Frage von juli1899, 166

Ist Mitwisserschaft von einem Mord strafbar?

Ich habe gerade diesen Artikel gelesen:

http://www.bild.de/regional/berlin/mord/nach-dreiundzwanzig-jahren-aufgeklaert-4...

Jetzt frage ich mich ob es strafbar ist wenn jemand beispielsweise von einem Mord Kenntnis hat und diesen nicht anzeigt. Desweiteren frage ich mich auch ob es für Mitwisserschaft eine Verjährungszeit gibt (Mord verjährt ja nicht demzufolge müsste ja auch die Mitwisserschaft nicht verjähren oder Irre ich mich da?)

Vielen dank für eure Antworten

Antwort
von Friedel1848, 57

Das Nichtanzeigen geplanter Straftaten ist nach § 138 StGB eine Straftat. Wie diese Bezeichnung schon sagt, fällt hierunter aber nur der Fall, dass jemand vor der Ausführung einer Straftat (nicht jeder Straftat, sondern nur die in § 138 StGB aufgeführten) von dieser Straftat weiß, die Straftat noch verhindert werden könnte und man diese Straftat dennoch nicht anzeigt.

Weiß ich aber von einer bereits begangenen Straftat, so ist es nicht strafbar, diese nicht anzuzeigen. Es gibt zwar den Straftatbestand der Strafvereitelung (§ 258 StGB). Dieser umfasst aber nach allgemeiner Meinung nicht den Fall, dass jemand es unterlässt, einen anderen anzuzeigen oder Hinweise zu geben. Denn für das Unterlassen muss eine Pflicht zur Handlung bestehen. Die gibt es bei schwereren Straftaten zwar beispielsweise für Polizeibeamte und Beamte der Staatsanwaltschaft (auch außerdienstlich), nicht jedoch für "normale" Bürger.

Wenn man sich also durch das Nichtanzeigen von bereits begangenen Straftaten nicht strafbar machen kann, so ist über eine mögliche Verjährung nicht nachzudenken.

Nehmen wir jetzt noch den Fall, dass sich Person A strafbar gemacht hat nach § 138 StGB, also eine geplante Straftat nicht angezeigt hat. Jetzt wird diese Straftat begangen und 30 Jahre später erst aufgeklärt. Dabei stellt sich auch heraus, dass A diese Straftat damals nicht angezeigt hat. Was passiert jetzt mit A? Kann sie noch bestraft werden?

Antwort: Nein.

Grund: § 138 StGB bestimmt als Strafmaß "bis zu 5 Jahre". Schaut man nun in § 78 StGB (Verjährungsfristen) hinein, so sieht man, dass nach Nr. 4 die Verjährungsfrist "fünf Jahre" beträgt "bei Taten, die im Höchstmaß mit Freiheitsstrafe von mehr als einem Jahr bis zu fünf Jahren bedroht sind". Die Straftat nach § 138 StGB ist also verjährt - unabhängig vom Mord, der nicht angezeigt wurde.

Zu trennen ist das Ganze von einer Teilnahme (oder sogar Täterschaft) an dem Mord. Hier kommt neben der Mittäterschaft die Anstiftung und die Beihilfe in Betracht. Diese verjähren - wie der Mord - nicht. Reines Wissen davon, dass ein anderer die Tat begehen wird oder begangen hat, reicht aber nicht für eine Täterschaft oder eine Teilnahme aus. 

Antwort
von juergen63225, 56

wenn man den $138 duchliest und auch entsprechende Kommentare .. 
dann steht da eindeutig was von der Anzeigepflicht, 

zu einer Zeit, zu der die Ausführung oder der Erfolg noch abgewendet werden kann

Das heisst umgekehrt, wenn man erst später davon erfährt, besteht keine Pflicht zur Anzeige, allerdings heisst das auch, wenn man vorher davon gewusst hat, hat man sich schon strafbar gemacht nach §138, und könnte bei einer späteren Anzeige deshalb noch belangt werden. Das könnte also eine rechtlich komplizierte Sache sein: den Täter nicht anzeigen, weil man sich selber belasten würde ? Oder das in Kauf nehmen, um nicht in Gefahr zu geraten wegen Mittäterschaft angeklagt zu werden ?

http://www.dr-buchert.de/de/rechtslexikon/nichtanzeige-von-straftaten.html

https://dejure.org/gesetze/StGB/138.html

Antwort
von Jewi14, 43

Es gibt den Paragraf "Nichtanzeige geplanter Straftaten". Er umfasst u. a. Mord. Der Paragraf besagt aber auch, "die Ausführung oder der Erfolg noch abgewendet werden kann," Daraus schließe ich, dass ein Mord, der bereits passiert ist, und du erst nachher erfährst, nicht unter den Paragrafen fällt.

