, Neo-Paganisten und auch Atheisten.

Solltest du weitere Fragen haben, helfe ich gerne weiter.

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Kommentar von Nadelwald75
21.07.2016, 15:23

Hallo Enzylexikon,

a - theistisch mit dem Bezug auf den japanischen Zenbuddhismus würde ich dann eher beschreiben als "sagt über Gott nichts aus, ist nicht das Thema".

Übrigens kann man Glauben und Zen-Buddhismus auch verbinden: Willigis Jäger (Münster-Schwarzach) ist katholischer Priester und Zen-Meister. Das hat zwar Schwierigkeiten mit der Glaubenskongregation unter Ratzinger gegeben, aber er ist nach wie vor Priester und Mitglied der Ordensgemeinschaft.

Der Zen-Buddhismus hat auch seine Auswirkungen in der Samurai-Tradition bis hin zum Bushido allgemein.

Aus dem Judo kenne ich beispielsweise die Rituale "Za-Zen" und ggf. auch die Verbeugungen "Kamisa-ni rei", "Sensei-ni- Rei", "Mokuso-Rei"

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Solch eine Frage stellt sich im ZEN nicht, da es weder um Theismus noch Atheismus oder eine sonstwie gelagerte und intentionierte Denkformationen geht, sondern um das was uns das Leben zu sagen hat - jeden Einzelnen - und diese "Aussagen" sind für jeden ganz andere in seinem Erleben und Erfahren.

So heißt es im Bi Yän Lu:  "Wer im Zen lebt, der ist keiner äußeren Regel, keinem Grundsatz unterworfen. Er lebt von Augenblick zu Augenblick, er taucht immer wieder unter in der Tiefe und steigt immer wieder neu empor in freier Höhe."

oder:

Man kann eine Pagode vergolden lassen, man kan sie aber auch verschließen, den Schlüssel wegwerfen und seines Weges gehen bis einen die kleine Biene auf dem "Rapstängel" eine ganz tiefe Wahrheit mitzuteilen hat - wer dann noch lange übelegt wird allerdings weder das Summen hören, noch den Duft wahrnehmen, noch die Farben sehen.

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Nein. Ebenso wie Nichtrauchen kein praktiziertes Laster ist und Nicht-Polospielen kein Sport.

Atheismus kann man nicht praktizieren. Ebenso wie man seine blonden Haare nicht praktizieren kann, wenn man denn welche hat.

Atheismus ist eine Eigenschaft, keine Idee.


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Kommentar von Funmichi
21.07.2016, 17:16

Zen hat keine lehre. Atheismus hat keinen glauben. Wo ist da der unterschied?

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ich würde sagen: Zen ist verwurzelt im Buddhismus. Buddhismus ist offen genug, dass auch ein Atheist Zen ausüben kann

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Sowohl Atheismus als auch Theismus stellen Konzepte dar. Zen kommt ohne Konzept aus. Das heißt, dass Zen in keiner Art von religiösem Bekenntnis oder religiöser Verneinung ein Hindernis sieht.

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