Frage von DeinHerrscher, 68

Ist man asozial und verachtenswert, wenn man...?

in einem Geschäft zur Weinprobe erscheint, sich allerlei edle Tropfen einschenken und erklären lässt – um das Verkostete dann später im Internet ein wenig günstiger einzukaufen?

Antwort
von Existentiell, 42

Es ist auf jeden Fall nicht nett. Immerhin nehmen sich die Verkäufer Zeit für eine Beratung und stellen dir ihren selbst eingekauften Wein vor - für den sie ja schließlich auch Geld bezahlt haben.

Ich verstehe mittlerweile jedes Geschäft, welches Gebühren erhebt, wenn man sich beraten lässt und nichts einkauft.

Antwort
von Woropa, 22

Asozial würde ich das nicht nennen, eher clever und gerissen. Sowas kommt öfter vor. Manche Leute lassen sich z.B. auch im Elektromarkt wegen einem Fernseher oder Computer ausführlich beraten und bestellen den dann aber im Internet, weil sie ihn da günstiger bekommen als im Laden

Antwort
von Kendall, 23

Es ist auf lange Sicht vor allem nicht so egoistisch, wie man das selbst eventuell annimmt. Es wird ja einen triftigen Grund dafür gegeben haben, dass Du nicht Onlinerezensionen als Grundlage für Deine Kaufentscheidung genommen, sondern den direkten Weg in ein Fachgeschäft gewählt hast. In dem höheren Preis ist die Beratung, die Du genossen hast, inkludiert. Wenn viele Leute so handeln wie Du, gräbt das dieser klassischen Form des Fachhandels den Markt ab. Man lernt also, dass es finanziell keine zusätzlichen Erträge generiert, sich mit Kunden wie Dir abzugeben und ihnen eine ausführliche Beratung angedeihen zu lassen. In der Folge wird dieses Geschäft sukzessive aussterben. Die Unternehmen lernen, dass es lukrativer ist, mehr wie eine Lagerhalle als wie ein Fachgeschäft zu funktionieren und sich auf den Onlinemarkt zu konzentrieren. Ergo wirst Du selbst bald nur noch als Informationsmöglichkeit Fach- und Laienrezensionen online haben, Verkostungsmöglichkeiten wird es, wenn überhaupt, dann nur noch im privaten Rahmen geben.

Je nachdem, wie Du das siehst, schneidest Du Dir mit Deiner Entscheidung also auf lange Sicht ins eigene Fleisch.

Antwort
von larsinho87, 16

naja also ob es asozial oder verachtenswert ist musst du für dich selbst beantworten. denke aber darüber nach, dass du im fachhandel auch dir beratung und dienstleistung quasi mitbezahlst. wenn diese gut waren und es dir gefallen hat, solltest du die händler dort auch unterstützen bzw doch auch unterstützen wollen in dem du bei ihnen wein kaufst und nicht im netz um paar euro zu sparen.

Antwort
von Schuhu, 43

Zumindest sorgt man mit dafür, dass in einiger Zeit die dienstleitung "Verkauf" nicht mehr angeboten wird. Dann kann man sich demnächst die Informationen auch aus dem Netz zusammenklauben - und die Dienstleistungswüste Deutschland wird immer trockener.

Expertenantwort
von RayAnderson, Community-Experte für Genuss, 7

Hallo,

ich würde es nicht pauschal beantworten, sondern differenzieren.

Leider gibt es nur sehr selten eine qualifizierte fachmännische Beratung. Meistens wird nur vorgegeben gut zu beraten. Wer über gewisses Hintergrundwissen verfügt, erkennt es schnell. Das bezieht sich auf viele Branchen.

Gratisweinproben sind grundsätzlich gratis. Es besteht keine Kaufverpflichtung.

Weinproben mit hochkarätigen Tropfen kenne ich fast ausschließlich von großen Auktionen, wie bei Christie's oder Sotheby's. Bei normalen Weinhändlern werden in der Regel keine teuren Tropfen gratis angeboten.

Verkäufer, die gratis Weinproben anbieten, können zwar nicht erwarten, dass alle Interessenten kaufen, aber sie sind darauf angewiesen, dass wenigstens ein echtes Interesse besteht.

Bei einer diletantischen Weinprobe hätte ich kein schlechtes Gewissen, zu gehen, ohne zu kaufen.

Wenn es ausnahmsweise anders laufen sollte, wäre es moralisch verwerflich, wegen ein paar Euro anderswo zu kaufen.

Gruß, RayAnderson

Antwort
von catchan, 32

Es ist moralisch verwerflich.

Entweder man ist ein Schmarotzer, der auf den Kosten derer lebt, die dafür bereit sind zu zahlen oder man sorgt dafür, dass das Geschäft keine Weinproben mehr macht.

Antwort
von MagicalMonday, 30

Würde ich sagen, ja. Zumindest irgendetwas solltest du dann aus Anstand schon kaufen. Muss ja nicht das teuerste sein.

Antwort
von earnest, 14

Ich kenne keinen wirklich guten Weinladen, in dem edle Tropfen regelmäßig gratis ausgeschenkt werden. In "meinem" Weinladen bezahle ich für die "hochwertigen" Weinproben, und das tue ich auch gern, denn: Qualität hat ihren Preis. Und ich bin bereit, für Qualität auch zu zahlen.

Aber Anbietern der "mittleren Kategorie" - ich denke hier zum Beispiel an Jacques - würdest du mit solchem Verhalten das Wasser abgraben. 

Ich glaube allerdings nicht, dass du die dortigen Angebote im Netz wesentlich billiger bekommen wirst.

Schofelig ist ein solches Verhalten aber allemal.

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