Frage von rosepetals, 245

Ist Kunst heutzutage nicht mehr so viel wert?

Ich werde immer enttäuschter. Es kommt vor, als sei das Niveau der Kunst gesunken, der Malerei, Dichtung und Literatur. Vor allem, wenn ich mich durch Goethe oder Hesse schmökere und mich danach bei den Bestsellern in einem Bücherladen umsehe, scheint es, als sei die Literatur von heute zum Vergleich wertlos, langweilig und aus simplen Subjekt-Prädikat-Objekt Sätzen. Bücher werden nicht mehr so schön illustriert, Kunstwerke sind vereinfacht und moderne Kunst besteht quasi darin, mit geschlossenen Augen einen roten Punkt zu malen. Moderne Gedichte sind oft zum Verzweifeln simpel. Im Deutschunterricht nehmen wir zB statt "Der Rabe" (Edgar Allan Poe) "Leider Geil" (Deichkind) zum Interpretieren durch. Was ist passiert? Fehlt uns die Zeit uns für Kunst mehr Mühe zu geben? Haben wir es dem Menschen zu einfach gemacht, Künstler zu werden?

Antwort
von Eselspur, 245

Ich glaube nicht, dass die Qualität von Kunst in den letzten Jahrzehnten massiv gesunken ist. Natürlich gibt es heute Schrott. Und zur Zeit Goethes und Hesses hat es Schrott gegeben, nur lesen wir den normalerweise heute nicht. Konkret weiß ich von Hesse, dass seine Schriften lange Zeit von vielen seiner Zeitgenossen überhaupt nicht geschätzt worden sind (und auch heute gilt die Anerkennung nicht allem, was er geschrieben hat und manche Literaturkritiker meinen, dass er massiv überschätzt wird.)

Wenn du dich mit zeitgenössischer Kunst auseinandersetzt, gehst du ein Wagnis ein. Das Wagnis, viel Zeit einfach mit Unnützen zu verschwenden. Und du setzt dich dem Wagnis aus, dich selber verwandeln zu lassen und wunderbare Perlen zu entdecken, die genau in unserer Zeit verfasst worden sind!

Nebenbei: Ich finde es toll, dass du dich mit Kunst auseinandersetzt und dir selber ein Urteil bildest!

Kommentar von rosepetals ,

So hab ich das noch nie gesehen. Danke für die Antwort! Ich denke, sie erklärt das ziemlich nachvollziehbar, jedenfalls macht sie mich hoffnungsvoller.

Antwort
von sarahj, 133

mhm - einige Gedanken dazu:

- Bestsellerlisten geben nicht unbedingt (will sagen "eher gar nicht") die besten Hinweise auf Niveau. Ausnahmen gibt es natürlich, i.A. ist aber der mainstream-Geschmack eher schlecht. Die große Auflage der Bild-Zeitung sagt ja auch nichts über deren Inhalt aus...

- Kunst wird oft aus wirtschaftlichen Interessen künstlich "gehyped". Je größer der Hype, desto mehr kann man daran verdienen. Das ist natürlich heute leichter als vor ein paar hundert Jahren (obwohl manche Schriftsteller schon damals "Stars" in der Szene waren).

- viele Künstler werden erst spät (oft nach deren Ableben) richtig berühmt und geschätzt. Manches wurde schlichtweg zu ihren Lebzeiten nicht verstanden. Das liegt sicher auch daran, daß Künstler natürlich immer wieder etwas Neues bringen müssen, um nicht als Plagiatoren zu gelten, und das Neue oft auch unbekannt und vielleicht als "nicht genug Kunst" eingestuft wird. Ich denke da z.B. an Surrealismus, Pop-Art usw.

