Ist Unwissenheit eine Meinung?

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9 Antworten

Ich denke, daß auch Unwissenheit immer eine Meinung hervorruft, sobald ein Thema angesprochen wird, und daß es "keine Meinung haben" nicht gibt.

Ob es wirklich so ist, kann ich nicht wissen. Doch ich kann die Gründe für meine Schlußfolgerung nennen.

Hirnforscher gehen davon aus, daß unser "sehen" dadurch entsteht, daß wir stets noch einzelne markante Punkte als visuelles Signal bis in unsere Verarbeitungsmaschine "Gehirn" durchlassen und dann sämtliche darin befindliche Lücken zurechtkonstruieren (aus Erinnerungen und Erfahrungswerten), so daß daraus ein komplett aussehendes Bild entsteht.

Ich unterstelle, daß das Gehirn oder was auch immer aus gleichartigen Grundfunktionen besteht, d. h., was in einem Bereich mit einigermaßen Gewißheit stattfindet, wird höchstwahrscheinlich auch in allen anderen Bereichen ähnlich verlaufen, so wohl auch bei der Meinungsbildung.

Das bedeutet dann (als weitere Schlußfolgerung), daß sich die Meinungsbildung als Fakten nur wenige markante Datas herauspickt und die fehlenden Lücken durch anderes bereits Greifbares auffüllt.

Weil obendrein unser vorhandenes Wissen im Vergleich zu dem, was an Wissen theoretisch möglich wäre, weniger als ein Tropfen Wasser im Vergleich zu einem Ozean ist, halte ich jedwedes "Wissen" für eine Meinung.

Weiterhin scheint es einem lebenden wachen Menschen unmöglich zu sein, "nichts" zu denken. Sobald ein Signal unsere Wahrnehmung erreicht, setzt auch ein Denkprozeß ein, und daneben gibt es irgendwo in uns immer eine Signalaufbereitung, so daß Denkprozesse dauerhaft vorhanden sind.

Daraus schließe ich, daß auch ununterbrochen Meinungsbildungen oder Modifikationen einer schon vorhandenen Meinung in uns stattfinden.

Darüber, ob an einer solchen Meinung etwas dran ist oder nicht, mag sich nun jeder selbst seine Meinung bilden.

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Kommentar von Ottavio
09.11.2016, 14:39

Ich denke, dass Du die Prozesse des Sehens und der "Meinungs"-bildung im Prinzip gut beschrieben hast, kann mir aber nicht verkneifen, ein wenig daran zu kritteln, auch auf der Grundlage meiner Gehirnforschungskenntnisse eines gebildeten Laien.

Beim Prozess des Sehens haben wir ja das Phänomen, dass wir ein Phänomen zuerst nur mit dem Kleinhirn sehen. Dabei nehmen wir tatsächlich nur ganz wenige Merkmale wahr. Es können aber Reaktionen in Sekundenbruchteilen ausgelöst werden, z.B. Fluchtreaktionen oder das Abbremsen eines Autos. Das Kleinhirn hat  aus den wenigen Merkmalen tatsächlich schon auf ein Ganzes geschlossen, sei es aufgrund früherer Erfahrungen oder eines angeborenen Archtypes.

Erst vom Kleinhirn aus werden die Signale (sowohl die optischen als auch die Schlussfolgerung des Kleinhirns) an das Großhirn und damit das Bewusstsein weitergeleitet. Das kann die Schlussfolgerung bestätigen oder, wenn genug Zeit da ist, sie auch verwerfen und genauere Untersuchungen einleiten.

Der Begriff der "Meinungs"-bildung ist gegenüber dem der optischen Wahrnehmung sehr schlecht definiert. Ich will nicht abstreiten, dass er vergleichbar sein kann (nicht muss).  Gerade das allerdings würde bedeuten, dass auch dafür ein Mindestmaß an Informationen notwendig ist. Wenn diese fehlen, sehe ich eben gar nichts und meine auch gar nichts zu einem Thema.

