Frage von Kovalchuk, 194

Ist folgendes Sprach-Problem noch akzeptabel oder 'zu viel'?

Mein Vater, also der Opa meiner Tochter, kommt aus der Türkei. Er kann Türkisch und Deutsch. Meine Tochter kann kein Wort Türkisch und trotzdem spricht mein Vater sie oft auf Türkisch an. Sie ist schon 13, also wird auch kein Türkisch mehr lernen und hat darauf auch keine Lust. Mein Vater sieht das nicht ein und wirkt psychisch verwirrt und ignorant, wenn er mit seiner Enkelin auf Türkisch redet obwohl sie kein Türkisch kann. Sie ist natürlich irretiert und fühlt sich dabei (zurecht und verständlich) sehr unwohl, weil sie ihren Opa mag. Ich denke, dass er sich türkischsprachige Enkel gewünscht hat und nicht einsieht, dass es nicht so ist.

Ich habe mit ihm schon oft gesprochen, er zeigt sich uneinsichtig und macht es trotzdem weiter.

Irgedwie hat jeder psychische Macken, aber irgendwie finde ich das Verhalten meines Vaters sehr respektlos und egoistisch.

Was kann ich machen ? Selbst Kontaktabbruch schließe ich nicht mehr aus.

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Antwort
von Zicke52, 84

Ich finde, du zeigst deinem Vater gegenüber viel Herzenskälte, aber ich will dich nicht verurteilen, vielleicht habt ihr aus anderen Gründen keine gute Beziehung zueinander.  

Ich weiss nicht, ob Türkisch auch deine Muttersprache ist, in diesem Fall wären die Voraussetzungen natürlich ideal gewesen, das Kind zweisprachig zu erziehen. Auch jetzt könnte es noch türkisch lernen, aber wenn es daran nicht interessiert ist, muss man das natürlich akzeptieren.

Ich glaube, deinen Vater macht es traurig, dass seine Enkelin den türkischen Teil ihrer Wurzeln so kategorisch ablehnt, dadurch fühlt er sich selber abgelehnt. Was hat das mit Verwirrung zu tun? Und wenn deine Tochter ihren Opa mag, was spricht dagegen, dass sie ihn fragt, wenn er sie das nächste mal türkisch anspricht: "Opa, erklärt mir, was das auf deutsch heisst"?  Sie muss ja nicht gleich türkisch lernen, aber sich einen minimalen Wortschatz (Bitte/Danke/Wie wird das Wetter) beibringen zu lassen, bricht keinem einen Zacken aus der Krone. Das tut jeder Tourist vor einem Auslandsurlaub. Du kannst ihr erklären, dass es ihrem Opa einfach eine Freude machen würde, wenn sie sich seiner Sprache/Kultur gegenüber ein bisschen interessiert zeigt. Vielleicht können die beiden ja auch mal gemeinsam eine Reise in die Türkei machen.

Wenn du deinem Vater deshalb gleich psychische Macken unterstellst und schon einen Kontakabbruch überlegst, liegt zwischen euch wohl einiges im Argen. Aber wenn deine Tochter ihn mag, ist das eine sehr riskante Lösung, es könnte ihr später schwere Schuldgefühle verursachen, wenn ihr Opa mal nicht mehr ist. In ihrem Alter denkt man an sowas nicht, aber ich weiss aus eigener Erfahrung, wie es ist, wenn man später das Gefühl hat,  man war ungerecht oder lieblos zu einem Menschen, und es zu spät ist, das auszugleichen. Also glaub mir, du tust deiner Tochter einen grossen Gefallen, wenn du ihr ein bisschen Verständnis für Ihren Großvater beibringst. 

Antwort
von Indivia, 50

Ich denk falsch wäre es nciht gewesen ein kind zweisprachig aufzuziehen,wenn man die Möglichkeit dazu gehabt hätte, ich denke für den Arbeitsmarkt hätte es hilfreich sien können.

Aber ok, ihr habt euch entschiden, kann es sein das dein Vater noch sehr an seinen Traditionen fest hält und Sprache für ihn auch ein Stück Heimat ist?

Hast du mit ihm schon mal darüber gesprochen,warum ihr euch dazu entschieden ahbt, dem Kind die Sprache nciht beizubrrigen? Vielleicht wäre es dann für ihn verständlicher.

Antwort
von FelixFoxx, 69

Deine Tochter sollte ihrem Opa erklären, dass sie kein Türkisch kann und es auch nicht lernen möchte und dass er bitte Deutsch mit ihr reden möge.

