Frage von DerR0senzweig, 109

Ist die Gülen-Bewegung gegen Erdogan-Anhänger so etwas wie intellektuell gegen Unterschicht?

Die Gülen-Bewegung soll ja eine moderne intellektuelle Bewegung sein, stimmt das ? Die Erdogan-Anhänger sollen eher ungebildetet und religiös-fanatisch sein, stimmt das denn überhaupt ? Kann man der Gülen-Bewegung spenden und somit Freiheit unterstützen oder ist das verboten ?

Antwort
von uyduran, 71

Der Gülen-Bewegung traue ich kein bisschen. Zwar gibt sie sich nach außen als friedlich und modern und schreibt sich die Hilfe für Benachteiligte oder den interkulturellen Dialog auf die Fahnen. Hinter den Kulissen laufen allerdings ganz andere Dinge. Ich empfehle dir, diesen Artikel zu lesen, um mehr über die nebulösen Machenschaften der Gülen-Bewegung zu erfahren: http://www.fr-online.de/tuerkei/guelen-bewegung-vom-freund-zum-feind-der-tuerkei...

Der Islamwissenschaftler Ralph Ghadban hält die Bewegung für gefährlich, weil sie "unfassbar" sei: "Unter dem pseudo-modernistischen Lack steckt eine islamistische Auffassung". Die Menschenrechtsaktivistin Serap Çileli vertritt die Meinung, die Gülen-Bewegung sei eine Glaubensgemeinschaft mit missionarischen Absichten. Gleichgültigkeit und Unwissenheit der Deutschen über die Gülen-Bewegung würden zu fatalen Folgen führen. Die Sozialwissenschaftlerin und Necla Kelek kritisierte: "Nach außen hin vertritt er (Gülen) eine Art Reform-Islam, nach innen propagiert er einen machtbewussten konservativ-islamischen Chauvinismus." Sie nennt seine Bewegung eine "Sekte mit Konzernstruktur".

Man sollte sich also aufgrund des Konfliktes mit Erdoğan nicht täuschen lassen und dem Motto 'der Feind meines Feindes ist mein Freund' folgen. Gülen und Erdoğan sind über Jahrzehnte hinweg enge Freunde und Verbündete gewesen, die im Wesentlichen die gleichen Ideale verfolgt haben. Am Ende war der persönliche Machtanspruch der ausschlaggebende Punkt, wieso aus dem einstigen tiefen Konsens ein verhasster Krieg wurde.

Kommentar von adabei ,

Ich lese deine Beiträge immer gern. Sie sind informativ und nicht missionarisch, weder in die eine noch in die andere Richtung.

Kommentar von uyduran ,

Dankeschön, das freut mich zu hören! :-)

Antwort
von nnblm1, 58

https://de.wikipedia.org/wiki/Fethullah_G%C3%BClen

Nur zur Info: Gülen ist Prediger - und kein besonders moderner Prediger. Er stellt religiöse Gesetze über weltliche, erkennt die Wissenschaft nur insofern an, wie sie mit seiner Religion in Einklang gehen kann - auch wenn er gleichzeitig wieder einige Thesen vertritt, die moderner klingen.

Ich denke nicht, dass Gülen unterstützenswert ist.

Antwort
von Giustolisi, 54

Es sind beides religiöse Wirrköpfe, nur hat Gülen einen anderen Plan. Er hat den Plan, islamisches Gedankengut durch Hilfsorganisationen und Bildungseinrichtungen zu verbreiten und so die Menschen zu indoktrinieren. Das ist im Prinzip Missionierung durch die Hintertür.

Erdogan wendet sich eher an bereits indoktrinierte Menschen, liefert einfache Antworten und rekrutiert so seine Anhänger. Er will den Islam im Staat verankern und so für seine Verbreitung sorgen.

Beide sind fundamentalistisch islamisch und gehören wie alles was mit Religion zutun hat nicht unterstützt.

Antwort
von muhamedba, 18

Ganz genau! Der Staat bekämpft intellektuelle Menschen :D und die, die diesr bekämpfen sind ungebildete Salafisten :D :D

Du kannst den Leuten heute echt alles verkaufen über die Medien.

Antwort
von Fuchssprung, 46

Der Eine ist so schlimm wie der Andere. Jeder ist ein Machtpolitiker und wäre Gülen an der Macht dann wäre Erdogan jetzt der gejagte Terrorist.  

Kommentar von Aktzeptieren ,

Ja ok, deswegen is der nach USA geflohen! wenn der Präsident von Türkei sein will, dann soll der auch da leben.

Kommentar von Aktzeptieren ,

Und ich hab eine Frage! was macht Erdogan so schlimmes, andere Länder werden garniert kritisiert, obwohl sie schlimm sind? Und wieso lasst ihr Türken nicht so leben wie sie wollen! Die machen euch nichts

Kommentar von Fuchssprung ,

Wer ist "ihr"?

