Ist lul.to für Nutzer gefährlich?

... komplette Frage anzeigen

2 Antworten

Ja ist es durchaus.

lul.to ist ein illegales Portal, bei dem man Ebooks und Hörbücher herunter laden kann. Dass es sich mindestens in einer rechtlichen Grauzone bewegt, merkt man schon daran, dass die Seite wohl in Tonga gehostet wird. (Domain-Endung .to )

In dem Land gibt es quasi kein Domain oder Server-Recht deswegen ziehen da alle illegalen Portale hin. In welchem Land ein Portal allerdings gehostet wird, ist urheberrechtlich irrelevant.

Sobald das Portal deutschsprachige Inhalte anbietet, und damit ein Deutsches Publikum anspricht, ist deutsches Urheberrecht anzuwenden.

Ob user von lul.to sich strafbar machen, darüber steht in der FAQ des Portals folgendes:

Das Herunterladen allerdings erfolgt in einer rechtlichen Grauzone. Nach
laufender Rechtsprechung kann unter bestimmten Umständen ein Download
eine Ordnungswidrigkeit darstellen

In meinen Augen ist das jedoch der blanke Hohn. Erstens wäre ein solcher Donwload keine Ordnungswidrigkeit sondern ein Urheberrechtsverstoß (also ein zivilrechtliches Vergehen). Dagegen würde also nicht die Staatsanwaltschaft oder das Ordnungsamt sondern die jeweiligen Rechteinhaber vorgehen. Und die Inhalte von dort herunterzuladen ist eindeutig rechtswidrig. Aus folgendem Grund:

§51 UrhG erlaubt zwar den Download von urheberrechtlich geschütztem Material als "Privatkopie" zum persönlichen Gebraucht. Jedoch gilt dies nicht, wenn die Quelle des Downloads "offensichtlich rechtswidrig" ist.

"Offensichtlich rechtswidrig" wird von Gerichten zwar weit ausgelegt. Wenn ich jedoch aktuelle Bestseller auf einem Portal für wenige Cents herunter laden kann, dann muss selbst dem dümmsten user klar sein, dass da etwas faul ist. Zudem bezeichnet sich das Portal selbst in der FAQ als "Piraten-Portal".

Ob die User praktisch etwas zu befürchten haben steht auf einem anderen Blatt. User-Daten und Domain-Zugriffe werden bei den Providern nur eine gewisse Zeit lang gespeichert und sind danach kaum mehr nachvollziehbar.

Um auf solche Daten zuzugreifen brauchen Rechteinhaber zudem eine richterliche Genehmigung und wie man den dafür notwendigen Anfangsverdacht ohne Datengrundlage überhaupt nachweisen können soll, erschließt sich mir nicht.

So ein Piratenportal ist nicht wie eine Tauschbörse, wo jeder herunter-geladene Inhalt, vom Computer des Users aus wieder zum Download angeboten wird. Die Downloads praktisch nachzuweisen ist schwer.

Die einzige Gefahr: Wenn das Portal irgendwann hoch genommen wird und die User- und Profil-Daten bei der Polizei landen, könnte es für die User brenzlig werden.

Ich finde die Informationspolitik dieses Portals jedenfalls ziemlich... sagen wir mal bedenklich. Der Vorsatz Kulturgüter der Allgemeinheit zugänglich zu machen in allen Ehren. Aber man muss seine User wenigstens korrekt über die Rechtslage informieren.

Noch ein Tipp: Die bieten auch Literatur aus dem 19 Jh. an. Wenn dich so etwas interessiert schau lieber mal bei archive.org nach. Da gibt es solche Bücher umsonst (und völlig kostenlos). 70 Jahre nach dem Tod eines Autors erlöschen nämlich alle Urheberrechte an seinem Werk.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Saturnknight
29.01.2016, 20:40

Sobald das Portal deutschsprachige Inhalte anbietet, und damit ein
Deutsches Publikum anspricht, ist deutsches Urheberrecht anzuwenden.

Das würde ich so generell nicht sagen. Meines Wissens nach ist ausschlaggebend, wo der Downloader ist.

Also mal angenommen, ein Deutscher ist ausgewandert, nach XYZ und hat vielleicht sogar die Staatsbürgerschaft gewechselt. In diesem Land gelten andere (oder gar keine Urheberrechte). Wenn er jetzt was herunterlädt, dann müssen doch die Gesetzte von XYZ gelten, und nicht die deutschen.

Zumindest kenne ich die Aussage Gutenberg.org, man müsse selbst überprüfen, ob man das, was man downloaden will im jeweiligen Land auch legal sei.

Our ebooks may be freely used in the United States
because most are not protected by U.S. copyright law, usually because
their copyrights have expired. They may not be free of copyright in
other countries. Readers outside of the United States must check the
copyright laws of their countries before downloading or redistributing
our ebooks.
We also have a number of copyrighted titles, for which the copyright
holder has given permission for unlimited non-commercial worldwide use.

Nur mal als Beispiel

Noch ein Tipp: Die bieten auch Literatur aus dem 19 Jh. an. Wenn dich so
etwas interessiert schau lieber mal bei archive.org nach. Da gibt es
solche Bücher umsonst (und völlig kostenlos). 70 Jahre nach dem Tod
eines Autors erlöschen nämlich alle Urheberrechte an seinem Werk.

Es gibt noch andere Seiten für kostenlose Bücher wie eben gutenberg.org oder http://wiki.mobileread.com/wiki/Free_eBooks/de/ebooks-de

0

Ich bin Autorin. Meine beiden Bücher werden bei lul.to und nicht nur dort, für ein paar Cent verhökert (davon bekomme ich NIX, die einzigen die daran verdienen, sind diese „Piraten“). Als „Self-Publisher“ steht kein Verlag hinter mir, alle Kosten trage ich alleine. Auch für die Werbung meiner Bücher bin ich selbst zuständig. Buchhändler verkaufen übrigens so gut wie nie Bücher von „Self-Publishern“, also kann man unsere Bücher nur bei Amazon, Thalia, Weltbild usw. kaufen. Meine Bücher, "Anders Hannover Krimi" bekommt man als Ebook schon für € 4,49 und "Bereue Hannover Krimi" für € 3,99, also durchaus bezahlbar. Davon bekomme ich nur einen Anteil. Ich muss mehrere hundert Bücher verkaufen, damit meine Kosten erst mal gedeckt sind. Reich wird man dadurch selten. Wenn man Glück hat,verdient man sich ein Taschengeld dazu. Ich schreibe leidenschaftlich gern, war stolz darauf, als mein erstes Buch veröffentlicht wurde und fühle mich jetzt regelrecht benutzt und betrogen. Die Leser sollten sich darüber im Klaren sein,dass sie gemeinsam mit den "Online Piraten" Urheberrechte  verletzen, nur um ein paar Euros zu sparen.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung
Kommentar von Likliksnek
22.06.2016, 10:14

Die Leute von lul.to rühmen sich damit, dass sie Enthusiasten seien, "mit der Begeisterung für alles was man Lesen und Lauschen kann".

Mit ihrem Konzept und der Mithilfe ihrer "Kunden" machen sie es Kulturschaffenden immer schwerer, Werke zum Lesen und lauschen überhaupt zu schaffen! Das Leben als Urheber ist unsicher genug. Wenn die "Ich will alles, sofort und kostenlos" Mentalität nicht aufhört, kann sich unsere gesellschaft bald keine Kultur mehr erlauben.

Wir Urheber kommen doch auch nicht einfach bei euch vorbei und nehmen euer Auto für eine Spritztour!

0