Antwort
von Accountowner08, 44

Ach, wenn deine Tochter 13 ist, kannst du es ihr überlassen, wie sie damit umgeht... Vielleicht nutzt es was, wenn sie ihm zeigt, dass sie nicht versteht (= nicht das macht, was er will).

Antwort
von Klaus02, 89

Ihr könnt beim Hausarzt abklären lassen ob es sich im beginnende Demenz handelt. Die Symptome passen.
Ihr musst ihn aber behutsam auf den arztbesuch vorbereiten
LGKlaus

Kommentar von Hardware02 ,

Das war auch mein Gedanke. ... Um die Situation zu entschärfen, würde ich deiner Tochter vielleicht doch ein paar Grundbegriffe Türkisch beibringen. Denn wenn es wirklich Demenz sein sollte, dann wird das nicht besser, eher noch schlimmer.

Und da halte ich es für besser, sich ein bisschen mit einer Sprache zu  plagen, die man eigentlich nicht lernen wollte, als gleich den Kontakt abzubrechen!

Kommentar von Klaus02 ,

Es schadet auch nicht wenn man ein paar Sätze türkisch kann.

Wichtiger ist, das man dann das verhalten des Großvaters verstehen kann. Damit ist dann geklärt das er sein Enkelkind so akzeptiert wie es ist. Gerade in diesem Alter wo man seine Persönlichkeit so stark entwickelt ist das sehr wichtig.

Demenzkranke spiegeln oft die Stimmungen ihrer Mitmenschen. Sind diese schlecht gelaunt werden sie wütend, lächeln diese werden sie fröhlich und heiter. Deshalb ist es wichtig auf eine freundliche Art und Weise zu reagieren wenn er mit seinem türkisch anfängt.

Es gebt Behandlungsmethoden für Demenzkranke die das fortschreiten der Erkrankung aufhält oder zumindest deutlich verlangsamen. Auch die Diagnose selbst wird oft als Erleichterung empfunden, da man damit vieles in seinem Leben erklären kann. Trotzdem fällt der erste Schritt zum Arzt meist nicht leicht und sollte deshalb behutsam vorbereitet werden.

http://www.vitanet.de/videos-selbsttests/demenz/selbsttest-demenz-eva

Es ist wichtig zu wissen das es Hilfe gibt, man ist nicht alleine. Weder als Betroffener noch als Angehöriger.

Kommentar von gamine ,

Ich würde beim Hausarzt eher abklären lassen, ob bei der Tochter was nicht stimmt. Es ist doch höchst seltsam, dass ein Kind immer wieder in einer Sprache angesprochen wird und rein gar nichts hängen bleibt???

Kommentar von Klaus02 ,

Lieber gamine. Auch wenn sich das für dich anders anfühlt, wenn jemand sich in die neue Kultur in der er (in dritter Generation) lebt eingliedert bedeutet das keinesfalls das er das Land seiner Großeltern ablehnt. Im Ruhrgebiet kenne ich Deutsche mit polnischen Namen. Auf nachfrage erfährt man dann das ihre Vorfahren aus Polen stammen. Die sprechen Deutsch, denken Deutsch und leben Deutsch (was auch immer man darunter versteht) Das ist doch in Ordnung.

Was ist das Problem bei den Türken. Da ist jemand der die Türkei als seine Vergangenheit betrachtet. Das ist das Land aus dem ihre Großeltern kommen. Da macht man auch einmal Urlaub und geniest das schöne Wetter. Den Rest des Jahres lebt man in Deutschland und man richtet sich hier ein. Man geht zur Schule, macht eine Ausbildung und beginnt zu Arbeiten. Man sucht sich Freunde, geht in Vereine und streitet sich mit den Nachbarn. Man lebt seinen Glauben und lässt seine Mitmenschen in Frieden.

Wenn sie kein Türkisch lernen will ist das ihr gutes Recht, du hast nicht zu bestimmen wofür sie sich zu interessieren hat. Es ist vollkommen normal das man die Dinge der Großeltern respektiert und selbst etwas anderes machen will. So etwas nennt man Fortschritt.

Antwort
von gamine, 21

Ich verstehe dein Problem nicht, ausser du sagst, du fühlst dich unwohl, weil du nicht verstehst, was er zu ihr sagt. Ergreif doch die Gelegenheit beim Schopf und lerne mit deiner Tochter türkisch...

