Frage von makavel, 59

Ist meine Angst zu versagen unbegründet?

Hi,

mittlerweile versuche ich seit Monaten einen begehrten dualen Studienplatz zu ergattern (Theorie und Praxis im Wechsel). Nach vielen Absagen (bin relativ häufig bis zum Vorstellungsgespräch gekommen, dort jedoch gescheitert), habe ich eine Zusage von meinem ,,Traumunternehmen" erhalten (es ist eines der größten Deutschlands, ich habe mich sehr bemüht meine Chancen zu erhöhen dort angenommen zu werden z.B. durch ein Praktikum). Ich war mir wirklich sicher, dass es das ist, was ich will. Nachdem ich erfolgreich durch das Assessment Center, welches aus einem Eignungstests, Präsentationen und Vorstellungsgesprächen bestand, gekommen bin, habe ich kurze Zeit später ein Schreiben erhalten, in welchem man mir einen Studienplatz angeboten hat. Obwohl ich nicht, wie die anderen Bewerber einen 1,x Schnitt habe, erhielt ich diese Zusage, was mich schon ziemlich verwundert hat.

Eigentlich hätte ich überglücklich sein müssen, weil nicht viele so eine Gelegenheit bekommen (viele Freunde haben sich erfolglos beworben...). Meine Eltern waren ziemlich stolz auf mich und glücklich. Wie sich an anderen Fragen von mir auf dieser Website erkennen lässt, bin ich kein wirklich glücklicher Mensch und versuche eigentlich nur das beste aus der Situation zu machen (mir ist es wichtig andere glücklich zu machen, weil ich selbst wahrscheinlich für so etwas nicht gemacht bin...)

Aber in diesem Fall weiß ich einfach nicht, ob ich das Studium wirklich antreten soll. Zum einen habe Angst, dass es zu zeitintensiv ist und ich damit nicht zurechtkomme. Oft bin ich nicht fleißig genug mich mehrere Stunden hinzusetzen und zu lernen. Meine Befürchtung ist, dass ich mit der Situation überfordert sein könnte... Des weiteren habe ich wie gesagt keinen 1,x Schnitt, wie andere Studierende. Ich will nicht der Schlechteste sein, ich hasse es in irgendeiner Form zu ,,verlieren" oder Dinge schlechter zu beherrschen als andere. Ein gewöhnliches Studium bieten den Vorteil, dass ich mehr Zeit habe, mich mit den Dingen zu beschäftigen. Ich möchte auch erfahren, wie ein gewöhnliches Studentenleben aussieht.

Dann wäre mein nächstes Problem die Fachrichtung. Ich werde etwas Technisches studieren (Mathematik und Physik stehen also im Fokus). Natürlich hat sich mit der Zeit ein sehr großes Interesse für diese Fächer entwickelt (sonst hätte ich mich auch nicht darauf beworben), nur weiß ich nicht ob es auch wirklich studieren will. Denn daneben habe ich ein großes Interesse für Geschichte, Politik und Philosophie. Hierbei habe ich jedoch die Befürchtung, dass ich auf dem Arbeitsmarkt nur ziemlich geringe Chancen habe werde, weswegen ein solches Studium nicht infrage kommt, auch wenn es wirklich Gebiete wären, in die ich mich vertiefen möchte.

Es tut mir Leid, falls ich an manchen Stellen ausgeschweift bin. Letztlich wollte ich all meine Gedanken aufschreiben.

Meine Befürchtung ist, dass ich dem Studium nicht gewachsen bin. Wie seht ihr das?

Ps. mein derzeitiger Schnitt liegt etwas bei 2,0

Antwort
von Sonja66, 16

Für dich hast du da wohl was ganz Großes geschafft.
Jetzt kommen Zweifel und Ängste in dir hoch.
Ist gar nicht mal so unüblich und es gibt viele Menschen, die sich kurz vorm Erreichen eines Zieles alles ordentlich vermasseln, einfach nur, weil sie Angst davor haben, das Ziel zu erreichen, sich einen Traum zu erfüllen.

Meine Befürchtung ist, dass ich dem Studium nicht gewachsen bin.

