Frage von mg6358, 105

Ist Steuerberater zur Verantwortung zu ziehen?

Ein Verein gibt regelmäßig seine Jahresabschlüsse zum Steuerberater und der leitet sie nach der Prüfung ans Finanzamt weiter.

Da §53AO in Anwendung gebracht wird sind die erbrachten Leistungen steuerfrei.

Nun ist aber der Verein in den letzten Jahren sehr "gewachsen", so dass jetzt bei einer Prüfung festgestellt wurde, dass die Kleinunternehmerregelung schon lange nicht mehr gilt.

Von den, im Sinne des genannten §, Nichthilfebedürftigen sollen nun 7% ermäßigte Steuer berechnet werden. Logischerweise soll der Verein auch für Jahre entgangene UST nachzahlen...

Meine Frage: Ein Steuerberater muss, m.W. doch seine Mandanten schützen und aufmerksam machen, wenn etwas nicht in Ordnung ist, oder?

Der Steuerberater meint, er wüsste auch nichts davon, dass nicht ALLE Kunden des Vereins steuerfrei sein sollen. Die betreffenden §§ könne man so oder so auslegen...

Was soll der Verein jetzt tun? Den Unwissenden Steuerberater belangen?

Antwort
von FordPrefect, 12

Da §53AO in Anwendung gebracht wird sind die erbrachten Leistungen steuerfrei.

Äh - nein. Jedenfalls nicht pauschal.

Nun ist aber der Verein in den letzten Jahren sehr "gewachsen", so dass jetzt bei einer Prüfung festgestellt wurde, dass die Kleinunternehmerregelung schon lange nicht mehr gilt.

Wieso macht ein Verein von § 19 UStG Gebrauch?

Von den, im Sinne des genannten §, Nichthilfebedürftigen sollen nun 7% ermäßigte Steuer berechnet werden. Logischerweise soll der Verein auch für Jahre entgangene UST nachzahlen.

Das kann aber nun der StB nicht feststellen; die Prüfpflicht, ob es sich um USt- behaftete Tätigkeiten (respektive Nichthilfebedürftige) handelt oder nicht obliegt dem Verein respektive der Geschäftsführung des Vereins. Der StB macht ja offenbar nur die Abschlüsse, nicht die Buchführung.

Der Steuerberater meint, er wüsste auch nichts davon, dass nicht ALLE Kunden des Vereins steuerfrei sein sollen. Die betreffenden §§ könne man so oder so auslegen

Das finde ich jetzt allerdings zumindest befremdlich. Nur - der JAB basiert ja auf der Buchhaltung, die der Verein selbst geführt hat. Das kann der StB gar nicht erkennen, aber evtl. wäre es dennoch ein Fall für seine Berufshaftpflicht.

Ich verweise hier mal auf den zugehörigen Anwendungserlass des BMF vom 26.1.2016:

"Erbringt eine Körperschaft ihre Leistungen an wirtschaftlich hilfebedürftige Personen, muss sie an Hand ihrer Unterlagen nachweisen können, dass die Höhe der Einkünfte und Bezüge sowie das Vermögen der unterstützten Personen die Grenzen des § 53 Nr. 2 AO nicht übersteigen. Eine Erklärung, in der von der unterstützten Person nur das Unterschreiten der Grenzen des § 53 Nr. 2 AO mitgeteilt wird, reicht allein nicht aus. Eine Berechnung der maßgeblichen Einkünfte und Bezüge sowie eine Berechnung des Vermögens sind stets beizufügen."

(BMF-Schreiben vom 26.01.2016, GZ IV A 3 - S 0062/15/10006, DOK 2015/1166398)

Quelle: http://www.vereinsbesteuerung.info/aeao.htm

Hier wäre evtl. ein Fachanwalt Schwerpunkt Vereinsrecht / Steuerrecht hinzuzuziehen.

Antwort
von grafelli, 75

Schwierige Situation.

