Frage von MarcoAH, 199

Ist reiten zu lernen leicht?

Lohnt es sich noch, Reiten mit Anfang 40 zu erlernen. Wenn ja, wie lernt man das am allerbesten? Leider habe ich doch schon Höhenangst. Ist das eher hinderlich? Habt ihr gute Tipps? Man sagt ja, dass man auf dem Rücken der Pferde die Freiheit erlebt.

Expertenantwort
von Sallyvita, Community-Experte für Pferde, 67

Mit 40 Jahren kannst Du sicherlich noch das Reiten lernen. Das wurde Dir hier ja auch schon mehrfach von meinen Vor-Schreibern versichert. 

Was die Höhenangst angeht, so musst Du das einfach ausprobieren. Bei den meisten ist das zu Pferd etwas total anderes, als wenn sie zum Beispiel auf einer Leiter oder an einem Abgrund stehen, aber es mag durchaus auch ängstliche Menschen geben, die bereits auf einem Pony nicht mit der Höhe klarkommen.

Was das Übergewicht angeht, so musst Du ehrlich zu Dir selber sein und zur Höhe Deines Übergewichtes. Denn wenn Du Pferde liebst, willst Du ihnen ja auch nichts zumuten, was ihnen schaden könnte. Und diese Faustformel, was angeblich ein Pferd tragen kann, berechnet nach dessen Gewicht, halte ich für falsch, denn es kommt immer auf den Körperbau eines Pferdes an und auf die Beschaffenheit des jeweiligen Pferderückens und dessen Bemuskelung. Es gibt tatsächlich Lastenträger - aber eben auch Pferde, die trotz ihrer Größe keinen guten Rücken haben.

Ein Reitanfänger ist ein Reitanfänger und macht sicherlich auch einige Fehler, plumpst dem Pferd beim Versuch des Leichtraben-Erlernens in den Rücken, bewegt sich kontra Pferdebewegung, hält sich auch mal am Zügel  fest, etc. Und es macht durchaus einen Unterschied, ob 60, 80 oder 100 kg in den Pferderücken plumpsen.

Dazu kommt, dass es in der Regel ab einem gewissen Übergewicht bei den meisten Menschen so ist, dass diese weniger geschmeidig und weniger beweglich sind und demnach auch größere Probleme haben, in die Pferdebewegung rein zu kommen. Ausnahmen bestätigen auch hier sicherlich die Regel und pauschalisieren kann man auch nicht immer alles.

Wie es in Deinem Fall ist, kann und möchte ich nicht beurteilen. Mitunter empfinden sich ja auch ganz normal gewichtige Menschen als übergewichtig,nur weil sie nicht Size 0 sind. 

Wie Urlewas bereits schrieb, ist es nicht sonderlich schwer, im Schritt ein braves Pferd durch einen Wald zu lenken. Aber das mit dem richtigen Reiten, das hängt viel vom jeweiligen Talent und Körpergefühl des Reiters ab. 

Meist fängt es mit sogenannten Longenstunden an. Das heißt, man wird an einer Longe im Kreis, mit ca. 2-3 Metern Abstand um den Reitlehrer von ihm herumgeführt/ longiert. Erst im Schritt und nach einigen Gleichgewichtsübungen auch im Trab und später auch im Galopp. 

Wie schnell man Fortschritte macht, das liegt wieder am Talent des Reiters. Einige kommen mit 5-10 Longenstunden aus - andere brauchen 20 Stunden und mehr. Das hat unter anderem auch mit der jeweiligen Philosophie und Lehre an diesem Stall zu tun. Die Vorgehensweisen sind da nicht immer gleich. Wichtig ist, dass der Reitschüler sich wohl fühlt - mit dem Trainer, mit dem Pferd und in der Reitschule, dem Reitstall, sonst bleibt der Spaß viel zu schnell auf der Strecke. Erwachsenen-Einsteigerkurse haben sich da sehr bewährt. 

Für mich selber ist Reiten gar nicht so sehr mit Freiheit verbunden, sondern ehr mit Symbiose - mit dem ganz besonderen Pferd-Reiter-Verhältnis und der Freude am Reiten, an der Arbeit mit dem Pferd, an der Zuneigung, die sie zu einem fassen und man zu ihnen. Es ist so schön, wenn man kommt und das Pferd wiehert einem freudig entgegen, kommt einem quer über die Weide entgegen galoppiert und zeigt einem deutlich, dass es einen mag - und natürlich ist es auch wunderschön, einfach mal eine gechillte Runde durch den Wald zu machen, durch zu atmen und zu entstressen. Und um all das zu erleben, ist man mit 40 sicherlich nicht zu alt. Ich kenne einen 78-jährigen, der immer noch hocherfolgreich L und M-Springen geht. Das ist keine Frage des Alters, sondern eine Frage der Verfassung und der Leidenschaft für einen wunderbaren Sport.