Antwort
von Schnoofy, 62

Mitwisserschaft bei schweren Verbrechen ist in Deutschland nur unter den Voraussetzungen des § 138 StGB als Nichtanzeige geplanter Straftaten strafbar und dort mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Quelle:Wikipedia

Antwort
von Charlybrown2802, 79

mitwiesserschaft verjährt auch nicht und es ist auch strafbar wenn du es nicht meldest

Kommentar von AalFred2 ,

Das ist komplett falsch.

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Recht, 24

Das Wissen um bereits geschehene Straftaten ist nicht strafbar. 

Allerdings könnte das Wissen und die Nichtanzeige von geplanten Verbrechen strafbar sein (§ 138 StGB).

Antwort
von Joeng, 42

Ist jetzt nur gesalbadert, aber ich glaube, das ist kein Straftatbestand, solange es nicht die Grenzen zur Beihilfe überschreitet.Da liegt wohl jeder Fall anders, auch punkto Beziehung, die man zum Täter hat. Von einem Mord zu wissen und den Täter privat zu kennen, ist ja etwas ganz anderes, als wenn man unvermittelt Zeuge eines M. wird. Wenn er den M. dir z.B. angekündigt hat und auch ausführt und du schweigst einfach still zu allem - wie gesagt, das müsste ein Richter prüfen, was das alles heißt. Mitwisserschaft ist noch keine Mittäterschaft, aber die Grenzen sind da vielleicht nicht so hart. Auch gibt es so Unterbegriffe wie Vortäuschung einer Straftat, Beihilfe zur Erschwerung von Ermittlungen, z.B. bewusste Falschaussage, etc., etc.....Mord ist nun mal kein Delikt wie ein anderes. Wenn dich da etwas belastet, solltest du dir Hilfe holen und an dich denken - es ist nicht deine Tat also sollte dein Gewissen damit nicht belastet werden.

Kommentar von juli1899 ,

Es ging mir nur um den Artikel in der Bild nicht das ich irgendwas mitbekommen hab :D

Kommentar von Joeng ,

Darum geht es gar nicht - hier weiß niemand was stimmt und was nicht - aber manche Ratschläge können Menschen wirklich weiterhelfen.

Antwort
von HeroHacker, 56

Mitwisserschaft bei schweren Verbrechen ist in Deutschland nur unter den Voraussetzungen des § 138 StGB als Nichtanzeige geplanter Straftaten strafbar und dort mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Kommentar von juli1899 ,

Fällt ja aber meiner Meinung nach unter Strafvereitelung weil ich den Täter ja in dem Moment decke und vor einer Strafe bewahre

Kommentar von jerkfun ,

Strafvereitelung kommt nur für Personen in Frage,dessen Aufgabe es ist,Straftaten aufzuklären und zu verfolgen.Wenn Du von einem Mord weisst,den Täter kennst,kann das strafbar sein,wenn man Dir das nachweisen könnte.Die eigenen Kinder oder Deine Eltern musst Du nicht belasten.

Kommentar von juli1899 ,

Das wäre dann "Strafvereitelung im Amt" (wird nochmal härter bestraft) aber die normale Strafvereitelung gibt das doch auch her das so etwas verfolgt wird. Ab wann ist sowas den strafbar?

Bei Blutsverwandtschaft und Ehepartner ist es glaub nicht strafbar soweit ich weiß das fällt dann unters Zeugnisverweigerungsrecht

Kommentar von Artus01 ,

Strafvereitelung erfordert aktives handeln, beispielsweise das Verstecken des Täters. Das bloße "untätig" sein ist keine Strafvereitelung.

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