Frage von BundL, 46

Ist jemand hier, der sich mit qualitative Interviews bzw. Interviewfragen auskennt?

Hallo meine lieben Mitmenschen,

Ich arbeite zurzeit an meiner Bachelorarbeit zum Thema Stress bei Führungskräften und möchte Stressexperten dazu interviewen. Ich habe bereits 6 Hypothesen aufgestellt : 1. Hypothese bezieht sich auf die resilienz und soll überprüfen, ob resiliente Führungskräfte weniger Stress empfinden 2,3,4,5 Hypothese basiert auf dem belastungs-, beanspruchungskonzept und soll untersuchen, aus welcher Belastung der meiste Stress entsteht ( also entsteht Stress aufgrund der Arbeitsaufgabe, der Arbeitsumgebung, Organisation oder aus sozialen Beziehungen bei Führungskräften) Und die letzte und 6. Hypothese basiert auf das demand-Control-Modell und soll untersuchen, ob Führungskräfte, die ein Gleichgewicht zwischen ihren Arbeitsanforderungen und dem entscheidungsspielraum haben, weniger zu Stress neigen, als Führungskräfte, die eine Imbalance der beiden Faktoren haben.

Mein Problem ist nun, dass ich noch nie ein Interview erstellt, geschweige denn durchgeführt und ausgewertet habe. Ich bin womit komplett neu in diesem Gebiet. Ich bin grade dabei, mir die interviewfragen auszudenken, hab aber eine denkblockade und kann gar nicht abgrenzen, welche Fragen meine Hypothesen stützen könnten ? Fällt euch vielleicht was gutes ein ? Ich hoffe einer von euch hilft mir.. bin mega verzweifelt.... danke schon mal ..

Antwort
von CreepyPandaa, 34

Bei einem Interview der Art würde ich es wie eine art Umfrage machen. Ich denke Umfragen und wie man die Auswertet sollte dir bekannt sein.
Und die Fragen verpackst du halt gut.
Wie zum Beispiel: Denken Sie, die Arbeit die sie machen ist nicht zu belastent für sie? Denken Sie, dass sie mit mehr Arbeitserfahrung Stress Situatonen immer besser gewachsen sind?

Viel Glück für die Bachelorarbeit. :)

Kommentar von BundL ,

Danke liebes für deine Antwort. Hab aber leider vergessen zu erwähnen, dass ich Experten bezüglich des Themas interviewen und keine Führungskräfte über deren Erfahrungen :( das ist ja das schwierige dran. Wenn es nur Führungskräfte wären, würde mir die Fragestellung wahrscheinlich einfacher fallen.. 

Kommentar von vonGizycki ,

Hab aber leider vergessen zu erwähnen, dass ich Experten bezüglich des Themas interviewen und keine Führungskräfte über deren Erfahrungen :( das ist ja das schwierige dran. Wenn es nur Führungskräfte wären, würde mir die Fragestellung wahrscheinlich einfacher fallen..

Tja, meine Antwort war ja nun auch so ausgerichtet, aber ob das einfacher wäre, bezweifle ich. Aber die Infos wären authentisch, weil direkt aus der Praxis und vor allem selbst erhoben.

Wenn Du nur Erkenntnisse von ärztlichen Experten oder Psychotherapeuten brauchst, dann kannst Du es auch nachlesen und sie zitieren und Quellenangaben machen. Ein Interview wäre da meiner Meinung nach unnötig. Darüber gibt es einen Haufen Material.

Antwort
von vonGizycki, 15

Grüß Dich BundL!

Ich habe da ein Problem. Die Interviewfragen, ich bin u.a. auch journalistisch tätig,  müssen so gestellt werden, das Du annähernd das herausbekommst, was Du wissen willst. Aus der Beantwortung ergibt sich eine Schlussfolgerung

Ein Interview soll erhellen nicht eine vorgefertigte Hypothese bestätigen.

Es sollte für Dich erstmal klar werden, was Stress ist und welche Folgen der haben kann. Darüber gibt es bereits genügend Arbeiten, deren Ergebnisse nachgelesen werden können. Diese können, wo es passt, zitiert werden. Darauf aufbauend sollten die Fragen erstellt werden, die gerade für Führungskräfte relevant sein könnten.

Dazu müsste man allerdings wissen, welche Anforderungen an Führungskräfte gestellt werden und welche Erwartungen sie zu erfüllen haben und wo deren Schwierigkeiten im Umgang mit Ihnen liegen. Eine gewisse Vorstellung hast Du ja schon.

Dazu könnte man mit ehemaligen Führungskräften Kontakt aufnehmen. Über Anzeige in der Zeitung und der Angabe, das alles anonym bleibt.