Kommentar von Urlewas ,

Vielleicht würde sich dann sich eine entsprechende Reirweise auf entsprechenden Pferden anbieten. So Hütepferde, die kräftig, vom Körperbau gedrungen und weich zum sitzen sind,und eh mehr "joggen", da würden die Rücken von Reiter und Pferd weniger beansprucht als bei einem auf Sport gezüchteten Warmblut...

Expertenantwort
von friesennarr, Community-Experte für Pferde, 46

Lohnen tut sich jedes lernen immer. Was neues zu tun lohnt sich auch noch mit 40.

Such dir einen Reitverein oder Reiterhof, der Einzeleitunterricht auf guten Pferden anbietet - da kann man sich mal im Umkreis erkundigen, welche da in Frage kommen.

Höhenangst wirst du bei den Pferden wohl kaum verspüren - das ist eher selten - weil man ja nicht wirklich hoch aufsitzt - oder such dir Kleinpferde wie Haflinger oder Isländer aus.

In den Anfängen vom Reiten wirst du weniger die Freiheit im Sattel spüren, als wie alle deine Muskeln, die neu benutzt werden.

Reiten lernen dauert seine Zeit - je nach Körpergefühl und Körperbeherschung ist aber nach einem halben Jahr schon mal ein Ausritt möglich.

Expertenantwort
von Dahika, Community-Experte für Pferde, 22

Es kommt darauf an, was du willst. Einen Wanderritt auf braven Pferden zu machen, ist natürlich leichter als eine Vielseitigkeit zu reiten.

Es kommt auf die Pferde an. Ein Tinkertier ist im Durchschnitt leichter zu reiten als ein Vollblut frisch von der Rennbahn.

Reiten ist die schwerste "Sport"art, die es gibt. Ein Leben reicht dafür nicht aus. Aber um ein braves, nettes Pferd hinreichend gut reiten zu lernen, ohne ihm zu schaden, ist nun auch keine Wissenschaft. Und mit 40 Jahren geht das locker.

Wenn ich dir einen Rat geben darf, dann buche mal einen 10 Tagekurs im FS-Testzentrum in Reken. Das ist zwar auf den ersten Blick teuer, aber wenn man genau hinguckt, preiswerter als das Gejuckel, das viele Reitschulen anbieten.

Kommentar von MarcoAH ,

Danke für den Tipp. Leider habe ich erst im Oktober meinen großen Urlaub, so dass ich erst dann auf einem Reiterhof "Urlaub" machen kann.

Expertenantwort
von Baroque, Community-Experte für Pferde & reiten, 25

Was ist leicht? Das wird jeder nach seinen ganz eigenen persönlichen Talenten beantworten. Dem einen ist es sehr leicht gefallen, schnitzen so weit zu lernen, dass er nette Geschenke damit machen kann, der andere könnte sich das überhaupt nicht vorstellen. Manchen fällt es sehr leicht, neue Tänze zu erlernen, andere üben jahrelang am Grundschritt ... wir kennen Deine Begabungen nicht.

Dann ist auch die Frage, "wieviel" reiten willst Du denn lernen? Genügt es Dir, auf einem Pferd im Schritt die Landschaft zu erkunden, sodass das Pferd und Du gesund bleibt oder hast Du höhere Ziele?

Prinzipiell kenne ich sehr viele, die > 40 erst angefangen haben mit Reiten. Wichtig ist dabei, an den richtigen Lehrer zu geraten, denn es gibt durchaus welche, die so unterrichten, dass viele schon < 30 aufhören mussten damit, weil der Körper das nicht mehr mitmacht. Es ist also grundsätzlich für jeden Reiter wichtig, einen Ausbilder zu finden, der schonend arbeitet und das nicht nur glaubt zu tun, sondern der damit wirklich Erfolg hat. Wer schonend reitet, kann dies bis ins hohe Alter tun. Wer sich "verheizen" lässt, hat irgendwann ein Problem.

Wegen der Höhenangst ... man sollte nicht runter schauen beim Reiten an sich. Das lässt sich zwar nicht ganz vermeiden, z.B. streift der Blick auch beim Aufsitzen oder Absitzen mal den Boden, aber ich kenne viele, die empfinden auf einem Tisch stehend ein bisschen Schwindel, reiten aber sehr gut, weil der Blick immer der Reitrichtung voraus gehen muss.

