Frage von MrMcSauerkraut, 83

Ist globaler Handel überhaupt erforderlich?

Mit globalem Handel meine ich nicht Freihandel, wie TTIP usw. Ich meine den grundsätzlichen globalen Handel, der (schätzungsweise) nach dem 2.Weltkrieg immer größer geworden ist.

Ich persönlich brauche keine Äpfel aus Neuseeland oder Bananen aus Übersee, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Auf Kaffee kann ich auch gut verzichten. Es käme der Umwelt doch absolut zugute, wenn jedes Land grundsätzlich sein "eigenes Süppchen" macht!?!

Außerdem wäre das doch auch für Entwicklungsländer nur förderlich, die mit europäischen Exporten einfach nicht mithalten können.

Es geht mir nicht darum, ob es praktisch lang- oder mittelfristig umsetzbar ist, sondern viel mehr um eine ideologische Grundhaltung.

Vielleicht findet Ihr diese Frage naiv, ich finde, es geht aber darum, eine angemessene Haltung zu Nachhaltigkeit und Menschlichkeit.

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Pudelcolada, 16

Ich meine, ein globaler Warenaustausch ist unverzichtbar, und es gab ihn auch schon immer im Rahmen der jeweiligen historischen Möglichkeiten.

Spannend finde ich die Frage, wie dieser Warenaustausch organisiert wird und wer in welchem Maß von ihm profitiert.
Hier liegt vieles im Argen.
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Manche Waren müssen ganz einfach international gehandelt werden, um einen Mangel am Zielort zu beheben.
Baumwolle und Kleidung zum Beispiel, die deutsche Baumwollproduktion ist nun mal sehr überschaubar.

Andere Waren werden allein deshalb transportiert und auch hergestellt, um eine künstlich erzeugte Nachfrage zu befriedigen:
Erdbeeren im Januar etwa.

Manche Waren werden nur deshalb transportiert, weil die Transportkosten niedriger sind als die Verarbeitungskosten es wären, würden diese Waren umweltverträglich produziert
Beispiel Nordmeerkrabben: Sie werden bei Grönland gefangen und schockgefrostet, dann per Flugzeug nach Nordafrika transportiert, dort geschält und verpackt, um sie dann dem europäischen Markt zuzuführen.
Warum? Weil die marokkanischen Krabbenpulerinnen so wenig verdienen, dass die Luftfracht sich lohnt.
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Letztendlich zielt Deine Frage m.M.n. in die falsche Richtung:
Nicht "der (globale) Handel" ist das Problem, sondern das Verbraucherverhalten, das mit zunehmendem Wohlstand der Bevölkerung immer maßloser und weniger durchdacht wirkt.

Würden die Konsumenten ihren Verbrauch und Einkauf bewusster gestalten, gäbe es für viele Auswüchse keine Absatzmöglichkeiten, also keinen Markt.
Das bedeutet für mich z.B. saisonale Produkte zu bevorzugen, im Winter auf Erdbeeren auch mal bewusst zu verzichten, ebenso auf Minze.

Auf die Herkunft zu achten: Nichts gegen Spanien und Israel, aber die Landwirtschaften beider Länder bauen sehr "durstige" Früchte an und betreiben damit Raubbau am örtlichen Grundwasser für die Exportwirtschaft.
Womit ich wieder bei Erdbeeren und Minze außerhalb der Saison bin...

Beispiel Schnittblumen: Du glaubst, die Niederlande wären "der" große Produzent?
Falsch. Jede Nacht landen die Flugzeuge mit Schnittblumen aus Kenia in Europa, muss das sein?
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Die nächste Frage ist: Wie kann ich durch mein eigenes Verbraucherverhalten zu mehr Lohngerechtigkeit in den Erzeugerländern beitragen?
Wir alle wollen gerecht entlohnt werden und von unserem Lohn ein würdiges Leben führen können, aber beim Einkauf hört der Spaß dann schnell wieder auf:
Da greifen wir bedenkenlos zu Billigprodukten und blenden Themen wie Kinderarbeit und Ausbeutung von Landarbeitern in den Erzeugerländern bedenkenlos aus.

