Ist Religion eine Gegenbewegung zur Aufklärung?

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9 Antworten

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Die Zeit der Aufklärung ist längst beendet (sie war im 17.-18. Jh,), daher solltest du eher im Präteritum schreiben und denken. 

2.
Für diese Frage eignet es sich gut, den Fragmentenstreit im 18. Jh. einzubeziehen, der unter anderem durch eine schriftliche "Diskussion" zwischen Lessing und Goeze ausgetragen wurde.

Lessing war dabei nicht gegen den Glauben selbst, sondern eher gegen die Buchstabenhörigkeit, jedes Wort der Bibel für bare Münze zu nehmen. Er wollte Wahrheiten, die sich aus der Vernunft ergaben, nicht von zufälligen Geschichtswahrheiten abhängig machen.

Goeze sah das anders. Er verteidigte die Bedeutung historischer Ereignisse für den Glauben sowie deren Wahrheitsgehalt. (z.B. die Wunder die Jesus verübte).

Die Aufklärung hatte das Ziel, den Menschen von Abhängigkeiten zu befreien, die ihn hinderten, seinen eigenen Verstand zu nutzen. Staat und Kirche sollten getrennt werden. Viele Probleme in der Religion bzw. der Kirche wurden kritisiert, mehrere Thesen widerlegt oder hinterfragt (z.B. die Existenz von Wundern). Auf diesen Angriff musste die Kirche natürlich reagieren und folglich dagegenhalten. Zum einen wollte man weder Macht, noch die Glaubwürdigkeit verlieren, zum anderen waren kirchliche Vertreter selbst von ihrem Glauben (z.B. an Wunder) überzeugt.

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Kommentar von Dave2707
14.03.2016, 22:24

Vielen Dank. Deine Antwort trifft den Kern meiner Frag wohl am besten. Ich denke auch, dass ich meinen Fehler erkannt habe. Man kann nicht verallgemeinern, dass gläubige grundsätzlich gegen Wissenschaft sind. Besonders nicht in der Gegenwart. Das stimmt nicht. Du erklärst mir die Religion nicht im Gegensatz zur Wissenschaft, sondern zu der Vernunft das zu meinen, was den eigenen Verstand unterdrückt. Auf deiner Antwort kann ich aufbauen. Dankeschön!

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Die Religionen waren zeitlich weit vor der Aufklärung. Die Aufklärung wurde allenfalls in ihren Anfängen derartig radikal verstanden, dass sie in Gegnerschaft zur Religion gesetzt worden sind.

Heutzutage haben sich die religiösen Gemeinschaften vieles aus der Aufklärung angeeignet und vieles, was die Aufklärung in ihren Beginnen hervorgebracht hat, wird auch heute von Nicht-Religion nicht vertreten. Das darf man alles nicht zu statisch sehen.

Die meisten religiösen Gemeinschaften sehen in der Evolution, dem Urknall etc. keinen Widerspruch mehr zu ihrer Religion, da die Religion, die Bibel, die sonstigen Schriften mosaischer Religionen sowie die Schriften sonstiger Religionen gerade keine Aussage zur Biologie, zur Physik etc. machen wollen, sondern die Beziehung Gott zum Menschen zu beleuchten zur Aufgabe haben bzw. sonst die Religion als den Menschen betreffendes darstellen.