Interview: Erklären was Du machst (verständlich) und was Du beabsichtigst. Eine vertrauliche und entspannte Atmosphäre schaffen. Persönliche Fragen stellen und den Befragten darüber informieren, das Du es für Deine Arbeit brauchst und um Erlaubnis fragen, ob Du es tun darfst. Dann erzählen lassen und auftauchende Wissenslücken durch Nachfragen auffüllen. Interesse zeigen am Lebensablauf, den Emotionen usw. Es geht ja darum, etwas zu erfahren und den Befragten zu motivieren. Mitschreiben oder Gespräch aufnehmen. Bei Letzterem um Erlaubnis fragen. Auch hier wieder garantieren, das der Befragte in jedem Falle anonym bleibt.

Und dann, nachdem Du Dir Wissen angeeignet hast (mehrere Interviews mit verschiedenen Personen führen), mit den Führungskräften sprechen, die noch im Beruf stehen und noch nicht stressmäßig beim Arzt vorstellig wurden. Kontakt über Zeitungsanzeige, direkten Brief oder E-Mail oder Anruf herstellen.

Das ist alles natürlich nicht so einfach, weil es ein sehr sensibles Thema ist und viel Fingerspitzengefühl braucht.

Die Vorgehensweise ist dieselbe, um Vertrauen zu schaffen. Die Bitte vortragen, das Fragebögen beantwortet werden möchten. Die sind aufgrund der Ergebnisse der vorher Befragten erstellt worden, was aber nicht gesagt werden darf und in denen sich die Ergebnisse bzw. Erkenntnisse  der zuerst Befragten widerspiegeln. In der Bitte sollte auch ein Termin enthalten sein, bis wann die Fragen beantwortet sein sollten, weil Du ja irgendwann das bearbeiten und die Arbeit abgeben musst. Das wird verstanden.

Am Ende, wenn man dann alles vergleicht ergibt sich ein Gesamtbild und die Beantwortunng, wie es mit dem Stress bei Führungskräften in Deinem Sinne aussieht.

So stelle ich mir das vor und so würde ich das machen. Ob meine Methode so korrekt akkademisch ist, weiß ich nicht, aber aufgrund meiner journalistsichen Erfahrung denke ich, das es so richtig sein könnte, denn es kommt darauf an die Wahrheit zu finden. Und da weiß ich schon wie man vorgehen kann. Allerdings arbeite ich dann nicht mit Fragebögen sondern nur mit Befragungen im Rahmen von Interviews, die ich dann auswerte oder mit Recherchen im Umfeld meines Themas, um mir Wissen für die Fragestellungen anzueignen, um relevante Antworten zu bekommen.

Was meinst Du zu diesen Vorschlägen? Kannst Du mit Ihnen etwas anfangen?

Herzlichen Gruß

Rüdiger

Kommentar von vonGizycki ,

Zusatz:

Die besten Stressexperten sind die, die einen Burn-Out hatten und therapiert wurden. Ärzte natürlich auch.

Kommentar von BundL ,

Hallo Rüdiger, 

Vielen lieben Dank für deine ausführliche Antwort. Deine beschriebene Art und weise Hört sich sehr interessant und schlüssig an. Da ich aber eine Arbeit von 40 Seiten schreiben muss, und 20 Seiten aufgrund des theoretischen teils schon voll habe, denke ich dass es zwar für eine Masterarbeit sehr gut wäre, für meine jetzige Bachelorarbeit jedoch zu viel ist. Also mein Dozent meinte ich sollte ca 6 Experten interviewen. Alleine die auswertung der 6 Interviews nehmen ziemlich viel Platz. Sonst eine echt super Idee. Die hebe ich mir für die Masterarbeit auf. 

Mein Problem ist halt, dass ich schon recherchiert habe, wie man Interviews führt etc. ich weiß also schon, dass man beispielsweise vertrauen schaffen muss, viele offene Fragen, Interviews aufzeichnen etc. und ich weiß kann auch was ich untersuchen will oder rausfinden will, da ich ja den kompletten Theorieteil Samt der Hypothesen fertig hab. Ich hab auch somit genüg Basiswissen. Mein Problem ist einfach nur, das  obwohl ich weiß, was meine Hypothesen sind und somit was ich von den Experten wissen will, mir trotzdem nicht die richtigen Fragen dazu einfallen. Das ist schwierig zu erklären. Die Formalitäten bzw der Durchführung eines Interviews sind mir bereits bekannt, da ich diesbezüglich recherchiert habe, aber das praktische fehlt mir. Also ich weiß grade nicht, welche Fragen ich stellen muss/ soll , die mir bei der Beantwortung meiner Hypothesen helfen könnten. Sorry hab dich zugetextet 😖

Kommentar von vonGizycki ,

Du hast mich nicht zugetextet denn es muss ja gesagt werden. Ich bin aber froh, das Dir meine Ausführen eventuell weiterhelfen könnten im weiteren Verlauf Deines Studiums.

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