Damit schließe ich meine Gedanken...

Kommentar von Interesierter ,

Ein in weiten Teilen sehr differenzierter und gut durchdachter Beitrag.

Nur bei einem Punkt möchte ich dich bitten, nochmals einen Schritt weiter zu denken. Das ist die sog. Billigware aus Niedriglohnländern. Hier musst du beachten, dass der für unsere Verhältnisse ausbeuterische Lohn innerhalb des Lieferlandes vollkommen normal ist und dort nicht als Ausbeutung wahrgenommen wird.

Oftmals ist es sogar so, dass die Produktion der Waren in den Produkionsländern positive Effekte mit sich bringt, da hierdurch Arbeitsplätze schafft und dringend benötigte Devisen ins Land bringt.

Kommentar von Pudelcolada ,

Du hast einerseits völlig recht, bei der Forderung nach gerechter Entlohnung müssen natürlich Kaufkraft und örtliches Lohngefüge berücksichtigt werden.

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Andererseits habe ich die z.B. die Bilder aus Bangladesh vor Augen, wie sie vor etwa zwei Jahren durch die Medien gingen, oder die entsetzlichen Lebensumstände vieler chinesischer Arbeiterinnen und Wanderarbeiter.
Vor einiger Zeit haben die Arbeiter der Fahrradreifenfabriken in Bangladesh gestreikt, für mehr Arbeitssicherheit und einen Lohn, der es ihnen erlaubt, ihre Kinder auf Schulen statt zum Arbeiten zu schicken. Dort lassen etwa Schwalbe und Continental produzieren.

Oder nimm die Stoff- und Kleidungsproduktion: Schon die Jeanswaschung und Näherei in der Türkei ist wesentlich menschenwürdiger als die in Fernost, kostet allerdings mindestens das drei- bis fünffache in €, inklusive Transport.
Diese Kosten muss der Konsument bereit sein zu tragen, ist er aber häufig nicht.

Thema Kakao: Eltern leben in so bitterer Armut, dass sie ihre Kinder auf Zeit an Plantagenbesitzer vermieten müssen. Wenn diese Kinder 12 Jahre alt sind, werden ihre Hände zu groß, um den Akkord zu erfüllen, ohne die Pflanzen zu beschädigen. Bis dahin erleiden sie häufig Wachstums- und körperliche Entwicklungsstörungen, weil sie nur notdürftig am Leben erhalten werden.
Danach sind sie und ihre Eltern genauso arm wie vorher.
Wenn ich schon Schokolade kaufe, dann will ich nicht heulen müssen dabei.

Oder die Campesinos auf den Bananenplantagen der American Fruit Company: Erst werden sie enteignet und dann vom Betreiber bei völliger Unterbezahlung eingestellt, um ihr ehemaliges Landeigentum weiter zu bewirtschaften. Und dann schau Dir an, wieviel ein Kg Chiquita-Bananen im Supermarkt kostet, die Dinger sind preiswerter als eine kleine Schale regionaler Erdbeeren im Spätjuni.
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Von daher: Arbeitsplätze sind wichtig, ja!
Aber nicht nur wir haben das Recht auf ein menschenwürdiges Leben durch die eigene Arbeit.
Und als Konsumenten haben wir nicht nur Rechte, ich sehe uns genauso in der Pflicht und Bringschuld als kleinen Ausgleich des unglaublichen sozialen Gefälles.