Ich verstehe nicht ganz wie das mit "alle Kunden steuerfrei sind" gemeint ist

Macht er die Steuer für jeden einzeln?

Grundsätzlich ist der Steuerberater eben ein Berater. Die Nachzahlung ans FA könnt ihr von ihm nicht verlangen.

Weiters müsstet ihr Nachweisen dass er alle erforderlichen Unterlagen um die Steuer richtig berechnen erhalten hat.

Würde ihn (falls es tatsächlich sein Versäumnis war) beim Verband melden. Er muss wissen welche Steuergesetze/ Erlässe zurzeit gelten. Stichwort "Verpflichtende Fortbildung"

Schwarze Schafe gibt es ja leider immer wieder die es nicht so genau nehmen.

Kommentar von mg6358 ,

Naja, die Kunden des Vereins die die Bedingungen des §53 (soziale, wirtschaftliche Bedürftigkeit) erfüllen zahlen keine Steuer, weil der Verein im Verband des DPWV ist.

Laut FA müssen die Kunden die nicht die Bedingungen erfüllen 7% Steuer zahlen...

Auch das FA hat bisher (über 20 Jahre) nix gemerkt, obwohl alle 3 Jahre die Erklärungen (zur UST und Körperschaftssteuer) eingereicht wurden...

Kommentar von grafelli ,

Wäre interessant ob es da vllt eine Änderung im Gesetz gegeben hat.

Ich würde die Angelegenheit nocheinmal von einem anderen Steuerberater überprüfen lassen. Auch dem FA unterlaufen Fehler.

Und hier gibts definitiv Klärungsbedarf.

Kommentar von FordPrefect ,

Naja, die Kunden des Vereins die die Bedingungen des §53 (soziale, wirtschaftliche Bedürftigkeit) erfüllen zahlen keine Steuer, weil der Verein im Verband des DPWV ist.

Aber doch nur diejenigen, die Hilfebedürftige i.S.v. § 53 AO sind. Alle anderen natürlich nicht.

Laut FA müssen die Kunden die nicht die Bedingungen erfüllen 7% Steuer zahlen.

Das ist richtig. Ich vermute, hier geht es um Essen auf Rädern o.ä.?

Auch das FA hat bisher (über 20 Jahre) nix gemerkt, obwohl alle 3 Jahre die Erklärungen (zur UST und Körperschaftssteuer) eingereicht wurden..

Das ist hinsichtlich der Nachzahlungsforderung irrelevant. Eine Verfristung träte hier erst nach 10 Jahren ein.

Antwort
von wilees, 58

Logischerweise soll der Verein auch für Jahre entgangene UST nachzahlen...

Für wieviele Jahre soll diese erfolgen?

Kommentar von mg6358 ,

So wie es aussieht für 7 Jahre. Da macht der Verein dicht, mangels Masse... Da sind 20 Leute arbeitslos und 150 Senioren sind ohne Hilfe...

Kommentar von wilees ,

Jetzt kann ich nur logisch argumentieren - Wann habt ihr die vorherige Erklärung abgegeben - vor sieben Jahren? Wohl kaum. Was vorher als richtig anerkannt wurde kann nicht im Nachhinein zurückgefordert werden.

Übrigens auch ein Steuerberater hat eine Berufshaftpflichtversicherung, die bei fehlerhafter Beratung greift.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ähm, wo wurde bei der Umsatzsteuererklärung etwas als richtig anerkannt?

die Umsatzsteuererklärung unterliegt im Finanzamt KEINER gesonderten Prüfung ..... es erfolgt nur eine Plausibilitätsprüfung.

durch eine Betriebsprüfung (Außenprüfung) wurde eine Änderung der Besteuerungsgrundlagen festgestellt. Somit kann das Finanzamt sehr wohl rückwirkend Geld verlangen.

Ansonsten würde jeder Betrieb jedes Jahr eine Betriebsprüfung erhalten, da ja (lt. Argumentation) nichts zurückgefordert werden kann, was vorher als richtig anerkannt wurde ....

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