Die sprichwörtliche Freiheit auf dem Rücken der Pferde kann man aber nur empfinden, wenn man das Tier an sich mag, wenn man generell mit Pferden viel anfangen kann. Findet man Pferde nicht so toll und reitet nur, weil einem die Freiheit versprochen wird, ist man wohl mit einem Motorrad besser beraten, weil reiten erfordert viel Koordination (kann entsprechend auch sehr helfen, diese zu verbessern), es erfordert, sich in den Bewegungsablauf der Pferde einzufinden (was leichter gelingt, wenn einen dieser so fasziniert, dass man da gerne stundenlang zusieht), es erfordert, das Pferd an sich zu verstehen - wie kann ich vermeiden, dass es aus Angst vor etwas wegrennt, wie kann ich es motivieren, dass es unter mir gerne läuft ...

Antwort
von Unwissend123321, 76

Reiten lernen man wird man nie 100%. Du ebenso wenig wie jemand, der 20 Jahre eher angefangen hat...Das ist das Schöne, man lernt nie aus und kann sich immer verbessern.

Kenne einen, der hat mit 45 angefangen. Mit 55 ging er sein erstes M Springen, machte dies einige Jahre und reitet bis heute freizeitmäßig 5x die Woche. Die anderen zwei Tage spelt er Tennis und fährt Rennrad, da hat er keine Zeit. Er ist übrigens vor kurzem 80 geworden.

Expertenantwort
von Urlewas, Community-Experte für Pferde & reiten, 70

-Ist reiten lernen leicht - ja und nein. Sich von einem braven Pferd spazieren tragen zu lassen, ist dann oft leichter, als es sich die Leute vorstellen. Aber ich vergleiche es auch gern mit musizieren - Grundkenntnisse bekommen, oder die  ( nie zu erreichende) " Vollendung der Kunst" anzustreben, ist was ganz verschiedenes...

-Lohnen tut es sich in jedem Fall, in jedem Alter. Außer, Du willst zur Olympiade, das würde es mit 40 knapp ;-)

- Höhenangst ist kein Problem, habe ich auch, und reite trotzdem leidenschaftlich gerne. Die Form der " Höhenangst" die einen beim reiten befallen  könnte, ist meist eher eine Art  " Tiefenangst" - aber bei entsprechender Vorbereitung wird diese vom Vertrauen zu Pferd und Reitlehrer absorbiert.

- Übergewicht ( wenn es erheblich ist) erschwert die Auswahl  eines passenden Reitinstituts natürlich etwas, aber selbst für Tamme Hanken ( Xxl - Ostfriese aus dem TV) gibt es ein passendes Pferd. Der mußte nur etwas länger suchen. Aber auch das lohnt sich unbedingt!

- Anfangen sollt Du als Späreinsteiger in einem sorgsam ausgewählten Reitinstitut, der entsprechende Kurse mit absolut zuverlässigen Pferden  anbietet. Denn leider gibt es immer noch Reitställe, wo es recht militärisch zugeht nach dem Motto" was nicht umbringt härtet ab", oder die klare Gewichtsbegrenzungen haben, weil sie von den Pferden her mehr auf Kinder eingestellt sind.

Sehr zu empfehlen ist zum Einstieg ein Urlaub auf einem Reiterhof, der entsprechende Kurse für Späteinsteiger anbietet,  wo man sich erst mal in aller Ruhe  an die ganze Sache herantasten kann - und das wörtlich.

Ich wünsche Dir viel Freude - kann das Reiten nur empfehlen!

Kommentar von Urlewas ,

Ach, und, bei der Suche einer passenden Reitschule finden sich hier dann sicher auch passende Vorschläge...

Kommentar von MarcoAH ,

Olympiade wäre nicht mein Ding. Ich wollte es einfach Hobbymäßig betreiben und durch die Landschaft reiten.

Kommentar von Urlewas ,

Dann nur fröhlich los ;-)

Ich würde Dir zum Beispiel nen Kurs in der reiterpension Malie empfehlen. Da sind schon Leute zu Reitern geworden, die vorher keinem Pferd auf 100 m nahe gekommen wären..

Oder/ und mal googlen, es gibt auch Reiterhöfe ( meist Westernstil), wo man nach kurzer Einweisung gleich mit Spazierenreiten anfängt.

Ich finde, schon das "sich spazierentragen lassen" hat was von Freiheit - man kommt einfach weiter und sieht etwas mehr. Selbst das hohe Gras von oben... Und wenn man nach einiger Übung fröhlich über eine abgemähte Wiese galoppieren kann, hat das für mich fast etwas berauschendes...

Probier es aus; vieleicht hören wir von Dir...