Dennoch behaupte ich nicht, dass sämtliche Zustände überall dermaßen gruselig und entwürdigend sind, von daher ist Dein Einwand durchaus berechtigt.
Allerdings sehen sich Betreiber, die ihren Arbeiter einen besseren oder sogar gerechten Lohn bezahlen wollen, der Gefahr ausgesetzt, nicht konkurrenzfähig produzieren zu können.
Deshalb halte ich Direktverkäufe bei möglichst wenig Zwischenhandel, transparente und extern dokumentierte Produktionsbedingungen, Unterstützung genossenschaftlicher Produktionen und Fair-Trade-Projekte für absolut notwendig.

Und Devisen: Auch hier hast Du recht, zweifellos!
Allerdings stellt sich mir immer die Frage, wer der Nutznießer der Devisen ist?
Bei dieser Frage landen wir sehr schnell bei staatlicher Korruption, Vetternwirtschaft, Steuersystemen...

Kommentar von Pudelcolada ,

Danke für den Stern!

Antwort
von Interesierter, 32

Ohne globalen Handel sähe unser Leben hier in Deutschland ganz anders aus. 

Ohne globalen Handel, hätten wir keinen Kaffee, keinen Kakao und keinen Tee. Es gäbe keine Südfrüchte und dein Gewürzschrank wäre auch sehr überschaubar. 

Computer, Handys sowie alle anderen Arten elektronischer Geräte wären unerschwinglich teuer, da viele Materialien, die für die Herstellung notwendig sind, hier nicht vorkommen. 

Unsere Wirtschaft wäre nur ein kümmerliches Gebilde, da die notwendigen Rohstoffe wie z.B. Erze, Metalle und Energieträger wie Öl und Gas in Deutschland nicht bzw. nicht in der erforderlichen Menge gefördert werden können. 

Ohne globalen Handel wäre Deutschland ein Entwicklungsland. 

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Natürlich ist man vom globalen Handel so abhängig, wenn man so sehr seit Jahren auf dieses Pferd setzt. Die Frage ist ja, ob es grundsätzlich nötig ist, und ob die Vorteile für für Umwelt und Entwicklungsländer nicht überwiegen.

Dass der steigende globale Handel die Situation vieler Entwicklungsländern möglicherweise verbessert, ist doch aus Sicht der Industrieländer doch nur "Kollateralnutzen". Man könnte doch einfach die lokale Produktion subventionieren, ohne diese nach Europa zu verfrachten.

Kommentar von Interesierter ,

Natürlich, alles ist letztlich möglich. Wir können auch unser jetziges Leben aufgeben und wieder auf den Bäumen leben. Für die Umwelt wäre das sicherlich das Beste. Ob du dafür allerdings eine demokratisch legitimierte Mehrheit findest, wage ich zu bezweifeln. 

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Es geht ja nicht darum, eine Mehrheit zu finden, sondern herauszufinden, was richtig ist.

Kommentar von Interesierter ,

Wenn du meinst, es wäre richtig, Wohlstand, Bildung und Gesundheit aufzugeben, dann wäre dein Vorhaben eine Alternative. 

In einer Demokratie geht es sehr wohl darum, das zu tun, was die Mehrheit will. Das ist das Wesen der Demokratie. 

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Ich meinte, mir geht es darum, herauszufinden, was richtig ist. Mit welcher Begründung meinst Du, Bildung müsste man mit "meinem" Vorhaben aufgeben? Bei Wohlstand und Gesundheit kann ich mir Deine Gründe ja vorstellen.

Kommentar von Interesierter ,

Bildung ist in hohem Maße abhängig vom Wohlstand eines Landes, denn Bildung kostet Geld. 

Deutschland und die allermeisten Länder der Welt könnten sich teuer Bildungsssteme schlicht und einfach nicht mehr leisten. 

Kommentar von Pudelcolada ,

@ Interessierter: Das sehe ich anders. Die Finanzierung von Bildungssystemen ist gerade in wirtschaftlich starken Staaten wie Deutschland eine politisch motivierte Verteilungsfrage.

Selbstverständlich könnte sich Deutschland ein vernünftiges Bildungssystem leisten und sollte dies auch tun.