Wenn du genommen wurdest, so ist dies schon ein Zeichen dafür, dass es sein soll.
Für den Anfang mal bist du dem Studium sicherlich gewachsen - für das ganze vermutlich noch nicht, dazu musst du nun täglich etwas dazulernen und Schritt für Schritt wirst du dann bis zum Ende dem ganzen Studium gewachsen sein.
Sehe also nicht alles auf einmal, sondern realistisch, nämlich in kleinen kleinen Teilen und Schritten, denn keiner absolviert ein Studium auf einmal, sondern in kleinen Schritten.

Grundsätzlich würde ich aber auch sagen, dass es sicherlich Zeiten geben wird, in denen du glaubst, allem nicht gewachsen zu sein, weil du in diesen nicht vollen Einsatz bringen kannst bzw. Fehler machst, Schwäche zeigst. Für mich ist das völlig normal und ich empfehle jedem, dies als gegeben zu akzeptieren, weil es mit zum Leben gehört, weil es menschlich ist, weil es sein darf und für alles noch immer Lösungen gefunden wurden.
Erlaube es dir! Plane es mit ein!
Erlaubt man sich keine Fehler und Schwächen, steht man meist enorm unter Druck und eigentlich ist bekannt, dass man unter Druck sehr schlechte Leistungen nur bringt - also frage ich mich, was das soll und sage, lass es bleiben.  ;-)

Oft bin ich nicht fleißig genug mich mehrere Stunden hinzusetzen und zu lernen.

Das ist auch gut so!

Unser Gehirn braucht immer wieder die Zerstreuung, ein Loslassen.
Das Sichabkoppeln aus der realen Umgebung beflügelt kreative Gedankengänge und führt uns zu neuen Horizonten!
Damit wir die großen Probleme der Welt erfolgreich angehen können ;-), empfehle ich Ferien (völlig ohne Arbeit), sich Zeit nehmen für ein gelegentliches Nickerchen, einen Spaziergang, Nichtstun; für innere Einkehr, Versenkung - für Tagträumerei!

Zerstreuen wir uns also und lassen den Geist ziehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass er auf etwas Kostbares stößt.  ;-)

Der intuitive Geist ist ein heiliges Geschenk, und der rationale Geist ist ein treuer Diener.
Albert Einstein

Dann wäre mein nächstes Problem die Fachrichtung.......

Das liest sich für mich auch nach der Angst davor, etwas zu versäumen.

Wenn wir uns für etwas entscheiden, müssen wir zu etwas anderem nein sagen. Das Abgelehnte können wir erst mal nicht machen, weil wir immer nur Weniges wirklich gut machen können, aber nie alles auf einmal.
Aber in dem Wenigen, das bei dir sicherlich umfangreich genug sein wird, kannst du mit ausreichend Aufmerksamkeit, auch jene Teile von Abgelehnten finden.

Das Schlimmste aber wäre wohl, das Leben selbst zu verpassen und genau das passiert aber den meisten. Gerne jenen, die sich nicht wirklich tief auf etwas einlassen können / wollen.
Auf dem Totenbett ist das nichtgelebte Leben die Hauptklage, gefolgt vom Mangel an Disziplin.  ;-)

Unbegründet ist deine Angst nicht, denn du hast ja deine Gründe dafür. ;-)
Jetzt kannst du aber mit neuen Anregungen von hier erneut prüfen, ob deine Gedanken dazu passend bis realistisch sind, oder ob du hie und da umdenken willst.  ;-)

Meine Befürchtung ist, dass ich dem Studium nicht gewachsen bin. Wie seht ihr das?

Was heißt es, dem Studium gewachsen zu sein?
Stets perfekt zu sein?
Es in jedem Fall zu meistern? - und zwar gut!

Scheitern und Versagen tun wir alle oft.
Davon ging die Welt noch nie unter und immer wieder fanden sich für alles Lösungen.
Manches Scheitern und Versagen stellte sich rückblickend sogar recht gut für Betroffene heraus, weil es sie auf einen Weg brachte, der ihnen viel zu bieten hatte.

Solange du aufrichtig bemüht bist, aus deinen Fehlern zu lernen, bist du erfolgreich, ob nun in diesem Studium oder anderenorts.
Aber wage das Studium in jedem Fall!