Antwort
von Unwissend123321, 70

Ach ja, Höhenangst habe ich auch. Kann nicht auf die kleinste Leiter klettern, noch nichtmal schwindelfrei auf einem Stuhl stehen. Trotzdem bin ich Berufsreiter, es ist total egal, wie groß das Pferd ist. Das ist irgendwie was anderes.

Antwort
von HalloRossi, 83

Ich hatte früher eine Reitschule und da kamen viele mit 40 oder 50. einmal hatte wir auch eine, die mit 62 ihre erste Stunde nahm. Das ist also überhaupt kein Problem

Antwort
von Michel2015, 5

Hm, Reiten ist ne Menge Technik die begeistert. Höhenangst wir überbewertet, das geht weg, spätestens nach dem ersten Sturz.

Die Freiheit erlebst Du erst, wenn Du aufhörst ans Überleben zu denken, das dauert etwas.

Das größte Problem ist, man muss mit 40 lernen, vollkommen altersunabhngig zuzuhören, das ist die Basis. Man muss aber auch weghören können, wenn jeder meint, einen nach seiner Reitervorstellung beeinflussen zu müssen.

Suche Dir einen Ausbilder/Trainer ab 50 aufwärts.

Antwort
von gartenkrot, 82

Du kannst immer damit anfangen, es ist selten zu früh aber niemals zu spät! Such dir einen Lehrer, der sich für deine Ängste zeit nimmt und genieße es!

Antwort
von Boxerfrau, 16

Nein leicht ist es definitiv nicht... aber auch mit 40 sicherlich noch lern bar.. Tipps: such dir einen guten Reitstall, wo die Pferde artgerecht gehalten und geritten werden.. dann lass dir erst mal longenstunden geben und später Einzelunterricht.. es gibt ställe die sich speziell auf Erwachsene konzentrieren. Wäre denk ich sinvoll..

Antwort
von Mayaaa2002, 13

Man kann wenn man Fit ist auch mit 40 in den Reitsport einsteigen.

Am besten lernt man an der Longe meiner Meinung nach.

Lg

Antwort
von dressurreiter, 73

Es lohnt sich auf jeden Fall, am besten nimmst du Einzelreitstunden. Wievielvwiegst du denn wenn man fragen darf?

Kommentar von MarcoAH ,

Normalgewicht läge bei mir etwa 70-80 kg, ich wiege etwa 107 bis 110 kg.

Kommentar von dressurreiter ,

Naja da findet sich sicher ein Pferd auf dem du Unterricht nehmen kannst. Musst einfach mal rum telefonieren, auf jeden Fall wird es dir Spaß machen.

Antwort
von Halunkenbande, 80

Warum sollte man es mit 40 nicht lernen können? Man kann alles lernen wenn man dazu geistig und körperlich in der lage ist.

Kommentar von MarcoAH ,

Geistig fühle ich mich wie 25 und körperlich habe ich (außer leider Übergewicht) keinerlei Beschwerden.

Kommentar von Halunkenbande ,

Solange es kein übergewicht ist womit man ein Pferd belasten kann kannst du natürlich reiten weshalb auch nicht.

Kommentar von Halunkenbande ,

Einige Reitersleute schwören auf die Formel, dass ein Pferd ein fünftel seines Körpergewichtes tragen könnte, dass wäre bei einem 600 kg schweren Warmblut eine 120 kg schwere Person.

Wieviel Gewicht ein Pferd tragen kann hängt von vielen Faktoren ab, Z.B. von seinem Körperbau (Rückenlänge, Röhrbeinumfang), der Bemuskelung (vor allem Rücken und Bauch), Trainingsgrad und dem Können des Reiters ab.

Kommentar von MarcoAH ,

Das heißt, dass ein Pferd mindestens 550 kg schwer (oder schwer) sein sollte.

Kommentar von Urlewas ,

Ab 2 Zentnern könnte es schwierig werden, ein geeignetes Lehrpferd zu finden. Aber gänzlich unmöglich wird es auch nicht sein.

Kommentar von MarcoAH ,

Ganz so viel Übergewicht habe ich zum Glück nicht.

Kommentar von Urlewas ,

Sehe ich da was falsch - 110 kg sind mehr als 2 Zentner... 

Das heißt, es wird nicht ganz einfach sein, ein geeignetes Anfängerpferd zu finden, aber  unmöglich ist es dennoch nicht.

Es gibt ja Rassen , die das gut schaffen. Nur hat nicht jede Reirschule solche Pferde. Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Pferd.

Kommentar von MarcoAH ,

Nein, du siehst es nicht falsch. Ich las zuschnell drüber.

Vielleicht wäre die sinnvollere Alternative, abzunehmen, auch wenn es nicht ganz einfach ist.

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