- Viele Künstler sind gut, aber schlichtweg (noch) unbekannt. Ich habe selbst einen Bekannten (Maler und Bildhauer) der über 20 Jahre lang von seiner Frau versorgt wurde, bevor er "entdeckt" wurde. Inzwischen ist er recht erfolgreich und kann von seiner Kunst ganz gut Leben. Man muss sich also auch mal bei den unbekannten Künstlern umschauen - da sind durchaus einige Perlen dabei, bei denen es sich lohnt auch wenn der mainstream sie noch nicht entdeckt hat. (vielleicht sogar zu kaufen, einerseits um ihnen was Gutes zu tun, andererseits um vielleicht später einen Schatz im Haus zu haben - was also eine win-win Situation wäre ;-),

- immer Neues zu bringen wird natürlich immer schwerer - schließlich gibt es ja immer mehr was schon "erfunden" wurde. Auch ändern sich die technischen Möglichkeiten. z.B. gilt es seit der Erfindung der Photografie als weniger schick, photorealistische Bilder zu malen, wohingegen es vorher als höchste Kunst (auch im Sinne von Können) galt, die Realität möglichst perfekt abzubilden. Damit kamen dann Impressionismus, Surrealismus usw. bis hin zu abstrakter Kunst oder blauen, roten und anderen einfarbigen Bildern.  Es war immer das Neue, zunächst vielleicht sogar Provozierende, was als Fortschritt galt.

- bei Literatur: Du findest sicher auch heute noch tolle Literatur, die in 50-100Jahren als Meilensteine und Repräsentant hoher Erzählkunst gelten. Ich denke da z.B. an Umberto Eco, Salman Rushdy - aber es gibt da hunderte...

- ... die Masse macht es immer schwerer, die Guten herauszufinden - und wie oben gesagt: die Bestsellerlisten helfen da wenig. Es werden heute ungleich mehr Bücher verlegt als früher. Und die Marketingaktionen beschränken sich eben nicht nur auf die besten Bücher.



Kommentar von sarahj ,

Nochwas zur Schule: da gibt natürlich einerseits Pflichtlektüre, andererseits hat der Lehrer auch selbst einen gewissen Freiraum. Vielleicht könnt ihr das Thema ja mal im Unterricht diskutieren und gemeinsam was anderes lesen. Bei Lehrern menschelt es eben auch: da gibt es solche und solche. Meist sind die besseren durchaus bereit, mal etwas auszubrechen (die schlechteren sind Angsthasen, die sich nicht trauen, ausgetretene Wege zu verlassen..)

Kommentar von rosepetals ,

Vielen lieben Dank für die Antwort. :) Der Lehrer ist sehr jung und ein wenig unsicher, ich denke ihm ist es wichtig bei den Jugendlichen gut anzukommen. Ihm schien die Sache auch nicht so sehr zu freuen, es war eher für den guten Eindruck. Für das Schuljahr ist noch Schiller und Süskind geplant, worauf man gespannt sein kann

Kommentar von sarahj ,

Aus dem revoluzionären Schiller kann man sicher einiges herausholen... alles Gute.

Antwort
von Clarissant, 225

Ich denke nicht, dass das "Niveau" der Kunst gesunken ist. Es wurde doch schon immer sehr viel Müll produziert, nur sehen wir heute nichts davon, weil dieser Müll ziemlich bald wieder verschwunden ist. Ich denke, dass mit unserer Zeit dasselbe passieren wird: in einigen hundert Jahren wird man sich an die wirklich guten Dinge erinnern und der Rest wird dann vollkommen irrelevant sein, auch wenn wir uns jetzt noch über ihn ärgern. 

Wir nehmen viele Werke von früher auch anders wahr, weil wir nicht an sie "gewöhnt" sind. Gerade viele Schriftsteller scheinen uns nicht nur deshalb so genial, weil sie gut schreiben konnten und gute Ideen hatten, sondern auch, weil wir mit der damaligen Sprache nicht mehr so vertraut sind und wir sie daher als etwas "Hochstehendes" einschätzen. Ich bin sicher, dass einige berühmte Bücher von heute in einigen Jahrhunderten noch "hochstehender" scheinen werden, weil die Menschen sie nicht mehr auf Anhieb verstehen können. 