Deine Annahme, die Religionen würden sich nicht mit den Wissenschaften auseinandersetzen, ist Gott sei Dank völlig falsch. Es gibt genügend Schreiben der Religionsgemeinschaften, in welchen sie sich mit den naturwissenschaftlichen Neuerungen auseinandersetzen und naturwissenschaftliche Erkenntnisse als Gegebenheiten akzeptieren. Die Religionen setzen daher inzwischen (war früher anders, allerdings sehr früher, z.B. Galileo und andere Fehler // bzw. bei Evolution, beim Urknall etc. hat man bei Hervortreten der Grundthesen noch mitzureden versucht, macht man heute aber auch nicht mehr) erst bei moralischen und gesellschaftlichen Fragen setzt man an, um das Moralische, soziale etc. einzubringen, jedoch nicht mehr in Fragen der Physik, der Chemie etc. Nur ein paar hartgesottene Randgruppen sehen das anders. Die repräsentieren die Kirchen und Religionen aber nicht. Deine Frage ist daher nicht mehr ganz so aktuell, war mal ein großes Thema, ist es aber nicht mehr. Religion und Naturwissenschaften widersprechen sich nicht, da sie andere Gegenstände, andere Bezüge und keine Überschneidungen haben. Überschneidungen gäbe es nur dann, wenn z.B. ein Physiker behauptet, es gäbe keinen Gott. Das kann er allerdings nicht beweisen, allenfalls dass auch eine nicht kausale Entstehung möglich ist (z.B. L. Krauss, sein Versuch mit dem instabilen Nichts als quantenphysikalisches Potential ist aber eher naja). Aber selbst wenn eine akausale Entstehung möglich wäre, ist Gott nicht widerlegt. Er ist aus den Naturwissenschaften (wie auch sonst) heraus unwiderlegbar.

https://www.gutefrage.net/frage/ist-eine-widerlegung-gottes-ueber-notwendige-und-hinreichende-bedingungen-unmoeglich?foundIn=user-profile-question-listing

Das nur ganz grob :-)

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Ganz grob erklärt hast du Recht, obwohl ich hier nicht verallgemeinern würde.

Kreationisten, also Anhänger einer Religion, welche an die entsprechende Schöpfungslehre glauben, verschließen sich zumeist tatsächlich wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Oft hört/liest man von Gläubigen auch die Ausrede "Aber es steht nicht in der Bibel WIE Gott die Welt erschaffen hat und 7 Tage für Gott können 7 millionen Jahre für die Menschheit sein...blablabla", wobei sie übersehen, dass diese Ansicht ihre gesamte Glaubensgrundlage für null und nichtig erklärt.

Tatsache ist, dass sich die Religion seit es sie gibt stets gegen Wissenschaft und Fortschritt gestellt hat, sobald sie ihre eigenen Aussagen durch die wissenschaftlichen Aussagen in Gefahr gesehen hat.

Das hat sich leider bis heute nicht geändert.

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Kommentar von Dave2707
14.03.2016, 22:44

Dankeschön.

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Kommentar von Garfield0001
15.03.2016, 09:25

Quark. ganz im Gegenteil. Gott sagt in der Bibel: macht euch die Erde Untertan. und dazu gehört auch Forschung. aber ist es nicht letztlich egal wann die Erde entstanden ist? Hilft uns heute auch nicht weiter - außer in der ewigen Bemühung beweisen zu müssen das es keinen Gott geben kann

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Irgendwie hänge ich an dieser Frage. Kann mir das 
bitte jemand grob erklären?

Ja, wenn man Behauptungen aufstellt  welches ziemlicher Kappes sind und diese dann hinterfragt.
Wie kommst du darauf, daß "Gläubige" Wissenschaft ablehnen und an eine Schöpfung vor wenigen tausend Jahren glauben ?
Tatsache ist natürlich, daß es strenge Bibelgläubige (auch Korangläubige) gibt
welche solche Vorstellungen "pflegen" (ob die das alle wirklich so glauben  ist zu bezweifeln)
Ansonsten wurde die Wissenschaft wie wir sie heute kennen i. R. von Gläubigen entwickelt und gestaltet.
Auch die Denker der Aufklärung waren meist gläubige Menschen, natürlich nicht in die primitive Kiste zu stecken, welche du für Gläubige aufgemacht hast.
War das grob genug erklärt ?

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Kommentar von 666Phoenix
15.03.2016, 08:37

Ansonsten wurde die Wissenschaft wie wir sie heute kennen i. R. von Gläubigen entwickelt und gestaltet.
Auch die Denker der Aufklärung waren meist gläubige Menschen, natürlich nicht

Als die Wissenschaften "entwickelt" wurden (pardon, so eine blöde Formulierung habe ich noch nie gelesen - als ob Wissenschaften aus dem Nichts "entwickelt" werden können!), ging das nur im Schutz der Pfaffen und ihrer Kirchen! Ansonsten wären noch mehr gescheite Leute gegrillt worden! 

