Ist terrorismus erlaubt?

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14 Antworten

Vieleicht sollte man zuerst versuchen den sehr unscharfen Begriff "Terrorismus" beschreibbar zu nachen:

dazu folgende Definitionsvorschläge aus: Alex P. Schmid “The Definition of Terrorism” In: Alex P. Schmid (Ed.) “The Routledge handbook of terrorism research“ (London u.a., Routledge, 2011, 718 S., darin S. 86/87)

1.Terrorismus bezieht sich auf spezielle Formen oder Taktiken der Angst-Erzeugung auf der einen Seite mittels politischer oder militärischer Gewaltanwendungen als auch auf der anderen Seite auf konspirative Praxis, demonstrativer, direkter und gewaltfreier Aktionen ohne rechtliche oder moralische Beschränkungen, die hauptsächlich Zivilisten und Nichtkämpfer ansprechen, für ihre propagandistischen und psychologischen Auswirkungen auf verschiedene Zielgruppen und Konfliktparteien.

2. Der Terrorismus als Taktik in Bezug auf drei Haupt- Kontexte: (1) eine unerlaubte staatliche Repression, (2) propagandistischen Agitation durch nichtstaatliche Akteure in Friedenszeiten oder außerhalb Konfliktzonen und (3) als illegale Taktik des irregulären Krieges, die von staatlichen und nicht-staatlichen Akteuren, Institutionen und Organisationen ausgeübt wird.

3. Terrorismus beinhaltet die Anwendung physische Gewalt oder die akute Bedrohung durch terroristische Akteure in einphasigen Aktionen über tödliche Gewalt (wie Bombenanschläge und bewaffnete Angriffe) desweiteren in zweiphasigen Aktionen (wie Entführung, Entführungen und andere Formen der Geiselnahme für Zwangs Verhandlungen) sowie mehrstufige Handlungsabläufe (z.B. "Verschwinden lassen" mit Entführung, geheimer Haft, Folter und Mord).

4. Durch die Öffentlichkeitsmedien verbreitete terroristische Viktimisierungen initiierter und suggerierter Bedrohungsszenarien, die auf Kommunikationsprozessen beruhen; wobei auf der einen Seite Anforderungen gestellt werden an Einzelpersonen, Gruppen, Regierungen, Gesellschaften oder Teile davon, und, auf der anderen Seite, die Unterstützung bestimmter terroristischen Tätern gesucht wird, die auf ethnische Zugehörigkeit, Religion, politischer Zugehörigkeit und dergleichen beruhen.

5. Am Ursprung des Terrorismus steht Terror - eingeflößt Angst, Angst, Panik oder bloße Angst - unter denen verbreiten Identifizierung oder Ähnlichkeiten teilen, mit den direkten Opfern, die von einigen der Modalitäten der terroristischen Akt erzeugt - seine schockierende Brutalität, starke Einschränkungen in der Diskriminierung (Entwertung), der dramatischen oder symbolischen Qualität und der Missachtung der Kriegs- genauso wie Rechtsnormen.

6. Die wichtigsten direkten Opfer von Terroranschlägen sind in der Regel nicht irgendwelchen Streitkräfte, sondern sind in der Regel Zivilisten, Nichtkombattanten oder andere unschuldige und wehrlose Personen, die keine direkte Verantwortung für den Konflikt zu tragen.

7. Die direkten Opfer sind nicht das eigentliche Ziel (wie in einem klassischen Mord, wo Opfer und Ziel fallen zusammen), sondern dienen als Nachrichtengeneratoren, mehr oder weniger unabsichtlich durch die Nachrichtenwerte der Massenmedien dazu beigetragen, verschiedene Zielgruppen und Konfliktparteien zu erreichen, dass Identifizieren sich entweder mit der Not der Opfer oder der erklärten Ursache der Terroristen.

8. Quellen terroristischer Gewalt können einzelne Täter, kleine Gruppen, diffuse transnationale Netzwerke sowie staatliche Akteure oder staatlich geförderte illegale Agenten (wie Todeskämpfe und Trefferteams) sein.

9. Während die Ähnlichkeiten mit den Methoden der organisierten Kriminalität ebenso wie bei den Kriegsverbrechen gezeigt werden, ist die terroristische Gewalt überwiegend politisch - in der Regel in ihrer Motivation, aber fast immer in ihren gesellschaftlichen Rückwirkungen.

