welche alternativen gibt es? sind die bei uns umsetzbar?
Es ist auf alle Fälle ein altes System. Man kann wohl nicht pauschal sagen, dass es schlecht sei. Schließlich gehörte und gehört Deutschland mit diesem Schulsystem nach wie vor zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten.
Allerdings ist tatsächlich eine höhere Durchlässigkeit zwischen den Stufen wünschenswert, da es zahlreiche "Spätentwickler" gibt, die bei zu früher Einteilung in eine falsche Schublade gesteckt würden.
Die OECD Studie ist nicht ganz ehrlich. In den anderen Ländern gibt es mehr gesamtschulähnliche Schulsysteme, dafür gibt es aber (USA, UK, Frankreich) auch viel mehr teure Eliteschulen, auf die die reicheren Eltern ihre Kinder schicken. Das ist im Deutschland ja noch nicht so verbreitet. Auch ein Vorteil, der durch das noch immer gute Ansehen der Gymnasien stammen dürfte.

Warum wird hier (immer wieder fällt mir das auf) die Gesamtschule neu erfunden? Die gab es doch in der DDR schon! Aber davon will ja keiner was wissen :((((
Vom Niveau her kann das DDR-Schulsystem nicht schlecht gewesen sein. Das merke ich zum Beispiel daran, dass dessen Absolventen die deutsche Sprache besser beherrschen als die Wessis. Aber auch im Westen gibt es Gesamtschulen. Die haben aber keine Chance, weil sich dort nur die schlechteren Schüler und die aus sozial nicht so gut gestellten Familien versammeln. Denn die anderen können ja nach Belieben ausweichen, aufs Gymnasium oder auf Privatschulen.

Das größte Problem unseres mehrgliedrigen Schulsystems ist das zu frühe Selektieren der Schülerinnen und Schüler.
In einigen Ländern haben die Eltern nicht mal ein richtiges Mitspracherecht, auf welche weiterführende Schule das Kind gehen soll.
Ich plädiere herzlich für eine mindestens 9-jährige gemeinsame Grundschulzeit. Die Finnen haben vorgemacht, wie es geht. Und dort sind m.W. immer zwei Lehrer/innen gleichzeitig im Unterricht. Die Klassen sind kleiner.
Alternative Schulmodelle wie Waldorf oder Montessori sind interessant, aber vermutlich nicht die generelle Lösung für alle.
Auf jeden Fall kann festgestellt werden, dass die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer heute nicht mehr zeitgemäß ist.
Der Erziehungswissenschaftler Peter Struck kritisiert dies massiv und stellt fest, dass die Lehrer/innen von heute für Kinder von vor 40 Jahren ausgebildet werden.
Ich denke schon, das unser Schulsystem, so wie es jetzt ist veraltet ist. Alternativen sind Gesamtschulen, die momentan sehr gefragt sind und auch Privatschulen. Gerade Waldorfschulen sortieren nicht nach der vierten Klasse aus, sondern dort gehen alle bis zur 12. Klasse gemeinsam in eine Klasse. Dann gibt es die verschiedenen Abschlüsse. Für das Abi wird dort noch ein Jahr drangehängt.
UlfDunkel am 22. März 2007 14:14 Von mir ein DaumenRauf - schon allein, um die anonymen Konservativen zu ärgern.
Vor allem ist es völlig sinnlos, von den Schülern und ach von deren Eltern in der 4. Klasse zuverlangen, dass sie sich für oder gegen das Gymnasium entscheiden! Alle Lehrer, die ich kenne, sehen das auch so. Das ist viel zu früh!
Das dreigliedrige Schulsystem ist für mich ein System, das Verdummung fördert und Chancengleichheit eliminiert, hängt doch der Besuch eines Gymnasiums in erster Linie vom Geldbeutel und der sozialen Stellung der Eltern ab. Haupt- und Realschülern wird vorgegaugelt, man könnte es auch ohne fundiertes Wissen zu etwas bringen. Fakt ist aber, dass sich diese Schüler in erster Linie als Schüler zweiter Klasse oder Versager fühlen und damit diese Schulformen praktisch die Faulheit und Lustlosigkeit fördern. Das Gleiche gilt für Realschüler. Wenn ich es dann an der Realschule mit diffusem Halbwissen in ein einigermaßen einträgliches Arbeitsverhältnis geschaffte habe, wird natürlich die Illusion genährt, dass Bildung eigentlich etwas Überflüssiges ist. Das Dreigliedrige Schulsystem reduziert natürlich auch gefährliche und lästige Konkurrenz für Gymnasiasten, die sich ihrerseits durch geistlose Anpassung an die Wirtschaft zu Befehlshabern über Haupt- und Realschüler aufschwingen, ohne eigentlich wirklich Leistung bringen zu müssen. Das Abitur als Ruhekissen verspricht einen gesicherten Lebenslauf ohne lästige Konkurrenz und dazu noch ein finanziell ausgefülltes Leben. Das dies allerdings auch die Kreativität und Innovation abtötet, sollte eigentlich jedem bewusst sein. So sieht die Wirklichkeit im Dreigliedrigen Schulsystem aus und ich denke, dies ist auch der Grund für Deutschlands wirtschaftliche Schwäche. Wir werden von einer selbstgerechten, dummdreisten und sich selbst bedienenden Abiturientenoberschicht regiert, deren Horizont leider aufs Abitur beschränkt bleibt.
Wieselchen1 am 25. Juni 2008 08:30