aus simplen Subjekt-Prädikat-Objekt Sätzen

Lies mal Ernest Hemingway. Seine Werke sind schon fast ein Jahrhundert alt und bestehen auch aus vielen einfachen Sätzen. Ich bin zwar kein riesiger Fan von Hemingway, aber trotz allem gilt er als einer der großen Schriftsteller der englischen Literatur. Kunst muss nicht unbedingt kompliziert und "schnörkelig" sein, manchmal reichen auch simple Worte und Sätze. :) 

Bücher werden nicht mehr so schön illustriert

Es gibt nach wie vor sehr viele schön illustrierte Bücher. Ich arbeite nebenbei mit Kindern und wenn die mir ihre Bücher zeigen oder ich ihnen daraus vorlese, finde ich immer wieder Geschichten, die sehr schön illustriert worden sind. Ich denke, dass sie uns ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr so auffallen, weil wir nicht mehr so viel mit ihnen zu tun haben. 

Kunstwerke sind vereinfacht 

Wie gesagt, "einfach" muss ja nicht schlechter sein. Manchmal ist weniger mehr. Ich verstehe die moderne Kunst auch nicht wirklich, bin mir aber sicher, dass die Künstler von heute ebenso viele Gedanken in ihre Werke investieren wie Künstler der Vergangenheit. 

Im Übrigen gab es auch schon immer sehr komische Zeichnungen. Du kannst ja mal nach seltsamen mittelalterlichen Zeichnungen googlen, da kommen sehr fragwürdige Resultate, z.B.: 

https://i.kinja-img.com/gawker-media/image/upload/s--GicdfTT1--/c_fill,fl_progre... 

(Und das ist ein harmloses Beispiel! :D) 

Im Schulunterricht von heute werden auch noch sehr viele ältere Gedichte behandelt. Dass da auch einige moderne darunter sind, ist beinahe unumgänglich, denn man will ja auch mit der Zeit gehen. Wenn es dir nicht gefällt, ist das ja nicht schlimm, denn jeder hat eine andere Meinung. Aber vielleicht hilft es dir, wenn du etwas offener gegenüber neuem bist. Kunst verändert sich immer wieder; es ist doch klar, dass nicht alle wie Goethe oder Hesse schreiben. Das Schöne an Kunst ist doch, dass sie immer anders ist und einen immer wieder aufs Neue überraschen und berühren kann – ob positiv oder negativ! :) 

Kommentar von rosepetals ,

Du hast Recht. Ich war ehrlich gesagt irritiert, als ich zum ersten Mal etwas von Hemingway gelesen habe oder auch 'Die Pest' (Camus) - habe beides auch schnell aufgegeben, da ich wieder die "hochstehende" Sprache lesen wollte. Ich fühl mich von ihr gerade ein bisschen hinters Licht geführt :D, da sie mich naiven Leser ziemlich schnell um den Finger wickeln konnte. Ich merke gerade jetzt erst, wie verschlossen ich gegenüber bestimmten Sprachstilen bin. Das Mittelalter ist auch so eine Zeit ^^ Ich glaube, sie war zwischen zwei Epochen eine, die keine Raumtiefe darstellt. Ich habe solche Bilder auch zu schnell mit Vorteilen abgestempelt.

Ich denke zu oft "Es ist nicht kompliziert genug, nicht verschnörkelt genug und deswegen nichts für mich". Danke für deine Antwort :) Ich werd' versuchen, offener zu sein!

Kommentar von Clarissant ,

Und danke für deinen Kommentar! :) 

Ich war auch irritiert, als ich Hemingway das erste Mal gelesen habe. Es war einfach ein recht großer "Sprung" von Shakespeare. :D Heute sehe ich das auch ein wenig anders. 

Was das Mittelalter angeht, so findet man aus dieser Epoche zahlreiche Werke, welche in lyrischem Stil verfasst worden sind. Vieles ist tatsächlich recht "schnörkelig", gerade Liebesgedichte und -romane. Mittelalterliteratur findet sich heute kaum mehr im Lehrplan, weshalb viele nicht mehr so viel darüber wissen. Die Literatur des Mittelalters bietet allerdings mehr, als man denkt. 