10. Die unmittelbare Absicht terroristischer Handlungen ist, einzuschüchtern, zu verängstigen, Desorientierung, destabilisieren, Zwang auszuüben, zu demoralisieren oder zu provozieren und zwar gerichtet auf eine Zielgruppe oder Konfliktpartei in der Zielsetzung auf das Erreichen, der aus den resultierenden Unsicherheiten, Ängsten und Destabilisierungen zu gewinnenden Ergebnisse für terroristische Ziele wie z.B. Gewinnung von Werbung, Erpressung von Lösegeld, Unterwerfung unter terroristische Forderungen und / oder Mobilisierung oder Immobilisierung von Sektoren der Öffentlichkeit.

11. Die Motivation, sich terroristisch zu engagieren, deckt ein breites Spektrum ab, einschließlich Entschädigung für angebliche Beschwerden, persönliche oder stellvertretende Rache, kollektive Strafe, Revolution, nationale Befreiung und Förderung unterschiedlicher ideologischer, politischer, sozialer, nationaler oder religiöser Ursachen und Ziele.

12: Akte des Terrorismus stehen selten allein da, sondern sind Teil einer Gewaltkampagne, die allein aufgrund des seriellen Charakters von Gewalttaten und drohenden Bedrohungen ein allumfassendes Klima der Angst schaffen kann, das es den Terroristen ermöglicht, das politische System (oder Teile davon) zu manipulieren verarbeiten.

Aus diesen Zuschreibungen heraus dürfte deutlich werden das Terrorismus jedweder Form keine akklamtive Wirkung entfalten und Legitimation erhalten kann.

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Kommentar von PolluxHH
19.10.2016, 19:24

Wenn man so anfängt, dann muß eine abschließende Liste an Definitionen für Terrorismus abgearbeitet werden. Darunter auch die Definition von Terrorismus des Ministeriums für Innere Sicherheit der USA, welches jeglichen Angriff auf wichtige Infrastruktur als terroristischen Akt bezeichnet. Dann aber fielen auch Widerstandskämpfer unter den Begriff des Terrorismusses.

Genau das aber ist das Problem Deiner Argumentation: es reicht eine nachweislich gehaltene Definition von Terrorismus, welche es vorstellbar werden läßt, daß Terrorismus zulässig sein könnte, um Deine Argumentation zu widerlegen, zumal Deine Beweisführung eine vollständige Induktion erforderte, um Deine Folgerung tragen zu können, denn es wäre auf diesem Weg an Dir zu zeigen, daß jede beliebig bildbare Definition von Terrorismus, welche sachdienlich erschiene, auch gleichzeitig bedingte, daß Terrorismus nicht erlaubt sei; faktisch nicht leistbar.

Deshalb gäbe es m.E. nur eine Option, die bei dem Thema sinnvoll zu wählen wäre, nämlich die Wahl einer Definition von Terrorismus, welche zunächst Widerstandskämpfer beinhaltete (dann Art. 20 Abs. 4 GG z.B.), um im weiteren die Definitionsabhängigkeit des Ergebnisses aufzuzeigen. So kommt man zu dem Ergebnis, daß Terrorismus dann und nur dann in bestimmten Ausprägungen erlaubt sein könnte, wenn man Terrorismus so weit definiert, daß es auch Widerstandskämpfer einbezieht.

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Ist die Frage tatsächlich so gestellt?

Natürlich ist Terrorismus immer verboten, nicht zuletzt deshalb, weil diejenigen gegen die sich der Terrorismus wenden könnte, die Macht haben es zu verbieten.

Ich verstehe Terror jetzt mal als Herrschaft mit Schreckensmitteln, Terrorismus als Versuch mit Schreckensmitteln die Herrschaft bzw. die herrschende Ordnung zu ändern.

Gegner der herrschenden Ordnung werden dazu neigen, die Herrschaft als Terror einzuschätzen, dann sind auch Gewaltmaßnahmen gegen die Herrschaft zu rechtferigen (Art 20 GG, Widerstand gegen NS-Regime, Ukraine, Türkei usw.).

Inhaber der Herrschaft neigen dazu, Gegner als Terroristen zu klassifizieren. Damit sind Gewalt und Zwangsmaßnahmen gegen diese erlaubt und gerechtfertigt (Guatanamo, Afganistan, Irak, Türkei, Ukraine usw.).