Kommentar von makavel ,

Hallo,

vielen lieben Dank für die Antwort! Das ist wirklich sehr hilfreich gewesen :-)

Ich glaube jetzt auch, dass es einfach Muffensausen ist, weil es wirklich ein großer Schritt ist die Schule zu verlassen und eine solche Entscheidung für meine Zukunft zu treffen. Letztlich muss ich aber den Schritt wagen, das sehe ich jetzt auch ein.

Antwort
von Marian1999, 22

Ich würde es an deiner stelle einfach mal versuchen, auf blöd gesagt mehr wie schief gehen kann es ja nicht, oder? Du intetessierst dich dafür, hast dich angestrengt und letztendlich den Studienplatz angeboten bekommen, also Versuch doch dein Glück.  Und das du trotz dem, obwohl du keinen 1 er schnitt hast, den Platz angeboten bekommen hast wundert mich fast weniger. Es kommt nicht soo sehr auf die Noten an, sondern auch vielmehr auf den charakter, wie die Einstellung ist, wie man mit anderen zurecht kommt. Klar sind Noten auch wichtig aber sie sind nicht alles.Also, nutz doch deine Chance und find raus ob du dem Studium gewachsen bist. Viel Glück und LG Marian :-)

Kommentar von makavel ,

Naja man möchte nur ungern ein Jahr umsonst verschwenden, wenn man es auch vermeiden kann, so etwas macht sich im Lebenslauf nicht wirklich gut.

Danke für deine Antwort :-)

Kommentar von JoachimF ,

So ein Jahr wäre nicht verschwendet, Du hättest dabei sehr viel gelernt, was Dir irgendwann irgendwo mal helfen wird.

Aber ich glaube Du schaffst das! Du auch?

Antwort
von Jule59, 18

Was du grade erlebst, ist ziemlich normal: Du hast die ganze Zeit auf eine bestimmte Sache hingearbeitet, und nun, wo du sie erreicht hast, kriegst du Muffensausen.

Plötzlich wird alles schrecklich konkret: Studium, Arbeit, die Umsetzung der Pläne in die Realität. Die Sicherheit des Versorgtwerdens, in der man bisher gelebt hat, scheint endgültig vorbei und soll nun einer Zukunft weichen, die man selber auf die Reihe kriegen muss.

Das ist durchaus dazu angetan, Angst zu kriegen.

Natürlich kannst du einen Rückzieher machen und ein Ausweichmanöver steuern. Damit gewinnst du Zeit - aber früher oder später wird die nächste Entscheidung anstehen. Und ob die sich - wenn sie konkret wird - besser anfühlen wird, sei erst mal dahingestellt.

Wenn du grundsätzlich Lust auf Mathe und Physik hast, spricht in meinen Augen nichts dagegen, den Schritt auch zu gehen. Du bist unter Bewerbern ausgesucht worden, deren Noten besser waren als deine. Folglich hast du wohl etwas, was die Leute vermuten lässt, dass du der Richtige für den Job bist.

Ob du es packst oder nicht, wirst du nur wissen, wenn du es probierst. Wenn du vorher schon vor deinen Ängsten kapitulierst, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese dich auch in Zukunft immer wieder einholen und ausbremsen.

Und was Philosophie und Politik betrifft. Es stimmt: Die Berufsaussichten sind nicht die besten. Es hindert dich aber doch nichts daran, dich diesen Gebieten trotzdem anzunähern, ohne sie gleich studieren zu müssen. Du lebst in einem Land, das freien Zugang zum Wissen ermöglicht.

Eines ist sicher: Du wirst flügge werden müssen - auf die eine oder andere Weise. Warum also nicht in einem Bereich, der dich interessiert und für den du bereits einiges an Mühen auf dich genommen hast?

Natürlich könntest du scheitern. Dieses Risiko ist bei allem inbegriffen, was man beginnt. Dann hat man immerhin die Erkenntnis gewonnen, dass dieser Weg auf diese Weise nicht der richtige war. Und dann sucht man nach einem anderen - so what?

Schwimmen lernt man nur im Wasser ;).

Antwort
von Lislillyfee, 16

Du wärst bestimmt nicht dort angenommen worden wenn du nicht das Zeug dazu hättest.

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