Wenn dir Kompliziertes oder Verschnörkeltes gefällt, dann findest du bestimmt in jeder Epoche was. Manchmal muss man nur ein bisschen länger suchen. :) 

Kommentar von sarahj ,

das ist ja eine tolle Zeichnung! Aus welchem Kontext (i.e. Buch) ist die denn? (ist das eine Karrikatur eines hohen Kirchenfürsten oder ähnlich?)

Kommentar von Clarissant ,

Es stammt anscheinend aus diesem Manuskript (ich habe es nicht vollständig durchgeblättert, denn es besteht aus über 800 Seiten, daher keine Garantie! :D): 

http://www.bl.uk/catalogues/illuminatedmanuscripts/record.asp?MSID=8114

Zugeschrieben wird es Rainald von Bar, aber ganz so genau kann das wohl niemand mehr bestätigen. Rainald wurde allerdings tatsächlich Bischof von Metz. ;) 

Aus dem Mittelalter finden sich aber noch allerlei andere kuriose Zeichnungen. 

Antwort
von Ysosy, 88

Was die geschriebene Kunst angeht verwechselst du Unterhaltung mit Spezialisierten Interesse. Auf der Bestseller Liste steht was für den Mensch Unterhaltsam ist. Komplizierte Gedichts Strukturierung sind nur für den Interessierten Spezialisten von Bedeutung.

Beispiel. Aus der Physik.

Ein Teil der Physik ist die Beschleunigung. So zB Ein Auto das von 0-100 in 4 Sekunden beschleunigt. Das Interessiert viele Menschen und ist Unterhaltsam. Wirklich Interessant wäre für den Interessierten Physiker aber die Quantenchromodynamik oder das Higgs Feld.

Gäbe es zu Goethes Zeit das Mickymaus Heft und die Menschen hätten wählen können, Goethes Werke oder das Mickymaus Heft mit gleicher Seitenzahl. Dann hätten die Menschen das Mickymaus Heft gekauft. Einfach weil es unterhaltsamer ist.

Kunst in unserer Zeit, ist zu einem großen Teil nur Geldmacherei. Gerade die Moderne Kunst wird dafür ausgenutzt.

Beispiel: Da wird eine Person zum „Künstler“ ernannt und fertigt laut Vertrag 100 „Kunstwerke“ für das Jahr 2015. Diese werden dann empfohlen und für Millionenbeträge gekauft. Es stellt sich aber heraus das der Künstler nicht 100 sondern 1000 Werke produziert hat. Diese Zusätzlichen 900 müssen dann auch zu Millionen Preisen gekauft / verkauft werden, da sonst der Wert Jedes einzelnen „Kunstwerk“ sinken würde. ( Daran verdienen einige wenige sehr Gut) So ist es schon einige mal geschehen und wurde auch in Dokumentationen Berichtet.


Antwort
von Panazee, 77

Es gibt einfach viel mehr davon und wo es mehr gibt, gibt es natürlich auch mehr Müll.

Nehmen wir Musik. Wer konnte denn zu Zeiten eines Beethoven überhaupt Musik komponieren? In der Regel Menschen, die überhaupt Zugang zu Musikinstrumenten hatten und das waren nur wenige. Heute kann sich jeder, der einen PC besitzt einfach hinsetzen und Musik komponieren.

Das was Beethoven, Händel oder Bach komponiert haben, war auch nicht das, was die Leute auf derStrasse gesungen haben. Die wollten keine komplizierten Triolenfolgen mit Tonleiter wechseln. Die wollten einfach etwas simples ,was man beim Backen, Holzhacken oder Acker umpflügen vor sich hinpfeifen konnte. In der Regel war das etwas, dass in die Richtung ging, die heute unter "Volksmusik" firmiert.