Die Frage kann also nur sein, ist eine Aktion terroristisch, dann ist sie verboten, oder ist sie es nicht, dann sie erlaubt (sofern sie nicht kriminell ist).  Welcher Ansicht kann man sich anschließen?

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Terrorismus, ist per Definition nicht erlaubt:

Unter Terrorismus (lateinisch terror ‚Furcht‘, ‚Schrecken‘) sind Gewaltaktionen gegen Menschen oder Sachen (wie Entführungen, Attentate, Sprengstoffanschläge etc.) zur Überwindung einer politischen Ordnung zu verstehen.

Quelle: Wikipedia

Gewaltaktionen gegen Menschen und Sachen sind rechtswidrig, egal mit welcher Motivation.

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Kommentar von Jewi14
19.10.2016, 08:40

Wenn der Logik so einfach folgen würde, dürfte der Hilter Attentäter als Terrorist angesehen werden und keinesfalls geehrt werden, wie es nun mal der Fall ist.

Ganz so einfach ist da eben nicht, wann es Terrorismus ist und wann Freiheitskämpfer.

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Gründe für Terrorismus:
- Religion
- Politik

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Terrorismus ist überall verboten, da gibt es keine Ausnahmen. Nur wann ist Terrorismus auch Terrorismus und kein Freiheitskampf?

Stauffenbergs Attentat auf Hilter wurde von den Nazis als Terrorismus angesehen, von anderen als Freiheitskampf. Es ist liegt immer im Betrachtungswinkel des Beobachters.

Genauso glaubt der IS, er würde für die Freiheit kämpfen, während alle andere es als Terrorismus ansehen.

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Schon wenn einer in einem Mietshaus versucht andere Mitbewohner zu terrorisieren, gehört dem der Kopf ins Wasser gehalten bis sie klar werden.

Das sind kranke Menschen..ein normaler versucht ja viele Freunde und Kumpel zu habeni

?? grübel....Was soll dies für ein Referat sein?

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Wer zu der Auffassung käme, Terror sei erlaubt, der nennt es dann natürlich nicht Terror sondern aktiver Widerstand, oder, wie zb Pöbel-Ralle von der SPD: das Personal der Rechten attackieren.

Was in der Praxis dann darin besteht, den PKW von Frauke Petry anzuzünden, oder Pflastersteine zu werfen gegen Polizisten und Demonstranten. Oder, in grösserem Masstab, Terroranschläge zu verüben oder ganze Ortschaften zu terrorisieren, nur das eben nicht unter dem Etikett Terror, sondern Dschihad, heiliger Krieg, Rebellion, antiimperialistischer Widerstandskampf etc.

Diese Aktivitäten halten ihre Täter für nicht nur erlaubt, sondern sogar höchst wünschenswert und heldenhaft. Denn die Opfer sind ja immer Menschen, die etwas anderes glauben als ich selbst oder gar nichts glauben, und die müssen dann eben dran glauben, mit Gottes Segen.

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Kommentar von Rosenblad
19.10.2016, 18:11

Es sollte bitte der "Terror von Rechts" nicht ausgeklammert werden, dessen Opferzahlen vermutlich dreistellig sind - siehe dazu auch:

Olaf Sundermeyer „Rechter Terror in Deutschland : eine Geschichte der Gewalt“ (München,C.H. Beck, 2012, 271 S.)

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Naja. Je nach Definition des Begriffs "Terror" ist er durchaus erlaubt.

Nach Artikel 20 Absatz 4 des Grundgesetz ist Widerstand gegen die Regierung (unter bestimmten Voraussetzungen) erlaubt.

Das würde die Regierung dann wohl als Terrorismus bezeichnen.

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Kommentar von 1988Ritter
19.10.2016, 09:46

Widerstand = ziviler Ungehorsam !!!

Das GG ruft nicht zum Terrorismus auf.

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Vielleicht solltest Dich zuerst mal im Internet allgemein über den Begriff Terrorismus informieren. Dann erfährst Du die Antwort.

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Kommentar von MonkeyKing
19.10.2016, 13:43

Macht sie doch gerade.

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"Terrorismus" ist etwas provokant formuliert, aber es gibt den Art. 20 Abs. 4 GG, welcher auch unter die grundrechtsgleichen Rechte fällt, in dem Widerstand ausdrücklich zugelassen wird:

Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle
Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich
ist.