Antwort
von oelbart, 47

Die beiden haben lange Zeit zusammengearbeitet und haben anscheinend zumindest recht ähnliche Ziele verfolgt. Vor ein paar Jahren haben sie sich zerstritten - vermutlich, weil E. den G. als Gefahr für seine Macht betrachtet. (Ob berechtigt oder nicht, kann ich nicht beurteilen)

Der ganze Konflikt scheint mir also eher personell als ideell zu sein.

Antwort
von 1988Ritter, 62

Hier in Deutschland ist gar nichts verboten was mit der "Gülen-Bewegung" in Verbindung steht.

Allerdings möchte ich Deine Aussage relativieren. Die Gülen-Bewegung ist nach wie vor eine islamische Gruppierung. Im Islam gibt es weder Reformation, moderne, noch intellektuelle Strömungen.

Der Islam hat als unveränderbare Grundlage Koran und Sunna. Alles was darüber hinaus geht, wird bis zum Glaubensabfall von den Muslimen interpretiert und geächtet.

Kommentar von uyduran ,

Allerdings möchte ich Deine Aussage relativieren. Die Gülen-Bewegung ist nach wie vor eine islamische Gruppierung. Im Islam gibt es weder Reformation, moderne, noch intellektuelle Strömungen.

Hier möchte ich deine Aussage relativieren. Ja, die Gülen-Bewegung ist eine islamische Bewegung, das bestreitet von den Gülenisten auch niemand. Der springende Punkt ist aber doch, dass sie eben nicht, wie nach außen hin behauptet, einer reformorientierten Auslegung folgt, sondern einer erzkonservativen. Somit unterwandert sie als "Sekte mit Konzernstruktur" den Staat. Das ist das Problematische an der Gülen-Bewegung, nicht, dass sie islamisch ist. Im Islam gibt es sehr wohl Reformation und ebenso moderne und intellektuelle Strömungen. Die gab es in Vergangenheit unter Mu'taliza, Al-Qindi oder Ibn Rashid und in der Gegenwart durch Menschen wie Fazlur Rahman, Nasr Hamid Abu Zaid oder Abdou Filaly-Ansary. Im deutschsprachigen Raum nehmen z.B. Mouhanad Khorchide, Lamya Kaddor oder Ednan Aslan an der öffentlichen Debatte teil.

Der Islam hat als unveränderbare Grundlage Koran und Sunna. Alles was darüber hinaus geht, wird bis zum Glaubensabfall von den Muslimen interpretiert und geächtet.

Dass Koran und Sunnah Grundlage der Religion sind, stellt niemand der Reformer infrage. Wohl aber, auf welche Art diese Schriften interpretiert werden. Zudem sind Dinge, die "von den Muslimen interpretiert und geächtet" werden nicht automatisch Dinge, die der Islam ächtet. Muslime ≠ Islam. Wenn ein Muslim oder mehrere Muslime dieses oder jenes tun, bedeutet das nicht automatisch, dass es islamisch korrekt ist. Ein Großteil der muslimischen Männer dieser Welt hält sich z.B. nicht an das Verbot von außerehelichem sexuellen Kontakt.

Reformative Strömungen gibt es schon seit über tausend Jahren in der islamischen Geschichte und auch wenn sie derzeit von den politischen Kräften im Nahen Osten massiv unterdrückt werden, bedeutet das noch lange nicht das Ende dieser.

Kommentar von Nunuhueper ,

Zitat:

"Zudem sind Dinge, die "von den Muslimen interpretiert und geächtet" werden nicht automatisch Dinge, die der Islam ächtet. "

Gerade die Art und Weise von Interpretationsmöglichkeiten des Korans und der Sunna trennt die islamisch "korrekten" Gläubigen von den islamisch inkorrekten. Wer sich hier anmaßt, das zu unterscheiden, ist immer gegen eine Reformation.

Es gibt ja nicht den Islam, demnach auch nicht die Muslime. 

Dennoch gibt es den Koran.

Kommentar von uyduran ,

Ich verstehe nicht so recht, was du mir damit sagen willst. Natürlich gibt es hinsichtlich der Interpretation der islamischen Schriften konträre Ansichten zwischen Reformern und Konservativen bzw. Fundamentalisten. Wer sich diesbezüglich im Recht befindet, das liegt dann eben im Auge des Betrachters. Ich finde, dass es praktisch kein logisches Argument dafür gibt, eine starre orthodoxe Auslegung einer historisch-kritischen, kontemporären Exegese vorzuziehen.

Auffällig ist jedenfalls, dass insbesondere die Konservativen und Fundamentalisten von sich behaupten, die absolute Wahrheit zu kennen.

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