Sie ist schon 13, also wird auch kein Türkisch mehr lernen

Meine Tochter ist 16 und fängt jetzt an, spanisch zu lernen. Jede neue Sprache erweitert den Geist ungemein, da man in jeder Sprache auf ganz andere Weise denken muss.

Antwort
von resaone, 79

Mhm..
Also ich habe so was ähnliches mit meiner Freundin. Ihre Eltern sind Polen, sprechen auch nur sehr gebrochen deutsch. Leben allerdings schon seit 25jahren hier und gehen auch arbeiten.
Natürlich verstehe ich sehr viel(vor allem wenn die anfangen zu lästern, und meine. Ich solle polnisch lernen). Irgendwann habe ich denen dann gesagt, dass es kein ding ist ob ich polnisch sprechen will oder nicht. Solange ich in Deutschland lebe, muss ich nur deutsch sprechen. Ich spreche zwar deutsch und englisch, aber verstehe sehr viel polnisch, arabisch und türkisch(Umfeld sei dank).
Ich bin der Meinung, dass es jedem selbst überlassen sein soll. Wenn einer Interesse an Fremdsprachen hat, soll man des natürlich fördern aber eben nicht erzwingen.
Familie hin oder her, wenn die Familie unbedingt drauf besteht sich anderen mitzuteilen, dann kann man des ruhig auf dessen Landessprache tun.

Ich habe Familie in Amerika, spreche aber eher fragwürdiges amerikanisch..würde es sich nicht fast alles ableiten lassen aus'm englischen, würde ich mich auch dafür eher nicht interessieren..
Soll sie machen was sie mag :)
Und sag nicht, dass sie mit 13 kein türkisch mehr lernen kann...Ich bin 27 und lerne noch...Also machbar ist es ;) LG

Kommentar von Smileyxyz ,

ich würd jetzt mal behaupten dass man sich ziemlich perfekt in Amerika zurechtfindet wenn man Englisch kann...

Kommentar von Zicke52 ,

Allerdings,  daß würde ich auch - so wie man sich als Österreicher in Deutschland zurechtfindet...

Kommentar von resaone ,

amerikanisch ist an sich wie englisch, dass stimmt. viele wortkombinationen und die verwaschene aussprache allerdings sind eine andere. zu vergleichen wäre es mit hochdeutsch und bayrisch oder wie ein alter ostberliner. man versteht es, muss aber hier und da dann doch nachfragen. gerade der ami, spricht extrem verwaschen und vorallem schnell. das macht den unterschied. ich kann zwar hochdeutsch, bei plattdeutsch oder bayrisch wirds dann aber schon sehr sehr schwer.

Antwort
von Dahika, 20

Meine Güte, der Opa spricht mit der Enkelin türkisch. Du erwägst deswegen einen Kontaktabbruch? Weswegen denn? DAs Kind wird nicht geschlagen vom Opa.

Erkläre deiner Tochter halt, dass der Opa mit ihr türkisch redet. Sie kann ihm ja sagen, dass sie ihn versteht.

ABer deswegen gleich Kontaktabbruch? Kopfschüttel !!!

Antwort
von sternenmeer57, 63

Ich find zwei - oder mehrsprachig aufzuwachsen schön , aber das muss jeder für sich entscheiden

Antwort
von gadus, 71

Wenn dein Vater Tuerke ist,bist du doch auch Tuerkin (evtl.in Deutschland geboren).Du haettest ja deiner Tochter auch tuerkisch beibringen koennen.Bei Kindern geht das spielend.So waere es zu diesem Problem erst garnicht gekommen.Mein Sohn hat von klein an die Sprache der Mutter (singhalesisch) und die Sprache des Vaters (deutsch) gelernt.   LG  gadus

Kommentar von Zicke52 ,

Gadus,  super Einstellung. Abgesehen vom ungemeinen Vorteil, zweisprachig aufzuwachsen, ermöglicht man dadurch dem Kind den Kontakt mit dem jeweiligen ausländischen Teil der Familie  (Großeltern, Onkel, Kusins). Was für eine Bereicherung!

Antwort
von neredboyHD, 92

Dann bring deine Tochter und deinen Vater nicht mehr zusammen bis er sich geändert hat... Deutsch ist wichtig, ich versteh nicht warum sich manche so querlegen

Kommentar von Zicke52 ,

neredboy,  warum so schroff? Seit wann bedeutet das Lernen einer Fremdsprache, dass Deutsch nicht wichtig ist?