Kommentar von Interesierter ,

Du solltest dir dabei vergegenwärtigen, wie unsere Wirtschaft ohne globalen Handel aussähe. Energie und Rohstoffe wären nicht wie jetzt frei verfügbar. Genauso gäbe es für unsere Produkte nur den Binnenmarkt als Absatzmöglichkeit.

Ohne globalen Handel wäre Deutschland ein Entwicklungsland.

Die Vorstellung, man müsste nur auf ein paar unwichtige Produkte aus dem Supermarkt verzichten, ist etwas naiv.

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Wenn man mal über das Wort "Entwicklungsland" so nachdenkt, wäre Deutschland in so einem Fall wirklich ein Entwicklungsland, nämlich ein Land, dass sich entwickeln muss, und zwar in eine grundsätzlich ökologischere, nachhaltiger Richtung und freundlicher gegenüber wirtschaftlich schwachen Staaten.


Das mit den Lebensmitteln war nur ein Beispiel, nicht mehr.

Kommentar von Interesierter ,

Dann stell dem deutschen Wähler die Frage, ob er für die Verwirklichung dieser Ziele seinen Wohlstand opfern will. Das Ergebnis dürfte sehr deutlich ausfallen.

Antwort
von Gamovie, 32

Ideologie ist glaube ich schon das richtige Stichwort aber:

Das fängt für mich schon mit der Frage an:
Hat ein Land wie Deutschland mit 226,5 Einwohnern pro Quadratkilometer überhaupt genug Nahrung anbauen um alle zu versorgen ?

Es ist halt immer schwer über Themen zu Diskutieren die praktisch nicht umsetzbar sind.
OK Du kannst meinetwegen auf Kaffe verzichten aber kannst Du auch auf all die Bücher verzichten die im Ausland gebunden und gedruckt werden UND, ,wider das Problem, gibt es genügend Deutsche die genügend Bücher binden können um den deutschen Markt zu sättigen.

Die DDR ist vermutlich das was am nächsten an das Käme was Du Dir vorstellst und naja ... hat nich wirklich gut funktioniert.

Vielleicht keine tolle Antwort aber bei der Frage rechnest Du wohl eher mit einer Diskussion. 
Wie kamst Du zu der Frage ?

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Wenn man so einen nachhaltigen Unterschied macht, würde ich gerne auf Bücher, die im Ausland gedruckt wurden, und auch auf noch mehr verzichten.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Deutschland lebt vom Export......ich weiß nicht , ob du dir das überhaupt vorstellen kannst , aber unser Wohlstand basiert auf der Tatsache , dass wir unsere Produkte in die ganze Welt exportieren . 

Es sähe hierzulande traurig aus , wenn nicht allein unsere Autoindustrie ( + alle Zulieferer ) den globalen Handel nutzen könnte.....

Dein Ansinnen ist dermaßen kurz gedacht , dass ich nur den Kopf schütteln kann und ich habe keine Lust , dir diese Zusammenhänge darzulegen , ich überlasse es auch deiner Phantasie.......

btw - schon im Mittelalter gab es bei uns Güter aus Asien .......sagen dir die Namen " Seidenstraße " oder " Salzstraße " vllt etwas ? 

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Ich finde, dass mein Gedankengang gar nicht kurz gedacht ist, sondern nun mal sehr visionär. Es geht mir um eine Grundsätzlichkeit. Wenn Du mir die Zusammenhänge aus Deiner Sicht nicht darstellen willst, ist das ja in Ordnung.

Ich bin mir im Klaren, dass Deutschland ein Exportland ist. Wenn Güter im Mittelalter schon über die Seidenstraße von China hierher gebracht wurden, unterlag das sicher nicht den Problemen, wie Ökologie oder nachhaltiges Wirtschaften gegenüber Entwicklungsländern, denen sich die Welt heutzutage stellen müsste.