Nehmen wir Romane. Wer konnte denn früher seine Werke überhaupt veröffentlichen? Doch nur derjenige, der einen Verleger gefunden hat. Es gab damals wahnsinnig viele Analphabeten. Da wurde im Grunde fast ausschließlich für das Bildungsbürgertum publiziert. Jedes Buch war für den Verleger ein finanzielles Risiko. Heute kann jeder auf irgendwelchen Internetseiten seine Machwerke veröffentlichen. Für wenige hundert Euro kann man sich die dann sogar mit Cover in niedriger Auflage selber drucken lassen.

Es gibt heute auch sehr gute Schriftsteller, aber was für den musikalischen Gassenhauer gilt, gilt auch für die Literatur. Im Zug, auf dem Weg zur Arbeit will man sich die 30 Minuten, die man hat nicht auch noch mit existenziellen Fragen herumschlagen, sondern etwas spannendes und möglichst simples, damit man am Abend auf dem halbstündigen Weg nach Hause schnell wieder im Lesefluss ist.

Kommentar von Panazee ,

P.S.:

Was die Sprache angeht so halte ich persönlich z.B. "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers für so ziemlich das Genialste was je geschrieben wurde.

Es gab und gibt Schriftsteller, die kompliziertere Satzkonstrukte verwendet haben/hatten. Es gab und gibt Schriftsteller, die eine tiefere philosphische Dichte haben/hatten. Aber es gab und gibt meiner Meinung nach keinen, der es in Bezug auf die reinen Freude am Spiel mit der Sprache auch nur ansatzweise mit diesem Buch dieses Autors aufnehmen kann und konnte. (Von der scheinbar unerschöpflichen und überbordenden Fantasie des Autors ganz zu schweigen.)

Wie immer bei Kunst ist das natürlich Ansichtssache, Es wird auch einige geben, die dieses Buch einfach nur banal finden.

Kommentar von rosepetals ,

Ich hab mir einige Inhaltsangaben durchgelesen und es hört sich echt schön an! Bücher die von Büchern oder vom Lesen handeln sind sowieso immer so unglaublich wertvoll. Kennst du Die Unendliche Geschichte? Auf den ersten Blick scheinen die Bücher sich zu ähneln (auf die schöne Weise - nicht auf die "ich mache dir das nach"-Weise).

Kommentar von Panazee ,

Natürlich kenne ich "Die unendliche Geschichte". Ich finde nicht, dass sich die beiden Bücher wirklich ähneln. Lediglich das Motiv einer Geschichte in einer Geschichte ist ähnlich. Ansonsten haben sie soviel gemeinsam wie 100 Meter Lauf und Hochsprung. Beides sind Sportarten und beide gehören zur Leichtathletik. Beides sind Bücher und beide gehören in den Bereich der fantastischen Literatur. Das war es an Geminsamkeiten aus meiner Sicht.

"Die Stadt der träumenden Bücher" ist von der Handlung her viel verschachtelter und viel fantastischer. Es hat viel mehr "wow" Momente und vor allem ist es sooo genial wie Walter Moers mit der Sprache spielt. Ein Beispiel ist z.B., dass alle fiktiven Dichter in "Die Stadt der träumenden Bücher" Annagramme real existierender echter Dichter sind. Aus "Johann Wolgang von Goethe" wird "Ojahnn Golgo van Fontheweg". Mein beiden absoluten Lieblinge sind "Gofid Letterkerl", ein Annagramm von "Gottfried Keller" und "Dölerich Hirnfidler", ein Annagramm von "Friedrich Hölderlin". Letterkerl und Hirnfidler - was für Namen für Dichter! Es gibt ganze Internetseiten, die sich nur damit beschäftigen zu allen Annagrammen den zugehörigen Dichter zu finden und das sind hunderte in dem Buch

Expertenantwort
von rotesand, Community-Experte für Kleidung, Auto, Mode, Schule, 79

Die Qualität von Kunst sank zumindest im Mainstream-Bereich auf ihre Art, weil es auf einmal nicht mehr als schick galt, sich anzustrengen & die Gesellschaft denjenigen Recht gab, indem sie irgendwelchen Nippes mit zweifelhaften Superlativen feierte, als ob es kein Morgen gäbe. Sicherlich wurde auch mit solchen Schritten den "Künstlern" es leichter gemacht, einer zu sein...