Ich lebe in Frankreich und kenne einige Deutsche hier. Die meisten haben ihre Kinder zweisprachig erzogen und sie in deutsch/französische Kindergärten und/oder Schulen geschickt. Was soll daran schlecht sein?

Ich finde ja,  es steht jedem frei, Fremdsprachen zu lernen oder nicht, ich bewerte das überhaupt nicht. Aber nun besonders stolz darauf zu sein, sich auf eine Sprache zu beschränken, finde ich auch übertrieben.

Kommentar von neredboyHD ,

dass sich der Vater weigert mit der Enkelin deutsch zu sprechen finde ich schon eine grobe Missachtung (die Fragestellerin hat doch geschrieben dass er gut deutsch kann... das Kind aber kein Wort türkisch)

Kommentar von Zicke52 ,

Ja und? Das ist doch kein Grund, den Kontakt abzubrechen. Der Vater hätte halt auch gerne was von seiner Kultur weitergegeben und empfindet das Abblocken als Kränkung. Dem kann man auch mit etwas Verständnis entgegen.

Wenn deine Kinder ins Ausland ziehen und dort Kinder bekommen, würdest du dich doch auch freuen,  wenn diese auch deutsch lernen, oder?

Kommentar von neredboyHD ,

wer spricht denn von abbrechen...

Kommentar von neredboyHD ,

und die Kultur kann er sicher auch so weitergeben ohne unbedingt türkisch oder so sprechen zu müssen...

Antwort
von DerMann123123, 45

Nun der erste Fehler liegt bei dir, tut mir Leid. Wieso hast du deiner Tochter nicht türkisch beigebracht? Jeder sollte schon seine Muttersprache beherrschen können. Das ist eine sehr große Verlust. 

Tja... das nennt man Assimilation und hat nichts mit Integration zu tun. 

Es gibt sehr viele mit zweitsprachig aufgewachsene Kinder, die beide Sprachen sehr gut beherrschen. Dies hat natürlich zukünftige Vorteile im Beruf etc.

Kommentar von Kovalchuk ,

Weil türkisch nicht meine Muttersprache ist und die Mutter meiner Tochter kein Türkisch sprach. Sie ist bei ihrer Mutter aufgewachsen, diese ist aber verstorben. 

Es gab leider keine Möglichkeit ihr Türkisch beizubringen. Ausserdem entscveiden die Eltern und nicht die Großeltern über sowas. 

Kommentar von Zicke52 ,

@Kovalchuk: das lässt das Ganze in einem anderen Licht erscheinen,  wäre gut gewesen, das in deiner Frage zu erwähnen, da sich ohne diese Information  viele Leute auf die falsche Piste begeben haben.

Deinem Vater kann also die Weitergabe seine Sprache an die folgenden Generationen nicht sooo wichtig sein, sonst hätte er ja die Voraussetzungen dafür geschaffen, indem er dir erstmal seine Muttersprache beibringt. Da er das nicht getan hat, kann er dir nun wirklich keinen Vorwurf machen.

Es wäre also interessant, herauszufinden, was ihn jetzt motiviert. Nostalgie nach seiner Jugend/Heimat? Vielleicht sieht er es auch als eine Art Spiel, eine augenzwinkernde Identifikation "hallo, ich bin's, dein türkischer Opa!". Deine Tochter könnte darauf eingehen, die beiden könnten bei jedem Treffen 2-3 türkische Phrasen wechseln und dann auf Deutsch umsteigen. Zusätzlich könnte sie ihm Fragen nach seine Heimat und seiner Kindheit stellen, vielleicht würde er gerne davon erzählen.

Du sagst, du hättest schon öfter mit ihm darüber gesprochen, was sagt er denn zu seiner Motivation? Oder hast du ihn das gar nicht gefragt, sondern ihm nur Vorwürfe gemacht? 

Deine  Tochter hat ihre Mutter sehr jung verloren, daher ist der Rest der Familie umso wichtiger für sie, und Großeltern sind nach den Eltern ja die wichtigsten Bezugpersonen. Tut also alles, mit gegenseitigem Verständnis aufeinander zuzugehen und ein gutes Miteinander zu schaffen. 

Antwort
von arevo, 48

Solche Fragen sind durchaus berechtigt, aber nicht im Bereich Religion.

Ich finde das, was Du über Deinen Großvater schreibst sehr " respektlos ".Ich kenne solche Fälle und es ist nur zu verständlich, dass er mit der Enkelin Türkisch sprechen möchte.


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