Kommentar von Dirndlschneider ,

Nur noch ein kurzer Gedankengang : Wie jeder weiß hat China ( Asien ) große Probleme mit Umweltschutz - wie sind diese in den Griff zu bekommen ? 

Es ist sehr vieles schon entwickelt in den westlichen Ländern auf Grund unserer seit der Industrialisierung angewachsenen und mittlerweile effizient in Angriff genommenen Probleme und die Asiaten müssen dies nur noch übernehmen - d.h. sie müssen nicht den langen Weg von " try und error " gehen , wie wir ihn hinter uns haben . 

Auch das nenne ich " Export ", nämlich den Austausch von Know how in diesem Bereich . 

Jo , ich höre dich schon wieder maulen.......dass diese Länder keine Umweltprobleme hätten , wenn nicht unsere unstillbare Gier nach Billigwaren sie dazu gezwungen hätte , auf Teufel komm raus zu produzieren ( es hat einen wahren Kern , aber es war deren Entscheidung ) - ich für meinen Teil sehe die Problematik weitaus pragmatischer .

Schönen Sonntag noch .

Antwort
von zahlenguide, 41

nein, deine aussagen stimmen überhaupt nicht.

erstens die umweltfrage. heutzutage sind produkte, die aus fernen länder kommen meistens besser als produkte, die aus europa kommen. so werden viele nahrungsmittel beispielsweise ein halbes jahr in lagerhäusern gekühlt um das ganze jahr die gleichen produkte im supermarkt anbieten zu können. produkte die frisch aus den fernen ländern verschifft werden, werden dagegen direkt in den laden gebracht und sind aufgrund modernster schiffsflotten heutzutage viel umweltschonender als der "europäische weg".

zweitens die gesundheitsfrage. viele krankheiten entstehen, weil unsere böden ausgelaugt sind und wir zu wenig mineralstoffe zu uns nehmen (selbst wenn wir recht gesund essen). wenn wir dagegen exotische früchte aus fernen ländern essen, kommen viele tatsächlich aus der natur - z.B. kokosnüsse) auch merkt man z.B. wenn man wein trinkt, dass wein aus südafrika/ lateinamerika/ australien/ neuseeland viel viel mineralischer ist als europäischer wein, weil die böden noch nicht über jahrhunderte auslaugt wurden. es können also durchaus krankheiten vermieden werden, wenn man mehr exotische früchte isst und der heißhunger auf süßigkeiten wird dadurch auch oft verringert.

drittens die soziale frage. der fortschritt technologischer fragen hat arme regionen wie in afrika verändert. wenn z.B. ein armes dorf eine waschmaschine heute hat, bedeutet das konkret, das die menschen nicht extra stundenlang durch die natur laufen müssen um wasser zu holen und ihre zeit z.B. in ihren wohlstand stecken können. dies führte dazu, dass alleine in den letzten 15 jahres es 295 millionen menschen weniger gab, die an ständigem hunger leiden. derzeit haben wir 11 bis 12 prozent menschen, die an ständigem hunger leiden. noch in den 60er jahren waren es mehr als 60 prozent. übrigens in der so viel gelobten zeit der "aufklärung" waren es 95 prozent, die von der hand in den mund gelebt haben.

zum ersten mal in der menschheitsgeschichte gibt es deutlich weniger kriegsopfer, deutlich weniger hunger und der mittelstand wächst auf der ganzen welt (china, nordindien, lateinamerika, teile afrikas...)

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Der weltweite Mittelstand schrumpft sicher. Das sieht man doch zurzeit an den USA, und in China werden auch nur wenige Leute immer reicher. Der große Teil wird immer ärmer.

Das Produkte, wie Äpfel, gekühlt werden, damit sie auch außerhalb der Saison verfügbar sind, weiß ich. Frage ist, ob man darauf nicht auch verzichten könnte. Das Nahrungsangebot würde natürlich um einiges dünner werden. Aber sollte man nicht einfach mal seine Luxusbedürfnisse zurückstecken?