Aber: Die wirklich wahren Künstler, die sich anstrengen, tolle Werke hervorbringen & Kunst noch mit Kultur gleichsetzen, gibt es nach genauso wie vor! Sie sind nur nicht frontal aktiv & dem Massengeschmack zugänglich, sondern eher in ihrer Szene ein Begriff! Da muss man differenzieren!

Antwort
von DepravedGirl, 79

Auch in der Kunst gibt es Leute die nur aufs Geld aus sind.

Ich habe mal ein Kunstwerk in einer Galerie gesehen.

Das war ein großer Tonklumpen.

Die Künstlerin hatte mit ihren Fingern Löcher in den Tonklumpen gemacht, das war alles.

In der Beschreibung ihres Kunstwerkes hatte sie dann irgendwelche Dinge vom Universum geschwafelt und welche Korrelation es zwischen dem Tonklumpen und dem großen Ganzen gibt.

Diesen Tonklumpen hatte sie dann der Galerie zur Verfügung gestellt.

Kaufpreis : 2500 €

Antwort
von NoOtherThanMe, 78

Für mich(16) ist es ehrlich gesagt angenehmer etwas von Deichkind durchzunehmen als was Hochgestochenes. Haben momentan eine Klassenlektüre, die ist so verschnörkselt geschrieben, in dem Stil, der dir vlt gefällt("Die Aufruhr um den Junker Ernst") und aus meiner Klasse kommt keiner mit dem Buch klar. Mich eingeschlossen. Seitenlange Sätze ist halt nicht unser Stil.

Vielleicht ist Kunst nicht weniger wert, wie du meinst, nur verändern sich einfach die Zeiten, die Interessen der Menschen, die Kunst "konsumieren" ...

Kommentar von rosepetals ,
Seitenlange Sätze ist halt nicht unser Stil

Ich glaube (das sage ich nachdem ich mir die Antworten durchgelesen habe) das ist insgesamt nicht der Stil einer Person, mit der Ausnahme sie interessiert sich halt für Literatur.

Ysosy hat das gut erklärt:

Ein Teil der Physik ist die Beschleunigung. So zB Ein Auto das von 0-100 in 4 Sekunden beschleunigt. Das Interessiert viele Menschen und ist Unterhaltsam. Wirklich Interessant wäre für den Interessierten Physiker aber die Quantenchromodynamik oder das Higgs Feld. 

Dass ich der "Physiker" bin, sollte die unterhaltsame Physik nicht entwerten. 

Danke für den Tipp =)

Antwort
von Morikei, 146

Also die modernen gedichte die wir im unterricht behandelt haben waren alles andere als langweilig und einfach. O.o War aber auch Gymi-Niveau. Vielleicht lags daran. Ist jetzt leider schon zu lange her, als dass ich dir Titel nennen könnte.

Und Künstler (Zeichner/Maler/Fotografen zB) werden auch heutzutage noch gut bezahlt/ verkaufen ihre werke für viel Geld.

Vielleicht findest du die moderne Kunst langweilig, aber die Menschen werden in hunderten von jahren eine andere sicht darauf haben, weil diese kunst und literatur dann merkmale unserer epoche wiederspiegeln wird.

Wer sagt, dass die menschen, die in der romantik lebten, diese epoche spannend und tiefgründig fanden? Vielleicht fanden sie die ja auch “wertlos“.

Aber wann immer sich die sprache, werte und co verändern, erscheint alles, was davor war, viel interessanter. Weil es anders ist.