Die Anforderungen sind aber sehr hoch gesetzt und auch hier wirkt das Subsidiaritätsprinzip. "Wenn andere Abhilfe nicht möglich ist" bedeutet, daß alle (verfügbaren) rechtsstaatlichen Mittel ausgeschöpft worden sein müssen.

Dies könnte man als eine Art Legitimation zu Terrorismus unter besonderen Umständen begreifen.

Ein Beispiel wäre Staufenberg und das Attentat vom 20. Juli 1944. Ein Rechtsstaat bestand nicht mehr, alle Mittel waren ausgeschöpft, also wäre nach Art. 20 Abs. 4 GG das Attentat als Wahrnehmung eines Grundrechts anzusehen und damit nicht rechtswidrig, obwohl es ein terroristischer Akt war.

Hier empfehle ich intensives Studium von Literatur, davon gibt es genügend.

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Kommentar von 1988Ritter
19.10.2016, 09:45

Widerstand hat nichts mit Terrorismus zu tun.

Der Widerstand beinhaltet schwerpunktmäßig den "zivilen Ungehorsam", der in unserer Gesellschaft als Protestmittel ausreicht.

Wer hier gegen die GEZ-Gebühr ist, der zahlt halt nicht, und leistet somit zivilen Ungehorsam. Würde er aber eine Tätlichkeit gegen die GEZ-Zentrale verüben, dann wäre dies Terrorismus.

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Ist nicht erlaubt. Punkt. Sorry, wo lebst du ??

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Kommentar von Lukomat99
19.10.2016, 10:17

Ah da brauchst du dich nicht zu fürchten.

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Terror ist zur Durchsetzung politischer oder religiöser Ziele unzulässig, dann wäre Mord ja auch legal. Sage das deinem Lehrer.

Einzig die Eliminierung eines wahnsinnigen Diktators (Stauffenberg-Attentat) könnte man akzeptieren dann ist aber gezielt die betreffende Person zu liquidieren.L.G.


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Terrorismus kann niemals eine Rechtfertigung erhalten.

Der Terrorismus resultiert aus einem gescheitertem zivilen Vorhaben, Ziele gleich welcher Art zu erreichen.

Wenn dann zivile Mittel gescheitert sind, greift der Terrorist zur Gewalt.

Der Terrorist macht folglich nichts anderes, als seine Ziele entgegen mehrheitlicher Ablehnung mit Gewalt zu erreichen.

In Bezug auf den islamischen Terrorismus geht es dementsprechend darum, islamische Ziele zu erreichen, und islamische Vorstellungen zu etablieren.

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Kommentar von exxonvaldez
19.10.2016, 09:58

Terrorismus kann niemals eine Rechtfertigung erhalten.

Doch!

Kann er eindeutig! Beispielsweise die Anschläge der Edelweißpiraten auf die Nachschublinien der Nazis.

Oder die Sabotageaktionen (u. a. mit Sprengladungen) von Max Manus:

https://de.wikipedia.org/wiki/Max_Manus

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Kommentar von PolluxHH
19.10.2016, 11:33

Damit wird von Dir jeder gewaltsame Versuch zur Absetzung einer Gewaltherrschaft (III. Reich z.B.) als Unrecht deklariert, dies ist Dir schon bewußt, oder?

Allerdings sind Aussagen von Dir so zu deuten, daß Du deine Betrachtung auf eine funktionierende Konkurrenzdemokratie mit Gewaltenteilung ("zivile Mittel gescheitert", "mehrheitliche Ablehnung") beschränkst, was aber die Frage nicht vorgibt. Selbst wenn die Frage hieße, ob Terrorismus in unserem Land erlaubt sei, so schlösse die Fragestellung z.B. nicht aus, daß es sich auch auf einen Zustand nach einem Militärputsch unter faktischer Aussetzung des Rechtssystems und der Demokratie bezöge. Welche zivilen Mittel hätten z.B. die Juden (und als Juden bezeichneten Menschen mit israelitischen Wurzeln) gehabt und war deren Tötung wirklich mehrheitlich gewollt? Es galt damals theoretisch noch die Weimarer Verfassung, also wären Deine Aussagen darauf voll anwendbar.

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Nein... dann wäre Töten an sich ja auch legal...

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Kommentar von exxonvaldez
19.10.2016, 08:45

Ist es unter Umständen (z. B. Notwehr).

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