Ich will mich hier nicht als Vorbild darstellen. Aber meine Ansicht, auf Kaffee usw. zu verzichten, was natürlich nur einen Bruchteil ausmacht, kann doch nicht so falsch sein, oder?

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Produkte aus Übersee sind übrigens nicht umweltschonender, sondern noch immer leicht umweltschädlicher. Das Kühlhäuser das kleinere Übel ist, sollte aber auch klar sein.

Kommentar von zahlenguide ,

sorry, aber es ist einfach so, dass gerade bei nahrungsmitteln diese umweltschonender sind als dauergekühlte lebensmittel aus europa. haben professoren ganz klar ausgerechnet und lässt sich auch leicht erklären. in den letzten jahrzehnten haben unheimlich viele nationen milliarden im modernste schiffe gesteckt. diese schiffe verbrauche am meisten treibstoff, wenn sie anfahren. sobald sie aber eine bestimmte geschwindigkeit erreicht haben und auf bestimmten routen fahren verbrauchen sie sehr wenig energie (besonders wenn man die mengen beachtet, die sich verschiffen)

in europa gibt es sehr viele kühllager, praktisch für jedes obst. dieser permanente hohe energieverbrauch ist auch logisch. welche geräte verbrauchen am meisten energie im haushalt? 1. tiefkühler, 2. kühlschrank, 3. waschmaschine. - eigentlich würde die waschmaschine am meisten verbrauchen, aber dadurch, dass tiefkühler und kühlschrank dauerhaft an sind, sind sie die stromfresser (habe z.B. ein halbes jahr meinen kühlschrank/tiefkühler aus und habe fast 50 euro gespart)

in europa und den usa nimmt der mittelstand ab, weil wir eine übertriebene bürokratie haben. schon seit 40 jahren machen nobelpreisträger z.B. deutschland darauf aufmerksam, dass viele firmen deutschland meiden, weil sie keine lust auf zahllose mitarbeiter haben, die nur für sinnlose bürokratie zuständig sind. auch firmenneugründer scheitern sehr oft an der bürokratie.

china profitiert eindeutig vom kapitalismus. schau dir mal dokus an, wie viel frauen dort verdienen. es gibt auch ausführliche dokus darüber wie in indien der wohlstand bei normalen leuten ansteigt. unsere medien verkaufen nur sehr gerne das bild vom bösen reichen mann, der kleine kinder frisst und uns alle arm machen will. in wirklichkeit ist es aber der staat selbst, der zahllose projekte plant, die keinen wirtschaftlichen sinn machen. warum baut man eins schloss für mehr als eine milliarde, wenn man mit so viel geld auch mittelständische firmen unterstützen könnte, die dann wieder arbeitsplätze schaffen und neue innovationen schaffen? warum fördert berlin drei opern, die null gewinn machen und wo nur ein bruchteil der bevölkerung überhaupt das geld hätte rein zu gehen? warum wird ein flughafen gebaut, der außerhalb der stadt berlin ist, obwohl berlin dafür bewundert wurde einen innenstadtflughafen zu haben? warum? warum? warum? - man sollte wirklich mal überlegen, wer wirklich die "bösen" sind XD

Kommentar von Pudelcolada ,

Ist mir gerade aufgefallen:
Dein Beispiel mit den Opern finde ich nicht passend.
Opern, Schauspiele, Theater, Museen, Büchereien usw. gehören für mich ganz klar zum staatlichen Bildungsauftrag und sollten vom Zwang zur Wirtschaftlichkeit ausgenommen bleiben.