Und immer in der Geschichte musste der Glaube der "Entwicklung" der Wissenschaften hinterher laufen - und immer in der Geschichte haben Religionsfanatiker für sich vereinnahmt, dass sie die Entwicklung der Menschheit voran getrieben hätten. 

Lachhaft!

Wo stände die Medizin z. B. heute, wenn nicht von Kirchen-Fuzzis über Jahrhunderte hinweg das Öffnen von Leichen unter Strafe gestellt worden wäre?? (Weitere Beispiel bitte gern!)

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Es gibt so viele Religionen. Und nicht alle haben etwas mit Forschung zu tun.
Aufklärung ist doch auch nur so ein Begriff und kann gedeutet werden. Jeder möchte den anderen "aufklären". Das sagt aber nichts über den Wahrheitsgehalt aus.

Ich bin aber der Meinung dass Religion nichts gegen Wissenschaft oder Aufklärung hat. Zum einen sagt zb Gott dass wir uns die Erde Untertan machen sollen - dazu kann Forschung gehören. Zum anderen sollte man aber auch betrachten um was es geht.
Und ich bin zb der Meinung das es unwichtig ist für unsere Schulkinder ob die Erde durch einen Gott entstanden ist oder durch Zufall. Sie sollten lernen wie man gut im leben zurecht kommt.

Und dann habe ich auch was dagegen. Denn es ist eben zb noch NICHT bewiesen wie das mit dem Urknall war. Auch kann Forschung nur in dem "Raum" geschehen und funktionieren wie er ist. Sie kann also gar nichts erforschen was außerhalb ist. Und somit ist es auch nur "in sich" schlüssig. Ob es jedoch wahr ist ... ist etwas anderes.
Das ist wie wenn du mit dem Gesicht zu einer Litfaßsäule stehst, sie berührst und um sie läufst und dann behauptest du, das du eingesperrt bist.

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Niemand glaubt an einen Gott qua Existenz. Du glaubst an Gott weil er Dir von Eltern und Institutionen eingeprügelt wurde nicht weil er sich Dir offenbart hat. Religion ist also das Ergebnis seelischen Missbrauchs und hat nichts mit persönlichen Motivationen zu tun.

Warum tut man einem Menschen sowas an? Weil er dann sehr viel einfacher zu nutzen ist!

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Kommentar von DaName
14.03.2016, 21:48

Meist Wenn sich Menschen mit Seelischen Problem höher Mächte zu. Um dort Trost zu finden. Ist das in deinen Augen was schlechtes?

Gewalt und Religion der heutigen zeit hier bei uns passen nicht zusammen.

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Kommentar von Garfield0001
15.03.2016, 09:20

meine Eltern haben mir nichts eingeprügelt oder irgend so ein Quark. und ohne das Gott sich Einem offenbart könnte man ihn gar nicht finden.

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Religionen gab es schon vor der Aufklärung. Eher kann man sagen, dass die Aufklärung eine Gegenbewegung zur Religion war.

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Aber meine hellseherischen Kräfte sagen mir, daß hier gleich der Satz kommt: "Kennen sie die Meinung der katholischen Kirche zur Evolutuion?" ;)

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Kommentar von DaName
14.03.2016, 21:45

Es gibt immer Fanatiker.

Nicht nur in Religionen sonder auch in Sport, Spiele oder Jobs.

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Religion ist nicht Gegenbewegung zur Aufklärung sonder andersherum.

Da sozusagen das Christentum vor der Bewegung zur Aufklärung da war.

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Kommentar von Dave2707
14.03.2016, 21:36

Gut, Dankeschön, Aber wieso ändert sich die Religion nicht auf die Bewegung der Aufklärung?

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