Frage von Lanamarkus, 15

Ist der Steuerberater mit 1% GmbH-Anteil Stellvertreter der anderen Gesellschafter?

Wenn zwei Gesellschafter einer GmbH (50%, 49%) im Wege eines share deals also Anteilsverkaufs eine GmbH verkaufen und ihr Buchführer mit 1% Anteil (ausgebildeter Steuerberater nicht im Kaufvertrag) den Erwerber bei den Verkaufsgesprächen anlügt bzgl. Ertragszahlen/Auftragslage etc. und die zwei Gesellschafter dabei sind, müssen sie sich das Verhalten des Dritten (1% Geschäftsanteil) anrechnen lassen, also in der Form, dass der Steuerberater als Vertreter handelt? Wenn der Käufer jetzt dagegen klagt gegen die "Lügen"? Gibt es dazu eine Vorschrift?

Antwort vom Anwalt erhalten
Anzeige

Schneller und günstiger Rat zum Vertragsrecht. Kompetent, von geprüften Rechtsanwälten.

Experten fragen

Antwort
von wfwbinder, 11

Wenn der anwesende und handelnde Steuerberater selbst seinen Anteil nicht verkauft, handelt er ja im Auftrag der beiden anderen Gesellschafter.

Dabei gibt es eigentlich nur den OPunkt:

Wenn der Mandant einen Steuerberater auffordert in einer Verhandlung wahrheitswidrige Angaben zu machen, müsste er sich weigern und ggf. das Mandat niederlegen.

Allerdings sollte ein StB, oder Anwalt, der so blöd ist, sich beim Lügen erwischen zu lassen, bzw. der wirklich falsche Sachen sagt, wegen Unfähigkeit aus dem Berufsstand ausgeschlossen werden.

Antwort
von Dirk-D. Hansmann, 7

Was ist denn das für ein Szenario? Wenn zwei verkaufen wollen, dann führen sie die Verhandlungen. Und lassen sich selber über die optimale Gestaltung beraten.

Der Berater wird es ablehnen müssen, eine Beratung der Käufer auch noch leisten zu wollen. Das ist doch ein klarer Konflikt. Das geht gar nicht.

Macht er einen Verfahrensvorschlag, dann tut er es aus Sicht der Mandantschaft. Das sollte der kaufenden Seite klar sein.

Lügt er über die Ertragslage oder Erwartung, dann sollte man sich tatsächlich denken, dass die Falsch-Informationen auch den eigentlichen Verkäufern angelastet werden.

Die Frage wäre höchstens: Wie weit müssen Verkäufer sich eine Fehlinformation anlasten lassen. Müssten sie diese ausräumen. Zwar ist in Deutschland lügen nicht verboten. Aber wer andere damit zu einem Handeln bringt, dass er mit den richtigen Informationen nicht gemacht hätte, dann könnte man hier sehr wohl von Betrug sprechen.

Also es wäre nicht mein Weg in solche Gespräche zu gehen. Das ist nicht der Weg eines ehrbaren Kaufmanns. Ob erlaubt oder nicht.

Was hat auch der Steuerberater davon? Schließlich wird er das Mandat in aller Regel nicht behalten. Aber sein eigener Anteil am Unternehmen geht doch auch kaputt.

Stellt sich sogar eine ganz andere Frage: Waren die bisherigen Gesellschafter überhaupt gut beraten? Was für Fehlinformationen wurden ihnen erzählt?

Welcher Steuerberater lässt sich in eine solche Situation bringen?

Er hat Neutralität zu wahren - Auch in der Beratung. Neutralität meint hier die Interessen der Mandanten als Beratungsgrundlage. BERATUNG nicht Verkäufer.

Richtig ist, dass ein Steuerberater hier durchaus auch in eine Schadenersatzpflicht kommen kann. Ohne diese durch seine Haftpflicht gedeckt zu bekommen. Also kann sein...

Der geschilderte Fall in der Kürze bietet höchstens Stoff für einen Vorabend-Krimi. In der Realität tendiere ich zu wfwbinder - Berufsverbot für den Steuerberater. Was die Kammer dazu sagt, dass würde mich sehr interessieren!

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community