Kommentar von rosepetals ,

Ich gehe auch auf ein Gymnasium, es liegt primär am Lehrer oder auch daran, dass die Mehrheit gegen Goethe und für Rap sind.

Naja, das Geld bestimmt nicht den Wert der gemachten Kunst. In den ganzen anderen Antworten wird das auch aufgefasst: Die berühmtesten Künstler heutzutage wurden zu ihren Lebzeiten kaum geschätzt.

Danke für die Antwort und LG

Antwort
von Karlien, 83

Der kulturelle Niedergang in Deutschland ist hauptsächlich auf die 68er zurückzuführen. Jeder dahergelaufene Versager bzw Faulenzer konnte damals und seitdem bis heute irgendwelche Farbkleckse hinschmieren, Butter verwesen lassen, rostiges Eisen teuer verkaufen, und dieser Unfug wurde dann als „Kunst“ verkauft, für meistens sehr viel Geld. Es ist eine einzige Schande. Die künstlerischen und handwerklichen Kenntnisse und Fähigkeiten von früher werden heute nicht mehr gewürdigt. Bei Möbeln, in Architektur und im Automobilbau genauso, es besteht keine Ästhetik mehr.

Antwort
von Antworter99, 125

Die Kunst richtet sich nach der Gesellschaft bzw. des Kunstgeschmacks der heutigen Zeit. So ist das nun einmal. Ich zum Beispiel liebe Musik aus den 80ern und kann nicht verstehen, wie man diesen "Mist" von heute hören kann. Die Masse bestimmt den Geschmack der Zeit. Muss dir zuletzt noch sagen, dass du sehr interessante Fragen stellst ^^

Antwort
von TimeosciIlator, 57

Kunst findet auf vielen Ebenen statt. Die Frage ob "Der Rabe" von Edgar Allan Poe mehr künstlerische Punkte verdient als "Leider Geil" von Deichkind ist m.E. unangemessen. Die Intention des jeweiligen Künstlers ist eine völlig andere. Und auch die Zuhörerschaft. Es wäre falsch durch diesen Vergleich Deichkind Kunstlosigkeit zuzuschreiben. Im übrigen gefällt mir der Stil Deines Deutschlehrers, der mit Deichkind offenbar versucht eine Brücke zu Euch Schülern aufzubauen. Die Zeiten ändern sich und damit auch die Kunstinteressen...

BARRY RYAN - "Kitsch"

Antwort
von PrimaVera1993, 35

Die "populäre Kunst" ist allgemein wie das Denken der Menschen deutlich flacher geworden, aber das ist nicht nur in bildender Kunst so sondern auch im Fernsehen. Man sieht es mehr oder weniger "eindrucksvoll" an primitiven Comedysendungen. Wenn ich da zufällig mal reinzappen sollte frage ich mich sehr schnell, was muss man beim Fernsehen verbrochen haben, damit man bei denen keine eigene Sendung bekommt?

Kommentar von rosepetals ,

Aber vielleicht war das Denkvermögen des Menschen schon immer schon so flach. Was heute Reality TV ist waren früher die Gladiatoren 

Antwort
von Fragend88, 149

Wir leben in einer Gesellschaft, wo es nur um billig, billig, billig geht! In jeder Hinsicht!

Also folgende, einfache Rechnung - wieviele Leute lesen heutzutage noch richtige Bücher. Wenn ein Buch als Einband z.B. 16,99 € kostet und die Taschenbuchausgabe nur 7,99 € kostet, so warten die meisten eben die paar Monate, bis die Taschenbuchausgabe herauskommt.

Und hier reden wir nur um die Buchbindung. Also wieviele würden 26 oder 40 Euro oder viel mehr für besseres Papier mit wertvollen Illustrationen ausgeben?

Es geht hier um die Zielgruppe, die es sich auch leisten kann, gutes Geld in Büchern zu investieren. Man kauft sich eben lieber noch ein paar Schuhe oder Parfum ...

Meine These also ... viele wissen das nicht zu schätzen!