Klar ist, dass wir fast nichts wirklich wissen können. Des Cartes Aussage, "Ich denke, also bin ich", ist gewiss wahr, aber doch sehr dürftig. Dennoch ist nicht alles "Wissen", so relativ auch immer es sein mag, nur ein "Meinen". Es mach einen Unterschied, ob ich sage, "ich meine", oder  "ich erachte es für richtig". Im letzteren Fall habe ich es mit dem Bewusstsein gründlich geprüft, bestenfalls auch durch den Diskurs der wissenschaftlichen und philosophischen Gemeinschaft. Mehr allerdings ist nicht drin. 

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Unwissenheit ist keine Meinung, aber ein Zustand. Leute die nichts wissen wollen, so wie die hier zitierten Die-Erde-ist-eine-Scheibe--Leute leiden unter Ignoranz. Und Ignoranz ist kein Zustand sondern eine Einstellung.
Die Aussage, dass Leute die keine Meinung haben, auch eine Meinung vertreten, ist im Allgemeinen falsch. Erstens heisst keine Meinung nicht immer ,,kein Interesse" und zweitens ist es ziemlich doof, überall seine Meinung  äussern zu wollen, nicht gehemmt durch Kenntnisse.

Die hier unten verbreitete Gedanke, dass Meinung eine Stufe zwischen Glauben und Wissen ist, beruht auf zwei Bedeutungen des Wortes  ,,Meinung". Meinung kann auch eine Beurteilung über bekannten Tatsachen Bedeuten; nicht nur eine Vermutung.

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Ich behaupte sogar, dass nur der Unwissende überhaupt eine Meinung haben kann. Denn wenn man etwas weiß, ist es keine Meinung mehr.

Das Gefälle ist wissen → meinen → glauben. Was man glaubt, braucht man nicht einmal begründen.

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Als i.S. eines "Fürwahrhaltens" kann man seine Meinung darüber haben, das man unwissend sei, womit man wiederum auch ein Wissen über sich vertritt, was sich dann seinen ganz schnellen Weg durch einen kognitiven Korridor ins Zimmer der Überzeugung bahnen kann - ich weiß, das ich nichts weiß oder dort wo mein Nichtwissen zum Wissen über mich selbst wird kann ich ungestört ins Leben hineinschauen - aber das war jetzt zuviel der Meinung.

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Eine Meinung zu haben, heißt eine Sichtweise zu einer bestimmten Thematik zu vertreten. Hat sich jemand zu einem Sachverhalt keine Meinung gebildet, (keine Auseinandersetzung damit gehabt) und tut er es auch nicht, weil es ihn nicht interessiert, will er da unwissend bleiben und sich auch keine M. bilden. Unwissenheit ist wie die Null bei den Zahlen und für mich keine Meinung.

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Zuerst hätte ich dir zugestimmt, aber Unwissenheit heißt ja nur für Ihn, dass er sich mit dem Thema noch nicht beschäftigt hat und sich darum noch keine Meinung bilden konnte.

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Das Wort "meinen" besagt allerdings, dass ein hohes Maß an Unwissenheit vorhanden ist. Aber immerhin meint man etwas, also, dass etwas der Fall ist oder zumindest sein könnte.

Wenn man dagegen nur unwissend ist, meint man ja nicht etwas, also ist Unwissenheit allein auch noch keine Meinung.

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Hmm......Interessante Frage,

Wie kommt es, dass einige die Erde für ne Scheibe halten, meinen dass sie Reichsbürger währen, daran zweifeln dass die Amis auf dem Mond waren, oder Trump wählen und dies alles von der freien MEINUNG gedeckt ist. Vor diesem Hintergrund würde ich behaupten, Unwissenheit kann eine Meinung sein.

Wenn dein Kollege an der Thematik nicht interessiert ist, sich nicht damit befasst und sich daher keine Meinung bilden konnte (oder dies evtl. auch nicht will), so hat er eben keine zu diesem Thema.

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Ungewissheit ist meinr Meinung nach keine Meinung - da es zu einer Meinung eine Begründung braucht ("Ich sehe das so, weil...")

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