Kommentar von zahlenguide ,

man muss aber über die menge diskutieren (drei opern in berlin!) und darüber wie sowas finanziert wird, wenn nur ein bruchteil der gesellschaftlichen schichten, es sich leisten kann. ich habe lieber eine ordentliche oper (und eine andere wird, wenn gewünscht, von wohlhabenden finanziert und spare das geld jedes jahr für den 64 Milliarden schweren Schuldenberg ein als so einen übertriebenen Luxus auch noch zu finanzieren)

ich war mal (in meinen jungen jahren) im lichtenberger bürgerhaushalt "mitglied". da konnte jeder vorschläge machen wie man eine bestimmte millionen summe am besten ausgeben könne. das geld war natürlich jedes jahr ganz ganz schnell verplant (für absolute luxusprojekte und es war nicht im ansatz wenig geld!). also habe ich - als einziges mitglied - einen vorschlag gemacht wie man statt geld auszugeben, geld in den stadtbezirk investieren könnte und damit sogar richtig geld machen konnte - natürlich wurde das geld am ende für zusätzliche hörbücher in der bibliothek und ähnliche projekte ausgegeben und nichts wurde für investitionen ausgegeben. damals habe ich nicht verstanden warum. heute weiß ich, dass die bezirke bestraft werden, wenn sie am ende des jahres noch geld über haben. dann bekommen sie im nächsten jahr weniger geld. daher haben viele bezirke gar kein interesse zu sparen und bestellen lieber mehr geld (in einigen bezirken ist das auch nötig - aber eben nicht in allen XD)

Antwort
von aicas771, 19

Niemand hat alles, was man zum Leben braucht. Deshalb ist Handel notwendig. Dabei ist es gleichgültig, ob der Handel lokal, regional oder global stattfindet.

Gerade der globale Handel bietet heute Milliarden von Menschen (z.B. in China und Indien) erstmals die Möglichkeit, der Armut zu entkommen, weil sie durch die Herstellung von Waren für den Weltmarkt Geld verdienen können.

Der neue Wohlstand dort ist sicher sehr ungleich und ungerecht verteilt. Aber jetzt gibt es wenigstens etwas zu verteilen.

Handel fördert durchaus auch nachhaltiges Wirtschaften, weil man dann dort produziert, wo es am besten geht, statt mit Gewalt dort, wo die Nachfrage ist.

Menschlichkeit ist eine Frage der Verteilungsgerechtigkeit. Das ist eine politische Frage und hat mit Handel erst einmal nichts zu tun.

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Es mir um Umweltverträglichkeit und Gerechtigkeit gegenüber Entwicklungsländern. Dass auch diese Entwicklungsländer unter globalem Handel leidern, zeigen ja Freihandelsabkommen oder die EU-Agrarsubventionen.

Kommentar von aicas771 ,

Ohne globalen Handel ginge es auch den Entwicklungsländern nicht besser als heute. Freihandelsabkommen und Subventionen in den Industrieländern ändern daran nichts.

Wer auf einen Markt geht und nichts hat, was er verkaufen kann, der geht so arm, wie er gekommen ist.

Besser leben kann man nur, wenn man Waren herstellt und verkauft. Am "Waren herstellen und verkaufen" hapert es in den meisten Entwicklungsländern. China, und zuvor Korea und Taiwan haben vorgemacht, wie es geht.

Antwort
von ThomasNiemt, 32

Schalt Deinen Computer aus und gibt ihn dem Händler zurück. Denn wenn Du keinen globalen Handel brauchst, dann brauchst Du auch keinen Computer. Ich kann übrigens nicht auf Kaffee verzichten und mein Urteil ist mir wichtiger als Deins, also machen wir doch mein Urteil zur Grundlage der Entscheidung - oder? In Deutsch: Wie kommst Du dazu, deine Präferenzen anderen vorschreiben zu wollen?

Kommentar von MrMcSauerkraut ,

Ich bin im Klaren, dass ich meinen Computer wohl ohne globalen Handel nicht hätte. Wir sind nun mal alle in diesem System gefangen. Wenn es nur lokal produzierte elektronische Geräte gäbe, würde ich so eines sofort vorziehen, wenn ich es brauchen würde.

Wem schreibe ich denn meine Präferenzen vor. Sie sind nur Teil meiner Argumentation..

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