Zum Inhalt selbst, ob der Autor Wertvolles schreibt, da kann ich mich dem Vorredner anschliessen - es ist schwer ... und richtig ... nur die guten Sachen bleiben und werden auch nach 100 oder 200 Jahren gelesen.

Das jetzt herausfinden zu können, was die Menschen in 200 Jahren in der Zukunft noch lesen werden ist eine grosse Herausforderung! :-)

Trotzdem ... tolles Thema und tolle Fragen!

Kommentar von rosepetals ,

Der Sache mit dem Geld möchte ich widersprechen. Ich gehe oft und gern in einen Antiquitäten Bücherladen und die Bücher sind nicht selten unter 5€ zu bekommen und bieten literarische Schätze; die meisten Klassiker, die ich las hab ich von dort. Erst vor einem Monat kaufte ich mir eine Kopie von den Grimm Märchen (>300 Seiten), Hardcover, goldner Schriftverziehrung, verschnörkelte Anfangsbuchstaben, süße Illustrationen für 8€. Ich kann mir 7 Bücher von Sartre kaufen für nur ein einziges Buch in einer modernen Buchhandlung. Also es kommt wirklich drauf an, wo man für den Bücherkauf hingeht. Aber wenn es nur um niedrige Preise gehen würde, würde das Geschäft mit seltenen Second-Hand-Klassiker Schätzen anerkannter werden.

Danke für die Antwort! :)

Kommentar von Fragend88 ,

Der Fragende fragt nach zeitgenössischer Kunst.

Kommentar von rosepetals ,

Ich bin die Fragende, ich wollte nur meine Sicht der Geldsache darlegen

Kommentar von Fragend88 ,

Ups, das ergibt dann mehr Sinn! :-) 

Auf jeden Fall, wie gesagt es gibt schon Leute, die das zu schätzen wissen, aber im Durchschnitt sind es weniger! 

Bzw. historisch gesehen, kann ich es auch so betrachten - früher, vor z.B. 150 oder mehr Jahren war die Herstellung eines Buches aufwendig und teuer. Also wurden weniger Exemplare, aber dafür wertvollere Ausgaben hergestellt. Das konnte sich natürlich nur eine gwisse Schicht der Bevölkerung leisten. 

Heutzutage wird das auch gesellschaftlich und politisch geregelt - dass jeder ein Anrecht auf Zugang zu Büchern und Bildung hat, das beinhaltet auch im Prinzip das Buchpreisbindungsgesetz.

Also was mache ich als Verlag? Ich muss wirtschaften, denn mein Personal und meine Kosten zahlen sich ja nicht von selbst. Also versuche ich es mit dünnerem Papier, günstigere Illustratoren etc. und so haben wir den "Salat" :-)

Kommentar von Fragend88 ,

P.S. Ich sprach natürlich auch über die "Durchschnittsverbraucher"

Dass es Kenner gibt, die gute Bücher und deren Inhalt zu schätzen wissen, zeigt: Ausnahmen bestätigen die Regel! :-)

Antwort
von Mewchen, 89

Stile ändern sich. So wurden die Romantiker ganz gern verhöhnt und für ihre "schmazigen" Sachen ausgelacht. So wie die Stile sich ändern, verändern sich auch die Geschmäcker.

So empfinde ich z.B. abstrakte Kunst, Picasso o.ä. einfach nur als grottenhässlich, mit Goethe kann ich nichts anfangen, dafür liebe ich allerdings alles von Schiller.

Nur weil dir die aktuellen Strömungen nicht gefallen, ist noch lange kein niedrigeres Niveau am Werk. Und bitte wo ist es leicht Künstler zu sein? Das ist beinharte Arbeit oder wieviele moderne Künstler kannst du ohne googlen beim Namen nennen?

Antwort
von Prisonofmind1, 14

Die Kunst verändert sich zusammen mit der Gesellschaft.
Und wenn du dir nun RTL, BIBI, Dagi und co. anschaust, hast du eigentlich auch schon deine Antwort.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community